Mad Men 7x03

Mad Men 7x03

Nach der starken Episode aus der Vorwoche wird in der neuen Episode von Mad Men erst einmal gefühlt einen Gang runtergeschaltet. Field Trip ist dennoch eine sehr interessante Folge, in der viel passiert und die sich auch durch den kurzweiligen Humor der Dramaserie auszeichnen kann.

Ist das Warten leid und greift endlich selbst zum Hörer: Don Draper (Jon Hamm) in „Field Trip“. / (c) AMC
Ist das Warten leid und greift endlich selbst zum Hörer: Don Draper (Jon Hamm) in „Field Trip“. / (c) AMC

In der neuen und gleichzeitig letzten Staffel von Mad Men kann man sich jede Woche auf ein Neues fragen, wie tief ein Don Draper noch sinken kann. Der Staffelauftakt hat deutlich gemacht, dass sich Don derzeit in einem absoluten Tief befindet. Letzte Woche stellte das Aufeinandertreffen mit seiner Tochter Sally einen kleinen Hoffnungsschimmer dar. Die neue Episode Field Trip hält für ihn hingegen sowohl eine schlechte als auch eine gute Nachricht bereit. Zufriedenheit oder gar Erleichterung mag sich bei ihm aber nicht wirklich einstellen.

In Field Trip kommt natürlich auch ein Großteil der anderen Figuren zu Wort, was zweifellos für einige amüsante, aber auch sehr doppeldeutige Momente sorgt. Gleichzeitig bürden sich die Serienmacher hier vielleicht ein wenig viel auf, wird doch immer wieder zwischen den einzelnen Charakteren wild hin- und hergewechselt. Dadurch wirken einige Szenen etwas beliebig und recht zweckmäßig, so sehr es einen auch erfreut, bekannte Gesichter wiederzusehen. Letztendlich kann man „Field Trip“ dennoch eine Menge abgewinnen, was vor allem an den kleinen Details und vielsagenden Nuancen der Episode liegt.

Did you get fired?

Wiederholt werden wir zu Beginn der aktuellen Mad Men-Episode eindringlich darauf hingewiesen, wie sich der Tagesablauf eines Don Drapers (Jon Hamm) in seiner derzeitigen Verfassung gestaltet. Dabei spielt vor allem das Medium des bewegten Bildes eine große Rolle. Jedoch starrt Don hier nicht trist in die Fernsehröhre, er schaut sich im Kino einen Film an („Model Shop“ von 1969). Ohne Frage ist diese Art des Medienkonsums ein Mittel zur Ablenkung für ihn geworden. Von einer frühen Form des Eskapismus zu sprechen, geht eventuell zu weit, doch es ist schon auffällig, wie oft wir eine unserer Hauptfiguren in den letzten Staffeln und auch in den neuen Episoden der siebten Staffel in vergleichbaren Situationen beobachten konnten. So wird nicht nur eine Seite Don Drapers ergründet - auch das Medium Fernsehen und die Filmindustrie wird subtil immer mehr in den Fokus gerückt, entsprechend der zeitlichen Epoche, in der wir uns hier bewegen.

Hinsichtlich Dons „Arbeit“ bei Sterling Cooper & Partners läuft es für ihn auch immer schlechter, denn seine letzte direkte Verbindung zur Agentur über Dawn (Teyonah Parris) scheint jetzt ebenfalls abzubrechen. Diese ist aufgrund ihrer neuen Aufgabe in der Firma voll ausgelastet, so dass Don zu kurz kommt, was ihn wiederum sichtlich verärgert. Dabei projeziert er seine Unzufriedenheit auf Dawn und deren Unverlässlichkeit, wobei er selbst am besten weiß, dass er für seine schlechte Lage verantwortlich ist.

Zu allem Überfluss bekommt Don auch noch eine Nachricht von seiner Frau Megan (Jessica Paré) aus Los Angeles. Ihr Agent macht sich nämlich Sorgen, dass sich diese zu sehr anbiedern könnte, weil sie verzweifelt nach einer Anstellung als Schauspielerin sucht. Don nimmt die Warnung ernst und zeigt guten Willen, seine Ehe wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, als er sich dazu entscheidet, Megan spontan einen Besuch abzustatten.

This is the way it ends

Dieser verläuft jedoch alles andere als gut. Was sich anfangs noch als recht versöhnlich gestaltet, eskaliert in dem anscheinend endgültigen Bruch zwischen Don und Megan. So sehr Don auch versucht, diplomatisch und feinfühlig vorzugehen, aus Megan platzt in dem folgenden Streitgespräch der gesamte Frust heraus, der sich wähernd ihrer Ehe mit Don aufgebaut hatte. Ihre Argumente sind überzeugend und, so sehr manch einer auch seine Probleme mit Megan hatte, man muss ihr recht geben.

Das endgültige Aus zwischen Megan (Jessica Paré) und Don (Jon Hamm)? © AMC
Das endgültige Aus zwischen Megan (Jessica Paré) und Don (Jon Hamm)? © AMC

Don verschließt sich weiterhin ihr gegenüber, gleichzeitig lässt er sich selbst und sein Verhalten von einem verkappten Vaterkomplex dominieren. Bei diesen beiden Sachen handelt es sich wohl um zwei der markantesten Merkmale dieser Figur, die Don schon mehrmals in große Dilemmata gestürzt haben. Es ist dann schon ein wenig überraschend, als Don mit der Wahrheit herausrückt und Megan von seiner Misere erzählt. Dies beweist, dass er seine Ehe um jeden Preis retten will, weiß er doch, dass ihm sonst überhaupt nichts mehr bleiben würde. Megan zieht hingegen endgültig einen Schlussstrich unter der Beziehung zwischen ihr und Don.

Hamms Schauspiel nötigt uns in dieser Szene einiges an Mitleid ab und man wünscht sich schon, dass Megan etwas fairer mit ihm umgehen würde. Doch letztendlich war diese Entwicklung in gewisser Art und Weise abzusehen und somit die logische Konsequenz einer Beziehung, welche bereits zuvor mehrmals zum Scheitern verurteilt war. Man hätte einzig erwarten können, dass die Trennung von Megan und Don noch prominenter im Mittelpunkt stehen würde, denn sie kommt, so absehbar sie auch war, dennoch sehr plötzlich. Dons finaler Blick fasst dessen Gemütslage perfekt zusammen und ähnelt womöglich auch dem vieler Zuschauer, die mit einem solchen abrupten Ende der Beziehung eher weniger gerechnet hätten. Für Don scheint der Tiefpunkt nun endgültig erreicht.

I'm really not interested

Auch für Peggy (Elisabeth Moss) geht es weiter bergab, findet sie sich doch ebenfalls in einem kleinen Arbeitstief wieder. Während Ginsberg (Ben Feldman) sich über eine Nominierung für einen Werbepreis freut und sie mit einigen frechen, aber durchaus amüsanten Kommentaren bearbeitet, eckt diese nun erneut bei ihrem Vorgesetzten Lou Avery (Allan Havey) an. Nicht nur, dass ihre Arbeit nicht mehr richtig anzukommen scheint, zusätzlich wird sie auch noch übersehen. Man darf gespannt sein, wohin Peggys Reise in dieser Staffel gehen wird. In den vorangegangen Staffeln wurde sie zu einer Lieblingsfigur vieler Fans aufgebaut, die stets mit ihr mitfieberten. In der siebten Staffel kommt sie etwas ins Straucheln - und dies auf die ständige Abwesenheit ihres Ziehvaters Don zurückzuführen, scheint langsam gar nicht mehr all zu abwegig zu sein.

In der Agentur feiert derweil ein alter Bekannter seinen ersten Auftritt in der neuen Staffel von Mad Men. Harry Crane (Rich Sommer) fristet nach wie vor sein Dasein in der Medienabteilung von Sterling Cooper & Partners. Er muss sich schon länger damit herumplagen, dass er von niemandem ernst genommen wird, wobei gerade seine Sparte einen großen Boom erwarten wird. Er bekommt dann auch ein wenig Stress mit Jim Cutler (Harry Hamlin), der die angespannte Arbeitssituation verschlimmert und eigentlich nur noch seinen Allerwertesten retten will. Treue Fans des Dramas freuen sich über Harrys Auftritt, der in den Augen seiner Kollegen oft zu Unrecht nur die zweite Geige spielt. Dennoch fühlen sich diese Szenen eher wie ein kleiner Bonus an, denn mehr als eine humoristisch gestaltete Erinnerung an den Medienbeauftragten der Agentur mit kleinen Verweisen auf die Zukunft des Werbegeschäfts sind diese kleinen Momentaufnahmen auch kaum.

I wish it was yesterday

Die weitaus interessantere Nebenhandlung bekommt da ein anderer, bisher in der siebten Staffel noch nicht aufgetretener Charakter verpasst. So sehen wir mal wieder Betty (January Jones), die augenscheinlich ihr sorgenfreies Leben als Haus- und Ehefrau eines ambitionierten Politikers genießt. Interessant ist in ihrer Szene die Gegenüberstellung ihres Charakters mit dem ihrer Freundin Francine (Anne Dudek), die unterschiedlicher nicht sein könnte. Francine ist eine waschechte self-made woman, die hart arbeitet und in einem durchschnittlichen Job Geld für sich und ihre Familie verdient. Betty hingegen lebt das leichte Leben in einem schönen Haus, finanziell muss sie sich nicht viele Sorgen machen.

Zusätzlich präsentiert sie sich anfangs durchaus scheinheilig, denn die fürsorgliche Mutterrolle nimmt sie entgegen ihrer Aussage gegenüber Francine auch nicht ein. Ein Hausmädchen betreut Sohnemann Bobby (Mason Vale Cotton) und den jungen Gene. Da kommt es dann doch etwas überraschend, als sich Betty als Begleitperson für einen Trip zu einem Bauernhof anbietet und somit Bobby ein großes Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Betty (January Jones) und Sohnemann Bobby (Mason Vale Cotton) beim gemeinsamen Picknick © AMC
Betty (January Jones) und Sohnemann Bobby (Mason Vale Cotton) beim gemeinsamen Picknick © AMC

Tatsächlich entsteht hier kurz der Eindruck, dass sie sich zumindest als liebe- und verständnisvolle Mutter versucht. Ihre Affektiertheit ist zwar nicht von der Hand zu weisen, und auch ein paar bissige Bemerkungen kann sie sich ob der Freizügigkeit von Bobbys Lehrerin nicht verkneifen. Doch ihre Beziehung mit ihrem Sohn stellt sich als intakt heraus. Er hat große Freude an diesem Ausflug mit seiner Mutter. Jedoch verfällt sie in ihr bekanntes Muster, wofür es gerade mal eine Lappalie benötigt, um sie wieder in ihren alten Trott zu versetzen. Prompt scheint dieser wunderbare Tag wie vergessen und selbst Bobby wünscht sich, es wäre doch wieder gestern - ein Wunsch, den sicherlich viele Charaktere in dieser Episode mit ihm teilen. Es ist erstaunlich, mit welcher Distanz Betty hier agiert. Es verwundert nicht, dass der Bruch zwischen ihr und Tochter Sally (Kiernan Shipka) wohl nur noch schwer zu kitten ist. So sehr sie sich es auch wünscht, es wirkt nicht wirklich so, als wäre Betty in der Lage, die Rolle der liebenden Mutter einzunehmen.

Nice seeing you

Don hat es derweil satt und will sein Glück nun endlich wieder selbst in die Hand nehmen. Dafür kontaktiert er einen alten Bekannten, Dave Wooster (David James Elliot) von der Werbeagentur Wells, Rich, Green, von welchem er auch gleich ein verlockendes Jobangebot bekommt. Wo manch einer schon denkt, dass Don sich abermals zu einer schnellen Affäre hinreißen lässt, klopft er letztendlich an der Hotelzimmertür von Roger (John Slattery), dem er deutlich macht, dass er auf dem Arbeitsmarkt durchaus noch gefragt ist. Gleichzeitig möchte Don aber auch in die Firma zurück, wo er noch einer der Partner ist. Roger hat dagegen nichts einzuwenden, vermisst er Don doch sogar in gewisser Weise bei SC&P. So erhält Don seine feste Anstellung wieder, doch so richtig mag er dem Braten noch nicht trauen - und dem Zuschauer geht es in dieser Situation nicht anders.

Don schlägt dann am nächsten Tag auf seiner Arbeitsstelle auf, was sich als eines der Highlights von Field Trip herausstellt. Nicht nur, dass der Einstieg in diesen Teil der Folge sehr geschickt inszeniert wird, auch die generelle Atmosphäre weiß zu überzeugen. Es fühlt sich wie der erste Arbeitstag für Don Draper an, dementsprechend unentspannt wirkt er auch. Seine „ehemaligen“ Kollegen begrüßen ihn jedoch recht herzlich, zumindest die jungen kreativen Köpfe wie zum Beispiel Ginsberg. Doch natürlich stellen sich viele die Frage, was Don hier zu suchen hat, sollte er doch eigentlich überhaupt nicht mehr zurückkehren...

Stipulations

Lou Avery ist zum Beispiel äußerst erbost über Dons Rückkehr. Interessanterweise bleibt besonders eine Aufnahme im Gedächtnis hängen, in der Don an ihm vorbei in Richtung seines alten beziehungsweise Lous neuem Büro geht, nur um im letzten Moment noch einen Schwenker daran vorbei zu machen. Auch Peggy verhält sich eher distanziert ihrem alten Mentor und Widersacher gegenüber. Wie so viele ist sie wohl mehr irritiert als alles andere angesichts Dons plötzlichen Auftritts in der Agentur.

Die verantwortlichen Chefs und Partner geraten ob dieser großer Überraschung in ein herzhaftes Streitgespräch, in dem die Vor- und Nachteile einer Weiterbeschäftigung von Don Draper abgewogen werden. Ironischerweise siegt dann das Argument für Don, da man ihn im Falle einer Trennung ordentlich auszahlen und ihm seine Partnerschaft abkaufen müsste. Unter massiven Einschränkungen seiner Kompetenzen steht nun das Angebot, dass Don wieder zum festen Bestandteil der Belegschaft von SC&P wird.

Eher gegen Don: Jim Cutler (Harry Hamlin); Joan Harris (Christina Hendricks) und Bertram Cooper (Robert Morse). © AMC
Eher gegen Don: Jim Cutler (Harry Hamlin); Joan Harris (Christina Hendricks) und Bertram Cooper (Robert Morse). © AMC

Dafür soll er Lane Pryces (Jared Harris) altes Büro erhalten, in welchem sich dieser am Ende der fünften Staffel erhängt hatte. Ein durchaus makabres Signal, von welchem sich Don jedoch nicht abschrecken lässt. So nimmt er nach kurzer Überlegung das Angebot an. So kann er den turbulenten letzten Tagen doch noch etwas Positives abgewinnen. Die Säule seiner Ehe scheint zwar endgültig zerbrochen, dafür hat er jedoch endlich wieder seine Arbeit zurück. Und es ist schon fast ein wenig traurig, auf dieser Note zu enden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass Don sein Wiedereinstieg in einen geregelten Arbeitsalltag besser tun wird als eine florierende Beziehung mit Megan.

Fazit

Auch wenn es in Field Trip zum vorzeitigen emotionalen Höhepunkt zwischen Don und Megan kommt, mit dem Vater-Tochter-Drama aus der letzten Episode kann dieser Augenblick leider nicht mithalten. Das bedeutet nicht, dass diese Szene ihren Effekt verfehlt, denoch richtet man als Zuschauer seine Konzentration auf andere Dinge, die einem wiederum etwas mehr zu bieten haben. So gefallen vor allem wieder kleine Nuancen zwischen einzelen Charakteren, welche die Autoren wie so oft perfekt abliefern. Auch die Nebenfiguren können dabei auf sich aufmerksam machen, allen voran Betty, deren vielsagender Handlungsstrang einen interessanten Einblick in ihre Figur gibt.

Das Prunkstück der aktuellen Episode ist jedoch die Werbeagentur selbst, welche durch das plötzliche Erscheinen von Don Draper gehörig auf den Kopf gestellt wird. Die Reaktionen der verschiedenen Mitarbeiter könnten unterschiedlicher, ambivalenter oder auch unterhaltsamer nicht sein - sei es ein freudiger Ken Cosgrove oder eine sehr aufgebrachte Joan (Christina Hendricks). Die Serienmacher verstehen sich darauf, diese Dynamiken geschickt auszuspielen und liefern somit kurzweilige Fernsehunterhaltung ab. Jetzt, wo Don Draper zurück im Alltagsgeschäft von SC&P ist, dürfen wir uns sicherlich auf einige interessante Konflikte unter den Angestellten gefasst machen. Andererseits wächst auch die Vorfreude, Don Draper wieder bei dem zuzusehen, was er am besten kann: seine Arbeit.

Abspannsong der Woche:If 6 Was 9“ von Jimi Hendrix

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 28. April 2014
Episode
Staffel 7, Episode 3
(Mad Men 7x03)
Deutscher Titel der Episode
Ausflüge
Titel der Episode im Original
Field Trip
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. April 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 8. September 2014
Autoren
Heather Jeng Bladt, Matthew Weiner
Regisseur
Chris Manley

Schauspieler in der Episode Mad Men 7x03

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