Mad Men 7x01

Mad Men 7x01

Die Mad Men sind endlich zurück! Im Auftakt zur finalen siebten Staffel der Dramaserie bekommen wir erst einmal einen kleinen Überblick über die aktuelle Situation. Doch schnell rücken abermals der tragische Held Don Draper und sein weibliches Pendant Peggy Olson in den Vordergrund.

Don Draper (Jon Hamm) in „Time Zones“, der Auftaktepisode der siebten Staffel von „Mad Men“. / (c) AMC
Don Draper (Jon Hamm) in „Time Zones“, der Auftaktepisode der siebten Staffel von „Mad Men“. / (c) AMC

Eigentlich ist Mad Men ein Steckenpferd von Kollege Axel. Da sich dieser jedoch im wohlverdienten Urlaub befindet, übernehme erst einmal ich die Betrachtung der Auftaktepisode der siebten Staffel der Serie. Diese markiert einen äußerst soliden und wie so oft „Mad Men“-typischen vielsagenden Start in die finale Staffel der AMC-Produktion, welche im Vorfeld zweigeteilt wurde und somit in je sieben Episoden im Frühjahr 2014 beziehungsweise 2015 ausgestrahlt wird.

Time Zones schließt dabei fast unmittelbar an das Ende der sechsten Staffel von Mad Men an, wo sich einige drastische Veränderungen angekündigt hatten, welche nun auch so eingetroffen sind. Die Figuren Don Draper (Jon Hamm) und Peggy Olson (Elisabeth Moss) rücken dabei erneut in den Fokus, doch auch die zahlreichen anderen Charaktere finden sich in besonderen Situationen wieder, welche für die finale Staffel der Dramaserie richtungsweisend sein könnten. Zusätzlich gelingt es Matthew Weiner und seinem Team, die charakteristische Tonalität der Serie zu wahren, aber zeitgleich auch eher trüb in die Zukunft zu blicken. Ist dies in der Tat der Anfang vom Ende? Man könnte es fast meinen.

Are you ready?

Gleich in den ersten Sekunden von Time Zones gelingt es den Autoren, den Zuschauer zu überrumpeln. Wir sehen Freddy Rumsen (Joel Murray), welcher uns vor allem als inkontinenter Alkoholiker in Erinnerung geblieben ist. Dieser bricht in einem beeindruckenden Pitch die vierte Wand zum Publikum. Er zieht uns somit tief in die faszinierende Welt von Mad Men, in der nicht nur menschliches Drama dominiert, sondern vor allem auch immer wieder mitreißende Vorstellungen von Werbekampagnen die Zuschauerschaft begeistern konnten. Freddy Rumsens Vortrag weckt Erinnerungen an die unvergleichliche Art eines Don Drapers, selbst Peggy staunt nicht schlecht, nachdem Rumsen seine Ausführungen mit einem markanten Slogan beendet. Auf diese Anfangssequenz werden wir im Rahmen dieser Rezension später noch zurückkommen, spiegelt sie doch in ihrer Gesamtheit und im Kontext der kompletten Episode eine der Stärken der Dramaserie wider.

Wer damit gerechnet hätte, dass nach Don Drapers Abgang Peggy nun die leitende Position im kreativen Bereich der Entwicklung von Werbekampagnen bei Sterling Cooper & Partners übernehmen würde, wird in den Anfangsminuten enttäuscht. Der am Ende der sechsten Staffel vorgestellte Lou Avery (Allan Havey) hat Drapers Posten übernommen und die ambitionierte Peggy ist erneut nur im zweiten Glied gelandet. Dabei strebt sie nach wie vor nach beruflicher Anerkennung und geht teilweise zu zielgerichtet zu Werke. Ihr Idealismus - kreativ, anders, aber auch erfolgreich zu sein - beißt sich mit den simplen Vorstellungen ihres Vorgesetzten, welcher sich lieber für den einfacheren als für den komplizierteren und kreativ gewagteren Weg entscheidet.

Peggys überambitionierter Einsatz auf der Arbeit geht nicht spurlos an ihr vorüber. © AMC
Peggys überambitionierter Einsatz auf der Arbeit geht nicht spurlos an ihr vorüber. © AMC

Just open your mouths and say 'Aaah'

Generell gibt es in der Werbeagentur Sterling Cooper & Partners einige Veränderungen. So ist Ken Cosgrove (Aaron Staton) - wieder stilsicher mit Augenklappe unterwegs - zum „Head of Accounts“ aufgestiegen, womit sein Arbeitsalltag gleich viel stressiger geworden ist. Joan (Christina Hendricks) versucht sich derweil selbst als Kundenbetreuerin, stößt dabei jedoch auf einen jungen Marketingchef, welcher dezent eine neue Problematik im Werbegeschäft andeutet. Die Zeiten ändern sich, diverse Firmen wollen nun vermehrt auf ihre hauseigenen und internen Marketingabteilungen setzen. Der Nutzen: weniger Zeitaufwand, günstigeres Arbeiten. Wer braucht da noch Agenturen wie Sterling Cooper & Partners?

Bereits früh streuen die Serienmacher Andeutungen ein, welche sich wie ein roter Faden durch die kommende Staffel ziehen könnten. In Mad Men sind wir bis dato auf eine Vielzahl unbeweglicher Objekte gestoßen, Personen, die nicht in der Lage dazu sind, sich anzupassen oder sich zu verändern. Wir befinden uns im Januar 1969, die Welt dreht sich weiter und bringt neue Umstände mit sich. Doch sind auch einige der Charaktere bereit dazu, sich mit der Welt zu verändern? Oder stagnieren sie weiter und verkommen zu bedeutungslosen Relikten einer vergangenen Zeit? Der Konflikt zwischen Moderne und Progression auf der einen Seite und dem Sich-um-jeden-Preis-Festklammern an das Altbewährte ist eines der durchgängigen Themen des AMC-Dramas und wird auch in der siebten Staffel eine gewichtige Rolle spielen.

I forgive you

Zu den Figuren, welche gerade auf letzterer Seite stehen, gehört unter anderen auch Roger Sterling (John Slattery). Dieser gibt sich einem kommuneartigen Leben im Rausch hin, seine Ziellosigkeit ist in jeder Szene absolut greifbar. Selbst die Chance, sich mit seiner Tochter (Elizabeth Rice) zu versöhnen, lässt er auf bizarre Art verstreichen, da er nicht nachvollziehen kann, warum sie ihm vergibt. Dabei ist offensichtlich, dass Roger einige Verfehlungen begangen hat, und so sehr wir seinen weltmännisch und nonchalanten Charakter lieben gelernt haben, so sehr blicken wir besorgt in dessen Zukunft. Auch er muss sich ändern, doch ist er überhaupt in der Lage dazu?

Im direkten Vergleich zeigt sich Joan ob des drohenden Abgesangs von Werbeagenturen engagiert, indem sie einen Wirtschaftsprofessor aufsucht, um Gegenargumente für die Notwendigkeit von Werbeagenturen zu finden. Der geneigte Zuschauer mag zu Beginn der Szene vielleicht eine Parallele zu The Other Woman, der hervorragenden elften Episode aus der fünften Staffel, ziehen. Dort prostituierte Joan sich, grob ausgedrückt, für die Firma und ihre Position innerhalb der Agentur. Doch sie weist nach, dass sie nicht mehr nur auf ihre körperlichen Reize setzt, auch wenn sie ihren unvergleichlichen Charme im Gespräch mit dem jungen Marketingchef des potentiellen Kundens durchaus einzusetzen weiß. Sie hat sich angepasst und eifert ihren eigenen Zielen nach. Sie mag vielleicht nicht so getrieben wie Peggy sein, dennoch steht sie exemplarisch für eine Entwicklung, welche viele Figuren in Mad Men versäumen. Zwar eckt sie so auch bei ihrem Vorgesetzten Ken Cosgrove an, doch dieser weiß im stillen Kämmerchen ihre Bereitschaft sicherlich zu schätzen. Joan gehört zu den Figuren, welche die Zeichen der Zeit lesen können und dementsprechend reagieren, was wiederum sehr wichtig für die Dramaserie selbst ist. Die Serienmacher können so immer wieder den Kontrast zwischen zwei grundverschiedenen Welten und Idealen verdeutlichen.

Interessante Neuigkeiten für SC%26amp;P: Joan im Gespräch mit dem jungen Marketingchef und potentiellen Klienten. © AMC
Interessante Neuigkeiten für SC%26amp;P: Joan im Gespräch mit dem jungen Marketingchef und potentiellen Klienten. © AMC

I feel completely at ease

Zwischen zwei Welten ist wohl das passende Stichwort, um sich endlich der designierten Hauptfigur von Mad Men zu widmen. Don Draper, welcher sich am Ende der letzten Staffel zum ersten Mal richtig geöffnet hatte und mit seiner Tochter Sally (Kiernan Shipka) jemand anderem Einlass in seine Vergangenheit und sein seelisches Innenleben gewährte, ist zwar nach wie vor auf der Gehaltsliste von SC&P. Doch im Endeffekt ist er auch arbeits- und beschäftigungslos. Also reist er in eine andere Welt, nach Los Angeles, wo seine Ehefrau Megan (Jessica Pare) auf ihn wartet. Diese hat sich ein wenig im Schauspielgeschäft etabliert und nimmt Don sogleich mit auf einen Restaurantbesuch, bei dem er auf Megans Agenten trifft. So sehr sich Don auch Mühe gibt, oft wirkt er wie ein Fremdkörper in dieser im Vergleich mit dem kühlen New York so konträren Umgebung.

Dies spiegelt sich auch in einem amüsanten Auftritt von Pete Campbell (Vincent Kartheiser) wider, welcher gemeinsam mit Ted Chaough (Kevin Rahm) die SC&P-Niederlassung an der Westküste in Los Angeles betreibt. Pete kommt im flotten Golferoutfit daher und stellt für Don eine klare Irritation da. Für Pete ist das Leben in LA ein Neuanfang, seine Flucht aus New York, wo es vor mehr als sechs Staffeln noch so rosig für ihn aussah, ist ihm gelungen. Dennoch genügt auch hier nur ein Blick, um hinter Petes Fassade zu blicken. Der Schein trügt - anstatt sich seinen Problemen zu stellen, sucht er den einfachsten Ausweg und täuscht dabei nur sich selbst. Hier stehen ihm ein Don Draper und Ted Chaough in nichts nach. Auch diese beiden gehen der direkten Konfrontation ihrer Probleme und Dämonen ständig aus dem Weg, doch beide bewahren dabei eine Art Würde und Gravitas, die Pete komplett abhanden gehen, wodurch er eher lachhaft erscheint.

Lost Horizon

Don, der sich von seiner Reise nach LA erhofft hatte, seine weiterhin eher problematische Ehe mit Megan zu beleben, muss erkennen, dass mehr im Argen liegt, als womöglich noch zu retten ist. Nicht dass wir explizit gesagt bekommen würden, dass es zwischen Megan und Don aus sei, doch die Nuancen in deren Umgang miteinander bedürfen weniger Worte. Es ist eine angespannte Situation, in der Don unbedingt versuchen will, seine Ehe zum Funktionieren zu bringen. Dieses noble Vorhaben rührt durchaus aus seiner Entwicklung vom Ende der letzten Staffel, doch es kommt auch viel zu spät, um die totale Entfremdung zwischen ihm und Megan noch abzuwenden.

Es ist bezeichnend, dass Don zu jeder anderen Frau eine bessere Verbindung aufbauen kann - sei es der kurze Austausch von vielsagenden Blicken mit Petes Immobilienmaklerin oder vor allem das Gespräch mit der unbekannten Passagierin an Bord des Rückflugs nach New York. Don versucht zwanghaft, sein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken, vielleicht sogar sein „Utopia“ zu finden, wie es so treffend in der Anfangssequenz des Films „Lost Horizon“ beschrieben wird, welchen Don in dem protzigen Fernseher sieht, den er Megan geschenkt hatte. Zumindest bleibt uns ein Rückfall in bekannte Muster erspart, Don lässt sich nicht auf eine Affäre mit seiner neuen Bekanntschaft ein. Er ist wahrlich irgendwo zwischen zwei Welten, zwischen seiner alten und einer neuen. Doch es gelingt ihm nicht, den entscheidenden Schritt in eine der beiden Richtungen zu machen.

Let it go

Auch Peggy kommt langsam zu der Einsicht, dass ihr Karriereleben ihr nicht alles geben kann, was sie braucht. Die gescheiterte Beziehung mit Ted hat an ihr Spuren hinterlassen, auch Kollege Stan Rizzo (Jay R. Ferguson) weist sie darauf hin, dass sie auch einmal loslassen muss. Zum dramatischen Höhepunkt kommt es dann, als Peggy nach einer banalen Szene in ihrer Wohnung erkennt, dass sie im Grunde sehr unglücklich ist. Da sie uns vor allem durch Elisabeth Moss' starkes Schauspiel sehr ans Herz gewachsen ist, leiden wir mit ihr, doch uns wird auch die andere Seite der Medaille ihres progressiven Denkens deutlich. Peggy hat bewiesen, dass sie sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten und überragende Arbeit abliefern kann. Doch zu welchem Preis? Der Vergleich zu Ziehvater Don Draper bietet sich an, welcher sich ebenfalls immer mehr über seine Arbeit als über seine sozialen Kontakte definierte. Auch Don wird einen ähnlichen Moment wie Peggy erlebt haben, doch ihr Zusammenbruch wirkt umso drastischer und die Aussicht, wie Peggy sich davon erholen wird, macht Sorgen.

Das perfekte Eheglück? Der Schein zwischen Megan und Don trügt. © AMC
Das perfekte Eheglück? Der Schein zwischen Megan und Don trügt. © AMC

Zum Ende von Time Zones schließt sich der Kreis, denn jetzt wird die Anfangssequenz mit Freddy Rumsen aufgeklärt. Eine der vorher angesprochenen Stärken von Mad Men ist nun mal Selbstreferentialität und Kohärenz. Wer bei dem eindringlichen Pitch niemand Geringeres als Don Draper vor seinem inneren Auge hatte, wird jetzt vielleicht ein wenig überrascht sein, dass tatsächlich Don dahinter steckt und Freddys Tätigkeit als Freelancer nutzt, um so seine eigenen Ideen bei Sterling Cooper & Partners unterzubringen. Für Don ging einiges in die Brüche, also klammert er sich noch an seine Arbeit, die er eigentlich gar nicht mehr hat. Für einen kleinen Schockmoment sorgen Weiner und Co dann noch, als in einer vielsagenden finalen Aufnahme der Eindruck entsteht, Don würde von seinem Balkon aus gen Abgrund blicken und eventuell den wohl drastischsten Ausweg aus seiner Spirale des niemals endenden Leeregefühls in Betracht ziehen. Doch er sitzt nur auf seinem Balkon, alleine in der Kälte. So dick hier metaphorisch auch aufgetragen wird, zu den fantastischen Klängen von Vanilla Fudges „Keep Me Hanging on“ zittern wir uns gemeinsam mit Don Draper durch die eisige Nacht New Yorks. „You keep us hanging on, Don Draper!“ - Du hältst uns weiter hin, Don Draper!

Fazit

Mit Time Zones gelingt den Machern von Mad Men um Matthew Weiner ein sehr zufriedenstellender Auftakt, der uns geschickt auf die kommenden sechs Episoden der ersten Hälfte der siebten Staffel der Dramaserie vorbereitet. Zwar leidet „Time Zones“ ein wenig darunter, dass durch viele kurze Szenen und sprunghafte Szenenwechsel etwas Unruhe herrscht. Andererseits kommt die Folge so auch mit jeder weiteren Minute Laufzeit immer mehr in Fahrt und schwingt sich damit zu einer klassischen Mad Men-Episode auf.

Als Fan der Serie weißt man sofort, warum man das AMC-Drama einst in sein Herz geschlossen hat. Der Ton des Dramas, die Art der Narration und der unvergleichbare Charme, all diese Aspekte lassen sich auch in Time Zones finden und machen Mad Men zu einer Seltenheit auf dem TV-Markt. Etwas Vergleichbares lässt sich nur sehr schwer finden. Die sich anbahnenden Dramen und Konflikte werden bereits in der Auftaktfolge greifbar. Die Macher verstehen es einfach, mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen, der nach sechs Staffeln jetzt einen würdigen Abschluss erwartet.

Gleichzeitig gehört Mad Men nach wie vor zu einer der feinfühligsten und am nuanciertesten gefilmten Serien im gesamten Geschäft. Dabei geben einem die ruhigen Momente, welche vor Bildsprache nur so strotzen, genauso viel wie die glamourösen Augenblicke. In Time Zones wäre Megans fulminanter Auftritt am Flughafen von Los Angeles, welcher einfach fantastisch gefilmt ist, ein Beispiel dafür. Die musikalische Untermalung gehörte noch nie zu einem der Probleme von „Mad Men“, doch neben dem Abspannsong „Keep Me Hanging on“ muss auch das passende und bedeutungsvolle „I'm a Man“ der Spencer Davis Group hier Erwähnung finden. Der Anfang vom Ende von „Mad Men“ ist verheißungsvoll. Wir sind gespannt, was die finale Staffel für uns noch bereithält.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 15. April 2014
Episode
Staffel 7, Episode 1
(Mad Men 7x01)
Deutscher Titel der Episode
Zeichen der Zeit
Titel der Episode im Original
Time Zones
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 13. April 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. August 2014
Autor
Matthew Weiner
Regisseur
Scott Hornbacher

Schauspieler in der Episode Mad Men 7x01

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