Mad Men 6x13

Mad Men 6x13

Die Mad Men erfahren im Finale der sechsten Staffel ein überraschend versöhnliches und offenes Ende. Don zeigt sich von seiner generösen Seite und wird dafür von seinen Partnern mit einer ungewissen Zukunft bedacht. Einige Wege trennen sich, andere überkreuzen sich wieder.

Rock Bottom: Nach einer Nacht im Gefängnis kommt Don Draper (Jon Hamm) zur Besinnung. / (c) AMC
Rock Bottom: Nach einer Nacht im Gefängnis kommt Don Draper (Jon Hamm) zur Besinnung. / (c) AMC

Die AMC-Dramaserie Mad Men erzählte schon immer Geschichten von Trennung, Schmerz, Leiden und Versöhnung. In der nun abgelaufenen sechsten Staffel war diese Dichotomie jedoch merkwürdig abwesend. Zu sehr wurden Don Draper (Jon Hamm) und Konsorten an die Kandare genommen, dem Publikum fast schon zum Fraß vorgeworfen. Als hätten die Drehbuchautoren um Serienschöpfer Matthew Weiner diese Entwicklung korrigieren wollen, gönnten sie ihren zentralen Charakteren in der Finalepisode In Care of Möglichkeiten zur - zumindest partiellen - Erlösung von ihren Sünden.

Going down?

Dabei rückt das Geschäftliche wieder auffallend in den Hintergrund. Sowohl die neue Sunkist-Kampagne als auch der potentiell neue Klient Hershey's und die Bemühungen um den Sorgenkunden Chevrolet dienen lediglich als Vehikel, um die persönlichen Probleme der Charaktere hervorzuheben. Diejenigen, die über den kompletten Verlauf der Staffel in wenig schmeichelhaftem Licht dargestellt wurden, dürfen ein kleines menschliches Comeback feiern.

So finden Meetings bei SC%26amp;P fortan wohl öfter statt: ohne Don Draper (Jon Hamm). © AMC
So finden Meetings bei SC%26amp;P fortan wohl öfter statt: ohne Don Draper (Jon Hamm). © AMC

Don Draper entscheidet sich nach einer in der Ausnüchterungszelle verbrachten Nacht dazu, sein Leben umzukrempeln. Ein Umzug in das über 3000 Kilometer entfernte Los Angeles soll ihm bezüglich seiner Alkoholprobleme helfen. Trotz der Kurzfristigkeit seines Vorhabens gelingt es ihm, Ehefrau Megan (Jessica Paré) von diesem Plan zu überzeugen, wenngleich diese wegen der glänzenden Aussichten für die eigene Karriere schon selbst mit einem solchen Schritt geliebäugelt hatte.

Die Idee zum Neustart in Kalifornien hatte sich Don von Dauerkiffer Stan Rizzo (Jay R. Ferguson) geklaut, der eigentlich selbst die SC&P-Dependance in der Stadt der Engel aufbauen wollte. Entsprechend verstimmt ist Rizzo, als er davon erfährt: „I'm gonna have that sandwich on my desk. I need to get to it before you do.“ Auch die übrigen Partner können mit dieser Nachricht erst einmal wenig anfangen, vor allem weil sie selbst mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Der einzige, der sich lautstark beschwert, ist Dons Dauerrivale Ted Chaough (Kevin Rahm): „I think we can spare you.

Später wird er sich dafür jedoch entschuldigen und Don um einen großen Gefallen bitten, denn nach einer gemeinsamen Nacht mit Peggy Olson (Elisabeth Moss) realisiert er, dass er derjenige ist, der dringend einen Tapetenwechsel braucht. Also fleht er Don beinahe schon darum an, ihn an seiner Statt nach Los Angeles auswandern zu lassen. Er könne nicht weiter mit Peggy in einem Büro arbeiten. Um seine Ehe und sein Familienleben zu retten, müsse er unbedingt die Stadt verlassen. Nach einigem Hin und Her realisiert Don, dass für ihn selbst das Gleiche mit umgekehrten Vorzeichen gilt: Er muss in New York bleiben, damit seinen Kindern eine Vaterfigur erhalten bleibt.

I have to hold on to them or I'll get lost in the chaos

Vor allem die direkten Worte seiner Exfrau Betty (January Jones) bewirken das Umdenken, als sie von den jüngsten Verfehlungen der ins Internat abgewanderten Tochter Sally (Kiernan Shipka) berichtet: „The good is not beating the bad. She obviously needs more than I can give her. She's from a broken home.“ Man kann also durchaus festhalten, dass Don fast schon altruistisch handelt: Sowohl Ted als auch seiner Familie erfüllt er die geäußerten Wünsche.

Ted Chaough (Kevin Rahm) wird von Don mit seiner ganzen Großzügigkeit bedacht. © AMC
Ted Chaough (Kevin Rahm) wird von Don mit seiner ganzen Großzügigkeit bedacht. © AMC

Trotzdem bleibt dabei jemand auf der Strecke. Megan hat ihren Schauspieljob gekündigt und sitzt sprichwörtlich schon auf gepackten Koffern. Als sie die neuerliche überraschende Nachricht ereilt, bringt sie nicht mehr die Kraft auf, um Dons Vorgehensweise auch nur halbwegs nachvollziehen zu können. Sie lässt ihn kurzerhand stehen, ob sie jemals zurückkehren wird, darf an dieser Stelle durchaus bezweifelt werden: „You want to be alone with your liquor and your ex-wife and your screwed up kids.“ Recht hat sie.

Dons Charakter erfährt also dennoch eine kleine Aufwertung. Seine Dekonstruktion ist vorerst gestoppt. Bei Pete Campbell (Vincent Kartheiser) geht dieser Prozess jedoch unvermindert und im Staffelfinale in besonders obskurer Form weiter. Durch ein Telegramm erfährt er, dass seine Mutter mit ihrem Pfleger Manolo (Andres Faucher) auf eine Kreuzfahrt aufgebrochen war und die beiden sogar geheiratet hatten. Dann sei die Mutter von Bord gestürzt und seitdem unauffindbar. Seine schlimmsten Befürchtungen sind also Wirklichkeit geworden, von einem Privatermittler bestätigt: Manolo heißt eigentlich Marcus Constantine und ist ein Trickbetrüger.

Der Schuldige ist schnell gefunden: das menschliche Enigma Bob Benson (James Wolk). Fortan entspinnt sich zwischen den beiden ein Psychokrieg, der mit aller Wahrscheinlichkeit Pete Campbell als Verlierer hinterlassen wird. Eine Trumpfkarte hält er jedoch noch in der Hand: Die Kenntnis über die wahre Identität des lebenden Kaffeeautomaten Bob. Angesichts dieser Tatsache verwundert es doch stark, wie selbstsicher Benson auftritt.

Beruflich läuft es also eher schlecht für Campbell, trotz des kürzlich erst erhaltenen Zuschlags für den „Chevy“-Account. Auf privater Ebene erfährt jedoch auch sein Charakter eine kleine Aufwertung. Gemeinsam mit seinem Bruder Bud (Rich Hutchman) und seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau Trudy (Alison Brie) schafft er es, den wahrscheinlichen Tod seiner Mutter als persönliche Katharsis zu verarbeiten. Trudy findet die richtigen Worte: „Your're free. You're free of her. You're free of them. You're free of everything.

Fazit

Ist das die Freiheit, die Pete Campbell wollte? Dieses Geheimnis kann wahrscheinlich nicht einmal er selbst beantworten. Eine Gewissheit transportierte die Abschlussepisode von Mad Men jedoch: In absoluter Freiheit sind wir alle alleine. Folgerichtig ist bei mehreren zentralen Charakteren auch eine Hinwendung zur eigenen Familie zu beobachten.

Don entscheidet sich für seine Patchworkfamilie und gegen seine Ehefrau Megan. Pete ersucht nonverbale Vergebung bei Trudy. Als sie sieht, wie er sich liebevoll um seine Tochter kümmert, scheint ihr Herz wieder etwas aufzugehen. Auch Roger Sterling (John Slattery) erbittet von Joan Harris (Christina Hendricks) mehr Zeit mit dem gemeinsamen Sohn, weil seine Tochter Margaret (Elizabeth Rice) ihn immer noch meidet.

Mad Men gibt also vor allem denjenigen Charakteren Möglichkeiten zur Läuterung, die es im Verlaufe der sechsten Staffel mit voller Hingabe dekonstruiert hat. Leider geht der Staffel dadurch eine gewisse Stringenz und Dringlichkeit verloren. Dadurch, dass diese Meinungsumschwünge zuvor nicht einmal angedeutet wurden, kann ihre Glaubwürdigkeit durchaus in Frage gestellt werden. Dies gilt übrigens auch für das schnelle Hin und Her zwischen Don und Ted in der Los-Angeles-Frage.

Diese Kritikpunkte bestätigen einen Trend, der sich seit der grandiosen Episode The Better Half abgezeichnet hat. Die eingeschlagenen Storylines mussten entweder zum großen Crash führen. Oder eben zu einem etwas unglaubwürdigen Ende. Die Autoren haben sich also gegen eine völlige Entsympathisierung ihrer Protagonisten entschieden und gönnen ihnen die lang ersehnte, sich aber nicht wirklich abzeichnende Katharsis. Mad Men verabschiedet sich mit einem verschmitzten Grinsen aus der aktuellen Staffel. Leider auch etwas schlapp. Aber zum Glück noch nicht für immer.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 24. Juni 2013
Episode
Staffel 6, Episode 13
(Mad Men 6x13)
Deutscher Titel der Episode
So frei
Titel der Episode im Original
In Care Of
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 23. Juni 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. Dezember 2013
Autoren
Carly Wray, Matthew Weiner
Regisseur
Matthew Weiner

Schauspieler in der Episode Mad Men 6x13

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