Mad Men 6x12

Mad Men 6x12

Die neue Episode von Mad Men widmet sich ganz den neuen Geschäftsmöglichkeiten von Sterling Cooper & Partners und porträtiert diverse innerbüroliche Intrigen. Dabei spitzen sich die Konflikte zwischen mehreren Charakteren deutlich zu.

No More Mr. Nice Guy: Dauergrinser Bob Benson (James Wolk) ist enttarnt. / (c) AMC
No More Mr. Nice Guy: Dauergrinser Bob Benson (James Wolk) ist enttarnt. / (c) AMC

Bald ist Don Draper (Jon Hamm) ganz allein. Zu Beginn der Episode The Quality of Mercy scheint es zumindest einen kurzen Moment zu geben, in dem er über seine vergangenen Missetaten nachdenkt und man als Zuschauer die Hoffnung hat, er möge doch endlich einsehen, wie falsch und unmoralisch er sich sein halbes Leben lang verhalten hat. Am Ende zerplatzt jedoch auch diese Seifenblase und Don kehrt zu seinem alten, beinahe unausstehlichen Habitus zurück.

You finally found a hooker who takes traveller's cheques?

Die Schlussszene kann jedoch nicht so einfach eingeordnet werden, wie zunächst angenommen. Darin versuchen Kreative und Manager von „SCP“, den Kunden St. Joseph's zu einem höheren Budget für einen TV-Spot zu überreden. Der Vertreter Byron Poole (Paul Rae) gibt sich jedoch als zäher Verhandlungspartner und so greift Don zum einzigen - seiner Meinung nach - verbleibenden Mittel: der Lüge. Er behauptet, die teure Idee für den Werbespot sei Frank Gleesons (Craig Anton) letzte gewesen, bevor dieser an Krebs gestorben ist.

Kindsköpfe unter sich: Don Draper (Jon Hamm) und Roger Sterling (John Slattery) © AMC
Kindsköpfe unter sich: Don Draper (Jon Hamm) und Roger Sterling (John Slattery) © AMC

Sein Plan geht auf und der Kunde bewilligt ein höheres Budget. Jedoch ist Don mit seiner Aktion Verhandlungsführer Ted Chaough (Kevin Rahm) in den Rücken gefallen, weil er diesen als nostalgisches Weichei bloßgestellt hat. Danach bleibt unklar, aus welcher Motivation Don diesen Verhandlungscoup durchführte. Wollte er lediglich den Kunden am Absprung hindern? Oder wollte er doch die ihm unpassende, sich immer deutlicher abzeichnende Romanze zwischen Peggy (Elisabeth Moss) und Ted torpedieren?

Peggy glaubt jedenfalls, die Antwort zu wissen. Nach den erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen stürmt sie in Dons Büro und konfrontiert ihn hoch emotionalisiert: „You killed him. You killed the ad. You killed everything. You can stop now.“ Und zum krönenden Abschluss: „You're a monster.“ Ein Monster also, das seine Nächsten sowie seine Kollegen und Geschäftspartner mit schöner Regelmäßigkeit belügt und betrügt und, statt die Konfrontation mit den Verletzten zu suchen, sie doch lieber vergisst oder abschiebt.

Es bleibt ein ambivalentes Bild, das die Macher von Mad Men in der sechsten Staffel von ihrem Antihelden zeichnen, wobei doch die negativen Aspekte stark überwiegen. Auch die Situation mit seiner Tochter Sally (Kiernan Shipka) verarbeitet er äußerst ungraziös. Regelrecht froh ist er über die Nachricht von ihrem Fluchtversuch in ein Eliteinternat: „I'll pay for all of it.“ Fortan muss er sich wohl nicht schon zum Frühstück Schnaps in den Orangensaft schütten, um auch nur halbwegs durch den Tag zu kommen.

Lee Garner Jr. once made me hold his balls

Ein weiterer Charakter, der in der neuen Episode eine äußerst merkwürdige Rolle spielt, ist Pete Campbell (Vincent Kartheiser). Als dem armen, bemitleidenswerten Kenny Cosgrove (Aaron Staton) auf einem Jagdausflug mit den Chevrolet-Entscheidern in Detroit ins Gesicht geschossen wird, will sich dieser daraufhin aus allen Geschäftsreisen in die motor city zurückziehen: „Chevy is killing me. I hate Detroit. I hate cars. I hate guns. I don't even want to look at a steak anymore. They're fat yahoos in cheap suits. I'm done.

Hat wieder einmal Dons Zielscheibe auf dem Rücken: Ted Chaough (Kevin Rahm) wird seinen Erzfeind einfach nicht los. © AMC
Hat wieder einmal Dons Zielscheibe auf dem Rücken: Ted Chaough (Kevin Rahm) wird seinen Erzfeind einfach nicht los. © AMC

Nachdem er sich den Spott des ewigen Kindskopfs Roger Sterling (John Slattery) zugezogen hat („Shiver me timbers.“ oder: „I'd listen to the cyclopse.“), überträgt er das Geschäftskonto an Pete Campbell. Letzterer hatte diesen Tausch natürlich angeleiert, war er doch seit längerem schon auf der Suche nach einem neuen lukrativen Kunden. Das für Pete als Problem wahrgenommene nächste Dilemma zeichnet sich jedoch schon ab: Er wird eng mit dem weiterhin mysteriösen Bob Benson (James Wolk) zusammenarbeiten müssen, denn die Partner lassen sich nicht zu einer Abberufung des dauergrinsenden Kaffeeautomaten überreden.

In seiner vollständigen Beschränktheit und seinem ausgeprägten Schwulenhass („You're sick.“) überlegt sich Pete eine neue Strategie, um Benson loszuwerden. Dazu bedient er sich der Dienste seines ehemaligen Kollegen Herman „Duck“ Phillips (Mark Moses). Der Headhunter soll Benson einen neuen, besseren Job anbieten. Im Zuge seiner Recherche findet Duck dann jedoch erste Risse in Bobs scheinbar perfekter Fassade. Bei ihm handelt es sich offensichtlich um einen professionellen Betrüger, kaum eine seiner angegebenen Referenzen kann verifiziert werden.

Auch eine weitere Szene beleuchtet den wahren Bob Benson: Am Telefon mit - wahrscheinlich - Manolo (Andres Faucher) lässt er eine heftige Hasstirade gegen Campbell vom Stapel - auf Spanisch. Dieser mysteriöse Charakter bekommt also noch einige zusätzliche Persönlichkeitsebenen verliehen. Überraschend ist dies keineswegs, denn, mal ehrlich: Kein Mensch ist so freundlich. Was macht also Pete Campbell mit diesen neuen Informationen? Etwas vollkommen Überraschendes...

Zwar konfrontiert er Benson zunächst mit seinen neuen Einsichten, jedoch schlägt er zum Ende des Gesprächs eine Art Waffenstillstandsabkommen vor. Wieso er den Betrüger nicht einfach auffliegen lässt, bleibt sein Geheimnis. Eventuell ist er beeindruckt von Benson oder hat einfach nur Angst vor ihm. Dies wiederum lässt ihn wie ein noch ärmeres Würstchen erscheinen. Pete Campbell hat Don Draper längst auf der Lächerlichkeitsskala überholt, wobei die beiden sich lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert haben. Noch steht der „Sieger“ jedoch nicht fest.

Fazit

Endlich eine Mad Men-Episode, die sich beinahe ausschließlich auf das Geschäftliche konzentriert. Diese Fokussierung war in der beinahe abgelaufenen sechsten Staffel bisher eindeutig zu kurz gekommen. Dafür wird derjenige Zuschauer, der dies ähnlich gesehen hatte, in der neuen Episode entschädigt.

Diese platzt nur so vor unternehmenshistorischen Referenzen, Sunkist und Ocean Spray dürfen sich ohne eigenes Wissen darüber ein Duell liefern, während die größte Privatbank Amerikas, Brown Brothers Harriman, dem Berufsbetrüger Bob Benson auf den Leim gegangen ist. Ob der überhaupt wirklich so heißt? Die Farce vom dauerfreundlichen Grinsepeter ist jedenfalls aufgedeckt worden. Bob spielt immer genau die Rolle, die ihn beruflich am meisten voranbringt.

Andere Charaktere, die in den vergangenen Episoden schmerzlich vermisst wurden, hatten hier wieder gelungene, wenn auch kurze Auftritte. Kennys Jagdunfall war Slapstick pur, genau wie Roger Sterlings Kommentare darüber. Auch Harry Crane (Rich Sommer) darf sich wieder von Don anschnauzen und von Megan (Jessica Paré) in Abwesenheit beleidigen lassen: „He's such a pain in the ass.“ Die beiden - Harry und Kenny - sind einfach ein formidables Duo, das deutlich mehr Spielzeit verdient hätte.

Lobend hervorzuheben ist auch der Auftritt des ehemaligen weirdos Glen Bishop (Marten Holden Weiner), der sich heldenhaft für seine Jugendfreundin Sally einsetzt. Genauso schön ist die Szene auf der Rückfahrt vom Internat, als Betty (January Jones) ihrer Tochter Sally eine Zigarette anbietet. Erziehung in den Sechzigern, meine Damen und Herren!

Über die Dekonstruktion von Don Draper und Pete Campbell ist derweil schon in vergangenen Reviews genug geschrieben worden. Die beiden sind zweifellos die tragischsten Charaktere in Mad Men.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 17. Juni 2013
Episode
Staffel 6, Episode 12
(Mad Men 6x12)
Deutscher Titel der Episode
Ins Auge gegangen
Titel der Episode im Original
The Quality of Mercy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. Juni 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 2. Dezember 2013
Autoren
André Jacquemetton, Maria Jacquemetton
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode Mad Men 6x12

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