Mad Men 6x10

Weil sich die Alphatiere Don Draper (Jon Hamm) und Roger Sterling (John Slattery) sowie ihr Schoßhündchen Harry Crane (Rich Sommer) eher auf Vergnügungs- denn auf Geschäftstreise in Los Angeles befinden, bekommen einige Nebencharaktere mehr Spielzeit eingeräumt. Die neue Episode A Tale of Two Cities konzentriert sich auf die Verwerfungen innerhalb der Agentur und sorgt mit den Wutausbrüchen der Berufscholeriker Pete Campbell (Vincent Kartheiser) und Michael Ginsberg (Ben Feldman) für einige erheiternde Momente.
I'm Vasco da Gama and you're some other Mexican
Die Gründe für die Ausraster der beiden sind dabei ganz unterschiedlicher Herkunft. Während Campbell von der ehrgeizigen Joan Harris (Christina Hendricks) bei einer potentiellen neuen Geschäftsmöglichkeit ausgebootet wird, legt sich Ginsberg in seiner unnachahmlichen Art mit einem seiner neuen Chefs, Jim Cutler (Harry Hamlin), an. Der Grund für ihre deftige Auseinandersetzung: die aktuellen politischen Entwicklungen auf den Straßen der amerikanischen Großstädte. Ginsberg hat doch tatsächlich die Chuzpe, seinen neuen Vorgesetzten als Faschisten zu beschimpfen: „This whole thing works because people like you look the other way.“

Die Wut Cutlers bekommt schließlich der allzeit auf Harmonie sinnende Bob Benson (James Wolk) ab. Seine Schlichtungsversuche werden mit einem barschen: „Why are you always down here? Go back upstairs.“ beantwortet. Im nächsten Augenblick rudert Cutler jedoch zurück und besinnt sich darauf, wem sein Ärger eigentlich gilt. Bei Ted Chaough (Kevin Rahm) erbittet er zunächst eine Vollmacht, um in Abwesenheit von Draper und Sterling radikale personelle Veränderungen in der Agentur vorzunehmen. Zunächst soll es natürlich Ginsberg treffen, was von Chaough jedoch mit einer klaren Absage bedacht wird.
Da seine Umstrukturierungsmaßnahme nicht genehmigt wird, überlegt er sich kurzfristig eine neue Strategie, um dem nervigen Ginsberg nicht noch öfter unter die Augen treten zu müssen. In das Treffen mit den Auftraggebern des führenden Herstellers koscherer Nahrungsmittel, Manischewitz, schickt er Bob Benson als Gegenpart für den Kreativen. Bensons erste Aufgabe ist dabei, das nervliche Wrack mit dem berühmten Namensvetter zu beruhigen. Seine einfühlsamen Versuche werden nicht gerade freundlich aufgenommen: „Tell me the truth, are you a homo?“ Ginsberg kann sich einfach nicht zurückhalten.
Das willkürlich zusammengewürfelte Duo kommt denn auch prompt mit schlechten Nachrichten vom Manischewitz-Treffen zurück. Dafür gibt es an anderer Front positive Meldungen zu verkünden, wenngleich diese mit einigem innerbürolichen Zwist verbunden sind. Ein eigentlich als Blind Date geplantes Mittagessen entpuppt sich für Joan als einmalige Geschäftsgelegenheit. Sie sitzt dem neuen Marketingchef von Avon Cosmetics, Andy Hayes (Spencer Garrett), gegenüber und erkennt sofort die Chance.
I'm the world's most expensive babysitter
Zurück im Büro wendet sie sich vertrauensvoll an Peggy (Elisabeth Moss), die die Angelegenheit den dafür verantwortlichen Ted und Pete übergeben will. Joan jedoch ist damit gar nicht einverstanden, schließlich hat sie eigene Karrierepläne. So hintergeht sie Pete und erscheint selbst zum nächsten Treffen mit Hayes, gemeinsam mit Peggy als Vertreterin der Kreativabteilung. Der Hintergangene meint, darin einen coup d'etat erkennen zu müssen: „This is a revolt!“ und sieht sich von lauter Gesetz- und Ehrlosen umgeben.

Als seine Beschwerden bei Ted auf taube Ohren stoßen, wendet er sich an den frisch von der Geschäftsreise zurückgekehrten Don. Auch hier wählt er hochtrabende Worte, um die neuesten Entwicklungen zu beschreiben: „I have to tell you that in your absence, things have become quite dire.“ Ob dieser Pete Campbell jemals seine Unsicherheit ablegen und sich ein souveräneres Auftreten aneignen kann? Die Frage scheint er selbst zu beantworten, als er sich resigniert auf eine Couch sinken lässt und kräftig an Stan Rizzos (Jay R. Ferguson) Joint zieht: „Take another little piece of my heart now baby.“ Janis Joplin im Abspann: absolutes Mad Men-Hochgefühl!
Mit Drogen dürfen auch die Los-Angeles-Ausflügler experimentieren. Don lässt sich natürlich nicht zweimal bitten, als ihn die Gastgeberin einer Party in den Hollywood Hills zu einer Haschischrunde einlädt. Bezahlen muss er dies beinahe mit seinem Leben, hätte Roger Sterling nicht einen kühlen Kopf bewahrt und den im Pool ertrinkenden Don herausgezogen. Die kalifornischen Drogen sind wohl doch etwas wirksamer als das in New York feilgebotene Rauschgift und so darf Don von seiner Ehefrau Megan (Jessica Paré) als Hippiemädchen sowie einem hochdekorierten Soldaten halluzinieren, bevor er sich selbst beim Sterben beobachtet.
Bevor es sich jedoch den nächtlichen Vergnügungen der Engelsstadt hingeben kann, muss sich das Dreigestirn durch ein unangenehmes Meeting quälen, in dem die politische Lage hoch emotional durchdiskutiert wird: „Those long haired fools shamed this country. You think Nixon is gonna fix that?“ Der selten elegante Roger hat die richtige Antwort für den aufbrausenden Vorstand der Frühstückscerealienfirma: „Look, we're sorry you're last girlfriend hurt you.“ Der nächste Lacher in einer an diesen nicht armen Episode.
Zurück in New York werden Draper und Sterling nicht nur vom aufgeregten Campbell, sondern auch mehreren guten Nachrichten empfangen. Zuerst kann Ted Chaough berichten, dass er und Ken Cosgrove (Aaron Staton) mit dem unmöglichen Klienten Chevrolet Fortschritte erzielt hätten. Außerdem wird die Dauerdiskussion um den Namen der neuen Agentur beigelegt. Fortan will man sich Sterling Cooper & Partners nennen. Ein Wunder, dass die Egomanen Draper, Chaough und Cutler dieser vermeintlichen Beschneidung ihres sozialen Status zustimmen.
Fazit
Die neue Episode von Mad Men plätschert etwas vor sich hin, kann sich nicht richtig entscheiden, ob sie nun grandiose Streitszenarien durchspielen oder doch nur abwechslungsreiches Komödientheater sein will. Die aufgezeigten Konflikte lösen sich in der abstrusen Verhaltensweise ihrer Charaktere auf, Michael Ginsberg, Bob Benson, Jim Cutler und schließlich Pete Campbell werden zu Lachnummern.
Sicher haben die Autoren die Episode A Tale of Two Cities nicht als entscheidende der sechsten Staffel geplant. Trotzdem nehmen sie sich damit eine Verschnaufpause, die in dieser legeren Form nicht unbedingt vonnöten gewesen wäre. Außer der Anbahnung eines neuen Geschäfts und der Namensentscheidung ist nichts wirklich Bemerkenswertes geschehen.
Auch Dons Beinahetod und der Drogentrip sind schwer einzuschätzen. Hatte sein gesamtes, auf diese Episode zuführendes Verhalten noch darauf schließen lassen, dass er und Megan bald getrennte Wege gehen würden, so wird er hier als liebevoller Ehemann porträtiert, der seine Frau „vermisst“ und die ihm sogar in seinen Drogenträumen erscheint.
Vernichtet wird dieses positive Bild selbstredend durch seine nächste (Beinahe-)Affäre mit der Gastgeberin. Aber hey: „It's cool. It's California. Everybody shares.“ Wir „sharen“ jedenfalls weniger Begeisterung für diese Episode und freuen uns trotzdem auf nächste Woche.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 3. Juni 2013(Mad Men 6x10)
Schauspieler in der Episode Mad Men 6x10
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