Mad Men 6x07

In der neuen Episode von Mad Men, Man with a Plan, bekommen zwei zentrale Charaktere eine ordentliche dramaturgische Abreibung. Sowohl bei Don Draper (Jon Hamm) als auch bei Pete Campbell (Vincent Kartheiser) hatte sich dies zwar im Verlaufe der Serie - und besonders der bisherigen sechsten Staffel - angekündigt. Dass die Autoren diesen Absturz nun in solch drastischer Form vollziehen, war jedoch nicht zu erwarten gewesen.
You don't want to take in the wonder of God's majesty?
Eingebettet sind diese Erzählstränge in die Haupthandlung über die Fusion der beiden Agenturen CGC und SCDP. Der Umzug in einen gemeinsamen Bürokomplex ist in vollem Gange, in den Räumen von Sterling Cooper Draper Price dürfte es fortan sehr eng werden - zumindest, bis die ersten Angestellten entlassen sind. Einen Leidtragenden hat es schon erwischt. Der dauernörgelnde Harry Crane (Rich Sommer) hat trotz Jobsicherheit auch dieses Mal wieder etwas auszusetzen: „What about every time we're getting bigger I get knocked down to a worse office?“

Für die humoristische Atempause ist also wieder einmal der oftmals unfreiwillig komische Harry zuständig. Überhaupt schwankt die neue Episode zwischen tieftraurigen und höchst erheiternden Augenblicken. Don Draper beteiligt sich an beiden, wenngleich seine dunkle Seite wieder einmal prominent zutage tritt. Als er sich jedoch gemeinsam mit Neupartner Ted Chaough (Kevin Rahm) in dessen Privatflugzeug auf den Weg zu einem wichtigen Klienten macht, spielt er sein ganzes komödiantisches Talent aus. Zuvorderst ist in dieser Szenenfolge der Schnitt zu loben, danach jedoch schon die Reaktionen Drapers und Chaoughs auf das Ausgeliefertsein an die Urgewalt der natürlichen Elemente.
Auch Roger Sterling (John Slattery) darf sich wieder für die entspannteren Momente verpflichten lassen. Zum zweiten Mal hat er schon das - für ihn offensichtliche - Vergnügen, Burt Peterson (Michael Gaston) zu entlassen. Der wehrt sich mit Händen und Füßen, gegen das Verkaufsgenie Roger hat er jedoch nicht mal den Hauch einer Chance: „You're a real prick, you know that?“ Sterlings eiskalte Replik: „Damnit Burt, you stole my goodbye.“
Slattery, der bei der Episode zum wiederholten Male Regie führte, darf seinem Charakter auch wieder ein recherchewürdiges Popkulturzitat in den Mund legen. Den in der Folge abwesenden Ken Cosgrove (Aaron Staton) beschreibt er gegenüber Peterson als „six foot version of Alan Ladd“, den berühmten Filmschauspieler. Auch Draper und Chaough lassen in ihrem alkoholgeschwängerten Meeting ihre Affinität zur Populärkultur anklingen: „,Gilligan Island' always works. Every brand is represented.“
My mother can go to hell. Ted Chaough can fly her there.
Außer der Tatsache, dass sich sämtliche kreativen Kräfte der beiden Agenturen die Köpfe darüber zerbrechen, wie denn nun die Margarineprodukte des neuen potentiellen Kunden Fleischmann's vermarktet werden könnten, haben sich die witzigen Einlagen jedoch schon erschöpft. Peggy Olson (Elisabeth Moss) darf noch einmal mit ihrem historischen Detailwissen glänzen, als sie preisgibt, dass Margarine für die Armee Napoleons III. erfunden wurde, um ein haltbares Produkt für die vielen Ortswechsel des Militärs bereitstellen zu können.

Danach jedoch widmen sich die Autoren ihrer neu gefundenen Abneigung gegen Draper und Campbell. Der eine geriert sich gegenüber seiner Affäre Sylvia Rosen (Linda Cardellini) als sexueller Dominator, der andere behandelt seine eigene Mutter (Channing Chase) wie ein Stück Vieh, das es schnellstmöglich abzuschieben gilt. Statt sich um die demente Dame zu kümmern, nutzt er ihre Alterskrankheit aus, um sie sich vom Hals zu halten. Schließlich sind ihre Missgeschicke dafür verantwortlich, dass er das wichtige Meeting mit Mohawk Airlines verpasst, zu dem Don und Ted kurzentschlossen alleine aufbrechen. Fortan fürchtet er um seinen Arbeitsplatz, wie er sich sowieso ständig vor allem fürchtet.
Ein anderer Charakter, der sich um seine bevorstehende Entlassung („Last to be hired, first to be fired“) herumcharmiert, ist der dauergrinsende Bob Benson (James Wolk). Als Joan Harris (Christina Hendricks) von peinigenden Schmerzen geplagt wird, nimmt er sich ihrer an und begleitet sie ins Krankenhaus. Dort bequatscht er eine Krankenschwester so lange, bis diese einen früheren Arztbesuch für Joan ermöglicht. Die Belohnung kommt kurze Zeit später: Joan rettet ihm den Job. Pete weiß währenddessen genau, was vor sich geht, hält aber - anscheinend zum ersten Mal in seinem Leben - die Schnauze.
Sylvia zieht derweil während ihrer zumindest teilweise unfreiwilligen Gefangenschaft im Hotelzimmer die richtigen Schlüsse aus Dons widerwärtigem Gebaren: „It is time to go home.“ Als Don realisiert, dass sie es ernst meint, wandelt sich seine Allmachtsfantasie (hier einige Kostproben: „You exist in this room for my pleasure.“ Oder: „Who told you you were allowed to think?“) in erbärmliches Betteln um ein Überdenken. Sylvia jedoch bleibt glücklicherweise stark.
Gezwungenermaßen muss er sich also wieder mit seiner Ehefrau Megan (Jessica Paré) abegeben. Während sie fleißig Urlaubspläne schmiedet, driften seine Gedanken ab. Er liebt sie nicht. Er liebte Sylvia nicht. Er liebt nur sich selbst.
Fazit
Die Autoren von Mad Men schaffen es in der aktuellen Episode Man with a Plan, viele Elemente der die Serie so einzigartig machenden Palette unterzubringen. Die Geschichte um die Agentur wird vorangetrieben, die Absurdität des Werbegeschäfts (Margarine!) porträtiert, historische und popkulturelle Referenzen eingebaut und, ach ja: Zwei Charaktere erhalten eine ordentliche Tracht Prügel - dramaturgisch gesehen.
Besonders interessant ist dabei die Beschäftigung mit der Dynamik zwischen Chaough und Draper, den beiden Stars ihrer Agenturen. Der an Krebs erkrankte CGC-Partner Frank Gleeson (Craig Anton) gibt Ted dabei den entscheidenden Tipp aus dem schier endlos zitierfähigen Werk des chinesischen Kriegsphilosophen Sun Tzu: „If I wait patiently by the river, the body of my enemy will float by.“
Warten soll er also. Und sich am besten nicht mehr mit Don im Vieltrinken messen. Den Wettbewerb verliert er nämlich, wie er schmerzlich feststellen muss. Immerhin findet er in Peggy Olson eine Fürsprecherin und damit auch einen der wenigen Charaktere, die sich trauen, dem großen Draper die Meinung zu geigen.
Eventuell porträtierte diese Episode ja zum ersten Mal den echten Don Draper. Aber wer will diesen Charakter überhaupt sehen? Seine Marketingideen werden jedenfalls nicht besser durch die Erfüllung seiner sexuellen Phantasien. Ganz im Gegenteil zur sechsten Staffel: Der Mix aus Dunkel und Hell, Absturz und Höhenflug, Dekonstruktion und Aufbau verschafft ein spannendes Sehvergnügen. Die Einbindung der historischen Ereignisse und Umwälzungen dient da nur noch als Sahnehäubchen.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 15. Mai 2013(Mad Men 6x07)
Schauspieler in der Episode Mad Men 6x07
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