Lucifer 2x05

Schon zu Beginn der Episode Weaponizer merkt man, dass es diese Woche wohl heiß hergehen wird - denn Engel Uriel (Michael Imperioli) kommt zu Besuch und enthüllt in einer gekonnten Anfangsszene gleich einmal, dass Chloes (Lauren German) Autounfall kein Unfall war. Denn der Engel hat - „Butterfly Effect“ lässt grüßen - durch die Manipulation einer Ereigniskette den schmerzhaften Unfall von Lucifers (Tom Ellis) Lieblingsdetective verursacht. Ein sehr schöner Einstand in die Episode, auch wenn darauf folgend etwas zu viel erklärt wird, wie Uriel durch die Manipulation von Mustern das Gebot, keine Menschen zu töten, verletzen kann.
Uri Must Go Home
Doch allgemein ist das einzig schlechte an Uriels Auftritt eigentlich, dass er schon so früh endet, denn Michael Imperioli spielt das verletzte Außenseiterkind herrlich düster, diabolisch und selbstgerecht. Hier scheint sogar etwas die Comic-Vorlage durch, wo es auch die Engel sind, die einem am bösesten vorkommen. Der Druck, unter dem Lucifer und Amenadiel (DB Woodside) stehen, sorgt dafür, dass letzterer sich endlich bewusst wird, auf welcher Seite er steht. Er ist nun ein gefallener Engel, auf der Seite seines jüngeren Bruders und seiner Mutter (Tricia Helfer) - „Welcome to the club, meetings are on tuesdays.“

Das Team Lucifer versucht dann auch, irgendwie Uriels Forderung nach der Auslieferung Charlottes zu umgehen. Besonders Amenadiels Auftritt sei dabei erwähnt, der trotz fehlender Kräfte in einem Bluff versucht, Uriel wieder gen Himmel zu schicken, was allerdings katastrophal scheitert.
Und so muss es am Ende Lucifer selbst richten, der in einer verlassenen Kirche - der perfekte Platz für eine himmlische Konfrontation - den wahren Plan Uriels erfährt. Der Engel möchte seine Mutter nämlich nicht zurück in die Hölle begleiten, und er ist auch nicht im Auftrag seines Vaters hier. Eigentlich fürchtet er, dass nicht nur Amenadiel und Lucifer seiner Mutter vergeben könnten, sondern auch sein Vater irgendwann, weswegen er mit einem existenzvernichtenden Schwert (auch hier kommen ähnliche Dinge in der Vorlage vor) dem Dasein von mommy ein Ende bereiten möchte.
Als Konsequenz für das Nichtbeachten seiner Wünsche droht er seinem Bruder an, eine Ereigniskette in Gang zu setzen, die Detective Decker binnen zwei Wochen umbringen würde - ein wahnsinnig spannendes Konzept, das leider nicht umgesetzt wird. Hier wurde Uriel nach einem zugegebenermaßen ziemlich beeindruckenden Kampf, bei dem nicht nur Lucifer, sondern auch Maze (Lesley-Ann Brandt) mal wieder austeilen konnte, leider zu schnell getötet. Der Engel hätte gut auch als big bad der Staffel funktioniert und es ist wirklich schade, Michael Imperioli so früh gehen zu sehen. Auch das Konzept des bevorstehenden Todes von Chloe hätte die kommenden Episoden sicher wahnsinnig spannend gemacht.
Ninjas And Tons Of Nudity
Doch auch der sonst eher lahme case of the week kann diese Woche endlich mal wieder völlig überzeugen. Gut, der Mord an sich ist einem immer noch recht egal, aber die Autoren nutzen die Ermittlungszeit für einige herrliche Reminiszenzen an das Actionkino der Neunziger. Die wahre Kirsche auf dem Kriminal-Eis ist dabei das Auftreten der ikonischen Charisma Carpenter (Buffy the Vampire Slayer, Angel) und des brillant spielenden Mark Dacascos, der die abgehalfterte Action-Ikone mit sichtlicher Spielfreude verkörpert.

Doch nicht nur die Charaktere des Kriminalfalls überzeugen, dieser dient auch noch dazu, Lucifer und Detective Douche (Kevin Alejandro) eine unwahrscheinliche Gemeinsamkeit zu bieten, denn beide sind große Fans des Actionkinos. Getoppt wird der Fall mit einem herrlichen Ende, in welchem der von Dacascos gespielte Action-Star in wahrer Neunziger-Manier mit der Schrotflinte Rache üben möchte - ein Moment, in dem der Zuschauer tatsächlich einmal kurz um das Leben von Detective Decker fürchtet.
Dieser wird daraufhin auch einmal Zeit gegeben, nicht immer nur die klischeehafte taffe Polizistin zu spielen, die ausschließlich an den Job denkt und ihren Unfall einfach so akzeptiert. Denn Decker hat natürlich Angst, denn sie ist auch nur ein Mensch - obwohl... das steht noch auf einem ganz anderen Blatt.
Fazit
Lucifer macht in dieser Woche fast alles richtig. Tolle Gastdarsteller, ein unterhaltsamer Fall der Woche und dennoch genug Zeit, die Haupthandlung etwas voranzutreiben. Dazu fehlt auch der typische Charme der Serie nicht - hier muss ich noch einmal die herrliche Szene erwähnen, in welcher Trixie (Scarlett Estevez) ihrer Mutter ihre Angst gesteht, während Lucifer im Hintergrund Mazes Sexspielzeug auspackt. So verbindet man Ernstes und Humor richtig.

Lediglich das etwas rasche Ende von Uriels Auftritt am Ende der Episode ist ein kleiner Wermutstropfen, hatte die Figur und das Konzept des verzögerten Todes doch noch so viel Potenzial. Auch wie es von hier aus weiter gehen soll, ist mir noch unklar. Und so langsam könnte auch mal wieder die mysteriöse Beziehung zwischen Lucifer und Chloe eine Rolle spielen, die in dieser Staffel eher stiefmütterlich behandelt wurde.
Ebenfalls steht für mich mittlerweile hinter Charlottes Charakter ein großes Fragezeichen. Es scheint mir, als wüssten die Autoren nicht mehr wirklich etwas mit ihr anzufangen, außer dem gelegentlichen Scherz darüber, dass sie nicht weiß, wie ihre Kinder zur Schule gehen müssen. Dieser Teil wirkt allerdings auch unausgegoren, denn gegenüber den Kindern spielt hier Lucifer weiterhin vor, dass ihre Mutter noch am Leben wäre - das hätte man einfach besser lösen müssen, und nicht so sehr auf jeden möglichen billigen Witz abzielen. Doch all diese Kritik ist im Moment Meckern auf hohem Niveau.
Verfasser: Benedikt Pichl am Dienstag, 25. Oktober 2016(Lucifer 2x05)
Schauspieler in der Episode Lucifer 2x05
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