Lucifer 2x06

Nachdem es sich schon am Ende der letzten Woche andeutete, dass Lucifer (Tom Ellis) den Mord an Bruder Uriel (Michael Imperioli) nicht so einfach verkraften wird, widmet sich die Serie in dieser Woche fast ausschließlich den psychischen Belastungen, die nach seiner folgenschweren Entscheidung auf den Höllenfürsten zukommen.
No Sex-Swings!
Da unser charmanter Hauptcharakter sich handlungsbedingt eine Auszeit von seiner lockeren Art nimmt, liegt es in dieser Woche ganz an Trixie (Scarlett Estevez) und Maze (Lesley-Ann Brandt), die komische Seite der Serie zu stemmen. Das führt dazu, dass beiden Charakteren endlich einmal wieder gemeinsame Spielzeit gegeben wird, was sie auch hervorragend ausnutzen.
Nach dem Zusammenziehen von Maze, Trixie und Chloe (Lauren German) gibt es einigen Gesprächsbedarf, denn die Dämonin lässt zunächst einmal Trixie auf ihrer Sexschaukel herumschwingen. Doch der plötzliche Ausfall einer Babysitterin, die Mazikeen beim Umgang mit ihren Spielzeugen beobachtet hat, zwingt Chloe dazu, Maze als Ersatz-Sitterin zu beauftragen - inklusive der Bitte, mit Trixie trick-or-treating zu gehen.

Die raubeinige Art von Lucifers ehemaliger Dienerin sorgt dann dafür, dass neben Süßigkeiten auch noch zahlreiche Geldscheine in der Tasche der kleinen Mars-Präsidentin landen. Der College-Besuch Trixies wird also spätestens nach einigen weiteren Jahren Halloween mit Maze finanziell abgesichert sein.
Doch neben der komischen Seite kann diese Geschichte auch durch den Bezug zur Haupthandlung rund um Lucifer punkten. Denn nicht nur dieser enthüllt in Monster sein wahres Wesen einem vertrauten Menschen, auch Mazikeen zeigt Trixie ihr wahres Gesicht - diese denkt dabei natürlich an eine Kostümierung. Comicleser wissen diese Verneigung vor dem Ursprungsmaterial noch einmal besonders zu schätzen, schließlich hat die Dämonin in der Comicreihe stets ein halb verwestes Gesicht.
Did What I Had To Do
Ganz ungewohnt düster geht es derweil in der Haupthandlung um Lucifer zu. Denn dieser ist so getroffen vom Verlust seines Bruders, dass er völlig aus der Bahn geworfen wird und ganz dem Alkohol und dem zwanglosen Beischlaf verfällt. Dieser neue, verlotterte Lucifer fällt dabei sofort Partnerin Chloe auf, die mehrfach ehrlich versucht hinter den Grund für sein auffälliges Verhalten zu kommen. Doch der blockt ab und fällt stattdessen durch besonders regelwidriges Verhalten im aktuellen Fall auf, was bis zum Diebstahl der Marke und Waffe von Detective Douche (Kevin Alejandro) und einem anschließenden Schlag ins Gesicht führt.
Dabei wird das Verhalten Lucifers allerdings teilweise etwas zu klischeehaft und vorhersehbar und auch die Ausrede, er habe schließlich noch nie jemanden umgebracht, ist nur schwer nachvollziehbar. Dass ein Jahrtausende altes Wesen so menschlich reagiert, muss man, um dem Verhalten Lucifers hier etwas abzugewinnen, einfach akzeptieren.

Auch dass er Linda (Rachael Harris) so bereitwillig vom Tod seines Bruders erzählt, während er Chloe nicht einmal diese einfache Tatsache eröffnet, ist nicht ganz nachvollziehbar. Letztere bringt ihn aufgrund seiner Verschlossenheit schließlich dazu, sich seiner Therapeutin anzuvertrauen, die dabei absolute Ehrlichkeit zur Bedingung macht. Die anschließende Selbstoffenbarung Lucifers stellt eine sehr bedeutungsvolle Szene dar. Seine Verzweiflung, die ihn dazu bringt, sein teuflisches Gesicht zu zeigen und die anschließende Resignation zählt wohl zu den stärksten Momenten der gesamten Serie.
A Mother Knows
Zu den schwächeren Momenten der Episode zählt leider auch diese Woche wieder einmal die Handlung um Charlotte (Tricia Helfer), deren Figur die Autoren seit einigen Episoden nur schwer in die Handlung integrieren können. Störend ist auch, dass der Charakter einfach zu blass ist - außer einer gewissen, eventuell nur gespielten mütterlichen Fürsorge fällt einem keine wirklich markante Eigenschaft Charlottes ein.
Dennoch ist sie es, der Amenadiel (DB Woodside) sich anvertraut, der sich, genau wie sein Bruder, schuldig am Tod Uriels fühlt. Er macht einen Spaziergang mit Muttern zum Grab seines von Azraels Schwert gerichteten Bruders, welches vorher von Lucifer gegraben wurde. Dieser Moment bringt den aufrichtigen Engel schließlich zu einer folgenschweren Entscheidung: Er sagt sich von seinem Vater los.

Leider bleibt dieser eigentlich für die Handlung sehr schwerwiegende Moment merkwürdig gleichgültig. Im Gegensatz zu Lucifers sehr realem Schmerz und der Art, wie er seine Mitmenschen beeinflusst, bleibt das Lossagen des Sohnes von seinem Vater praktisch konsequenzlos, da wir (noch) keinerlei Auswirkungen dieser Entscheidung zu sehen bekommen. Er sagt, er habe Vati nicht mehr lieb, aber das war es auch schon.
Hatten wir dabei mit Uriel endlich einmal wieder einen himmlischen Akteur, der zumindest stellvertretend für Gott sprechen konnte (auch wenn seine Pläne nicht abgesprochen waren), fehlt uns diese Seite des brodelnden Konflikts jetzt völlig, womit Amenadiel einfach nur gegen eine für den Zuschauer unsichtbare Macht ankämpft, die bisher keinerlei eigene Aktion gezeigt hat.
Fazit
Lucifer schöpft in dieser Woche das dramatische Potential der letzten Entwicklungen größtenteils gelungen aus und sorgt für eine ungewohnt emotionale Episode. Die Konsequenz hieraus ist Lucifers zunehmende emotionale Verwahrlosung, die uns damit leider auch den charmanten Charakter selbst für eine Episode wegnimmt. Hier hoffe ich, dass die Autoren schnell einen Weg finden, Lucifer wieder zu seinem lockeren Selbst kommen zu lassen, da die Serienchemie langfristig nicht ohne ihn auskommt.
Verfasser: Benedikt Pichl am Dienstag, 1. November 2016Lucifer 2x06 Trailer
(Lucifer 2x06)
Schauspieler in der Episode Lucifer 2x06
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