Lucifer Staffel 5
Lucifer Staffel 5 Episodenguide
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Binge und Allgemeines
Bevor es um die Handlungen und Figuren der ersten Hälfte der fünften Staffel gehen soll, möchte ich ein wenig auf die veränderte Strukturierung der neuen Staffeln eingehen. Da hatte ich schon ein bisschen etwas im letzten Review zur vierten Staffel angemerkt, was größtenteils auch für die fünfte Staffel Bestand hat.
So finde ich es erneut schade, dass alle acht Folgen am Stück bereitgestellt werden. Sicher, wir müssen dadurch nicht lange auf den nächsten Fall, die Weiterführung der Charaktere, et cetera warten, aber andererseits gibt es auch kaum Zeit, die gerade erst gesichtete Folge länger zu verarbeiten, geschweige denn, zu jeder Episode ein Review zu verfassen (wie ich es bevorzuge). Der Zwang, auf die nächste Woche zu warten, sorgt sicher nicht nur bei mir dafür, dass ich die Episoden länger sacken lasse, Theorien zur nächsten Folge aufstelle oder die Spannung sich im Nachhinein noch ein gutes Stück steigert. Natürlich könnte ich mir auch auf Netflix oder Amazon Prime Video nur eine Episode pro Woche ansehen - die Serie läuft ja nicht weg -, aber die Versuchung, direkt weiterzuschauen und eine ganze Staffel (oder eben Staffelhälfte) direkt zu verschlingen, ist doch oft größer. Im Endeffekt erhalte ich dadurch einen wesentlich größeren Happen, lasse mir aber kaum Zeit, um jeden Gang des Menüs zu genießen. Das geht erst wieder nach der achten Episode, wobei die Wartezeit auf die Fortsetzung dann umso länger ausfällt.

Was mir nun direkt in der fünften Staffel auffällt, ist der Bezug der einzelnen Kriminalfälle zu unseren Figuren. Das ist sicher nicht neu, schließlich haben auch zu den Zeiten, als die Serie noch bei FOX lief, die Fälle der Woche einen Einfluss auf die Haupt- und/oder Nebenfiguren genommen, diverse Aspekte oder Parallelen aufgezeigt, von denen unsere Charaktere etwas lernen oder sich verändern können. Es ergibt auch Sinn, wenn Detective Chloe Decker (Lauren German) sich beispielsweise in den Täter hineinversetzt, das Motiv sucht oder einfach nur nachvollziehen will, wie es zum Mordfall gekommen ist. Das gilt natürlich auch für die anderen (ermittelnden) Figuren wie Ella Lopez (Aimee Garcia), Dan (Kevin Alejandro) oder auch Lucifer (Tom Ellis) selbst.
Ich gewinne aber zunehmend den Eindruck, dass die Fälle ausschließlich für die Figuren gestrickt werden, teilweise sogar arg zurechtgebogen werden, um diesen Effekt hervorzurufen. Nicht immer, denn manchmal sind es nur ein paar einzelne Punkte, die Lucifer oder Chloe darauf aufmerksam machen, dass der neue Fall ein paar Parallelen für sie bereithält. Aber Episoden wie „Diablo“ - die vornehmlich lustig sein soll, größtenteils auf Chloes Kosten - oder Spoiler Alert - in der der Serienkiller Pete (Alexander Koch) entlarvt wird - sind dann doch zu sehr auf unsere Figuren und deren Reaktionen gemünzt, als dass man das noch als zufällig bezeichnen könnte. Es wirkt da in meinen Augen zu auffällig, dass die Autoren sich die Fälle für unsere Figuren aussuchen und das gerade im Fall von Pete, bei welchem Ella die ganze Tragweite zu spüren bekommt (mehr dazu gleich), viel zu konstruiert.
The Devil You Know?

Aber kommen wir zu den Handlungen. Lucifer hat sich zurück in die Hölle begeben, um die Dämonen zufriedenzustellen und eine Apokalypse zu verhindern. Während für Chloe und Co gerade mal zwei Monate vergangen sind, ist unser Teufelchen bereits tausende Jahre wieder zu Hause. Wobei der aktuelle Fall aus Really Sad Devil Guy sowohl von „unten“ als auch von „oben“ betrachtet wird.
Der Auftakt zur fünften Staffel hat mich direkt abgeholt. Die unterschiedlichen Perspektiven sind gut gewählt, wir bekommen einen Eindruck vom „Geschäft“ der Hölle, während Chloe zusammen mit Mazikeen (Lesley Ann-Brandt) auf Tätersuche ist - vielleicht nicht die passendste Wahl als Lucifer-Ersatz, aber fraglos eine, die nicht selten ein Grinsen beim Zuschauer hervorruft. Dan und Ella wurden derweil mit einer Florida-Ausrede abgespeist, die Lucifers Abwesenheit erklären soll, aber zumindest bei Ella für Fragen sorgt. Aber alles soll sich wieder ändern, wenn Lucifer gegen Ende der Folge seinen großen Auftritt hinlegt und sich zurückmeldet - Veränderungen inklusive.
Leider wurde die große Offenbarung bereits im letzten Trailer zur Staffel abgeliefert, denn statt Lucifers Rückkehr ist es sein Zwillingsbruder Michael (Phil Kruse agiert hier übrigens in mehreren Szenen für den doppelten Ellis als Double), der sich daran versucht, Lucifer zu verkörpern. Michael dürfte jedem ein Begriff sein, der sich mit den Erzengeln und der „himmlischen Geschichte“ mal ein wenig beschäftigt hat. Lucifers Opfer (sein erneuter Abstieg in die Hölle) im letzten Staffelfinale hat Michael offenbar dazu gebracht, ins Geschehen einzugreifen, weil Lucifers Ruf in den himmlischen Gefilden dadurch wieder angestiegen ist. Zeit also, diesen Ruf (erneut) zu schädigen und die Himmelsgeschichte abermals ein wenig auf den Kopf zu stellen.
Mir kommt diese Offenbarung (trotz des Trailers) allerdings viel zu schnell. Ich hätte gerne noch ein bis zwei Fälle mehr gesehen, die von oben und unten betrachtet werden, ehe Michael seinen Auftritt hinlegt. Gleiches gilt für Michaels Versuche, Chloe um den Finger zu wickeln, wie er es in Folge zwei ausgiebig versucht. Stattdessen wird auf charakterlicher Ebene gehetzt und ein bisschen Hals über Kopf bereits am Ende der zweiten Episode gezeigt, dass Chloe Michael durchschaut hat. Wobei ich keineswegs kritisieren möchte, was dort eingetreten ist, denn alles wird gut begründet; ich kritisiere hingegen vielmehr, dass diese Punkte zu schnell vorgetragen werden.
Michael

Wer ist nun aber dieser Michael und weshalb macht er überhaupt das, was er macht? Nun, Michael ist offenbar der Staffelgegner für unser Gespann und sehr gut darin, die Ängste unserer Figuren gegen sie zu nutzen. Maze kann er sogar im Verlauf der Season auf seine Seite ziehen, weil er ihr eine Seele verspricht - ob das eine seiner Lügen ist oder nicht? Abwarten. Michael bringt aber auch genug Wahrheit ins Spiel, um Chloe und alle anderen zu verunsichern. Nicht zuletzt auch Amenadiel (D. B. Woodside), der sein gemeinsames Kind mit Linda (Rachael Harris), Charlie, immer für einen Teil der himmlischen Familie gehalten hat, ehe Michael ihm aufzeigt, dass es sich offenbar „nur“ um ein menschliches Kind ohne besondere Fähigkeiten handelt. Der Cliffhanger weckt da offenbar noch viele Fragen, die nur Gott (Dennis Haysbert) beantworten kann. Ob der das nach seinem Auftritt in Folge acht auch macht, steht aber wieder auf einem anderen Blatt...
Beeindruckend ist derweil die Darstellung von Michael gelungen. Tom Ellis schafft es, seinen Zwilling glaubhaft zu porträtieren und kann sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede beider Figuren zur Geltung bringen. Ich hätte es da wie gesagt spannend gefunden, ohne jegliches Vorwissen über Michael die zweite Episode zu betrachten und frage mich, ob es ihm dann auch gelungen wäre, mich ein wenig an der Nase herumzuführen.
Michaels Rolle als Bösewicht, der andere manipuliert, erhält im Staffelverlauf immer mehr Gewicht. Das wird auch deutlich, als er Lucifer gegenüber erwähnt, sämtliche Ideen - wie Lucifers Rebellion gegen Gott oder den Sündenfall im Paradies - in dessen Kopf gepflanzt zu haben. Zwar wird unser Teufel damit für seine Taten nicht aus der Verantwortung genommen, denn durchgeführt hat er sie fraglos, aber als heimlicher Ideengeber ist Michael damit die diabolischere Figur. Diese Offenbarung stellt natürlich das Bild von Gut und Böse, wie wir es kennen, ein bisschen auf den Kopf, ist aber ein durchaus interessanter Schachzug. Wobei wir im Staffelverlauf mehrfach Zeugen von Michaels Manipulationen werden, die das Miteinander unserer Protagonisten immer wieder auf die Probe stellen. Neben Chloe, Maze, Linda und Amenadiel trifft es auch Dan, der diese Staffel das wahre Gesicht Lucifers zu sehen bekommt und entsprechend handelt. Somit sind mit der Ausnahme von Ella jetzt auch alle eingeweiht, was die himmlischen Figuren betrifft.
It Never Ends Well for the Chicken

Die vierte Episode der Staffel stellt eine kleine Besonderheit dar, denn hier erwartet uns ein Ausflug in die Vergangenheit. Genau genommen geht es ins Jahr 1946 und nach New York City, in welchem Lilith alias Lily Rose ihren Ring vermisst. Die Episode ist in Schwarz-Weiß gehalten, bietet mehrere Gesangseinlagen und lässt unseren Cast in anderen Rollen auftreten (inklusive Tricia Helfer als Shirley Monroe), was zuweilen sehr amüsant anzusehen ist.
Gefesselt hat mich diese kleine Detektivgeschichte allerdings nicht sonderlich. Sie mag wichtig sein, damit wir später nachvollziehen können, weshalb Maze ihre Mutter (L. Scott Caldwell) in der Gegenwart aufsucht und es zum Bruch mit Lucifer kommt. Aber diese Informationshappen hätten sicher auch anders vermittelt werden können, ohne die größere Staffelhandlung für eine ganze Episode zu unterbrechen. Versteht mich nicht falsch, ich mag für gewöhnlich solche Experimente und habe sicher nichts gegen ein wenig Abwechslung, aber mir fehlt einfach die größere Relevanz für diesen Ausflug, so amüsant er auch zu betrachten sein mag.
Werdegänge unserer Figuren

Ich hatte oben bereits angemerkt, dass die einzelnen Fälle in meinen Augen stärker als sonst mit unseren Figuren verknüpft werden. Dementsprechend gibt es sehr viele Entwicklungen und auch Richtungswechsel zu verbuchen. Stellenweise mag das etwas arg schnell gehen, aber im Großen und Ganzen bleiben diese Entwicklungen und Wechsel nachvollziehbar, wodurch die acht Episoden auch sehr spannend gestaltet sind.
Bei Chloe steht natürlich die Frage im Vordergrund, ob sie mit Lucifer zusammenkommen wird, nachdem dieser zunächst Amenadiel als Höllenwächter einsetzt und dieser Job kurz darauf von Gott komplett gestrichen wird. Eigentlich würde Chloe und Lucifer nichts im Wege stehen, aber Michael flüstert ihr eine Wahrheit zu, die den Sinn und Zweck ihrer Existenz infrage stellt - und somit für Komplikationen sorgt, die sie zunächst überwinden müssen. Als Zuschauer sind wir gespannt, ob unsere beiden Hauptfiguren noch zusammenfinden und können schließlich erleichtert sein - denn „es“ passiert tatsächlich. Unsere Autoren sind damit aber noch lange nicht bei einem Happy End der beiden angekommen und führen ein paar Veränderungen ein, die unter anderem Lucifers „Mojo“ betreffen. Zuletzt darf Chloe noch nach den drei Worten fragen, die Lucifer ihr gegenüber bislang nur indirekt gesagt hat: „I love you.“ Und gerade, als er den Satz beginnt, setzt der Cliffhanger ein. Fiese Sache, denn jetzt bleibt es wieder abzuwarten, ob die Beziehung der beiden dauerhaften Bestand haben wird.
Linda und Amenadiel haben derweil einiges mit Charlie zu tun, der sich nur schwer ruhigstellen lässt, erhalten aber immer wieder die Gelegenheit, sich auch bei den anderen mit einzubringen. Amenadiel erhält sogar eine recht amüsante Episode an der Seite von Chloe und kann ihr dort zuletzt vor Augen führen, dass das Wörtchen gift nicht als Geschenk, sondern als Gabe zu verstehen ist. Überhaupt sind die verschiedenen Interaktionen unserer Figuren das, was jeden Charakter stets ein Stückchen weiterbringt. Lindas Rat wird da auch immer gerne entgegengenommen, wobei sie ebenfalls eine eigene Nebenhandlung erhält, die sich mit ihrer Rolle als Mutter beschäftigt und uns offenbart, dass sie bereits eine Tochter hat.
Aber ich möchte jetzt nicht ausgiebig jede Figur unter die Lupe nehmen. Denn das Wichtigste ist, dass jeder zum Zuge kommt, sich mit eigenen Problemen befasst und verschiedene Lösungsansätze findet - nicht selten mit Unterstützung der anderen. Und das bekommt die fünfte Staffel bislang sehr gut hin. Ich finde es nur schade, dass Ella bei ihrer Partnersuche erfolglos bleibt. Dabei hat man ihr mit Pete scheinbar endlich jemanden gegeben, der zu ihr passt - nur, um dann zu enthüllen, dass er ein Serienkiller ist... Hat sie sicher nicht verdient und ich hoffe, sie wird in der zweiten Staffelhälfte noch fündig.
Fazit

Wie sich leicht erraten lässt, bin ich nicht auf ganzer Linie begeistert. Gerade bei den ersten beiden Episoden wäre in meinen Augen mehr drin gewesen, wenn man mit der Enthüllung um Michael etwas gewartet hätte und die Spezialfolge Nummer vier konnte bei mir nicht die gewünschte Wirkung entfalten. Dafür konzentriert sich das Autorenteam aber verstärkt auf unsere Figuren, die in beinahe jeder Episode Entwicklungen und Richtungswechsel durchmachen, für die oftmals der gelungene Gegenspieler Michael verantwortlich ist. Und ist es nicht das Wichtigste, sich auf die Figuren zu konzentrieren? Von mir gibt es jedenfalls vier von fünf Sternen für die ersten acht Episoden, wobei die Wartezeit auf die Fortsetzung nach dem Cliffhanger wieder unerträglich lang wird.
Und wie haben Euch die ersten acht Folgen gefallen?
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zu der neuen Season der US-Serie „Lucifer“:
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