Lucifer 5x16

© ast der Serie Lucifer (c) Netflix
Zweite Staffelhälfte
Der Konflikt zwischen Lucifer (Tom Ellis) und Michael (ebenfalls Tom Ellis) ist mit dem Eintreffen von Gott (Dennis Haysbert) noch lange nicht vorbei. Zwar schafft es der Allmächtige, seine „Söhne“ bei Amenadiel (D.B. Woodside) und Linda (Rachael Harris) zum gemeinsamen Familiendinner an einen Tisch zu bringen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, ehe die Situation eskaliert. Michael wird zwar vorerst zurück in den Himmel geschickt, aber seine Manipulationen machen selbst vor dem Schöpfer keinen Halt, der sich schließlich in den Ruhestand begibt, ohne einen Nachfolger zu benennen. Somit erwartet uns im Staffelfinale der große Showdown zwischen Michael und Lucifer, die beide Anspruch auf den göttlichen Thron geltend machen.
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Aber es geht in der zweiten Staffelhälfte nicht nur um Engel, Gott und Dämonen. Zeitweise schlummert dieser größere Storybogen vor sich hin und schafft Raum für ganz spezielle Episoden, die ihren Fokus verstärkt auf einzelne Figuren richten. Daniel Espinoza: Naked and Afraid ist eine dieser Folgen, die sich ausgiebig mit Dan (Kevin Alejandro) beschäftigt, während sich A Little Harmless Stalking mehr um Linda kümmert, deren Tochter Adriana (Alexandra Grossi) im aktuellen Fall als Täterin in Frage kommt. Ferner gibt es mit Bloody Celestial Karaoke Jam eine waschechte Musical-Episode - übrigens nicht die einzige Folge, in der bestimmte Darsteller ihre Gesangskünste zum Besten geben dürfen.

Figurentechnisch bekommen fast alle Charaktere ihre Momente, teilweise auf die amüsante Art und Weise, öfter aber emotional und auf die Tränendrüse drückend. Vom Stammcast wird kaum jemand vernachlässigt, während es regelmäßig Gastauftritte von bekannten Figuren gibt - selbst im Finale. Für Mazikeen (Lesly-Ann Brandt) spielt neben der Gewinnung einer Seele die Rückkehr von Eve (Inbar Lavi) eine größere Rolle, während Ella (Aimee Garcia) noch die Ereignisse mit Pete (Alexander Koch) verarbeiten muss. Lediglich Chloe Decker (Lauren German) scheint mir eine Figur zu sein, mit der die Macher nicht mehr viel anfangen können. Die Zweifel an der Beziehung mit Lucifer werden weiter geschürt, was komplett unnötig erscheint und ihren Charakter (zumindest in meinen Augen) öfter mal merkwürdige bis nervende Entscheidungen treffen lässt.
Für mich kommt hier in der zweiten Staffelhälfte eine leicht bunte und abwechslungsreiche Mischung heraus. Der Fokus liegt auf den verschiedenen Figuren, ihre Werdegänge, Sorgen und Nöte. Das passt für mich, während die Fälle der „Woche“ oder vielmehr Einzelfolge nur noch dafür da sind, damit unsere Charaktere ihr Eigenleben auf die Beteiligten projizieren können (was sonst nur Lucifer gemacht hat). Überhaupt nicht gefallen hat mir derweil die vorletzte Episode der Staffel, und zwar wegen Dan, der hier unverdienterweise in die Hölle befördert wird. Da mag noch nicht das letzte Wort gesprochen worden sein, aber vorerst ärgert mich diese Entscheidung noch - schließlich hat er das überhaupt nicht verdient und durfte vorher schon explodieren.
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Hauptfiguren
Unsere Hauptfiguren sind noch von den Ereignissen der ersten Staffelhälfte geprägt, müssen versuchen, diese zu verarbeiten und den jeweils richtigen Weg finden, um irgendwie weiterzumachen und (hoffentlich) zu einem glücklichen Leben zu gelangen. Bei Lucifer und Chloe finden sich außerdem die Einflüsse der himmlischen Kreaturen wieder, aber dazu kommen wir gleich noch. Auf menschlicher Ebene soll die Beziehung aber weiter auf wackeligen Beinen stehen, obwohl wir über diesen Punkt bereits hinaus sein sollten. Die Auszeit der beiden, die nach wie vor zusammen Fälle lösen, passt da leider weniger gut ins Bild. Später soll sich das (zum Glück) wieder ändern, auch wenn Lucifer die drei Worte (noch) nicht über die Lippen bringt. Chloes Entscheidung, ihre Karriere als Detective zu beenden, leuchtet mir derweil überhaupt nicht ein (trotz der Einsichten, die sie von ihrer Mutter erhält), obwohl ihre Ängste, die mit Lucifers möglicherweise neuen Position als Nachfolger seines Vaters durchaus berechtigt sind und sie durch die Kündigung zu ihm halten möchte (was sie auch ohne gekonnt hätte).

Dan ist derweil noch dabei, die Existenz der übernatürlichen Kreaturen zu verarbeiten, als er plötzlich Gott gegenübersteht und nun genau weiß, welche Rolle Charlotte (Tricia Helfer) beim Schöpfer einnahm. Damit kommen wir zur Explosionsszene, eine in meinen Augen übertriebene Reaktion von Gott, die aber glücklicherweise direkt rückgängig gemacht wird (leider kann Dan sich aber dran erinnern). Unerwartete Hilfe erhält Dan von Lucifer durch den gigantischen Streich in Folge zwölf, wobei ich diese Episode auch als ein kleines Highlight werten würde. Als Zuschauer riecht man zwar irgendwann den Braten, aber die Schlüsse, die Dan später daraus zieht, lassen ihn wieder positiver auf sich und die Welt blicken. Umso ärgerlicher, dass wir in der vorletzten Folge der Staffel seiner Beerdigung beiwohnen und zudem noch erfahren, dass er jetzt in der Hölle ist. Ich gehe zwar davon aus, dass sich in der sechsten Staffel noch eine Wendung ergibt (vielleicht ähnlich wie bei Lee (Jeremiah Birkett)), aber man weiß ja nie.
Amenadiel erfährt derweil, dass sein Kind mit Linda keine besonderen Fähigkeiten (wie Unsterblichkeit) haben wird und zeigt sich enttäuscht darüber. Harter Tobak für Linda, die selbst sterblich ist und diesen Worten lauschen muss. Aus diesem möglichen Konflikt wird aber nicht viel gemacht, denn der verschwindet irgendwie, während Amenadiel sich mit den himmlischen Geschichten rumschlagen muss und in der Episode, die sich mit Linda beschäftigt, die Beziehung zu ihrer Tochter im Vordergrund steht. Da hätte sich (ähnlich wie bei Lucifer und Chloe in früheren Episoden) aus der Beziehung zwischen Amenadiel und Linda sicher mehr herausholen lassen.
Ella kommt derweil nicht über Pete hinweg und fragt sich, ob ihr Hang zu Serienkillern darauf hindeutet, dass in ihr eine Dunkelheit präsent ist, die unausweichlich ihr Leben dominieren wird. Hier kann Gott tatsächlich mal einen guten Rat geben und sich um eines seiner Schäfchen kümmern. Etwas später kommt auch Dan ins Spiel, dessen Kumpel sie schließlich auf der Beerdigung trifft. Hoffentlich kein Killer, wobei natürlich fraglich ist, ob sich überhaupt etwas ergeben wird. Wichtig ist aber, dass sich ihre Einstellung ändert und sie wieder positiver auf das eigene Leben blicken kann. Ella ist bei mir ohnehin sehr hoch im Kurs und eine der sympathischsten Figuren der Serie, da muss in der nächsten Staffel einfach ein Happy End her.
Maze ist wieder eine andere Geschichte. Irgendwie immer auf eine verdrehte Art und Weise sympathisch und ihr Streben nach einer Seele soll schließlich von Erfolg gekrönt werden. Mit der Rückkehr von Eve kommt auch wieder beziehungstechnischer Schwung auf, der sich sehenlassen kann und abermals die Unsterblichkeitsfrage ins Spiel bringt. Dass Maze sich schnell wieder auf Lucifers Seite schlagen kann, ist nur zu verständlich. Ob mir Maze mit Seele gefällt, kann ich aber nicht genau sagen, denn gerade bei ihr wirken diverse emotionale Momente in den letzten Episoden der Staffel eher fremd oder gar falsch - weil wir sie eben anders kennen.
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Himmlische Geschichte
An erster Stelle steht hier natürlich Gott, der von Dennis Haysbert sehr gut porträtiert wird und dessen Vorliebe für Hühnchen (wie Linda bemerkt) dafür sorgt, dass auch bei uns vieles erstmal nach Hühnchen schmeckt. Gott macht auf jeden Fall einen gutmütigen Eindruck, freut sich über den Nachwuchs von Amenadiel und Linda und zeigt sich als familienorientierter „Mensch“, der für seine Schöpfung nur das Beste will. Aber wie heißt es so schön? Die Wege des Herrn sind unergründlich und entsprechend mysteriös und unbefriedigend seine Antworten auf die Fragen seiner Söhne. Außerdem scheint er die Kontrolle über seine Kräfte zu verlieren (eine nette Erklärung für die Gesangseinlagen) und sein Gedächtnis macht ihm in Resting Devil Face zu schaffen, nachdem er als Mensch unterwegs war und nicht mehr weiß, wo er seine Macht abgelegt hat.
Gott entscheidet sich für den Ruhestand, was die Frage nach einem Nachfolger aufwirft. Während Amenadiel der perfekte Kandidat zu sein scheint, verzichtet dieser aber darauf, denn schließlich will er sich um die eigene Familie kümmern. Lucifer wittert hier seine Chance, was bei Chloe aber die Frage danach aufwirft, ob unser Teufelchen dann noch genug Zeit für sie hat - was mit Blick auf Charlotte mit einem großen „Nein“ beantwortet wird und neuerlichen Beziehungsstress bedeutet. Als in Nothing Lasts Forever das Thema wieder akut wird, betritt Michael erneut die Bühne und entpuppt sich als derjenige, der die Idee vom Ruhestand erst im Kopf des Schöpfers gepflanzt hat, um selbst auf dem himmlischen Thron Platz zunehmen. Eine interessante Wendung, die das Endspiel der Staffel ins Rollen bringt und die Allwissenheit von Gott in Frage stellt. Doch es scheint alles zum großen Plan des Schöpfers zu gehören.
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Staffelfinale
Auch nach einmal drüber schlafen bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob ich das Finale feiern sollte oder nicht. Gehörte es tatsächlich zum großen Plan, dass wir einer Schlacht beiwohnen, die mehreren Engeln das Leben kosten? Wobei die Tode eindeutig auf Michaels Konto gehen, der bei Remiel (Vinessa Vidotto) bereits den Anfang gemacht hat. Außerdem sitzt der Schock bei Chloes Tod nicht, wenn sie schon wenige Minuten später wieder aus dem Himmel zurückgeholt wird. Ähnlich bei Lucifer, der sich für Chloes Rückkehr opfert, um kurz darauf doch wieder unversehrt auf der Erde den Kampf zu Ende zu bringen.
Der Showdown selbst erinnert mit den ganzen kuriosen Kostümen der Engel - als sich die Parteien gegenüberstehen - an ein Cosplay-Event. Das ist erstmal amüsant zu betrachten und beschert einen sehr eigenen Unterhaltungsfaktor. Von over-the-top über herrlich schräg bis lächerlich wäre hier alles drin, aber irgendwie hat mir das Ganze doch sehr gut gefallen. Das muss man schon gesehen haben. Das Ergebnis wirft natürlich die Frage auf, wie es nun in Staffel sechs weitergehen soll. Denn so ein bisschen fühlte sich das schon nach Serienfinale an.
Fazit
Lucifans kommen ganz sicher auf ihre Kosten und dürfen sich auf mehr von allem freuen. Die zweite Hälfte der fünften Staffel ist sehr abwechslungsreich, konzentriert sich auf die Figuren und deren Werdegänge und bringt schließlich den Konflikt zwischen Michael und Lucifer zu einem Abschluss. Mich kann dabei nicht alles überzeugen, aber unterm Strich bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, wobei sich meine persönlichen Highlights in den Folgen zehn und zwölf wiederfinden. Von mir gibt es vier von fünf Sternen. Und von euch?
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Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 30. Mai 2021(Lucifer 5x16)
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