Lucifer 2x02

Lucifer 2x02

Mit der Episode Liar, Liar, Slutty Dress On Fire setzt Lucifer seinen Höhenflug fort und liefert einmal mehr eine klasse Episode ab. Dabei lernen wir endlich Mutter Charlotte kennen und tauchen etwas tiefer in die Mutter-Komplexe des Teufels ein.

Lucifer (Tom Ellis) samt Mutter (Tricia Helfer) / (c) FOX
Lucifer (Tom Ellis) samt Mutter (Tricia Helfer) / (c) FOX

Nachdem bereits die Auftaktepisode der zweiten Staffel von Lucifer überzeugen konnte, lässt die FOX-Dramedy auch diese Woche praktisch keine Wünsche offen. Dabei gibt es zwar auch langersehnte Wiedersehen mit alten Bekannten, doch im Mittelpunkt der Episode steht ganz klar die mother of all things (Tricia Helfer), die auch ich im Folgenden lieber „Charlotte“ nenne, den Namen der Anwältin, deren Körper sie bewohnt.

Supreme Hindquarters

Der Einstieg in diese Episode gibt sich dabei ungewohnt düster: Wir beobachten (noch-nicht) Charlotte dabei, wie die aus der Hölle entkommene von Körper zu Körper springt und dabei den Namen Lucifers (Tom Ellis) schreit. Schließlich landet sie im Körper einer blonden, gerade ermordeten Rechtsanwältin und kann nach der Entfernung des am Tod schuldigen Schraubenziehers ihre Suche nach dem verlorenen Sohn beginnen. So landete sie dann am Ende der letztwöchigen Episode nach mehrtägiger Suche in den Armen Lucifers.

Lucifer (Tom Ellis) hat gemische Gefühle über den neuen Körper seiner Mutter © FOX
Lucifer (Tom Ellis) hat gemische Gefühle über den neuen Körper seiner Mutter © FOX

Dieser Einstieg zeigt deutlich, dass die Autoren ihre Charaktere und ihre Serie ernster nehmen als noch in der letzten Staffel. Langsam werden die vereinzelten emotionalen Szenen, die Staffel 1 erden sollten, immer häufiger, wie der für „Lucifer“ untypische Psychothriller-Einstieg zeigt.

Dass die Autoren dabei auch den Humor als Stärke der Serie nicht vergessen haben, zeigt sich gleich im folgenden Gespräch mit dem Sohnemann: Die seit Supernatural etwas alt gewordene „übernatürliches Wesen muss sich an seinen neuen Körper gewöhnen“-Schiene wird routiniert abgefahren und durch grandiose Kommentare Helfers über ihren eigenen Körper („This stinky human with the exceptional ass.“) ergänzt.

Lucifer ist hingegen von Mutters Wiederkehr ganz und gar nicht angetan - und der offensichtlich gut aussehende Körper Charlottes macht ihm das Wiedersehen nicht leichter. Da fällt es ihm fast nicht auf, dass mit Bruder Amenadiel (DB Woodside) etwas nicht stimmen könnte, der auf wiederholte „Kontaktversuche“ nicht antwortet: „Maybe he's having a wank.“ Bei dem herrlichen Spiel zwischen Helfer und Ellis fällt dem geübten Zuschauer dabei noch ein weiteres Detail auf, nämlich Lucifers Autokennzeichen: Fall1n1 (Fallin' One).

She Mutilated Tammy Twinkletoe

Den Mordfall an Charlottes Körper möchte Lucifer daraufhin umgehend aufklären, um die Intentionen seiner Mutter besser zu verstehen. Doch Chloe (Lauren German) ist gerade mit einem anderen Verbrechen beschäftigt, nämlich dem „Mord“ an Puppe Tammy Twinkletoe durch Tocher Trixie (Scarlett Estevez) - „welcome back!“. Hier lässt sich der gerade durch einen Elternkonflikt geprägte Lucifer natürlich nicht davon abhalten, seine ganz persönlichen Erziehungstipps mitzuteilen.

Nettes Autokennzeichen: Fall1n1 © FOX
Nettes Autokennzeichen: Fall1n1 © FOX

Diese kleine Nebengeschichte verläuft allerdings etwas im Sande, bis auf Chloes Einwurf, das Beste für die Kinder mache diese oft nicht glücklich, sind die Verbindungen zu Lucifers Konflikt kaum zu erkennen. Auch Trixie sehen wir nur zu Beginn der Episode, sodass wir die Auflösung dieses Streits nicht zu sehen bekommen. Aber gut, immerhin bietet der Handlungsstrang ein paar Lacher.

Good Eye, Luce'!

Der Mordfall der Woche ist dabei einmal mehr geschickt in die übergreifende Handlung eingebunden, allerdings als case-of-the-week völlig uninteressant. Die Geschichte rund um Drogen-Kingpins und Kronzeugen wird nur am Rande erwähnt und bleibt den Großteil der Spielzeit völlig irrelevant. Sie dient hier lediglich als Stichwortgeber, um die Haupthandlung voranzutreiben.

Das heißt jedoch nicht, dass der an sich lahme Mordfall nicht zu herrlichen Szenen führt, in welchen Lucifer mal wieder zur Höchstform aufläuft. Dabei bleiben vor allem zwei Zwischenfälle im Gedächtnis. Denn der stets modisch gekleidete Lucy erbarmt sich des völlig verwahrlosten Mannes von Charlotte (Michael A. Goorjian), der aufgrund seiner Vaterpflichten nur noch auf schmutzige Komfortkleidung setzt. Ziemlich Schade, dass seine Makeover-Session von einem Drogenfund unterbrochen wird, denn Lucifer als Modeberater hätte ich gerne gesehen. Immerhin ein Statement konnte er uns dennoch geben: „Hawaiian Print - the eighth deadly sin.

Bei einer Konfrontation in einem Solarium bekommen wir dann wieder etwas badass-Lucifer zu sehen: Um das Leben des Körpers von Mutti zu schützen, unterhält er sich mit einem Drogenboss, der der schönen Anwältin anscheinend ans Leder will. Die währenddessen anstürmenden Handlanger schubst der gute Lucifer einfach links und rechts von sich weg. Auch wenn wir hier mal wieder eine klassische Instanz von „Lucifers Kräfte sind immer genau die, die den Autoren gerade gefallen“ sehen - Spaß macht dieser Anblick trotzdem.

Hat offenbar aufgegeben: Charlottes Mann (Michael A. Goorjian) © FOX
Hat offenbar aufgegeben: Charlottes Mann (Michael A. Goorjian) © FOX

Einen Blick, der dem unaufmerksamen Zuschauer fast entgehen könnte, wirft Lucifer schließlich am Ende ihres Falls auf Chloe, während sie den wahren Mörder Charlottes festnimmt. Und während der berentete Höllenfürst selbst vielleicht seine Gefühle nicht wahrnimmt, der Zuschauer - und auch seine Mutter - können sich nun seiner romantischen Zuneigung zu Chloe sicher sein.

There Aren't enough Cheesy Noodles In The Universe

Zu einem ungewohnt ergreifenden Moment kommt es schließlich am Ende der Episode: Denn weil sie gesehen hat, dass Mütter auf der Erde ihren Kindern Mac and Cheese machen, damit diese sich wohl fühlen, kommt Charlotte mit einem völlig verbrannten Gericht zu Lucifer, um ihn um Wiedergutmachung zu bitten. Dabei akzeptiert Lucifer wiederwillig eine Entschuldigung seiner Mutter, die versuchen möchte, eine neue Beziehung zu ihrem Sohn aufzubauen. Sie enthüllt dabei ein nicht unwesentliches Detail - sie hat ihren Sohn in die Hölle verbannt, da Gott selbst ihn nach seiner gescheiterten Rebellion vernichten wollte. Neben der puren Existenz Charlottes geht auch dieses Detail gegen die Comicvorlage, wie im folgenden Absatz besprochen:

- Achtung! Comicspoiler! -

Denn im Verlauf der Lucifer-Comicreihe findet Lucifer heraus, dass Gott ihn nur in die Hölle verbannte, da dies der von ihm am weitesten entfernte Ort in der Welt ist. So konnte er dem rebellischen, nach Freiheit strebenden Sohn das Maximum an Freiheit bieten. Während der Comic hier also weiterhin einen Allgütigen Gott für seine Welt behalten möchte, haben wir es bei der TV-Adaption wohl eher mit einer alttestamentarischen Version zu tun. Oder die Autoren machen sich darum einfach nicht so viele Gedanken.

- Spoiler Ende -

Schließlich wendet die glückliche Charlotte noch einen Blick in den Himmel, vermutlich zu ihrem Exmann. Ob sie doch Hintergedanken hat? Eventuell eine zweite Rebellion anzetteln will?

Hat eigene Probleme: Amenadiel (DB Woodside) © FOX
Hat eigene Probleme: Amenadiel (DB Woodside) © FOX

Broken Wings

Andere Probleme hat derweil Amenadiel: Bereits in der letzten Episode fanden wir heraus, dass seine Kräfte langsam schwinden und nun erfahren wir auch, woran das liegen könnte. Der Engel hat bei seinem Versuch, seinen Bruder zurück in die Hölle zu bringen, einige moralische Grenzen überschritten, unter anderem im Umgang mit Therapeutin Linda (Rachael Harris). Dafür könnte er nun büßen müssen, denn seine Flügel machen keinen guten Eindruck.

Unerwähnt sollte letztlich auch der Abschluss-Song nicht bleiben - eine Kategorie, die mir bei „Lucifer“ häufig positiv auffällt. Diesmal hat sich wieder ein Lied von Rob Schneiders Tochter Elle King eingeschleust: Während die Sängerin in der letzten Staffel bereits „Where The Devil Don't Go“ beisteuerte, liefert nun der Titel „Last Damn Night“ den passenden Abschluss der Episode.

Fazit

„Lucifer: Liar, Liar, Slutty Dress On Fire“ führt endlich Tricia Helfer als Lucifers Mutter ein, die im Zusammenspiel mit Ellis eine herausragende Figur macht. Die dramatischen und emotionalen Momente zwischen den beiden schaffen es dabei, der Serie eine neue Tiefe zu verleihen. Die einzige Frage, die sich dabei stellt, ist ob man auch in Zukunft den case of the week so elegant mit der Haupthandlung verbinden kann. Wenn die zweite Staffel allerdings das sehr hohe Niveau der ersten beiden Episoden halten kann, bin ich absolut zufrieden.

Verfasser: Benedikt Pichl am Dienstag, 4. Oktober 2016

Lucifer 2x02 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 2
(Lucifer 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Lügen haben kurze Beine
Titel der Episode im Original
Liar, Liar, Slutty Dress on Fire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 3. Oktober 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 11. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 11. August 2017
Autor
Ildy Modrovich
Regisseur
Louis Shaw Milito

Schauspieler in der Episode Lucifer 2x02

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