Lucifer 2x03

Lucifer 2x03

Mit „Sin Eater“ liefert Lucifer sich den ersten kleinen Schnitzer in der zweiten Staffel. Dabei wird ein eigentlich interessanter case-of-the-week durch eine denkbar ungünstige Castingentscheidung beeinträchtigt.

Lucifer (Tom Ellis) wird kinky / (c) FOX
Lucifer (Tom Ellis) wird kinky / (c) FOX

Die zweite Staffel der FOX-Dramedy Lucifer konnte bisher mit zwei großartigen Episoden einen mehr als gelungenen Start feiern. Diese Woche jedoch will das Feuer in der Hölle von Los Angeles nicht so recht zünden.

This Just Got Too Weird

Dabei startet Sin-Eater durchaus vielversprechend. Wir sehen Lucifer (Tom Ellis) beim Wachs-SM-Spielchen mit einer jungen Schönheit, das dann allerdings leider von Mutter Charlotte (Tricia Helfer) unterbrochen wird. Besonders fällt hier neben dem sehr unterhaltsamen Mutter-Sohn-Moment auf, dass die Autoren Lucifer endlich einmal etwas machen lassen, was zumindest ein bisschen ins skandalöse geht. Gut, der Trick mit dem Kerzenwachs ist spätestens seit den Neunzigern nicht mehr wirklich skandalös, aber immerhin darf Lucifer mal etwas tun, was zumindest etwas in eine ruchlose Richtung geht.

Charlotte (Tricia Helfer) unterbricht Lucifer (Tom Ellis) und seine Gespielin (Veronika London) © FOX
Charlotte (Tricia Helfer) unterbricht Lucifer (Tom Ellis) und seine Gespielin (Veronika London) © FOX

Diese scheinbar plötzliche Wiederentdeckung einer etwas dunkleren Seite unseres Protagonisten zieht sich dabei durch die gesamte Episode, leider größtenteils nicht ganz so gelungen. Die diebische Freude etwa, wenn er ein Video ansieht, in dem ein Mensch von einem Nashorn aufgespießt wird, scheint doch etwas fehl am Platze und irgendwie nicht mit dem Charakter vereinbar, als der er bisher dargestellt wurde. Auch das Hinnehmen der diese Woche doch recht grausamen Mordmethoden eines Serienkillers als eine Art gerechte Strafe wirkt etwas übertrieben.

Great Balls Of Fire

Dabei ist der case of the week diese Woche ausnahmsweise einmal interessant und ungewohnt düster: Ein mysteriöser Serienkiller bringt Leute auf die selbe Weise um, auf die sie jemandem in ihrem Leben erniedrigt und das Ganze dann auf einer Social-Media-Platform hochgeladen haben. Aufgelockert wird zumindest der erste Tatort dabei durch ein herrliches Hin und Her zwischen Lucifer und CSI Lopez (Aimee Garcia), wobei die beiden sich für den Fall des brennenden Unterleibs eines Mannes möglichst abstruse Titel überlegen.

Gekrönt wird diese Unterhaltung durch Lucifers Einwurf zum Vorschlag „The Burning Bush“: Eigentlich war er es damals, der sich als brennender Busch getarnt als Gott ausgegeben hat. Solche kleinen biblischen Einwürfe unterhalten und schaffen es, dem Serienuniversum mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Der Fall der Woche wäre also einmal mehr als bloße Pflichtarbeit - zumindest, hätte das Castingdepartment nicht einen altbekannten Krimi-Fehler begangen. Denn sobald der Chuck-Fans bekannte Vik Sahay die Szene betritt, ist jedem Zuschauer sofort klar, wer sich hinter dem Serienmörder verbirgt: Der halbwegs bekannte Gastdarsteller, der Anfangs nur ganz kurz als Randfigur auftaucht. Das ist Schade und drückt doch erheblich auf den Unterhaltungswert des Mordfalls.

Wer war wohl der Bösewicht? Der einzig bekannte Schauspieler (Vik Sahay) © FOX
Wer war wohl der Bösewicht? Der einzig bekannte Schauspieler (Vik Sahay) © FOX

Stealing My Job

Auch die Verbindung des Falles zur Haupthandlung wirkt in dieser Episode etwas konstruiert. Charlotte wirft Lucifer vor, durch seine Tätigkeit als Mitarbeiter bei der Polizei mit der Bestrafung von Menschen immer noch genau das zu tun, was sein Vater von ihm verlangt und damit eigentlich immer noch um seine Gunst kämpft. Doch dieser Vorwurf ist für den Zuschauer mindestens genau so belanglos wie seine Auflösung: Er bestraft nicht, weil man es von ihm will, sondern weil er es besonders gut kann.

Hier wird zum ersten Mal deutlich, wie sehr ein Gespräch zwischen Lucifer und Therapeutin Linda (Rachael Harris) fehlt, denn durch diese Gespräche schaffte es die Serie immer gekonnt, die existentiellen Probleme des Teufels auf eine sympathische, menschliche Ebene herunterzuholen. So aber bleibt das Thema der Episode blass.

The Food comes out changed

Da hilft selbst Tricia Helfers Charakter Charlotte diese Woche nur bedingt, komische Akzente zu setzen. Ihre Versuche, sich in die menschliche Welt einzugliedern, enden jedes Mal gleich: Sie macht etwas unabsichtlich sexuelles beim Versuch, mehr über Lucifers Umfeld zu erfahren. Das scheint dann allerdings bereits nach dem erstem Mal so formelhaft, dass es einem statt einem Schmunzeln nur ein leicht entnervtes Augenrollen abgewinnen kann.

Vor diesem Hintergrund bereitet auch die finale Entscheidung Lucifers Sorgen, seine Mutter als Bestrafung in das Leben ihres menschlichen Wirtes zurückzuschicken. Ganz abgesehen von den moralischen Implikationen zwei kleinen Kindern vorzugaukeln, ihre Mutter sei noch am Leben, kann man sich als Zuschauer auf ein weiteres Abspulen der bekannten Klischees von „Ich lerne das Leben als Mensch kennen und mache dabei tollpatschige Fehler“ nur bedingt freuen.

Der Beginn eines neuen Aufstands? © FOX
Der Beginn eines neuen Aufstands? © FOX

Hey Manbun

Die bereits erwähnte Dr. Martin darf in dieser Episode derweil nur als Stichwortgeber und best friend für Dämonin Mazikeen (Lesley-Ann Brandt) herhalten, die als einzige etwas gegen Charlottes Wirken in Lucifers Leben zu haben scheint. Ihr Plan jedoch, den geschwächten Amenadiel (DB Woodside) einzuschalten, geht nach hinten los, da dieser sich von Gott verraten fühlt. Seine schwindenden Kräfte bringen ihn dazu, die Beziehung zu seinem Vater noch einmal zu überdenken und es scheint gar so, als würde er mit Mutter Charlotte und Lucifer zusammen eine neue Rebellion vorbereiten wollen - Alles Entwicklungen, die den Zuschauer merkwürdig kalt lassen.

Genau so ernst geht es derweil auf dem Polizeirevier zu, denn ein geplanter Familienurlaub führt Chloe (Lauren German) und Noch-Ehemann Detective Douche (Kevin Alejandro) dazu, ihren Beziehungsstatus zu überdenken. Letzterer fällt dabei die schwere Entscheidung, zum Wohle Trixies (Scarlett Estevez) klare Verhältnisse zu schaffen und die Scheidung einzureichen.

Auch hier haben wir eine für „Lucifer“-Verhältnisse relativ bedrückende und schwerwiegende Entscheidung und auch hier kann diese ihre emotionale Wucht nicht recht entfalten, aus einem einfachen Grund: Bis zur Erwähnung der Scheidung konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, dass die beiden überhaupt noch verheiratet waren.

Fazit

Diese Woche lässt einen „Lucifer“ merkwürdig unbeeindruckt zurück, und das, obwohl die Autoren große Geschütze auffahren. Die Handlung wird vorangetrieben, der Fall der Woche ist endlich einmal spannend und Lucifer bekommt ein etwas teuflischeres Profil verliehen. Doch in jeder dieser eigentlich guten Entwicklungen fehlt der typische Esprit, der die Serie ausmacht. Hoffentlich sind diese Ermüdungserscheinungen ein Einzelfall, und das Erscheinen von Michael Imperioli als Uriel kann in einer der nächsten Episoden wieder etwas Schwung in die Figurenkonstellation bringen.

Verfasser: Benedikt Pichl am Dienstag, 11. Oktober 2016
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Lucifer 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Sündenfresser
Titel der Episode im Original
Sin-Eater
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 10. Oktober 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 11. August 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 11. August 2017
Autor
Alex Katsnelson
Regisseur
Mairzee Almas

Schauspieler in der Episode Lucifer 2x03

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