Lethal Weapon 3x01

© esley Cole (Seann William Scott) und Roger Murtaugh (Damon Wayans) in „Lethal Weapon“ (c) FOX
Wer „Lethal Weapon“ verfolgt, ist wohl kaum an den Nachrichten der Streitereien zwischen den Hauptdarstellern Clayne Crawford und Damon Wayans vorbeigekommen, weswegen Crawford am Ende der vorigen Staffel die Serie verlassen musste. Aber lassen wir das Drama-Lama für einen Moment im Stall und konzentrieren uns auf die neue Episode an sich, denn da gibt es einiges zu entpacken.
Worum geht es?
Die Sendung verschwendet keine Zeit und stellt dem Zuschauer sofort Wesley Cole (Seann William Scott) vor, einen CIA-Agenten, der im Nahen Osten stationiert ist. Sein letzter Einsatz geht jedoch auf tragische Weise schief. In Los Angeles ist die Stimmung nicht weniger dunkel. Nachdem Martin Riggs (Clayne Crawford) von seinem kleinen Bruder erschossen wurde, treten harte Zeiten für alle seine Freunde an. Am Schlimmsten trifft es Roger Murtaugh (Damon Wayans), der selbst ein halbes Jahr nach dem Zwischenfall nicht wahr haben will, dass sein Partner nicht mehr da ist und verzweifelt nach einem Sinn hinter Martins Tod sucht. Auch seine Frau und Kinder schaffen es nicht, ihn aus seiner Trauerphase holen. Bei seinen „Ermittlungen", die er auf eigene Faust und ohne polizeiliche Hilfe führt, trifft Roger auf Cole, der nun als einfacher Hilfspolizist in L.A. Strafzettel an Falschparker verteilt. Beide sind hinter der selben Verbrechergruppe her, also arbeiten sie zusammen, um die Täter zu schnappen.
Darf ich vorstellen: Wesley Cole
Wesley Cole ist der neue Partner für Murtaugh und er hat keine leichte Aufgabe vor sich, inner- und außerhalb der Sendung. Eine Hauptfigur zu ersetzen ist schwer, ganz abgesehen von den Umständen, unter denen Riggs aus der Serie geschrieben wurde. Wie schlägt sich der Neuankömmling? Seann Willian Scott verleiht seiner Figur genug eigene Persönlichkeit, dass er nicht wie ein Abklatsch von Clayne Crawfords Darstellung wirkt. Gerade in den Kampfszenen macht er einen guten Eindruck und auch den Humor der Serie trifft er. Was die Chemie zwischen dem neuen Duo angeht, kann man vorsichtig hoffnungsvoll sein. Viele Szenen haben die beiden noch nicht miteinander, aber ihre zufällige Begegnung ist gut inszeniert und es ist nachvollziehbar, warum Roger gerade diesen Polizist als seinen neuen Partner möchte. Die Dynamik der beiden gestaltet sich jedenfalls in dieser ersten Episode etwas anders als bei Riggs und Murtaugh und das ist gut so.

Erstens ist Wesley Cole ein Neuling in der Polizeiwache, weswegen er solche Sachen wie eine Suspension wesentlich ernster nimmt als Roger, der durch Riggs bei so etwas nicht mal mehr mit der Wimper zuckt und jetzt derjenige ist, der Cole zu einem gefährlichen Abenteuer mitschleppt. Zweitens scheint Cole nicht im gleichen Maße die lebensmüden Neigungen seines Vorgängers zu haben (trotz seiner Talents, Chaos anzulocken). Was vielleicht an der Tatsache liegt, dass Wesley seine Familie nicht verloren hat. Im Wesentlichen kann man in ihm den Mann erkennen, der Riggs hätte werden können, wäre seine Frau nicht gestorben. Das ist zwar für den Charakter schön, raubt „Lethal Weapon“ aber viel von dem Tiefgang, den sie durch Martin hatte. Riggs psychische Probleme und seine Suche nach einem Grund zu leben waren ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Teil der Sendung und er fällt plötzlich weg.
Ein Leben nach dem Riggs?
So sehr die Showrunner einen neuen Anfang vorantreiben, scheinen sie sich ihrer prekären Lage, was Riggs und seine Stellung in der Show angeht, bewusst zu sein. Auch wenn er nicht in der Episode zu sehen ist, hängt Martins Tod über der gesamten Episode und wird nicht in den ersten fünf Minuten unter den Teppich gekehrt. Roger hat seinen besten Freund und Partner verloren und das hat ihn eindeutig verändert. Ob diese Veränderungen anhaltend sind, ist abzuwarten, aber vorerst hat Roger die Eigenart seines Partners übernommen, ohne nachzudenken Hals über Kopf in eine Situation zu rennen.
Jedoch trauert nicht nur Murtaugh um Riggs. Der stärkste Moment der Episode ist bei weitem eine rührende Szene zwischen ihm und Dr. Cahill, in der sie sich gemeinsam an Riggs und sein verrücktes Fable für Sprühkäse erinnern. Diese und eine Unterhaltung am Ende des Piloten zwischen Roger und Wesley strotzt nur so von Aussagen, die offensichtlich direkt an die Zuschauer gerichtet sind. „I can't ever replace hin, so I won't even try. But I want to make this work“ (Ich kann ihn nicht ersetzten, also werde ich es gar nicht versuchen. Aber ich möchte, dass das hier funktioniert), sagt Wesley und spricht den Machern der Sendung wahrscheinlich aus der Seele. Und mit dem nächsten Satz vielleicht auch: „I need the job.“ (Ich brauche diesen Job.)
The Show must go on
Wie die Showrunner angekündigt haben, sie viele Aspekte, die „Lethal Weapon“ zu einer guten Serie gemacht haben, noch intakt. Obwohl die Episode relativ düster ist durch Riggs Tod gibt es genug Humor, um die Episode unterhaltsam zu gestalten. Sympathische Nebenrollen wie Avery (Kevin Rahm) und Trish (Keesha Sharp) haben auch ihre Momente, um zu glänzen. Sogar Rogers muffeliger Nachbar taucht für einen Augenblick auf. Die Kämpfe sind aufregend und übertriebene Actionszenen gibt es reichlich. So weit, so gut.
Eine große Stolperfalle gibt es, in die Serie droht zu fallen, und darauf gehen auch zum Teil die oben erwähnten Probleme am Set zurück, jedenfalls laut Clayne Crawford. In einem Interview, das er für den Drinking Bros Podcast gab, erklärte Crawford, dass er und sein Co-Star Damon Wayans sehr unterschiedliche Visionen für die Show hatten. Er kam von dem Drama Rectify zur Show, Wayans machte sich mit Sitcoms einen Namen. Kein Wunder also, dass beide sehr verschiedene Ansichten hatten, in welche Richtung „Lethal Weapon“ atmosphärisch gehen sollte. Jetzt, wo Crawford nicht mehr Teil der Sendung ist und sie durch den Verlust seines Charakters viel an erzählerischen Gewicht verloren hat, könnte die Serie in leichte Unterhaltung abdriften. Das wäre zwar nicht das Schlimmste für eine Sendung, aber es wäre doch ein deutlicher Qualitätsverlust. Hoffentlich entspinnt sich in den weiteren Folgen noch eine größere Geschichte zwischen den beiden Hauptfiguren, möglicherweise eine Art Mentor-Beziehung?
Fazit
„Lethal Weapon“ ohne Riggs ist, was es ist. Die Show versucht in der ersten Episode alles, was sie kann, um die Fans der Serie zurück ins Boot zu holen. Wesley Cole ist eine gute Mischung aus vertrauten und neuen Charakterzügen, allerdings fehlt ihm (noch?) die emotionale Tiefe von Riggs. Die anderen Elemente der Show sind relativ gleich geblieben, es gibt reichlich Humor, mehr unglaubliche Action und hier und da ein paar herzerwärmende Momente. Ob das für den weiteren Erfolg von „Lethal Weapon“ reicht, muss jeder für sich entscheiden.
Verfasser: Johanna Thron am Mittwoch, 26. September 2018Lethal Weapon 3x01 Trailer
(Lethal Weapon 3x01)
Schauspieler in der Episode Lethal Weapon 3x01
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