Legends of Tomorrow 2x17

© ??Legends of Tomorrow“ / (c) The CW
Nicht wenige Zuschauer dürften nach der ersten, oftmals frustrierend hanebüchenen Staffel der Superhelden-Spinoffserie Legends of Tomorrow bedient die Segel gestrichen haben. Ja, irgendwie wollte man doch dranbleiben, um kein noch so kleines Detail oder großes Crossover-Event im „Arrowverse“ von The CW zu verpassen. Die Geschichten um ein illustre Riege an Nebenfiguren aus The Flash und Arrow bewegten sich aber gefühlt stets im luftleeren Raum, ganz gleich dem Wave Rider, mit dem unsere „Legenden“ immer wieder durch die verschiedensten Zeitepochen gurken, um die Welt, das Universum, ach, die Zeit selbst zu retten.
Dafür, dass unserer Heldentruppe in „Legends of Tomorrow“ eine derartig wichtige Aufgabe übertragen wurde, ging man doch sehr salopp mit dieser immensen Verantwortung um. Rip Hunter (Arthur Darvill), zu Beginn der designierte Anführer der Bande und fleischgewordene Expositionsschleuder in Personalunion, warnt zwischendurch in schöner Regelmäßigkeiten vor den Gefahren des Zeitreisens, was man tun darf, was nicht... nur um letztlich doch ignoriert zu werden. Das Resultat: sehr viele kurzfristige Lösungen und eine nicht enden wollende Spirale des Chaos, die auf das riskante Handeln und die „Wird schon irgendwie!“-Attitüde unserer Protagonisten zurückzuführen ist.
Why not Aruba?
Das kann sehr ärgerlich sein, aber natürlich auch ein Stück weit unterhaltsam. Für die zweite Staffel von „Legends of Tomorrow“ sind die Serienmacher Greg Berlanti, Marc Guggenheim, Andrew Kreisberg sowie Phil Klemmer und ihre Autoren nun einem leicht veränderten Ansatz gefolgt. Ja, es wird immer noch verantwortungslos mit dem Raum-Zeit-Kontinuum umgegangen, was Time Quakes, Time Storms und viele andere absurde Time-Katastrophen zur Folge hat, so zum Beispiel auch im Staffelfinale Aruba. Damit muss man sich wohl einfach arrangieren, wenn man dem Superheldenformat weiterhin die Treue hält.
History's last line of defense
Neu ist in Staffel 2 jedoch, dass sich die Verantwortlichen jetzt dem Unsinn voll und ganz hingeben. Und siehe da, der Unterhaltungswert erhöht sich, der Quatsch macht offenbar allen Beteiligten eine ganze Menge Spaß und irgendwelche seltsamen wissenschaftlichen Erklärungen sowie extrem konstruierte Plotelemente gehen etwas besser runter. Was nicht bedeutet, dass „Legends of Tomorrow“ sich zu einer Serie gewandelt hat, die man sich unbedingt anschauen sollte. Der Wahnwitz und die skurrilen Geschichten sind nun irgendwie einfacher zu ertragen, gerade weil man auf ein bierernstes Korsett für die fantastischen Abenteuer verzichtet, die man sowieso nicht logisch hinterfragen sollte.
Frei nach dem Motto: Hauptsache erst einmal Spaß. Einen etwas tiefergreifenderen, dramatischen Handlungsbogen können wir später immer noch hinzufügen. Probleme gibt es aber wie bereits angedeutet trotzdem. In der zweiten Staffel von „Legends of Tomorrow“ sehen wir im Grunde genommen diverse Schnitzeljagden durch die verschiedensten Zeitepochen, in der zweiten Staffelhälfte entwickelt sich dann mehr und mehr ein Plot über den „Spear of Destiny“, mit dem die gemeine „Legion of Doom“ (bestehend aus Damien Darhk, Malcolm Merlyn, Eobard Thawne und später noch Captain Cold) die Realität zu ihren Gunsten verändern möchte (was auch gelingt, wie die alternative Welt in der vorletzten Episode Doomworld zeigt), während die „Legends“ dies verhindern wollen.

Correct the Abberation
Während zum Ende der zweiten Staffel von Legends of Tomorrow in der Tat ordentlich Schwung in die Kiste kommt und die Hatz nach dem mächtigen Speer durchaus kurzweilig, mitunter gar spannend ist (wenn auch nicht weniger hanebüchen als alle andere Storylines), wird man als Zuschauer mit höheren Ansprüchen in der ersten Staffelhälfte etwas auf die Probe gestellt. Folge für Folge wird nämlich ein neues „Gimmick“ abgespult, ob es für unsere Heldentruppe nun in den wilden Westen, ins feudale Japan (vielleicht der absurdeste Trip überhaupt) oder ins Chicago der 1930er Jahre geht.
Die Charaktere dürfen munter ihre Garderobe wechseln, bei derartigen Oberflächlichkeiten bleibt es aber leider auch. Zwar versucht man sich daran, die einzelnen Figuren ein Stück weit zu ergründen, letztlich handelt es sich jedoch immer wieder um sehr platte „Abenteuer-der-Woche“-Episoden, die an ihrem Ende zumeist eine kleine Moral über gegenseitiges Vertrauen, Teamwork und die Konsequenzen von rücksichtslosen Zeitreisen beinhalten. Man klatscht ein paar Charaktermomente (und reichlich Fanservice für Comicfans, siehe die Justice Society) an die Wand und hofft, dass irgendetwas kleben bleibt, was eher nicht der Fall ist. Dafür gibt es ein paar launige Actionsequenzen mitsamt teilweise schrecklichen computergenerierten Effekten und knackige Oneliner.
Remaking Reality
Erzählerisch sollte man also keine Wunderdinge erwarten. Als für sich allein stehende Eventepisoden mit bizarren Einfällen und vergleichsweise recht ansehnlich choreographierten Kampfeinlagen, qualifizieren sich viele Folgen der zweiten Staffel aber durchaus. Mit der Midseason-Pause im Dezember 2016 und der Rückkehr von „Legends of Tomorrow“ im Januar 2017 kam dann plötzlich etwas mehr Struktur in die Handlung. Die bereits erwähnte „Legion of Doom“ rückte mehr in den Fokus und beehrte das Format regelmäßiger als zuvor. Das Wettrennen um den „Spear of Destiny“, die Lanze, mit der Jesus Christus am Kreuze misshandelt wurde, war eröffnet.
Bollocks!
Rip Hunter, ein meiner Meinung nach äußerst langweiliger Charakter, der eigentlich nur existiert, um Dinge für andere Menschen zu erklären, machte eine Wandlung durch und präsentierte sich plötzlich als Schurke - nur, um ein paar Folgen später wieder der gleiche, langweilige Rip Hunter zu werden, den wir alle kennen. Aber gut, es kam zumindest etwas Bewegung rein, außerdem merkte man erstmals den Ansatz einer zusammenhängenden Erzählung sowie einen Handlungsbogen, der nicht nach wenigen Episoden beendet werden würde und in dessen Rahmen sich die Charaktere vielleicht sogar ein wenig entwickeln könnten.
Raiders of the Last Art ist an Absurdität nur schwer zu überbieten (auf der Suche nach dem Speer muss das Team unter anderem George Lucas dazu bewegen, seine Pläne bezüglich „Star Wars“ und „Indiana Jones“ nicht über den Haufen zu werfen, weil sonst die Zukunft komplett verändert wäre, zumindest für Ray und Nate), markiert aber den Beginn einer besseren, in sich geschlossenen zweiten Staffelhälfte, in der der Spaßfaktor immer noch von großer Bedeutung ist, sich hier und da aber auch etwas Drama entspinnt, dem man tatsächlich etwas abgewinnen kann. Der größte Pluspunkt ist, dass es endlich ein klares Ziel gibt, auf das unsere Helden und Heldinnen hinarbeiten. Der luftleere Raum um die „Legends“ wird gefüllt, was sich sogleich auf das Gesamtpaket auswirkt.
Trailer zur 2. Staffel von „Legends of Tomorrow“:

Damaged
Nach diesem kleinen Lob muss ich aber sofort ein paar Einschränkungen einschieben. Legends of Tomorrow leidet nach wie vor unter der gewaltigen Fülle an Figuren, wodurch automatisch bestimmte Charaktere und Darsteller sehr kurz kommen. Während die Autoren offensichtlich einen Narren an den beiden Neulingen Maisie Richardson-Sellers (Amaya) und Nick Zano (Nate) gefressen haben, finden in der zweiten Staffel Figuren wie Jefferson (Franz Drameh) und Dr. Stein (Victor Garber) - bis auf eine kleine Nebenhandlung um eine Tochter, die Stein eigentlich nie hatte, was später aber eigentlich komplett egal ist - wenig bis überhaupt nicht statt.
Es wäre eventuell angebracht, die „Legends“ ein wenig zu entschlacken, da wir sonst immer nur kleine Momente von vielen Figuren zu sehen bekommen, als dass wir uns mal über einen längeren Zeitraum intensiver wenigen Charakteren widmen können. Bestes Beispiel ist hier Dominic Purcells Mick Rory, der manische Haudrauf der Truppe, der mit seinem schrägen Charakter den Kollegen immer wieder die Schau stiehlt. Wird aber versucht, ihm ein tiefes, psychologisches Profil zu verpassen und seine Loyalitäten zu hinterfragen, kratzt man wie so oft nur an der Oberfläche und handelt die Frage, wie dieser Charakter eigentlich denkt und funktioniert, im Schnelldurchlauf ab. Sara (Caity Lotz), jetzt in der passend Rolle der Anführer, erfährt mit Blick auf ihre traumatische Vergangenheit eine ähnliche Schnellcharakterisierung, die einen eher kalt lässt.
Legion Assemble
Aufgefangen werden diese Unzulänglichkeit unter anderem von den drei hervorragenden Gastdarstellern Neal McDonough, John Barrowman und Matt Letscher, die als Bösewichttriumvirat freies Geleit bekommen und bei ihren Auftritten so viel Elan mitbringen, dass es eine Freude ist, dem Trio beim Rezitieren von klischeehaften Monologen zuzuschauen. Diese Übertreibung ist natürlich einkalkuliert, warum sollte man sich auch diesen Vorzügen und den Talenten der erfahrenen Schauspieler berauben? Ich würde fast behaupten, dass die „Legion of Doom“ das Beste ist, was der Serie hätte passieren können. Dabei muss man nicht mal haargenau dem ständigen Hin und Her, wer jetzt gerade den „Spear of Destiny“ in den Händen hält und welche Rituale es benötigt, um was auch immer eintreffen zu lassen, folgen. McDonough, Barrowman und Letscher holen einen auch so ab.
Legends never die
Das Staffelfinale Aruba vereint nun abschließend alles, was „Legends of Tomorrow“ in seiner zweiten Staffel auszeichnet, wobei man sich gleichzeitig auch nicht von altbekannten Mängeln freimachen kann. Flotter Actionspaß trifft auf Drama, das eigentlich kein Drama mit richtigen Einsätzen ist, da verstorbene Charaktere aufgrund der Zeitreisethematik so oder so zurückkehren. Ein verschachtelter Plot um das Wohl der Zeitlinie wird unnötig verkompliziert, während die Darstellerriege sich noch einmal komplett austoben darf. Irgendwie hält sich alles die Waage und natürlich können die „Legends“ am Ende den Tag retten. Überraschend ist dies nicht, doch es bleibt das Gefühl, dass trotz einiger Logikfehler (die Stärken der verschiedenen Charaktere variieren dermaßen, dass am Ende jeder jeden besiegen kann und bestimmte Fähigkeiten nicht eingesetzt werden dürfen, weil die Dramaturgie es verlangt) ein ordentlicher Abschluss der Geschichte erreicht ist.
Gut, das quatschige Schlussbild (mehrere T-Rex' im futuristisch anmutenden Los Angeles) klammern wir mal ein wenig aus. Nach den Heldentaten unserer Gruppe ist die Zeit natürlich komplett im Eimer, was sehr wahrscheinlich in der bereits bestellten dritten Staffel von Legends of Tomorrow behoben werden soll. Ob es dann zu einem Wiedersehen mit Rip (bitte nicht), der abdankt und Sara endgültig das Kommando übergibt, oder Eobard Thawne, der vom Black Flash dahingerafft wird, kommt, bleibt abzuwarten. Gerade der vermeintliche Tod vom Reverse-Flash ist eine kleine Überraschung, doch wenn „Legends of Tomorrow“ uns in zwei Staffeln eines gelehrt hat, dann, dass wirklich gar nichts in Stein gemeißelt ist. Gleiches gilt übrigens für die Qualität der Serie. Gut, schlecht, irgendwo dazwischen. The CWs abenteuerliches Superheldenformat hat in Staffel 2 zumindest eine klarere Linie als noch in seiner Premierenstaffel gefunden und Wege eingeschlagen, die eigenen Stärken mehr in den Fokus zu rücken. Und diese Neuausrichtung geht besser auf, als man erwarten würde.
Habt Ihr die zweite Staffel von „Legends of Tomorrow“ gesehen? Wie ist Eure Meinung?
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 6. April 2017Legends of Tomorrow 2x17 Trailer
(Legends of Tomorrow 2x17)
Schauspieler in der Episode Legends of Tomorrow 2x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?