House of the Dragon 2x07

House of the Dragon 2x07

Wer hat noch nicht, wer will noch einen Drachen? Kurz vor dem Finale der zweiten Staffel von „House of the Dragon“ wird emsig aufgerüstet. Während Rhaenyra immer mächtiger zu werden scheint, geht es mit Alicent weiter bergab...

„House of the Dragon“: Rhaenyra (Emma D'Arcy) rüstet auf...
„House of the Dragon“: Rhaenyra (Emma D'Arcy) rüstet auf...
© HBO

Wer wie viele Drachen hat, dürfte am Ende kriegsentscheidend sein. Nun, da der Tanz der Drachen in Staffel zwei von House of the Dragon immer heißer wird, scheint es sinnvoll, zusätzliche Tänzer:innen zu suchen. The Red Sowing (zu Deutsch: „Die Rote Saat“), die siebte Folge der neuen Season und zudem das Vorfinale, steht ganz im Zeichen der Dracheneroberung. Die Schwarze Königin Rhaenyra (Emma D'Arcy) lässt sich durch den jüngsten Fehlversuch nicht beirren und erhöht ihre Bemühungen sogar. Ihre Grüne Kontrahentin Alicent (Olivia Cooke) nimmt sich eine kleine Auszeit und geht campen.

Die wieder mehr als einstündige Episode kommt zunächst nur langsam in Fahrt, doch steigert sich zum Ende hin enorm. Die Regie übernahm der Neuling Loni Peristere, bekannt für American Horror Story (passenderweise darf er in den letzten Minuten eine Art Horrorstreifen inszenieren). Das Drehbuch stammt derweil vom Autor David Hancock, der zuvor schon das Skript zur brennenden Mühle beigesteuert hatte. Neue Figuren kriegen wir zwar nicht zu sehen, aber dafür neue Feuerbestien!

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Der Drachendieb von Driftmark

Erstaunlich unkompliziert wird zu Beginn der Cliffhanger der vorangegangenen Folge aufgeklärt: Rhaenyra hatte sich auf Syrax in die Lüfte geschwungen, um die Person ausfindig zu machen, die Seasmoke/Seerauch erobert hat. Am Strand der Insel Driftmark entdeckt sie Addam of Hull/Addam von Holk (Clinton Liberty), der sofort das Knie beugt. Die Königin hatte sich eigentlich auf eine Konfrontation eingestellt und traut ihrem schnellen Triumph erst nicht. Doch dann merkt sie, dass sie eh keine Wahl hat. Denn, wenn Addam zu den Grünen ginge, wäre sie geliefert. Einem geschenkten Drachen schaut man nicht in den Rachen oder so...

So lädt sie ihren neuen Drachenreiter direkt nach Dragonstone (Drachenstein) ein, um ihn einzuschulen. Er muss die Traditionen der Targaryens lernen und auch Hochvalyrisch, was ihm als Mann von niedriger Geburt natürlich beides fremd sein dürfte. Fremd ist ihm auch sein Vater Corlys Velaryon (Steve Toussaint), den sie gegenüber Rhaenyra seltsamerweise verschweigt. Man darf gespannt sein, wie sie reagiert, sobald sie merkt, dass Addam der uneheliche Sohn ihrer neuen Hand ist.

Dass die Seeschlange für die Dracheneroberung nicht mehr als das Äquivalent eines Daumen-Emojis im Familienchat übrighat, ist tatsächlich sehr lustig. Gleiches gilt für die wütende Reaktion des Schwarzen Rats, der Corlys auffordert, er solle seine Leute besser in den Griff kriegen. Die könnten ja nicht umherziehen und einfach so Drachen erobern. Dabei ist das genau das, was Rhaenyra grad braucht, eine „Armee von Bastarden“, wie sie im Gespräch mit Mysaria (Sonoya Mizuno) so „schön“ sagt. Spürt man eigentlich noch irgendwas von dem Kuss der beiden?

Addam (Clinton Liberty) beugt das Knie...
Addam (Clinton Liberty) beugt das Knie... - © HBO

Der Hinweis vom Weißen Wurm, dass Rhaenyra die meisten Drachensamen wohl kaum in den offiziellen Stammbüchern finden würde, sondern in Gerüchteküchen und Kneipen, unterstreicht wieder, was für eine Bereicherung sie als Beraterin ist. Im Kontrast wirkt auch unsere Heldin dadurch schrecklich weltfremd und abgehoben. Spannend ist später auch das Gespräch von Rhaenyra und Jace (Harry Collett), der den berechtigten Einwand bringt, dass eine Erhebung der überall verstreuten Targaryen-Ableger seinen eigenen Stand als Thronfolger gefährden könnte. Doch welche Alternative hat Team Schwarz?

Politik ist kein Kinderspiel

Helfen würde es auf jeden Fall, wenn Daemon (Matt Smith) sich mal wieder aus Harrenhal zurückmelden würde. Sein Drache Caraxes bleibt in den Riverlands (Flusslande) weiter MIA, während sich der Targaryen-Prinz - sorry, wir meinten natürlich König! - in nicht enden wollenden Albträumen verstrickt hat. Doch die neue Episode bringt in Person des kleinen Lords Oscar Tully/Oskar Tully (Archie Barnes) endlich Bewegung ins Spiel. So schüchtern der Junge beim letzten Mal noch aufgetreten war, so selbstbewusst meldet er sich nun zurück. Nicht nur Daemon, auch wir haben ihn offensichtlich unterschätzt.

Nachdem es eigentlich schon so aussah, als hätte Daemon die Riverlords verprellt, dreht Haus Tully das Ruder plötzlich um. Der Fisch hat endlich wieder einen Kopf! Oscar ist so geschickt darin, seine Verbündeten auf Spur zu bringen, dass selbst Daemon zunächst nicht versteht, was geschieht und rumjammert, weil er sich beleidigt fühlt. Man merkt erneut, dass Daemon das politische Geschick eines Kindes hat - deshalb ist es umso ironischer, dass ausgerechnet ein Kind ihm aus der Patsche helfen muss. Die Betonung liegt darauf, dass die Tullys Daemon auch nicht mögen, aber sie halten ihren Schwur für Rhaenyra.

Ziemlich drastisch kommt die Wendung daher, als Ser Willem Blackwood/Schwarzhain (Jack Parry-Jones) für seine Kriegsverbrechen gegen Haus Bracken zur Rechenschaft gezogen wird. Dass Daemon das Todesurteil ausgerechnet im heiligen Goodswood (Götterhain) vollstreckt, wirkt etwas irritierend. Genauso wie die Tatsache, dass wir anscheinend doch nicht ganz mit den Traumszenen durch sind. Trotzdem freuen wir uns, Paddy Considine zu sehen. Und abschließend muss auch noch ein Satz zu Ser Simon Strong/Kraft (Simon Russell Beale) gesagt werden: Er sieht in seinem Outfit sehr schick aus. Das ist alles.

Der kleine Oscar (Archie Barnes) trumpft auf...
Der kleine Oscar (Archie Barnes) trumpft auf... - © HBO

Rhaena will Sheepstealer stealen

Apropos Kinder, die den Tag retten: Rhaena (Phoebe Campbell) könnte ihrer Tante und Stiefmutter Rhaenyra bald eine besondere Überraschung bereiten, denn sie scheint sich nun tatsächlich in den Kopf gesetzt zu haben, den wilden Drachen Sheepstealer/Schafsdieb zu zähmen. Der ist bekanntlich im Vale (Grünes Tal) unterwegs und wäre größentechnisch nach Vhagar und Vermithor als drittgrößte Bestie in Westeros einzuordnen (außer der wilde Kannibale taucht noch auf). Aber natürlich ist es noch gefährlicher, einen Drachen zu reiten, der noch nie geritten wurde. Zumal wir später sehen, wie brenzlich schon die Eroberung trainierter Ungeheuer sein kann.

Ebenso vernachlässigt Rhaena mit ihrer Solo-Quest den eigentlichen Auftrag, auf Rhaenyras kleinste Söhne Joffrey, Aegon und Viserys aufzupassen. Sie müssen die Eyre (Hohenehr) nun nämlich verlassen, um drüben in Essos beim Fürsten von Pentos Asyl anzunehmen. Ist ein neuer Drache ausreichend Kompensation dafür, dass Rhaena Rhaenyras Kinder desertiert? Und müssen wir uns eigentlich Sorgen um die Loyalität von Lady Jeyne Arryn (Amanda Collin) machen? Warum wirft sie so einen bösen letzten Blick auf ihre Gäste? Nicht, dass sie ihre Ritter wegen der Mini-Drachen-Enttäuschung auf die Seite der Grünen stellt...

Wundenlecken in der Hauptstadt

Nach den Tumulten in King's Landing (Königsmund) sorgt der Prinzregent Aemond (Ewan Mitchell) mit harter Faust für Ordnung. So werden die von seinem Bruder Aegon (Tom Glynn-Carney) vereidigten Quereinsteiger bei der Königsgarde kurzerhand an die Mauer geschickt, weil sie ja doch nichts taugen. Dass sich die grünen Ratsmitglieder Larys (Matthew Needham) und Jasper Wylde/Wyld (Paul Kennedy) darum drücken, Aemond die schlechte Nachricht des neuen Drachenreiters bei den Schwarzen zu überbringen, zeigt, wie gefürchtet der einäugige Targaryen-Prinz ist. Das kann ein echter Fluch sein, wie sich am Ende der Episode zeigt.

Ansonsten passiert bei den Grünen diesmal nicht viel: Aegon lernt langsam wieder laufen und wird dabei von Larys angefeuert, der einfach weiß, dass der verwundete König für ihn persönlich der bessere Wettschein ist. Denn Aemond hat dem Meister der Flüsterer ja schon gesagt, dass er keine Verwendung für ihn hat. Am Rande erfahen wir übrigens noch, dass sich der Krieg zwischen Haus Beesbury/Biengraben und den Hightowers/Hohenturm in der Reach (Weite) weiter ausdehnt. Das könnte auch die Rückkehr der alten Hand Otto und das Debüt seines jüngsten Enkels Daeron verzögern.

Alicent (Olivia Cooke) geht in der Natur baden...
Alicent (Olivia Cooke) geht in der Natur baden... - © HBO

Alicent braucht eine kleine Auszeit

Die Königinmutter Alicent muss noch immer den vollständigen Verlust ihrer Macht verkraften. Um dem Gefängnis, das die Red Keep (Roter Bergfried) für sie geworden ist, zu entfliehen, beschließt sie, einen kleinen Campingurlaub in den königlichen Wäldern zu machen. Ihr armer Leibwächter Ser Rickard Thorne/Thorn (Vincent Regan) weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Auf seine Frage, wann sie denn zurück nach Hause möchte, erwidert Alicent: vielleicht gar nicht. Das eröffnet die spannende Frage, ob sie überhaupt von ihrem Platz am Hof fernbleiben dürfte?

Die anschließende Badeszene hat zunächst ein paar sehr klischeemäßige Untertöne, die andeuten, dass Alicent ihren Lebenswillen verloren haben könnte. Ein paar Sekunden lang sieht man ihre Haare im Wasser treiben, sodass man schon Schlimmstes befürchten soll. Dann sehen wir aber, dass sie auf dem Rücken schwimmend voller Sehnsucht in den Himmel schaut. Dort erblickt sie einen Vogel und versucht, den Flügelschlag zu imitieren, um sich auch endlich frei zu fühlen. Wie bei Daemon kriegt man auch bei Alicent allmählich das Gefühl, es wäre vielleicht besser gewesen, wenn sie in dieser Staffel aufgrund der Ereignislosigkeit ihrer Handlung die eine oder andere Folgen ausgesetzt hätte. So wie Criston Cole/Kriston Kraut (Fabien Frankel) es diesmal tat...

Die Saat der Samen

Damit endlich zum großen Finale, dem noch eine sehr coole Montagesequenz vorangeht, in der wir sehen, wie Mysarias Castingcall in Flea Bottom (Flohloch) aufgenommen wird. Überall kriechen nun die silberhaarigen Sprösslinge aus den Löchern und machen sich auf zu den Schiffen von Alyn (Abubakar Salim), um auf Dragonstone zu Drachenlords zu werden oder bei dem Versuch zu sterben. Die Szene bereitet einem reichlich Gänsehaut, was vor allem an der extrem epischen Version des Rhaenyra-Themas als Hintergrundmusik liegt. Der in Duisburg geborene Serienkomponist Ramin Djawadi arbeitet an seinem dritten Emmy Award!

Doch dann herrscht recht bald wieder Ernüchterung: Nicht nur treten die Dragonkeepers in den Streik, weil sie Rhaenyras Experimente für unwürdig halten, auch bahnt sich früh ein furchtbares Blutbad an. Nicht umsonst spricht man bei diesem Kapitel der Geschichte von Westeros von der „Roten Saat“, denn da nur zwei Drachen im Dragonmont vakant sind, dürften mit Ausnahme von zwei Bewerber:innen alle anderen zum Tode verurteilt sein. Wir wissen natürlich, auf wen es hinausläuft: Trunkenbold Ulf (Tom Bennett) und Waffenschmied Hugh/Hugo Hammer (Kieran Bew), der nach dem Tod seiner Tochter zu jeder Verzweiflungstat bereit ist.

Hugh Hammer (Kieran Bew) wird zum Drachenreiter...
Hugh Hammer (Kieran Bew) wird zum Drachenreiter... - © HBO

An der Wirkkraft der Szene ändert die Vorausschaubarkeit trotzdem nichts. Zum einen ist die Inszenierung einfach großartig - sogar Rhaenyra lässt hier angsteinflößende Züge erkennen, wie sie von oben zuschaut und sich vielleicht denkt: „Let them burn“? Andererseits lernen wir ein paar Dinge über Drachen: Vermithor sucht sich mit dem mutigen Hugh eher einen starken Dom aus, während Silverwing/Silberschwinge sich für den tollpatschigen sub Ulf entscheidet. Oder nimmt die einsame Drachendame einfach den Erstbesten, der in ihre Höhle stolpert und dabei auch noch fast eines ihrer Eier zertritt?

Auf jeden Fall nimmt sie ihren neuen Reiter direkt auf ein Date nach King's Landing mit, was sich als geniale Falle für Aemond und Vhagar erweist, der aber nicht darauf reinfällt. Die letzte Einstellung von Rhaenyra, die mit ihrer glänzenden neuen Drachenflotte im Rücken zuversichtlich in die Ferne blickt, gehört schon jetzt zu den besten Bildern der gesamten Staffel. Mit diesen neuen Machtverhältnissen wären die Grünen geschlagen. Aemond muss nun seine Geschwister Helaena (Phia Saban) auf Dreamfyre/Traumfeuer und Daeron auf Tessarion abrufen. Und lebt Aegons Drache Sunfyre/Sonnfeuer eigentlich noch?

Fazit zur Folge

Als Vorfinale war die neue „HotD“-Episode die meiste Zeit über eher ein Downer, da der zuletzt groß aufgebauschte Konflikt zwischen Rhaenyra und dem neuen Drachenreiter Addam anfangs gleich verpufft; und später auch bei den Grünen eher Langeweile herrscht. Etwas erfreulicher waren die Entwicklungen in Harrenhal, wo sich der neue Tully-Lord als echter scene-stealer erweist. Ganz ohne Daemon-Albtraum geht es leider doch nicht. Kürzen können hätte man sicher auch die Szene von Rhaena, die nur das unterstrichen hat, was wir letzte Woche schon geahnt hatten.

Rausgerissen wird das alles am Ende durch den denkwürdigen Moment, nach dem die Folge auch benannt ist: „Die Rote Saat“. Hier suhlt sich „House of the Dragon“ regelrecht in der eigenen Domäne, die ja Drachen sein sollte, was oft vergessen oder aus Budgetgründen in den Hintergrund gedrängt wird. Kurz vor dem Finale das Zahlenspiel des Krieges durch die frisch freigeschalteten Feuerbestien noch mal so durcheinanderzubringen, sorgt für jede Menge Spannung und Vorfreude. Ganz über die Schwächen hinwegtäuschen, kann das alles aber nicht...

Wir landen bei vier von fünf roten Samen!

Hier abschließend noch der aktuelle offizielle Trailer zum Rest der zweiten Staffel der Serie „House of the Dragon“:

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 29. Juli 2024

House of the Dragon 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(House of the Dragon 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Die Rote Saat
Titel der Episode im Original
The Red Sowing
Länge der Episode im Original
1 Stunde 7 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. Juli 2024 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Juli 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Montag, 29. Juli 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 29. Juli 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 29. Juli 2024
Autoren
Ryan Condal, George R.R. Martin

Schauspieler in der Episode House of the Dragon 2x07

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