House of the Dragon 2x08

House of the Dragon 2x08

Mit dem zweiten Staffelfinale bringt „House of the Dragon“ alle Armeen und Drachen für den großen Bürgerkrieg von Westeros in Stellung. Neben starken Gänsehautmomenten gibt es aber auch ein paar bittere Enttäuschungen...

„House of the Dragon“: Ein Toast auf Königin Rhaenyra (Emma D'Arcy)...
„House of the Dragon“: Ein Toast auf Königin Rhaenyra (Emma D'Arcy)...
© HBO

Nach acht Folgen ist dieses Jahr schon wieder Schluss mit House of the Dragon. Die zweite Staffel vom Prequel zu Game of Thrones hat drachentechnisch aufgetrumpft wie nie zuvor, doch in anderen Belangen wurden die Erwartungen leider nicht erfüllt. Die finale Episode mit dem wunderschönen Titel The Queen Who Ever Was bringt all die Stärken und Schwächen der Season noch mal auf den Punkt. Ganz am Ende marschieren die Armeen auf und die Vorfreude auf Staffel drei wächst ins Unermessliche.

Regie führte erneut Geeta Vasant Patel, während die erfahrene Autorin und inoffizielle Co-Showrunnerin Sara Hess das Drehbuch beigesteuert hat. Im Intro tauchen neue Wandteppichbilder der Drachen auf, die nun ebenfalls mittanzen. Nicht einmal die ärgerlichen Leaks vom zweiten „HotD“-Staffelfinale können die Fantasy-Party crashen. Zumal parallel auch schon die ersten Bewegtbilder zum Spin-off „A Knight of the Seven Kingdoms“ vorliegen. Hierzulande ist das Tor nach Westeros bekanntlich der Pay-TV-Sender Sky. Alle Folgen stehen daher bei den hausinternen Streamern Sky Go beziehungsweise Q sowie bei der dazugehörigen Plattform WOW zur Verfügung.

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Piraten in Essos

Los geht es in der Finalfolge mit Ser Tyland Lannister (Jefferson Hall), dem Grünen Meister der Schiffe, der bei der Triarchie der drei Freien Städte Lys, Myr und Tyrosh drüben in Essos eine Flotte kaufen soll, um die Seeblockade von King's Landing (zu Deutsch: Königsmund) zu beenden. Schnell kommt auch das Thema Stepstones (Trittsteine) auf den Tisch, das bei einem großen Teil des Publikums nur Augenrollen verursachen dürfte. Aufgelockert wird der Handlungsstrang durch den Auftritt vom sympathisch verrückten Admiral Lohar (Abigail Thorn), der den wohlhabenden Gast aus Übersee mit kleinen Mutproben testet.

Zwar stecken diese Szenen voller Klischees, aber sie funktionieren trotzdem ziemlich gut. Vor allem, weil sich „HotD“ hier endlich Zeit für kleine Ausschweifungen nimmt, die die Mutterserie „GoT“ stets so besonders gemacht haben. Einzig der Zeitpunkt im Staffelfinale wirkt etwas daneben, weil auch diese Folge wieder mit deutlicher Überlänge daherkommt. Manche werden sich ärgern, dass wir mit Schlammschlachten vertröstet werden, statt endlich zum großen Bürgerkrieg zu kommen, der nun seit zwei Staffeln aufgebauscht wird. Nett ist dafür, dass es endlich bunte Bärte in einer Serienadaption zu sehen gibt. Für die sind nämlich die Tyroshi in den Buchvorlagen von George R. R. Martin berühmt.

Aemond bedrängt Helaena...
Aemond bedrängt Helaena... - © HBO

Die Grünen in der Krise

Extrem finster ist aktuell die Stimmung bei den Grünen in der Hauptstadt: Während der grausame Prinzregent Aemond (Ewan Mitchell) Kriegsverbrechen an der unschuldigen Bevölkerung von Sharp Point (Scharfspitze) verübt, plant der Flüstermeister Larys (Matthew Needham) die Flucht von König Aegon (Tom Glynn-Carney). Obwohl der Monarch nicht begeistert ist vom Leben im Exil - oder überhaupt von der Idee, mit seinen Verletzungen weiterleben zu müssen -, scheint die Strategie, den Krieg in Essos auszusitzen, ziemlich genial. Aber kann ein Comeback als „Aegon the Peacemaker“ oder „Aegon the Realm's Delight“ gelingen?

Auch Alicent (Olivia Cooke) plant bereits das sinkende Schiff zu verlassen, was später im direkten Konflikt zu Aegons Absichten stehen soll. Ein Problem für die Königinmutter ist zudem, dass Aemond seine Schwester Helaena (Phia Saban) nicht ziehen lassen will. Nun, da Team Schwarz einen deutlichen Drachenvorteil hat, braucht er sie auf ihrem bislang inaktiven Drachen Dreamfyre/Traumfeuer. Später kommt es zu einem seltsamen Gespräch zwischen den beiden, in dem Helaena einfach die komplette Serie spoilert, indem sie Aemond ihre Visionen der Zukunft eröffnet. Doch was meint sie mit Aegons hölzernem Thron?

Der Winter kommt nach Harrenhal

Apropos Visionen: Auch Daemon (Matt Smith) ist mit seiner Psychotortur in Harrenhal noch nicht ganz durch. Diesmal zeigt ihm die Hexe Alys (Gayle Rankin) auf dem Weirwood-Channel einen Trailer zu „Game of Thrones“: Er sieht den den dreiäugigen Raben, den Tod der Drachen, die Weißen Wanderer und die vermeintliche Heilsbringerin Daenerys (Emilia Clarke). Wir könnten jetzt ganze Absätze darüber schreiben, wie billig das als Mittel der Läuterung für den eigensinnigen Targaryen-Prinzen ist. Hinzu kommt, dass uns die Macher:innen von „HotD“ aus unerfindlichen Gründen immer wieder an die glanzlosesten Momente der Mutterserie erinnern.

Muss nun wirklich Daemon seinen Stolz runterschlucken, damit 150 Jahre später das passieren kann, was als eine der größten Enttäuschungen der Fernsehgeschichte in Erinnerungen geblieben ist, das Serienfinale von „Game of Thrones“? Und das alles nur, weil er plötzlich an die Macht guter Storys glaubt - ähnlich wie es uns bei der Wahl von König Bran verkauft werden sollte? Wenn der ewige Winter als Analogie auf die Klimakatastrophe gelesen wird, wäre Daemon sicherlich der größte Klimaleugner in ganz Westeros. Als ob ihn das Schicksal zukünftiger Generationen interessieren würde...

Daemon und seine Flussritter...
Daemon und seine Flussritter... - © HBO

Die Drachensamen blühen auf

Recht unelegant wirkt auch der abrupte Umschwung beim neuen Drachenreiter Ulf (Tom Bennett), der durch den Rausch seiner ersten Flüge auf Silverwing/Silberschwinge völlig abgehoben ist. Sein respektloses Verhalten gegenüber Prinz Jacaerys (Harry Collett) wirkt etwas unglaubwürdig, zumal wir ihn bislang noch mögen sollten. Oder ist die Idee, dass uns Jace suspekter werden soll? Er kommt zumindest immer mehr wie ein verzogener Adelsbursche daher, der mit Todesurteilen droht und schmollt, wenn man ihn nicht richtig adressiert. Zum Glück rüttelt seine Verlobte Baela (Bethany Antonia) ihn ein bisschen auf.

Doch auch die Schwarze Königin Rhaenyra (Emma D'Arcy) kriegt bereits etwas von der Aufsässigkeit des Emporkömmlings Ulf zu spüren. Beim gemeinsamen Dinner spottet er über die Belohnung, die ihm, Hugh/Hugo Hammer (Kieran Bew) und Addam (Clinton Liberty) versprochen wird. Wobei ein Ritterschlag für einen Drachenreiter tatsächlich wie das Mindeste erscheint, was man erwarten kann. Sollte man ihnen nicht schon ganze Ländereien versprechen, die man nach dem gewonnenen Krieg den Grünen Verbündeten abluchsen könnte? Vielleicht will ja einer die Driftmark erben, die der arme Corlys (Steve Toussaint) gerade niemandem aufschwatzen kann. Obwohl man im Fall von Alyn (Abubakar Salim) die Abneigung sicher gut versteht.

Das B-Roll-Material im Finale

Neben den Haupthandlungssträngen werden ins Finale auch noch kleinere Sequenzen eingefügt, die man fast vergisst. So etwa der wenig durchdachte Plan von Rhaena (Phoebe Campbell), im Vale (Grünes Tal) nach dem wilden Drachen Sheepstealer/Schafsdieb zu suchen. Sie hat nicht einmal einen Schlauch mit Trinkwasser dabei und verdurstet fast bei dem Versuch der Dracheneroberung - was wahrscheinlich noch niemandem vorher passiert wäre. Sie bei ihrem ersten Ritt zu sehen, wäre vielleicht eine willkommene Actionszene für diese sonst eher unspektakuläre Folge gewesen.

Criston Cole/Kriston Kraut (Fabien Frankel) und Ser Gwayne Hightower/Hohenturm tauchen nach ihrer einwöchigen Pause auch wieder auf. Hier kommt es zu einem kleinen Schmarmützel im Kriegslager, bei dem es um die Ehre von Gwaynes Schwester Alicent geht, mit der der Lord Kommandant eine Affäre hatte. Vergessen wird der Streit nach Cristons Monolog über die Ängste und Sorgen und Pflichten eines Ritters im bevorstehenden Tanz der Drachen und im Allgemeinen. Bleibt die Frage, wie viel Empathie man für die Figur noch übrighat. Als mögliche Alternative wäre die große Seeschlacht zwischen den Velaryons und der Trierarchie vielleicht spannender gewesen, aber auch die schiebt man erst mal auf die nächste Staffel...

Der Lord Kommandant bläst Trübsal...
Der Lord Kommandant bläst Trübsal... - © HBO

Rhaenyra besucht Daemon

Noch mal zurück nach Harrenhal: Rhaenyra hat nach acht Folgen genug vom Warten und fliegt auf Syrax endlich zu ihrem abtrünnigen Mann. Gewarnt wurde sie von unserem Liebling Ser Simon (Simon Russell Beale), der den versuchten Hochverrat von Ser Alfred Broome/Ginster (Jamie Kenna) überhört hat. Dass auch der Wind ihn einen „Traitor“ nennt, hat etwas unfreiwillig Komisches. Gewollt witzig ist sicherlich das Hochschrecken von Daemons Drachen Caraxes, als er sieht, dass die Chefin wieder da ist. Auf alle Fälle kann man erleichtert sein, dass die Königin bei dieser großen Schwachstelle der Staffel aufräumt.

Daemons Kampfansage an die Ritter wird episch inszeniert. Gleichzeitig erinnern wir uns dran, dass diese Allianz zwischen dem Targaryen-Prinzen und seinem geliehenen Heer der Riverlords alles andere als eine Liebesbeziehung ist. Es fällt übrigens auf, dass Rhaenyras wichtigste Verbündete generell eher wacklige Verbindungen zu ihr haben. Den frechen Ulf haben wir bereits besprochen, aber auch ihre Hand Corlys sagt ihr relativ unverblümt, dass er nur aufgrund seines Pflichtgefühls zu ihr hält. So stark Team Schwarz gerade auch erscheinen mag, kann ihr Drachenhaus auch sehr schnell einstürzen.

Alicent besucht Rhaenyra

Abschließend können wir bei diesem insgesamt eher enttäuschenden Finale erfreulicherweise noch ein paar stärkere Szenen besprechen. Vor allem Alicent meldet sich nach ihrem Durchhänger in der letzten Folge beeindruckend zurück. Mithilfe von Grand Maester Orwyle (Kurt Egyiawan) reist sie heimlich nach Dragonstone (Drachenstein), um das direkte Gespräch mit Rhaenyra zu suchen - so wie diese es auch kürzlich getan hatte. Seitdem hat sich das Blatt ordentlich gewendet, weshalb nun Alicent als Bittstellerin auftritt. Der Vorschlag, die Pforten von King's Landing für Rhaenyras Eroberung zu öffnen, reicht aber nicht. Rhaenyra fordert Aegons Kopf, was Alicent letztendlich annimmt, ohne zu wissen, dass Aegon in der Zwischenzeit geflohen ist.

D'Arcy und Cooke als die Gesichter der Serie wieder gemeinsam vor der Kamera stehen zu sehen, ist natürlich ein absolutes Privileg. Außerdem ist es doch sehr befriedigend, Alicent endlich all die Dinge sagen zu hören, die wir ihr gern in den Mund gelegt hätten. Sie sei in jungen Jahren oft neidisch auf Rhaenyras Selbstbewusstsein gewesen und habe sich an falsche Vorstellungen über Gerechtigkeit geklammert. Rhaenyra lässt sich dadurch trotzdem nicht erweichen und spottet sogar noch: „Geh' doch wieder in der Wildnis wandern.“ Erst Alicents Bereitschaft, als Bösewichtin in den Geschichtsbüchern herzuhalten, sorgt für etwas Mitgefühl.

Alicent gewinnt das Hoodie-Game...
Alicent gewinnt das Hoodie-Game... - © HBO

Die Armeen marschieren los

Und dann kommt der große Abschluss mit den verschiedenen Armeen als Montage, unterlegt mit einem schon jetzt legendären Musikstück von Ramin Djawadi, bei dem die einzelnen Themes der Häuser miteinander verknüpft werden. Wir sehen, wie die Lannisters Richtung Harrenhal reisen, wo Daemon ihnen ein Schnippchen schlagen will, indem er an ihnen vorbeihuscht, um direkt die Hauptstadt ins Visier zu nehmen. Von Norden reisen die Soldaten der Starks über die Brücke der Freys an, während sich fernab in der Reach/Weite auch Haus Hightower in Bewegung setzt. Man sieht sogar kurz das Debüt des Drachen Tessarion vom noch unbekannten Prinz Daeron. Otto (Rhys Ifans) scheint derweil in Gefangenschaft geraten zu sein.

Die letzten Bilder gehören den zwei zentralen Frauen: Rhaenyra wird symbolisch von den Regalen mit den Schriftrollen eingerahmt, um zu verdeutlichen, dass ihr Schicksal darin liegt, Geschichte zu schreiben; während Alicent am Meer in den Sonnenuntergang blickt, weil sie endlich wieder frei ist, bezahlt durch den Preis ihres eigenen Vermächtnisses. Die Musik schaukelt sich bis dahin immer weiter hoch: Am Anfang der Sequenz hören wir leise Klavierklänge und am Ende einen Chor, der die gigantischen Ausmaße ansingt, die uns noch erwarten sollen. Dieser Schlusspunkt für sich ist vielleicht das Beste, was „HotD“ je hingelegt hat. Doch leider war zuletzt nicht alles auf so exzellentem Niveau...

Fazit zur Folge (und zur Season insgesamt)

Dass man uns im Finale dieser ohnehin erstaunlich langsamen Season keine großen Schlachtszenen oder dergleichen mehr geboten hat, ist wirklich enttäuschend. Vor allem, nachdem schon Staffel eins aufgrund der komplexen Prämisse recht sperrig ausgefallen war. „House of the Dragon“ stellt die Geduld der Zuschauer:innen auf die Probe und hofft es mit einem einzigen Geniestreich als großem Anheizer für die nächste Staffel auszugleichen.

Das mag funktionieren, weil sicher alle sehen wollen, wie es jetzt weitergeht - oder überhaupt losgeht. Im Rückblick dürfte das, was uns die Serie dieses Jahr geboten hat, trotzdem eher kritisch betrachtet werden. Zumal mit Ausnahme von The Red Dragon and the Gold keine richtige Highlight-Episode in Erinnerung bleibt, was eben auch die Erwartungen an das Finale erhöht hatte.

Die vielleicht größte Frustration bleibt der Charakter Daemon, der durch seine Irrungen in Harrenhal jeden Glanz verloren hat. Dass man das Ganze nun auch noch mit einer sehr künstlich konstruierten Franchise-Cross-Promo auflösen will, dürfte bei vielen Fans für zusätzlichen Ärger sorgen. Insgesamt wurden in der neuen Season die Prioritäten merkwürdig gelegt.

Wenig ertragreiche Handlungsstränge wurden viel zu lang beackert, wodurch für interessantere Aspekte und Action keine Zeit mehr blieb. Neue Figuren wurden nicht gut eingeführt, sodass sie sich selbst nach acht Episoden noch fremd anfühlen. Gleichzeitig ist das alles so verkopft, dass man ohne Hintergrundrecherche beim Schauen wahrscheinlich gar nicht mehr mitkommen würde.

Wir verbleiben beim zweiten Staffelfinale von „House of the Dragon“ daher bei nur drei von fünf Dracheneiern.

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 5. August 2024

House of the Dragon 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(House of the Dragon 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Die Königin, die stets eine war
Titel der Episode im Original
The Queen Who Ever Was
Länge der Episode im Original
1 Stunde 13 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. August 2024 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 5. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Montag, 5. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 5. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 5. August 2024
Autoren
Ryan Condal, George R.R. Martin

Schauspieler in der Episode House of the Dragon 2x08

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