House of the Dragon 2x05

House of the Dragon 2x05

Nach dem Tanz der Drachen herrscht Katerstimmung in Westeros: Beide Seiten des Konflikts müssen sich neu sortieren und ihre Wunden lecken. „House of the Dragon“ besucht auch ein paar Handlungsorte, die bisher ausgelassen wurden.

Team Grün präsentiert den Drachenschädel von Meleys...
Team Grün präsentiert den Drachenschädel von Meleys...
© HBO

Nach dem heldenhaften Tod der „Queen Who Never Was“, Rhaenys Targaryen/Velaryon (Eve Best), hüllt sich halb Westeros in Trauer. Trotzdem lässt uns das Game of Thrones-Prequel House of the Dragon kaum Zeit zum Durchatmen, sondern legt die wieder ziemlich vollgestopfte, selbstverständlich überlange Folge fünf von Staffel zwei nach, die den Titel Regent trägt.

Regie führte zum insgesamt fünften Mal Clare Kilner - was übrigens Rekord bei der Fantasyserie ist -, während der erfahrene Franchise-Veteran Ti Mikkel das Drehbuch beigesteuert hat. Sie führen bei der Hitserie von HBO ein paar neue Schauplätze ein und bringen viele kleine Steine ins Rollen, die große Veränderungen hervorrufen könnten. Hierzulande kann man die Episode wie üblich bei den Streaming-Plattformen Sky Go/Q und WOW abrufen.

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Welcome to the Green Parade

Die neue Hand des Königs, der Lord Kommandant Ser Criston Cole/Kraut (Fabien Frankel), platzt nach seinem Sieg bei Rook's Rest (zu Deutsch: Krähenruh) zwar nicht vor Stolz - er scheint eher unter einer Art Drachen-PTSD zu leiden, wie wir im Gespräch mit Alicent (Olivia Cooke) erleben -, doch die Gelegenheit einer Parade durch King's Landing (Königsmund) lässt er sich dennoch nicht entgehen. Dummerweise ist er kein so großer PR-Profi wie sein Vorgänger und verkennt völlig die negativen Reaktionen der breiten Bevölkerung, die in einem verrottenden Drachenschädel ein böses Omen sieht.

Zeit- und Augenzeuge ist auch der silberhaarige Schmied Hugh/Hugo Hammer (Kieran Bew), der später erneut als PoV-Charakter der einfachen Leute fungiert. Fürs Erste konzentriert man sich auf die Königsfamilie, also auf die Grüne Hälfte davon. Dabei stellt sich besonders die Frage: „What's in the box?“ Wir sehen den schwer verwundeten Aegon (Tom Glynn-Carney), der so in die Red Keep (Roter Bergfried) geschmuggelt wird. Großmaester Orwyle (Kurt Egyiawan) weiß noch nicht, ob er ihn retten kann. Die Silent Sisters geiern schon auf den verkohlten Körper des Königs.

Aemond ist seinem Ziel so nah...
Aemond ist seinem Ziel so nah... - © HBO

Aemond wird zum Prinzregenten

Auch Prinz Aemond (Ewan Mitchell) lauert schon darauf, die Gunst der Stunde zu nutzen, um selbst als Herrscher nachzurücken. Dabei war er es ja, der mit Vhagars Feuer seinem großen Bruder Aegon die goldene Rüstung auf den Leib schmolz. Seine Mutter Alicent hat schon eine böse Ahnung, als sie den Valyrischen Dolch an ihrem zweitgeborenen Sohn erspäht. Sie weiß von Aemonds psychopathischen Veranlagungen und versucht seine Machtübernahme im Grünen Rat zu verhindern. Ihr gut argumentierter Vorschlag, selbst als erfahrene Regentin nachzurücken, scheitert am omnipräsenten Sexismus der Lords.

Dabei versagen ihr sogar Lord Larys Strong/Kraft (Matthew Needham), der ihr sonst stets treu zu Füßen lag, und ihr ehemaliger Herzensritter Criston die Unterstützung. Alle Anwesenden scheinen Aemond zu sehr zu fürchten, um sich gegen ihn zu stellen (Criston gibt Alicent auch keine klare Auskunft darüber, was Aemond Aegon angetan hat). Der einäugige Prinz ist jetzt am Drücker: Er lässt die toten Rattenfänger bestatten (nett) und die Tore der Hauptstadt von innen abschließen (weniger nett). So finden sich bald auch die Hammers als lebende Schutzschilde gegen mögliche Drachenangriffe wieder...

Alicent hat nichts mehr zu melden...
Alicent hat nichts mehr zu melden... - © HBO

Rhaenyra sucht nach ihrer Rolle

Rhaenyra (Emma D'Arcy) hat drüben in Dragonstone (Drachenstein) mit noch unverhohlenerer Frauenfeindlichkeit zu tun. Besonders Ser Alfred Broome (Jamie Kenna) macht in ihrem Schwarzen Rat mal wieder Stimmung gegen sie. Er hält seiner Königin sogar den Verlust von Rhaenys und ihrem Drachen Meleys vor, obwohl ihr Einsatz in Rook's Rest von ihm und seinen kriegslustigen Kompagnons zuvor lautstark gefordert wurde. Solche nutzlosen Nörgler braucht niemand in einem Gruppenprojekt, also schickt Rhaenyra ihn auf eine spezielle Mission, die ihn einfach möglichst weit wegführen soll.

Zuvor erweist sich Mysaria (Sonoya Mizuno) als echte Stütze für Rhaenyra, was auch uns als Publikum versöhnlicher mit ihr stimmt. Rhaenyra stellt die Frage, welche Rolle sie zu spielen haben - da es für ihre Situation keinerlei Präzedenzfall gäbe. Der Weiße Wurm sieht darin sogar eine Stärke, denn Rhaenyra müsse nicht versuchen, das männliche Spiel der Throne zu lernen, sondern die Männer mit ihrer weiblichen Strategie zu schlagen. PR wird nun wieder wichtig, denn das ist Cristons größte Schwäche, wie seine unpopuläre Parade mit Meleys beweist.

Daemon verliert weiter den Verstand...
Daemon verliert weiter den Verstand... - © HBO

Batshit Crazy Daemon

Eines der größten Themen bei Team Schwarz ist neben dem tragischen Tod von Rhaenys weiter, was zur Hölle Daemon (Matt Smith) in Harrenhal treibt. Tatsächlich verdient er diesmal ein paar Fleißsternchen, denn er packt bei der Renovierung der verhexten Festung in den Riverlands (Flusslande) sogar selbst mit an. Nachdem er sich schon nicht bei der Eroberung die Hände blutig machen konnte, schafft er es nun wenigstens beim Holzhacken. Alys Rivers/Strom (Gayle Rankin) verarztet ihn und klebt als Pflaster einen feuchten Albtraum mit seiner Mutter Alyssa (Emeline Lambert) obendrauf. Sein Wahn, selbst die Krone zu tragen, wird größer.

Leider verursacht auch Daemon wieder ein folgenschweres PR-Desaster, indem er Ser Willem Blackwood/Schwarzhain (Jack Parry-Jones) ein Massaker an Haus Bracken anrichten lässt. Hätte er seinen kryptischen Auftrag nur ein bisschen klarer formuliert - oder hat er das genau so gewollt? Die Frage bleibt wie schon bei „Blood & Cheese“ offen. Auf jeden Fall wird der Targaryen-Prinz zur nächtlichen Stunde des Wolfes von einem Shakespeare-mäßigen Chor von Riverlords heimgesucht, die ihm die Unterstützung versagen und ihn einen Tyrann nennen. Langsam wird es eng für Daemon, zumal die Lannisters mit ihrem Heer auf dem Weg in die Flusslande zu sein scheinen...

Was das Thema unklare Aufträge angeht, die den Entscheidungsträgern teuer zu stehen kommen können, wäre es übrigens auch nicht uninteressant, was Mysaria der Dienerin Elinda (Jordon Stevens) mitgegeben hat, die wir am Ende der Episode bei ihrer früheren Kollegin Dyana (Maddie Evans) in King's Landing an die Tür klopfen sehen. Wird sich Rhaenyra noch darüber ärgern, dass sie ihre Aufgaben endlich delegiert?

Jace besucht Haus Frey bei den Twins...
Jace besucht Haus Frey bei den Twins... - © HBO

Neue Schauplätze werden besucht

Ihrem Sohn Jacaerys (Harry Collett) muss sie keine Aufträge geben, denn er macht einfach sein eigenes Ding. Auf den ersten Blick scheint das sogar noch ärgerlicher für die Königin zu sein, doch immerhin hat der junge Prinz ziemlich gute Einfälle. So reist er zu den Twins (Zwillingen), dem Sitz von Haus Frey, das die wichtigste Passage durch die Riverlands kontrolliert. Jace will, dass sich Lord Forrest Frey (Kenneth Collard) und Lady Sabitha (Sarah Woodard) Team Schwarz anschließen. Denn so könnte die Armee der Starks schneller nach Süden reisen und sich den Lannisters in den Weg stellen. Das wäre ein notwendiger Plan B, falls Daemon scheitert. Doch sind die Freys damals vertrauenswürdiger?

Es macht immer großen Spaß, die Sehenswürdigkeiten von Westeros auf den Bildschirmen zu sehen. Ein noch größerer Hingucker ist jedoch die wolkenumgarnte Eyrie (Hohenehr) im Vale (Grünes Tal), wo Rhaena (Phoebe Campbell) und auch wir zum ersten Mal Lady Jeyne Arryn, gespielt von Amanda Collins (Raised by Wolves), kennenlernen. Die ist erwartungsgemäß wenig erfreut über die zwei Mini-Drachen, die ihre Cousine Rhaenyra ihr geschickt hat. Trotzdem erweist sie sich als gute Gastgeberin, wenngleich sie Rhaena die traurigen Neuigkeiten über den Tod ihrer Großmutter überbringt.

Corlys ist nun frisch verwitwet...
Corlys ist nun frisch verwitwet... - © HBO

Seeschlangen und Drachensamen

Auch Rhaenas Schwester Baela (Bethany Antonia) ist im Auftrag ihrer Stiefmutter Rhaenyra unterwegs - zumal wir vorher noch einen netten Moment zwischen den beiden erleben, als sie Rhaenys gedenken (dabei fällt erneut der Name Alyssa, die vor Rhaenys Meleys ritt). Baela soll abklopfen, wie es ihrem frisch verwitweten Großvater Corlys (Steve Toussaint) auf der Driftmark geht und bringt ihm die Anstecknadel als Hand von Königin Rhaenyra. Dass die Seeschlange überhaupt zu wanken scheint, wirkt etwas komisch. Immerhin würde nach Rhaenyra mit Jace ja ein Velaryon den Eisernen Thron erben...

Jace ist insgesamt der heimliche Star dieser Folge, denn nach seinem Coup mit den Freys hat er noch einen weiteren Geistesblitz im Gespräch mit seiner Mutter. Auf Dragonstone wimmelt es nur vor herrenlosen Drachen - ein Vermithor und Silverwing/Silberschwinge könnten es sogar mit Vhagar aufnehmen. Wenn nicht genügend Targaryens da sind, um sie zu reiten, könnten es die unehelichen „Drachensamen“ probieren, von denen wir mit dem Trinker Ulf (Tom Bennett) oder dem Seemann Alyn (Abubakar Salim) schon ein paar kennengelernt haben. Wenn Team Schwarz in Sachen Drachen aufrüstet, wäre Team Grün geliefert.

Rhaenyra und Jace suchen neue Drachenreiter...
Rhaenyra und Jace suchen neue Drachenreiter... - © HBO

Fazit zur Folge

Die neue „HotD“-Episode „Regent“ hat einiges zu bieten: die eindrucksvolle Parade mit dem Drachenschädel, die Einführung zweier bislang nur aus „GoT“ bekannter Schauplätze, eine nicht ganz so schlechte Mysaria-Szene sowie ein immer interessanter werdender Jace. Gleichzeitig perpetuieren sich auch gewisse Schwachstellen: Daemons ermüdende Albträume, Alicent und Criston in endlosen Konflikten und allgemein viel zu viel Stoff für eine Folge.

Auch die Reisegeschwindigkeiten können mehr und mehr die Fantasie der größten Fantasy-Fans übersteigen. Das erinnert leider sehr an die späteren Staffeln der Mutterserie, als die Figuren in wenigen Minuten um die halbe Welt geflogen sind. Gerade hier hätte eine höhere Episodenzahl der Staffel helfen können, weil dann zum Beispiel bei Jace' Ausflug zu den Freys wenigstens eine Woche Wartezeit fürs Publikum drin gewesen wäre. Warum der Showrunner Ryan Condal lieber acht gedrängte statt zehn entspannte Folgen haben wollte, bleibt sein Geheimnis...

Zwar mögen die Zeitsprünge bei „House of the Dragon“ nicht mehr so auffällig sein wie in der Auftaktstaffel, doch es hapert weiterhin am meisten beim Pacing. Nach der großen Actionfolge in der Vorwoche hätte ein kontemplatives Zwischenspiel gutgetan. Doch stattdessen kriegen wir wieder eine Aufbauepisode, die die Handlung vorantreibt. Zumal die Anstöße, die gegeben werden, noch nicht erkennen lassen, was wir von ihnen erwarten können.

Wir geben trotzdem wieder vier von fünf Drachenschädel!

Hier nun abschließend noch der aktuelle offizielle Trailer zum Rest der zweiten Staffel der Serie „House of the Dragon“:

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 15. Juli 2024

House of the Dragon 2x05 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 5
(House of the Dragon 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Der Prinzregent
Titel der Episode im Original
Regent
Länge der Episode im Original
1 Stunde 3 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 14. Juli 2024 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juli 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Montag, 15. Juli 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 15. Juli 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 15. Juli 2024
Autoren
Ryan Condal, George R.R. Martin

Schauspieler in der Episode House of the Dragon 2x05

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