Heroes: Reborn 1x01

Wer die Begriffe âHeroesâ und âRebornâ hört, ist sicherlich durch die verschiedenen Versuche der Mutterserie, ihre eigene PrĂ€misse immer wieder zu Ă€ndern, Ă€uĂerst negativ vorbelastet. Nun prĂ€sentiert NBC mit Heroes: Reborn einen (fast) kompletten Neuanfang, der vor allem eines gut beherrscht: die Kunst des Vergessens. Doch wĂ€hrend wir nur noch ein paar alte Bekannte zu Gesicht bekommen, schafft es der Pilot, zunĂ€chst eine spannende neue Ausgangssituation zu schaffen.
I'll see you soon, Claire-Bare!
Der Pilot startet dabei direkt mit einer Doppelfolge, von der ich beide HĂ€lften separat besprechen werde. Sie laufen wie bereits in der Mutterserie unter einem Ăberthema namens âAwakeningâ, von welchem âBrave New Worldâ das erste Kapitel darstellt. Die Fans der Mutterserie werden auch direkt angesprochen, indem uns Noah Bennett (Jack Coleman) zu Beginn in die Geschichte zurĂŒckholt und uns an das bekannte Motto âSave the world, save the cheerleaderâ erinnert.
So erfahren wir per Voice-Over, dass der Ziehvater anscheinend kein allzu nahes VerhĂ€ltnis mehr zu Claire (nur akustisch vertreten: Hayden Panettiere) pflegt und diese sich von ihm distanziert hat. Stattdessen fiebert er dem groĂen Ereignis der Gleichstellung zwischen Menschen und Evos (Menschen mit FĂ€higkeiten) entgegen, der âEvos and Humans Unitedâ-Messe in Odessa.

Doch nachdem es bei der Messe zu einem terroristischen Anschlag kommt, scheitert die Gleichstellung und wir erfahren in verschiedenen Szenen, wie Evos nun auf der ganzen Welt verfolgt werden, und (durch eine spĂ€tere RĂŒckerzĂ€hlung) zudem, dass anscheinend auch Claire an diesem Ort ihr Leben verlor, wie auch immer das geschehen sein soll. Somit setzt Heroes: Reborn den Ereignissen von Heroes mit einem groĂen Knall ein Ende, um fortan ihre neuen Charaktere zu etablieren.
All Humans are equal, but some are more equal than others
Und auch diese Etablierung beginnt Ă€uĂerst spannend. So sehen wir, wie unter anderem Jungspund Tommy (Robbie Kay) und der mysteriöse Luke (Zachary Levi) Teil eines geheimen Treffens von Evos werden, Doch auch dieses Treffen stellt sich als Massaker heraus, das Luke und seine Partnerin Joanne (Judith Shekoni) zur Ausrottung der restlichen Evos inszeniert haben. Was genau ihre BeweggrĂŒnde dabei sind, bleibt noch unklar, anscheinend hat Luke jedoch sein Kind ebenfalls bei der Messe vor ĂŒber einem Jahr verloren.
Insgesamt dreht sich der Serienpilot natĂŒrlich darum, besonders viele Mysterien und Verweise auf die Mutterserie aufzubauen, was insgesamt mal besser und mal schlechter gelingt. So bekommen wir unter anderem zu sehen, dass Tommy die bekannten „9th Wonders“-Comics liest, Tommy an der âPinehearst High Schoolâ oder der Mexikaner Jose (Lucius Hoyos) an der âLinderman Junior High Schoolâ ist. Was genau Linderman oder Pinehearst mit dem Schulwesen in Heroes: Reborn zu tun haben, erschlieĂt sich mir noch nicht.

Ein weiteres groĂes RĂ€tsel stellt der Verbleib des Wissenschaftlers Mohinder Suresh (Sendhil Ramamurthy) dar, der anscheinend in der Ăffentlichkeit als Terrorist hinter dem 13. Juni dargestellt wird und diese Tat auch selbst zugegeben haben soll. Jedoch erfahren wir immer wieder, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.
Neben dem von Luke und Joanne verfolgten Tommy, dessen Kraft mich als One Piece-Fan an Kuma erinnerte, gehören anscheinend vor allem Carlos (Ryan Guzman) und dessen Neffe Jose sowie die Japanerin Miko Otomo (Kiki Sukezane) zu den zentralen Charakteren der neuen Serie, die jedoch gleichzeitig die wohl trashigeren Plots prĂ€sentieren dĂŒrfen.
Denn wĂ€hrend Jose dem maskierten Evo âEl Vengadorâ entgegenfiebert, der sich schlieĂlich als sein eigener Vater Oscar (Marco Grazzini) herausstellt und seine Maske am Totenbett an den vom Kriege vor allem durch seine Alkoholsucht gezeichneten Carlos weitergibt, darf uns die hippe Japanerin ihre ganz, ganz besondere Kraft zeigen.
Save the Game, save the Ice-Cream-Girl
Denn ihre Wohnung wird von dem Profi-Gamer Ren (Toru Uchikado) aufgesucht, der ihre Adresse als Geheimnis in dem Videospiel âEvernowâ freigespielt hat. Ren glaubt in dem jungen MĂ€dchen die Heldin Katana-Girl wiederzuerkennen. In einem weiteren Comicbeleg erfĂ€hrt sie zudem, dass sie durch ein mĂ€chtiges Katana-Schwert ihres Vaters an besondere KrĂ€fte kommen soll.
Wer jetzt allerdings glaubt, dass wir es vielleicht mit der Tochter des Schwerter schwingenden Hiro Nakamura (Masi Oka) zu tun haben, irrt, denn stattdessen ist sie die Tochter des bisher unbekannten Hachiro Otomo, der zudem der Autor des Comics ist. In ihrer letzten Szene der Pilotepisode betritt sie schlieĂlich das geheime Zimmer ihrer Wohnung und wird per Schwerterzug tatsĂ€chlich zu der lumpig animierten Videospielheldin ...

Die wesentlich besser funktionierenden Plots sind dagegen die von Tommy und Noah Bennett, der sich anscheinend ein neues, langweiliges Deckleben nach seiner Arbeit in der Papierfabrik zugelegt hat. So heiĂt dieser nun Ted Barnes und verkauft Autos in Austin. Doch die anscheinend von ihm gelöschte Vergangenheit holt ihn langsam ein, sodass er nach einem obskuren Besuch eines Verteidigers Mohinders schlieĂlich seine alten Notizen durchsucht und in der Lumiere Augenklinik landet.
Hier kommt es nun zu dem spannenden Wiedersehen mit seinem ehemaligen Kollegen, dem âHaitianâ (Jimmy Jean-Louis), der sich zunĂ€chst als Freund ausgibt, und ihn dann, nach einer sehr schönen Ăbergabe der âHorny Rimmed Glassesâ, zu erwĂŒrgen versucht. Was in seinem eigenen Tod mĂŒndet. Wie wir nun erfahren, war es Noah selbst, der ihm den Mord erteilt hat. Was also wurde alles aus seinem GedĂ€chtnis gelöscht und was verbirgt sich dahinter noch?
Fazit: Reborn
Wer im Piloten von Heroes: Reborn auf Anhieb das gleiche GefĂŒhl erwartet, dass wir zu Beginn der ersten Staffel der Mutterserie bekamen, kann sicherlich nur enttĂ€uscht werden. Stattdessen scheint die Wiedergeburt, die NBC anstrebt, wie bereits die Mutterserie ein paar Parallelen zum „X-Men“-Universum zu bieten.

Nicht nur das zentrale ErzĂ€hlelement der unterdrĂŒckten und verfolgten Minderheit von SuperkrĂ€ftetrĂ€gern, die hier eine deutliche Anspielung auf die Gleichstellung von Homosexuellen und Heterosexuellen darstellen, finden wir bereits in den bekannten Marvel-Comics. Zudem scheint Heroes: Reborn eine Art „Days of the Future Past“ zu sein, das versucht, die Fehler der VorgĂ€nger auszumerzen. Wie geschickt das klappen wird, bleibt abzuwarten.
Insgesamt macht Heroes: Reborn jedoch einen soliden Pilotenjob, der jetzt zwar keine wahnsinnigen Ăberraschungen und Plotelemente bietet, jedoch mit Noah, Tommy und dem mysteriösen Glatzenmann drei interessant wirkende und mit Miko und Carlos zwei eher trashig wirkende StrĂ€nge bietet. Sollte die Serie an die erste Staffel von Heroes herankommen wollen, bleibt es abzuwarten, ob geschichtliche Ereignisse wie die Position eines Evo-Senators in Form von Nathan (Adrian Pasdar) aufgegriffen werden.
Das Review zum zweiten Teil des Piloten, âOdessaâ, findet ihr hier.
Verfasser: Henning Harder am Freitag, 25. September 2015Heroes: Reborn 1x01 Trailer
(Heroes: Reborn 1x01)
Schauspieler in der Episode Heroes: Reborn 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?