Grey's Anatomy 9x01

Grey's Anatomy 9x01

Nach dem verheerenden Flugzeugabsturz macht die Handlung von Grey's Anatomy einen Zeitsprung und setzt einen Monat später wieder ein. Während Meredith und die anderen versuchen, das Trauma zu bewältigen, verliert ein beliebter Arzt sein Leben.

Ellen Pompeo musste als Meredith Grey in „Grey's Anatomy“ schon einiges druchmachen... / (c) ABC
Ellen Pompeo musste als Meredith Grey in „Grey's Anatomy“ schon einiges druchmachen... / (c) ABC

Der Staffelauftakt Going Going Gone öffnet ein neues Kapitel in der Welt von Grey's Anatomy. Der Flugzeugabsturz aus der Folge Flight, der mittlerweile 30 Tage zurückliegt, hat zum Tod von Lexie Grey (Chyler Leigh) geführt. Doch was geschah mit den anderen Unfallopfern?

Trotz des schweren Schicksalschlags ist das Leben im Seattle Grace nicht zum Erliegen gekommen und neue Figuren bevölkern die Flure des Krankenhauses:

Die neuen Ärztinnen Jo Wilson (Camilla Luddington) und Stephanie Edwards (Jerrika Hinton), die in ihrer Interaktion an die junge Meredith (Ellen Pompeo) im Zusammenspiel mit Cristina Yang (Sandra Oh) erinnern, schrecken plötzlich zurück. Doch sie fürchten sich nicht vor Miranda „The Nazi“ Bailey (Chandra Wilson), die in ihrem Sichtfeld auftaucht, sondern vor keiner Geringeren als Meredith.

Rollentausch

Dr. Grey beweist innerhalb von wenigen Sekunden, dass sie ihren Spitznamen der „Medusa“ nicht umsonst trägt. Sie hat sich in die Bailey von früher verwandelt, ist ungeduldig, unfreundlich und beendet ihre Standpauke gar mit einem forschen „Go to the pit and try not to kill anybody.

Bailey auf der anderen Seite hat mit den Jahren und insbesondere dank des nicht zu unterschätzenden Einflusses von Dr. Ben Warren (Jason George) ihre angsteinflößende Aura eingebüßt. Schlimmer noch: Mittlerweile ist aus „The Nazi“ doch tatsächlich „BCB“ geworden. Der liebevolle Kosename der „Booty Call Bailey“ geht auf die Tatsache zurück, dass die Ärztin nun regelmäßig Aufheiterung der körperlichen Art erfährt. So amüsant es auch sein mag, Grey in ihrer neuen Dominanz zu beobachten, so schmerzlich ist es mit anzusehen, wie Bailey um Autorität kämpfen muss. Bei aller Fleischeslust sollte sie sich nicht von dem Frischfleisch auf der Nase herumtanzen lassen.

Cristina und Minnesota

Cristina Yang hat es nach Minnesota verschlagen. Dort gibt es zwar gute Möglichkeiten für sie, sich als Herzchirurgin weiterzuentwickeln, doch die Arbeit im Mayo Hospital fordert auch einen Preis: Cristina steht mit grünem OP-Outfit samt Fellkragen im Schneegestöber. Dabei sieht sie sich mit ihren neuen Kollegen Dr. Parker (Steven Culp) und Dr. Thomas (William Daniels) konfrontiert. In ihrer fröhlichen Redseligkeit würden die beiden Chirurgen in den Augen der meisten einen positiven Eindruck hinterlassen. Allerdings handelt es sich bei Cristina nicht um die meisten. Die Anekdoten ihrer Kollegen mögen interessant sein, doch stehen sie zwischen Cristina und dem nächsten Skalpell.

Die räumliche Distanz zwischen Seattle und Rochesta macht es notwendig, dass Meredith und Cristina sich via Videotelefonate austauschen. Eine physische Wiedervereinigung ist zwar seit langem geplant, konnte jedoch bislang aufgrund der verbreiteten Flugangst nicht ausgeführt werden. Doch egal, wo sich Cristina nun befindet und egal, ob sie für den Rest ihres Lebens mit dem Zug durch die Welt fahren wird: Sie ist nach wie vor ihr ehrgeiziges, ruppiges Selbst.

Derek und die Hand

Nachdem sich Derek (Patrick Dempsey) in Flight schwere Verletzungen an seiner Hand zugezogen hatte, wagt der Arzt nun an der Seite von Callie die Rückkehr an den OP-Tisch. Er sieht bedrückt aus und hält sich mit der Euphorie über seinen ersten neuen Arbeitseinsatz zurück. Trotz des obligatorischen „It's a beautiful day to save lives“-Mantras geht nicht alles gut und die Hand des Chirurgen wird unvermittelt taub. Wird Derek je wieder operieren können?

Alex und Seattle

Die Abreise von Alex Karev (Justin Chambers) zum Hopkins-Krankenhaus in Baltimore, Maryland steht unmittelbar bevor. Um sich von den kommenden Turbulenzen abzulenken, vergnügt sich Karev hingebungsvoll mit neuen Ärztinnen in Ruheräumen.

Doch statt Meredith und den anderen in Seattle den Rücken zuzukehren, besinnt sich der Chirurg auf seinen zweifelsohne weichen Kern und entscheidet sich gegen den Umzug, um dadurch sein Wohltätigkeitsprogramm für Kinder in Seattle halten zu können.

Mark und 5 o'clock

Die Stimmung im Seattle Grace ist bedrückt. Die Ärzte bangen dem Zeitpunkt entgegen, an dem die Uhren auf fünf stehen werden. Was genau dann bevorsteht, offenbart sich erst im Laufe der Episode. Der Absturz hat nicht nur Lexie das Leben gekostet. Auch Mark Sloan (Eric Dane) hat so schwere Verletzungen erlitten, dass er nur noch mithilfe von Maschinen am Leben erhalten wird. Um fünf Uhr jedoch werden die Maschinen - dem letzten Willen von Mark entsprechend - abgestellt.

Going Going Gone nimmt Abschied von einem Charakter, der die Serie seit der Episode Yesterday in der zweiten Staffel begleitet hatte. Anhand von verschiedenen Ausschnitten aus der Vergangenheit wird auf das Leben des Mark Sloan zurückgeblickt. Angefangen im Jahr 1994, in dem Mark Dereks Trauzeuge gewesen war, zeichnen die Rückblenden ein liebevolles Bild des Schönheitschirurgen.

Am Totenbett erweisen ihm seine Freunde nach und nach die letzte Ehre. Es ist ein Abschied, der den Tränendrüsen äußerste Disziplin abverlangt...

Callie und...?

Was ist nur aus Arizona (Jessica Capshaw) geworden? Callie Torres (Sara Ramirez) sieht sich immer wieder mit mitleidigen Blicken und Beileidsbekundungen konfrontiert. Wie sich herausstellt, musste Arizonas Bein amputiert werden. Der schwere Eingriff hat die sonst so gutgelaunte Kinderchirurgin in eine tiefe Depression gestürzt. In ihrer Verbitterung gibt sie die Schuld für die Amputation ihrer Ehefrau Callie.

Die Leere nach Lexie

Obwohl dieser Staffelauftakt in erster Linie Mark und das Schicksal von Arizona betrauert, wird Lexie nicht komplett außer Acht gelassen. Der Mark der Vergangenheit macht der lebenden Lexie postmortal eine Liebeserklärung und auch aus den Gedanken von Jackson Avery (Jesse Williams) ist die Schwester von Meredith noch nicht verschwunden.

Aprils Rückkehr

Neben dem rührseligen Abschied von Mark kann die Episode auch mit einem Wiedersehen aufwarten: Dr. April Kepner (Sarah Drew), die von Hunt gefeuert worden war, nachdem sie die wichtige Chirurgenprüfung nicht bestanden hatte, arbeitet mittlerweile wieder auf dem Land, genauer gesagt in einem Schweinemastbetrieb.

Doch Hunt kommt zu ihrer Rettung, entschuldigt sich für das Vorgefallene und bittet sie, zum Seattle Grace zurückzukehren. Jetzt kann April ihr merkwürdiges Haartuch endlich wieder gegen den Ärztekittel eintauschen.

Der Krankenhauskreislauf

Wie es der Brauch im Seattle Grace will, wird auch in diesem Jahr wieder der „vielversprechendste“ Jungarzt ausgewählt, um vor allen anderen eine Operation durchzuführen. Wie es damals dem zauberhaften Dr. George O'Malley (T.R. Knight) erging, ergeht es heute der Jungärztin Jo: Sie versagt am Operationstisch.

Doch Jo kann in ihrem Kummer weder von Seiten Merediths noch durch Dr. Hunt (Kevin McKidd) mit Trost rechnen - die Arbeit im OP ist nur für die Stärksten. Die harte Schule der Chirurgie beginnt von Neuem.

Fazit

Die erste Episode der neunten Staffel von Grey's Anatomy überspringt die unmittelbaren Folgen des Absturzes und ist in erster Linie dem würdevollen Abschied von Mark gewidmet. Gleichzeitig wird geschickt ein Spannungsbogen aufgebaut, der erst am Ende durch die Offenbarung des Schicksals von Arizona aufgelöst wird.

Trotz der mehr als bedrückenden Grundstimmung dieser Episode gibt es immer wieder die charakteristischen leichten Sequenzen, die es einem ermöglichen, das ganze Drama überhaupt zu verkraften. Die verschreckten Jungärzte, die sich auf den Befehl von Hunt augenblicklich gerade hinsetzen, sorgen ebenso für Heiterkeit wie Cristinas aus der Frustration geborener Wutausbruch in ihrem neuen Krankenhaus.

Anhand der neuen Ärzte, die sich in Seattle nun den größten Herausforderungen ihrer Karriere stellen, kehrt Grey's Anatomy zu seinen Wurzeln zurück: Stilistisch werden Parallelen zwischen den unerfahrenen Neuankömmlingen von heute und den Merediths und Izzies von früher deutlich gemacht. Auf diese Weise wird dem Zuschauer eindrucksvoll vor Augen geführt, wie weit es die Ärzte von damals mittlerweile gebracht haben. Zum anderen manifestiert sich in dieser Form der Umsetzung der unaufhaltsame Kreislauf des (Krankenhaus-)Lebens. Irgendwann werden selbst die besten Chirurgen ihren Platz räumen müssen. Die Geschichte von Meredith und ihren Freunden allerdings ist noch lange nicht zu Ende...

In Kürze werden auch die übrigen Reviews zur neunten Staffel von Grey's Anatomy nachgeliefert.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 6. November 2012
Episode
Staffel 9, Episode 1
(Grey's Anatomy 9x01)
Deutscher Titel der Episode
Der 30. Tag
Titel der Episode im Original
Going, Going, Gone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 27. September 2012 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 9. Januar 2013
Autor
Stacy McKee
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 9x01

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