Grey's Anatomy 17x06

Grey's Anatomy 17x06

Passend zum Start der Weihnachtsferien verabschiedet sich Grey's Anatomy für circa drei Monate in die Winterpause. Im Midseason-Finale greift die Dramaserie erneut die Corona-Pandemie und dieses Mal ebenso Sex Trafficking auf.

Szenenbild zur Grey's-Anatomy-Episode No Time for Despair / (c) ABC
Szenenbild zur Grey's-Anatomy-Episode No Time for Despair / (c) ABC
© zenenbild zur Grey's-Anatomy-Episode No Time for Despair / (c) ABC

In der Grey's Anatomy-Episode No Time For Despair erwacht Meredith (Ellen Pompeo) endlich aus ihrem mehrtägigen Schlaf. So können sie und Tom (Greg Germann) sich etwas über ihre aktuelle Corona-Lage unterhalten. In der Zwischenzeit behandeln Owen (Kevin McKidd) und Co zwei jugendliche Afroamerikanerinnen, die Opfer von Sex Trafficking - also Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung - wurden. Währenddessen sind Bailey (Chandra Wilson), die ihre Mutter an Corona verloren hat, und DeLuca (Giacomo Giannotti), der manisch-depressiv ist, füreinander da und sprechen ihre Bewunderung füreinander aus.

COVID High

Während sich zu Beginn der Episode Merediths Zustand seit Tagen endlich mal verbessert zu haben scheint und nun einen ersten Höhepunkt erreicht, wird ihr Zustand gegen Ende der Episode in das Gegenteil pervertiert: Durch ein „COVID High“ hat sie ihre Kräfte überschätzt und einem Patienten in Not geholfen. Diese Handlung ist zwar vollkommen verständlich und passt total zu unserer Heldin Meredith, aber es war eben auch ein großer Fehler. Denn nun hat sich Merediths Zustand so weit verschlechtert, dass zur letzten Möglichkeit gegriffen wird: Sie wird maschinell beatmet. In der Realität ist es so, dass jeder Zweite, der am Beatmungsgerät hängt, das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen wird.

Für mich ist es immer etwas witz- und spannungslos, Meredith in Lebensgefahr zu bringen, da für mich feststeht, dass sie das überleben wird. Denn sie ist letztlich das Herz der Serie. Ohne sie könnte die Serie nicht überleben. Deshalb wird sie auch nicht sterben. Dennoch ist ihr Handlungsstrang wichtig, da an ihr verdeutlicht wird, wie unberechenbar das Corona-Virus ist.

Während ihres „COVID High“ haben Meredith und Tom Zeit für einen Plausch, um sich gegenseitig gut zuzusprechen. Immerhin sind die beiden die Einzigen, die die Lage des anderen verstehen können. Insbesondere Tom hat mal eine Auszeit von seinem Patientenzimmer gebraucht, da seine Zimmernachbarn anscheinend sterben wie die Fliegen. Hier hat er mitbekommen, wie sein Zimmernachbar Hector seine Frau durch das Telefon beruhigen und aufmuntern musste, nur um schließlich nachts einsam zu sterben - ohne seine Frau, ohne sich verabschieden zu können.

Ich persönlich frage mich, wie lange „Grey's Anatomy“ noch die Corona-Pandemie behandeln möchte. Denn so langsam spüre ich eine gewisse Corona-Langeweile. Es reicht mir mittlerweile, dass mich Corona schon so viel im Alltag begleitet. Da muss ich mich nicht noch mit dem Thema beschäftigen, wenn ich mir eine Serie anschaue und einfach nur unterhalten werden möchte. Dann möchte ich mal ausnahmsweise nicht an das Corona-Virus denken. Natürlich ist die Thematisierung der Corona-Pandemie wichtig, doch irgendwo und irgendwann muss doch auch ein Schlussstrich gezogen werden. Oder? Wie steht Ihr zu der Corona-Staffel von „Grey's Anatomy“? Findet Ihr es eher wichtig oder findet bei Euch auch langsam eine Art Übersättigung statt?

Sex Trafficking

Doch auch das Thema Sex Trafficking spielt erneut eine Rolle. Dadurch wird eine Verbindung zum letzten Staffelfinale hergestellt, denn die Frau, die Sex Trafficking betreibt und von Dr. DeLuca Giacomo Gianniotti) enttarnt wurde, tauchte wieder im Grey Sloan Memorial auf.

Es ist nur die Frage, was sie dort genau zu suchen hatte. Wollte sie die beiden Mädchen oder den Entführer mundtot machen? Oder wollte sie von ihnen Informationen bekommen? Wollte sie die Mädchen wieder entführen?

Die Episode endet damit, dass Carina (Stefania Spampinato) und ihr Bruder die Menschenhändlerin verfolgen. Ein Zusammenprall der beiden Parteien dürfte für Spannung sorgen. Doch wie diese Spannung genau aussieht, werden wir in 76 Tagen erfahren. Denn der zweite Teil der 17. Staffel wird erst im März ausgestrahlt.

I'm so Sick of It

In der Episode wird aber auch behandelt, wie People of Color betrachtet werden. Sie werden eher Opfer für Menschenhandel, weil sie als ersetzbar und nicht als Opfer angesehen werden. Außerdem erkranken und sterben sie aufgrund ihres sozialen Rangs und ihren Behandlungsmöglichkeiten öfter am Corona-Virus. Hier finde ich es schockierend, auf wie viele Bereiche sich die Hautfarbe auswirkt und welche Ursachen und Konsequenzen damit im Zusammenhang stehen, die man im ersten Moment vielleicht gar nicht wahrnehmen mag.

Das führt uns Maggie (Kelly McCreary) in einer äußerst emotionalen Rede vor Augen. Danach schottet sie sich in ihrem Zuhause ab, da sie erst mal Zeit für sich braucht. Ihre Ruhe wird durch Ihren Freund gestört, der sie mit einem Besuch überrascht, lediglich „I told you long distance wasn't my thing“ sagt und sie in den Arm nimmt. Das braucht sie jetzt. Denn während sie am Morgen noch froh darüber war, dass Meredith aufgewacht ist, ist sie nun nicht nur traurig über den katastrophalen Zustand Merediths, sondern auch über die Behandlung mancher Menschen.

Bailey, You Are a Superhuman

Wie ist eigentlich der Zustand zwischen Teddy (Kim Raver), Owen (Kevin McKidd) und Tom, nachdem sie letzterem zuletzt ein Liebesgeständnis gemacht hat? In der aktuellen Episode spricht Teddy Owen erneut auf ihren Seitensprung mit Tom an und versucht diesen mit ihrer Liebe zu ihrer besten Freundin, die sie verloren hat, zu begründen. Doch aus dem Gespräch lässt sich nicht erkennen, wo die beiden beziehungsweise die drei nun stehen.

Ich war schon ein bisschen enttäuscht, dass DeLucas psychische Krankheit nicht tiefergehend thematisiert, geschweige denn erwähnt wird. Doch „Grey's Anatomy“ greift dieses Thema gerade zum richtigen Zeitpunkt auf: DeLuca merkt, dass er eine Pause braucht und seine Medikamente nehmen muss. Bailey weist hier darauf hin, wie bewundernswert es ist, dass sein psychischer Zustand während dieser weltverändernden Situation so stabil ist. Deshalb ist sie auch so stolz auf ihn. Ich würde persönlich auch gerne noch ein bisschen mehr über seinen mentalen Zustand erfahren und wie er damit zurechtkommt, seine manisch-depressiven Störung und die Pandemie miteinander zu vereinen.

Die Beziehung zwischen Bailey und DeLuca ist einfach toll. Sie unterstützen einander, bauen einander auf und sind füreinander da. So bewundert sie nicht nur seinen Umgang mit seiner psychischen Krankheit, sondern auch er bewundert sie und ihren Umgang mit dem Tod ihrer Mutter. In seiner wundervoll mitfühlenden Rede, in der DeLuca Bailey berechtigterweise als „Superhuman“ bezeichnet, verdeutlicht er ihr, dass auch diese durchaus eine Pause brauchen, wenn sie ihre Mutter verloren haben.

Fazit

No Time For Despair beinhaltet tolle mitfühlende Gespräche der Bewunderung und Heldentaten, emotionale und aufklärende Reden, eine Meredith in Not, eine Pandemie und einen Fall des Menschenhandels. Ich würde sagen, damit enthält die Grey's Anatomy-Episode alle Zutaten für ein gelungenes Midseason-Finale.

Verfasser: Maike Karr am Freitag, 18. Dezember 2020

Grey's Anatomy 17x06 Trailer

Episode
Staffel 17, Episode 6
(Grey's Anatomy 17x06)
Deutscher Titel der Episode
Keine Zeit für Verzweiflung
Titel der Episode im Original
No Time For Despair
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. Dezember 2020 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. Mai 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 26. Mai 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 26. Mai 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 26. Mai 2021
Autor
Felicia Pride
Regisseur
Pete Chatmon

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 17x06

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