Grey's Anatomy 14x24

© ackson (Jesse Williams, l.) und April (Sarah Drew, r.) in „Grey's Anatomy“ (c) FOX
In der finalen Episode der 14. Staffel von Grey's Anatomy, All of Me, steht die Hochzeit von Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) im Mittelpunkt. Während die beiden sich für ein kleines Schäferstündchen davonstehlen, kommen ihre Gäste bei der falschen Hochzeit an und auch ansonsten entwickelt sich das „Fest der Liebe“ von Jo und Alex zu einer ausgewachsenen Katastrophe.
Comedy
Bevor ich dazu komme, was die Episode gut gemacht hat, muss ich mich erst dazu äußern, was in dem Staffelfinale nicht allzu gut gelöst wurde. Im Großteil der Episode versucht sich die Erzählung daran, komödiantische Elemente einzubauen, die insbesondere dadurch generiert werden, dass sich die Hochzeit Schritt für Schritt zu einem absoluten Reinfall entwickelt. Das mag vielleicht bei einer Comedy gang und gäbe sein, jedoch nicht bei der Krankenhausserie, die immer noch ein Drama ist. Gegen einzelne humoristische Elemente sind durchaus nichts einzuwenden - Grey's Anatomy war schon immer ganz gut darin, eine Balance zwischen ernsten und lustigen Bestandteilen zu finden -, jedoch sollten letztere nicht extrem überwiegen.

Diese komödiantischen Elemente sollte man insbesondere dann einsparen, wenn sie nichts zur Handlung beitragen, sondern lediglich für zwischenzeitliche Lacher sorgen sollen, die man auch anders hätte einbauen können. So geht dem Staffelfinale wertvolle Zeit verloren, die das Drama besser anders ausgefüllt hätte. Als Beispiel könnte man hier den großen Cast anführen. Um sowohl einen Abschluss der Figuren für diese Staffel als auch Vorarbeit für die einzelnen Erzählstränge der 15. Staffel zu leisten, hätte man das Staffelfinale effizient nutzen können. Das ist hier leider nicht der Fall, wodurch manches zu kurz kommt beziehungsweise nur so in den Raum geworfen wird (Beispiel: Teddys (Kim Raver) Schwangerschaft). Solch eine Aufgabe ist bei einem dermaßen großen Cast nie allzu leicht zu bewältigen, doch insbesondere dann sollte man sich auf die Charakterarbeit der Figuren konzentrieren. Diese wurde hier zu sehr vernachlässigt.
Zudem dient dieser „katastrophale“ erste Teil lediglich dazu, den romantischen Abschluss der Episode hervorzuheben. Das ist ein Trick, den wir schon oft in Dramen - insbesondere „Grey's Anatomy“ - gesehen haben und den man langsam leid wird.
Abschluss
Das Staffelfinale hat also viel zu bewerkstelligen. Abgesehen von der Zusammenführung von Jo und Alex und einem generellen Abschluss der Staffel, muss die Episode auch für eine erfolgreiche Verabschiedung und damit einen Abschluss von nicht nur einer, sondern gleich zwei langjähriger Figuren sorgen. Das ist keine leichte Aufgabe. Ich bin jedoch der Meinung, dass das Drama diese - im Gegensatz zu den genannten Kritikpunkten - sehr gut meistert. Das kann man wohl darauf zurückführen, dass die Krankenhausserie stets multitaskingfähig sein musste.
Arizonas (Jessica Capshaw) Abschied hat bereits größtenteils in der letzten Episode stattgefunden. Wir wissen, wo ihre Zukunft liegen wird - in New York bei Callie in ihrer eigenen Klinik mit Dr. Herman - wir wissen also, warum sie uns verlässt. Trotzdem wird jedoch eine neue Möglichkeit für ihre Zukunft angedeutet. Arizona scheint wieder Gefühle für Callie zu entwickeln und Matthews Weg mit April (Sarah Drew) zeigt, dass es nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss, wieder mit einer Person zusammenzukommen, die einen (beziehungsweise die man selbst...) zwischenzeitlich verletzt hat. Während des Abschlusses von Aprils und Matthews (Justin Bruening) Liebe wird passenderweise das Lied gesungen, das Callie/Sara Ramirez in Song Beneath the Song gesungen hatte.

Im Gegensatz dazu wird Aprils Abschied erst in dieser Episode vorbereitet. So wird man von manchen Änderungen, wie ihrem plötzlichen Berufswechsel, etwas überrumpelt. Überdenkt man Aprils Werdegang jedoch noch einmal, erscheint ihre veränderte Lebenssituation doch sehr passend und auch gut eingeführt. In dieser Staffel hat Aprils Glaubenskrise einen Großteil ihrer Storyline eingenommen und es ist schön festzustellen, dass dieser nicht einfach nur so eingeschoben wurde. Im Staffelfinale entsteht der Eindruck, dass Aprils Zukunft von langer Hand geplant wurde. So würde ich argumentieren, dass sie ihren Glauben und die Medizin nicht mehr miteinander vereinbaren kann, insbesondere, da sie oft einen Verlust verarbeiten musste, bei dem ihr weder Gott noch die Medizin beigestanden haben. Aus diesem Grund widmet sie von nun an ihr Leben nicht mehr der Medizin, sondern Gott, und arbeitet in einer Obdachlosengemeinde. Diese Tätigkeit erscheint mir überaus passend für April.
Auch ihre Zuwendung zu Matthew gefällt mir sehr gut, auch wenn diese etwas plötzlich kommt. Bei ihm kann sie wieder glücklich sein. Gemeinsam teilen sie ihren Verlust und ihre Trauer, aber auch ihren Glauben und ihr Glück. So erscheint es mir ein überaus geglückter Abschluss, dass die beiden ihre Liebe füreinander offiziell machen. Fans von April können sich sicher sein, dass sie in guten Händen ist. Hierbei finde ich es außerdem überaus gut gelungen, dass sie nicht nur eine schöne Zukunft erwartet, sondern dass sie auch mit ihrer Vergangenheit abschließt. So macht sie Jackson (Jesse Williams) deutlich, dass er immer ein Teil ihres Lebens sein wird. Solche Momente sind nicht nur für die beiden bedeutend, sondern auch für Fans der Charaktere. Schließlich hat ihre Beziehung einen immensen Teil des Dramas ausgemacht, der genügend gewürdigt werden will. Außerdem ist es schön zu sehen, dass Jackson der neuen Liebe von April seinen Segen gibt. Das beweist wohl endgültig, dass er über April hinweg ist und sich auf die Beziehung mit Maggie einlassen kann. Die Szene zwischen den zwei Männern in Aprils Leben sorgt für ein paar ordentliche Schmunzler. Hier wird die komplizierte Vergangenheit der drei humorvoll aufgearbeitet.
Jo und Alex
Endlich haben es Jo und Alex geschafft, ihre Liebe zueinander zu besiegeln. Die beiden sind miteinander durch dick und dünn gegangen. Es war oft schwer für ihre Liebe, doch nun haben sie ihr Ziel erreicht. Genauso wie ihre Beziehung, verläuft auch ihre Hochzeit nicht ohne Komplikationen. Umso schöner ist es dann, dass sie noch dazu kommen, sich gegenseitig das Jawort zu geben.
Ihr nächstes gemeinsames Jahr steht auch schon fest. Jo wird angeboten, ihr fellowship an einem hoch angesehenen Krankenhaus in Boston zu absolvieren. Die beiden Turteltauben werden das nächste Jahr also in Massachusetts verbringen. Meredith (Ellen Pompeo), die sehr gut mit ihnen befreundet ist und in den letzten Jahren viele Verluste durchmachen musste, hat mit der zukünftigen Situation schwer zu kämpfen. Sie fühlt sich allein gelassen. Mithilfe Webbers (James Pickens Jr.) wird ihr jedoch bewusst, dass insbesondere Jo die Zeit in Boston benötigt, um zu einer besseren Chirurgin zu werden. Zudem wird diese Trennung ja auch nur ein Jahr lang sein. So nimmt sie die Entscheidung des Paares der Stunde dann eben doch hin. Als Beweis, dass sie ihre Entscheidung unterstützt und dass sie nicht außen vor gelassen wird, fungiert sie spontan als Priesterin bei deren Hochzeit. Hier wird erneut ihr Verlust von Derek (Patrick Dempsey) thematisiert, da diese auf einer Fähre stattfindet, die ihr Ehemann sehr geliebt hatte.
Zukunft
Wie bereits erwähnt sollte ein Staffelfinale nicht nur einen Abschluss bilden, sondern auch einen Anreiz für die Zukunft der Figuren zu bieten haben. Auf die Zeit von Alex und Jo in Boston darf man durchaus gespannt sein. Außerdem entscheidet sich Bailey (Chandra Wilson) dazu, eine Art Sabbatjahr zu nehmen, da sie es bereut, nach ihrem „Beinahetod“ nichts verändert zu haben und nun die finanziellen Mittel - durch den ersten paycheck von ihrer Arbeit am trail blazer - hat, um ihrem Herzen folgen zu können.

Zudem taucht Teddy auf einmal im Grey Sloan Memorial auf. Dort wird sie die bürokratische Seite der Chefarztchirurgie-Stelle von Bailey übernehmen. Während ihre Rückkehr zum Krankenhaus an sich schon Owens (Kevin McKidd) Leben erneut aufwirbeln wird, gießt eine Enthüllung noch Öl ins Feuer: Sie ist schwanger. Hierbei kann man annehmen, dass der Embryo von Owen stammt, da sie eigentlich in einem Gespräch mit ihm zu verstehen gegeben hatte, dass es für sie keinen Grund gibt, nach Seattle zurückzukehren. Das wird also nicht nur Owens Leben verändern, sondern auch Amelias. Denn die beiden hatten sich in der letzten Zeit eine neue Art der Zweisamkeit geschaffen. Zusammen sorgen sie für zwei Ziehkinder. Dabei scheint ihre Liebe erneut aufgeflammt zu sein. Dieser Liebe wird nun wohl in Form von Teddy ein Stein in den Weg gelegt werden.
Fazit
Mit dem Finale der 14. Staffel, All of Me, kann man insgesamt durchaus zufrieden sein. Der Abschied von den langjährigen Figuren April und Arizona funktioniert wunderbar. Außerdem sorgt die Folge auch für einen Abschluss, indem zum Beispiel die Liebe von Jo und Alex besiegelt wird, aber sie arbeitet eben auch schon an genügend Geschichten für die nächste Staffel. Letzteres wäre dem Drama sicher noch besser gelungen, wenn man sich weniger auf den komödiantischen Anteil und mehr auf die Arbeit an den Charakteren konzentriert hätte.
Verfasser: Maike Karr am Freitag, 18. Mai 2018Grey's Anatomy 14x24 Trailer
(Grey's Anatomy 14x24)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 14x24
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