Grey's Anatomy 14x11

© zenenbild zu der „Grey's Anatomy“-Episode „(Don't Fear) The Reaper“ (c) ABC
Nach 14 Jahren Beteiligung an Grey's Anatomy, bekommt Dr. Miranda Bailey (Chandra Wilson) mit (Don't Fear) The Reaper eine eigene Episode spendiert, die ihren Charakter ins Zentrum der Handlung stellt. Ausgelöst durch einen (möglichen) Herzinfarkt wird ihre Lebensweise von den Ärzten des Seattle Presbyterian in Frage gestellt, woraufhin wir uns ein eigenes Bild von Mirandas Leben durch verschiedene wunderbar gestaltete Montagen machen und zuletzt wird uns ein Fazit serviert, das dieser Fragestellung nicht nur schnell ein Ende macht, sondern uns allen auch eine Lebensphilosophie vermitteln will.
That is not how my story ends
Es erscheint beinahe so, als ob uns die Macher von „Grey's“ keine Auszeit gönnen möchten. Bereits die letzten zwei Folgen ließen uns am Boden zerstört zurück und mit der aktuellen Folge treten Shonda Rhimes und Co immer weiter auf uns ein und lassen uns keine Zeit zum Atmen. Das was diesen Angriffen diese immense Stärke verpasst, ist der Umstand, dass wir nicht darauf vorbereitet waren. Auf manche wurde vielleicht schon seit mehreren Episoden/Staffeln hingearbeitet, während wiederum andere wie aus dem Nichts kamen. So auch der Handlungsstrang um „Grey's“-Urgestein Bailey.
Durch Montagen von Mirandas Leben erleben wir (und sie) die emotionalsten, die traurigsten, die stärksten Augenblicke ihres Lebens wieder, die Miranda zu der Person gemacht haben, die sie heute ist. Diese vermitteln uns nicht nur rückwirkend das Gefühl, dass wir diesen Aufenthalt im Krankenhaus schon lange hätten kommen sehen sollen, sondern auch, dass ebendieser Aufenthalt kein gutes Ende nehmen wird. Der Umstand, dass wir in diesen Rückblenden auch ehemalige Charaktere wiedersehen, die auf tragische Weise verstorben sind (George, Derek), erinnert uns erneut daran, dass die Figuren bei „Grey's“ oft ein schnelles und unvorhergesehenes Ende finden.
Als Zuschauer des Dramas weiß man, dass es zu jeder Zeit eine Figur von jetzt auf gleich hart treffen kann. Man sieht es nicht kommen und innerhalb einer Folge ist diese Figur tot. Meist steht dieser Charakter dabei mehr als üblich im Fokus, wodurch meist die Wendung zum Schlechteren anzunehmen war. Zudem führte das zu einer emotional stark aufgeladenen Verabschiedung der Figur. Diese Erfahrung mussten wir schon oft machen und mit ebendieser spielen die Macher des Krankenhausdramas nun. Man bangt um Bailey. Man sitzt wie gefesselt vor dem Fernseher und möchte, dass sie überlebt.
Eine Parallele, die sich hier ausmachen lässt, ist die stellenweise starke Ähnlichkeit zu Dereks Tod. Denn dieser starb aufgrund der Inkompetenz der Ärzte, die ihn behandeln. Dieses Gefühl bekommt man während Baileys Behandlung auch vermittelt. Ihre Ärzte sind zwar nicht zwingend inkompetent, lassen bei ihrer Behandlung aber nur eine mögliche Diagnose zu - Baileys Symptome rühren von psychischer Belastung durch ihren Job und Stress, der ihr in letzter Zeit widerfahren ist.
Da die Ärzte keinen medizinischen Nachweis dafür finden, dass Bailey einen Herzinfarkt hat, schieben sie ihre Symptome auf psychische Ursachen. Der Umstand, dass sie keinerlei Beweise für Baileys Aussage liegt unter anderem daran, dass Frauen andere Symptome als Männer bei bestimmten Krankheiten - so auch bei einem Herzanfall - aufweisen. Da die meisten Krankenhäuser jedoch lediglich die Symptome berücksichtigen, die Männer aufweisen würden, kommt es bei Frauen oft zu Fehldiagnosen - das ist nun auch hier der Fall. Somit spricht das Drama zum dritten Mal in Folge ein wichtiges Thema an - Missbrauch, Rassismus und nun das (amerikanische) Gesundheitssystem.
Dabei ist Baileys Ohnmacht beinahe zum Greifen nahe, dank der herausragenden Darstellung seitens Chandra Wilson. Doch nicht nur diese Emotion serviert sie uns auf einem Tablett, sondern wahrlich die gesamte Bandbreite einer Ärztin, die spürt, was mit ihr los ist, aber keine Möglichkeit hat sich selber zu helfen: Wut, Verzweiflung, Angst (um das eigene Leben), Beunruhigung … Diese werden sogar so gut nach außen transportiert, dass man schnell diese Emotionen bei sich selber feststellen muss.
Everyone has the need to be a little reckless sometimes
Neben Bailey liegt eine Patientin, die das Gegenteil zu Bailey darstellt. Diese ist eine Abenteurerin, genießt ihr Leben bis zum Äußersten und hat schon viel von der Welt gesehen. Außerdem hat sie keinerlei Arbeitsmoral, wie sie selber bezeugt. Zuerst mag es so erscheinen, dass dies ein Wink an Bailey sein soll: „„Sieh mal her, so hätte dein Leben aussehen können, du hättest nicht so viel arbeiten müssen, du wärst glücklich gewesen“. Stattdessen soll diese Patientin weniger einen Kontrast zu Miranda darstellen, sondern vielmehr eine überaus wichtige Gemeinsamkeit mit ihr teilen. Dazu aber später mehr.
Life is too precious to do anything less than what makes us happy
Um die Behandlung zu bekommen, die sie verdient, schickt sie Maggie Pierce (Kelly McCreary) ins Seattle Press, da diese dafür sorgen wird, dass man Bailey anständig behandelt. Mit ihr kommt Dr. Webber (James Pickens Jr.), der sich durch Mirandas Anruf Sorgen gemacht hat. Während ihrem Aufenthalt kommt es dann auch tatsächlich zu dem, was Bailey die ganze Zeit befürchtet hatte. Sie hat einen Herzinfarkt und erneut sieht man, dass die Angst um ihr Leben um ein Vielfaches größer geworden ist - auch wenn sie sich bis zuletzt nicht dazu durchringen kann dieses Gefühl zuzugeben.

Miranda ist eine wahrlich sture und stolze Person. Sie möchte auf keinen Fall Schwäche zeigen, da sie annimmt, dass andere sie dann auch ebenso wahrnehmen würden. So möchte sie auch weder, dass sie ins Grey Sloan geliefert wird, noch, dass jemals ihr Mann Ben Warren (Jason George) oder jemand Anderes von diesem Vorfall erfährt. „What happens in Seattle Press, stays in Seattle Press.“ Erst kurz vor ihrer Operation hält sie es nicht mehr aus und gibt nach. Innerhalb weniger Minuten ist Ben im Wartezimmer bei Webber und Pierce.
Zum Glück geht alles gut. Miranda übersteht die Operation. Sie hat sich nicht geirrt. Sie hat für ihr eigenes Leben gekämpft. Sie hat ihren Stolz überwunden und Menschen kontaktiert, die sie leben, damit diese ihr beistehen und helfen können.
Letzten Endes gelingt es ihr sogar ihre Angst einzugestehen, was sie wohl die größte Überwindung kostet. Hierfür ist ein Telefonat mit ihrer Mutter nötig und endgültig bricht Mirandas Damm. Sie lässt ihre Gefühle zu. Viel mehr noch: Sie lässt Schwäche und Angst zu. Nur so kann sie sich diesen Emotionen stellen und diese überwinden.
Zuletzt schließt sie ein Fazit: „Life is too precious to do anything less than what makes us happy“. Das hat sie auch mit der Abenteurerin gemein. Sie führen zwar keine ähnlich Leben, aber sie sind beide mit ihrem Leben zufrieden. Sie leben das Leben, das sie leben wollen.
Fazit
In letzter Zeit bietet uns Grey's Anatomy starke figuren-fokussierte Episoden, die alles aus den Figuren und deren Schöpfkraft herausholen. Dadurch wird uns eine der besten Episoden dieser Staffel geliefert. Die Handlung wird aus dem genommen, was einem die Charaktere bieten, was zu einer unglaublich mitreißenden und fesselnden Geschichte führt.
Durch eben genannte Stärken gehen manche Figuren aber auch leider etwas verloren, da die Fokussierung auf weniger Figuren offenkundig nicht alle Figuren berücksichtigen kann. Zudem werden dadurch Handlungsstränge solcher Figuren unterbrochen und man läuft Gefahr diese aus den Augen zu verlieren. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau. Das Drama hat in den nächsten Episoden Zeit das Gleichgewicht wiederherzustellen. Außerdem würde ich diese tiefergehenden Episoden, die uns in letzter Zeit geboten werden, nicht missen wollen.
Außerdem wird mit (Don't Fear) The Reaper das fehlerhafte Gesundheitssystem angesprochen. Somit widmet sich das Drama bereits zum dritten Mal einem wichtigen Thema. Hierzu kann man nur sagen: „Grey's Anatomy, mach weiter so!“
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Verfasser: Maike Karr am Freitag, 2. Februar 2018Grey's Anatomy 14x11 Trailer
(Grey's Anatomy 14x11)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 14x11
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