Grey's Anatomy 14x10

© zenenbild zu der „Grey's Anatomy“-Episode „Personal Jesus“ (c) ABC
In der Grey's Anatomy-Episode Personal Jesus wird Dr. Paul Stadler (Matthew Morrison) in die Notaufnahme gebracht und die Frage nach dem Schuldigen muss geklärt werden. Währenddessen trifft April (Sarah Drew) ohne Vorwarnung auf einen Mann aus ihrer Vergangenheit. Außerdem wird ein 12-jähriger schwarzer Junge von der Polizei angeschossen, womit die aktuelle mehr als problematische Situation in den USA angesprochen wird.
A little boy was at home when a fellow officer shot and killed him
Bereits letzte Woche wurde mit 1-800-799-7233 ein kontroverses Thema der Gesellschaft angesprochen, indem man eine Diskussion über häusliche Gewalt eröffnete. Nun wagt sich Shonda Rhimes erneut an ein umstrittenes Thema, das immer wieder Aufmerksamkeit in den Medien erlangt, aber scheinbar keinerlei Fortschritte zu machen scheint. Die Rede ist hier von der unglaublichen Tatsache, dass immer wieder Afroamerikaner in den USA, ohne dass diese eine Gefahr darstellen, erschossen werden und sich die Polizei dabei hinter Ausreden versteckt.
Die Situation im Grey Sloan ist nun folgende: Ein 12-jähriger afroamerikanischer Junge wird mit einer Schusswunde eingeliefert. Besagter Junge hatte seinen Haustürschlüssel vergessen und ist daher in sein eigenes Haus eingebrochen. Dabei wurde er von einem Polizisten angeschossen. Während solch eine Tat für einen Weißen mit einem geringen Risiko verbunden ist, ist so eine Situation für einen Afroamerikaner bereits viel gefährlicher.
Egal ob jung oder alt, arm oder reich, harmlos oder gefährlich, Afroamerikaner werden stets als höhere Gefahr eingestuft als Weiße. So hat auch Jackson (Jesse Williams) eine solche Situation vorzuweisen, obwohl er ein privilegierter, gebildeter und ungefährlicher junger Mann ist. Da ihm so etwas jedoch nicht auf der Stirn geschrieben steht und Menschen (Polizisten) zuerst das Aussehen (die Hautfarbe) wahrnehmen, ist dieser Umstand in solchen Situationen irrelevant.

Um dieser Geschichte wahren Ausdruck zu verleihen, entscheidet sich Rhimes dazu, den Jungen an seinen Schussverletzungen sterben zu lassen. Das erweist sich meiner Meinung nach als effizienter Weg, um die überaus wichtige Nachricht „Black Lives Matter“ in die Welt zu tragen. Jacksons Rede hierzu sagt alles, was zu diesem Thema und so einer Situation zu sagen ist. Die schiere Verzweiflung, die hier in seiner Stimme zu hören ist, steht stellvertretend für die schiere Verzweiflung der aktuellen Situation in den USA.
Die wohl tragischste Szene, in der ohnehin schon niederschmetternden Episode, bietet sich uns, als Bailey (Chandra Wilson) und Warren (Jason George) ihrem Sohn Tuck darüber aufklären müssen, wie er sich zu verhalten hat, wenn er auf die Polizei treffen sollte. Erst hier werden die wahren Ausmaße dieses Rassismus sichtbar. So etwas sollte keine Mutter und kein Vater tun müssen, um das Leben des eigenen unschuldigen Kindes zu schützen.
God didn't give us more than we can handle
Wie der Titel schon verrät, geht es in Personal Jesus um den Glauben an Gott. Durch das In- und Outro mit einem Monolog über ebendiesen, wird dieses Thema eingerahmt und verdeutlicht. Dr. April Kepners Glauben wird hier mehrmals erschüttert, bis er schließlich vollends zerstört ist. In dieser so vollgepackten Folge, in der so viele wichtige Themen abgearbeitet werden, hätte diese Geschichte beinahe untergehen können. Jedoch gelingt es Sarah Drew durch ihre einnehmende Darbietung, die Aufmerksamkeit auf ihre Figur zu lenken.
Über die Folge hinweg steigern sich die Zweifel an ihrem Glauben, bis sie diesen schließlich aufzugeben scheint. Angefangen mit einem masturbierenden jungen Mann, der die Bibel etwas zu wörtlich nimmt, über den Verlust des 12-jährigen Jungen und der kürzlich gewordenen Mutter, bis hin zu einer Diskussion mit dem „masturbierenden“ Patienten über Gott, die schließlich in der Hinterfragung der Bibel und Gott selbst endet.

Die kürzlich gewordene Mutter war nicht nur ihre Patientin, der sie bei der Geburt geholfen hat und mit der sie sich noch kurz über Gott austauschen konnte, sondern auch die Frau von ihrem Ex-Verlobten Matthew (Justin Bruening). Auch dieser ist ein gläubiger Mensch und berichtet April nur wenige Stunden, bevor seine Frau stirbt, davon, wie er wieder Freude in seinem Leben empfinden konnte, nachdem sie ihn am Altar hat sitzenlassen. „You gotta use that pain and turn it into something beautiful.“ Den Umstand vor Augen geführt, dass zwei gute und gläubige Menschen Leid erfahren mussten, lässt sie bereits an ihrem Glauben zweifeln.
Als dann ein unschuldiger Junge stirbt, ist sie vollends am Boden zerstört und durch ihre Aussage über das System wird dies überaus deutlich: „How am I supposed to have any faith into a system like that?“ Diese mag zwar in dem Moment auch auf das Rechtssystem der USA passen, jedoch ergibt diese Aussage bezogen auf Aprils Glauben oder besser gesagt den Zweifel an eben solchem noch viel mehr Sinn und hier äußert sie sich zum ersten Mal über ihren inneren Gefühlszustand, ohne dass ihr das bewusst sein mag. Der endgültige Beweis für den fatalen Glaubenswandel, den sie innerhalb eines Tages durchgemacht hat, wird uns dadurch geliefert, dass sie einen One-Night-Stand mit einem der Anfänger hat und das, obwohl sie lediglich an Sex in der Ehe glaubt.
The good outweighed the bad until it didn't
Der Cliffhanger von letzter Woche, in dem wir den schwer verletzten Dr. Paul Stadler in der Notaufnahme sehen, wird teilweise geschickt aufgelöst, bringt jedoch auch so seine Schwierigkeiten mit sich. Während einer Konfrontation mit seiner Verlobten Jenny (Bethany Joy Lenz), in der diese ihm offenbart, dass sie ihn nur verlassen wird, sondern auch für seine grausamen Taten vor Gericht ziehen wird, möchte dieser sie körperlich angreifen und knockt sich dabei ironischerweise selber aus. Das führt dazu, dass er keinerlei Hirnfunktionen mehr hat und für hirntot erklärt wird. Nun ist es an Jo, die mit der Situation sichtlich überfordert ist, eine Entscheidung zu treffen. Schließlich entscheidet sie sich dazu, all seine Organe zu spenden, damit sein Tod auch etwas Gutes mit sich bringt.
Zuerst einmal zu dem, was hier gut gelöst wurde. Zum Einen wird keines der Opfer (Jo, Jenny) hier zum Täter gewandelt, indem sie Paul angefahren haben. Auch finde ich gut, dass Alex nicht wieder in ehemalige Verhaltensmuster zurückgefallen ist. Stattdessen bieten uns die Macher die Lösung, dass ein Betrunkener Dr. Stadler angefahren hat. Das erscheint zwar überaus passendes Timing zu haben, jedoch finde ich diese Lösung noch am besten gewählt.

Zum Anderen entscheiden sich Jenny und Jo das Richtige zu tun und Paul vor Gericht zu bringen, um nicht nur ihn hinter Gitter zu bringen und weitere Frauen vor Unheil von ihm zu bewahren, sondern auch um anderen Frauen, die missbraucht wurden, ein Vorbild zu sein. So geht man mit solchen Fällen um und ich hätte gerne gesehen wie Dr. Stadler das bekommen hätte, was er verdient hat. Das hätte sich zwar auch wieder lange hingezogen, hätte jedoch als Vorbild für Opfer von Gewalt fungieren können.
Stattdessen entscheiden sich Rhimes und Co. dafür, Paul sterben zu lassen und dann auch noch auf so eine banale Art und Weise. Genau hier setzt auch meine Kritik an. Ich bin mir nicht wirklich sicher, was ich davon halten soll beziehungsweise ob das die richtige Entscheidung war. So bekommen zwar Jenny und Jo den Abschluss, den sie verdient haben und konnten sich ihm davor noch einmal entgegen stellen und ihre Stärke beweisen. Jedoch mag mir die Art, wie sie diesen Handlungsstrang zu einem Ende geführt haben, nicht so ganz zusagen. Fandet Ihr, dass das Ende von Paul gut gelöst wurde oder hättet Ihr Euch ein anderes Ende gewünscht oder vorgestellt?
Fazit
Mit Personal Jesus werden uns schwer verdauliche Geschichten vorgelegt, über die man noch lange nach dieser Folge nachdenken muss und auch sollte. Denn genauso waren diese erdacht. Hierbei werden aktuelle und kontroverse Themen schonungslos angesprochen, um die Nachrichten „Black Lives Matter“ und „Time's Up“ in die Welt hinauszutragen. Bis auf ein paar kleinere Ausnahmen gelingt es Shonda Rhimes ausgesprochen gut, diese Themen zu verarbeiten.
Da hier fast eine komplette Episode dafür verwendet wurde, um diese wichtigen Themen anzusprechen, bleiben die restlichen Handlungsstränge der Figuren auf der Strecke. Darüber kann man jedoch hinwegsehen, da Serien sich manchmal für solch wichtige Themen eine Auszeit nehmen müssen. Lediglich Aprils Geschichte erfuhr Aufmerksamkeit und deren rapide Kehrtwendung ist mit Argusaugen zu betrachten.
Verfasser: Maike Karr am Freitag, 26. Januar 2018Grey's Anatomy 14x10 Trailer
(Grey's Anatomy 14x10)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 14x10
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