Grey's Anatomy 13x04

Grey's Anatomy 13x04

Während Amelia ihre schnelle Hochzeit mit Owen reflektiert, müssen sich auch April und Jackson zu ihrem neuen-alten Verhältnis positionieren. Derweil wird die Situation zwischen Meredith, Maggie und Riggs immer verfahrener. Nur Alex scheint sich langsam in seinem persönlichen Chaos zurechtzufinden.

Martin Henderson, Kevin McKidd, Ellen Pompeo in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Martin Henderson, Kevin McKidd, Ellen Pompeo in der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Vielleicht brauchte es einen Verlauf, um den Figuren und ihren Konflikten wieder etwas näher zu kommen. Die Episode Falling Slowly geht jedenfalls, anders als ihre Vorgänger, endlich mehr in die Tiefe, als in die Breite: So sehen wir nicht nur mehr von April (Sarah Drew) und Jacksons (Jesse Williams) Bemühungen, einen Umgang mit sich selbst und der neuen Situation zu finden. Auch dem frischverheirateten Paar wird sich nach der doch recht überraschenden Hochzeit eingehender zugewandt. So ergeht es zumindest Amelia (Caterina Scorsone) ähnlich wie Jackson und April nach ihrer ebenfalls doch sehr spontanen Entscheidung: Wie gut kennen sich die beiden eigentlich? Glücklicherweise werden böse Vorahnungen nicht erfüllt - von einem erneuten Hin und Her zwischen Owen (Kevin McKidd) und Amelia werden die Zuschauer-/innen (vorerst) verschont bleiben. Stattdessen kommen sich die beiden noch einmal näher, was nicht nur erfreulich ist, sondern gleichzeitig zeigt, wie gut Scorsone und McKidd eigentlich harmonieren.

Wenn der Eindruck nicht täuscht, scheinen die Heimlichkeiten um Maggie (Kelly McCreary), Meredith (Ellen Pompeo) und Riggs (Martin Henderson) beinahe ihren Peek erreicht zu haben, und auch das sind mehr als willkommene Aussichten. So führt ein fachlicher Disput zwischen Riggs, Owen und Meredith schließlich dazu, dass Letztgenannte die Notwendigkeit verspürt, schließlich für Klarheit zu sorgen. Dass es dazu erst eine querschnittsgelähmte Patientin Latarsha Rose) „braucht“ ist ein Umstand, der durchaus diskutiert werden könnte - doch wie es scheint, benötigt es immer erst eine externe Katastrophe, die zur Reflexion der privaten Probleme anregt. Auf der Strecke bleibt wie zuvor aber Maggie. Noch immer heillos in Riggs verknallt lässt sie sich indirekt von Amelia sogar Tipps zum Thema „Entzug“ geben. Weil das schlechte Gewissen mittlerweile auch an Meredith nagt, wird sich die Situation in absehbarer Zeit womöglich endlich auflösen.

Derweil bilden die zum Stillschweigen Verpflichteten Andrew (Giacomo Gianniotti) und Jo (Camilla Luddington) eine heimliche Allianz: Wenn sie schon mit sonst niemandem über das laufende Verfahren sprechen dürfen, dann wenigstens miteinander. Auch Alex (Justin Chambers) scheint sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Denny Duquette Klinik mit seiner Situation zurecht zu finden: Die Ruhe vor dem Sturm?

I don't want you to move out

Ein etwas abgedroschenes Sprichwort weiß: Geteiltes Leid ist halbes Leid, und schweißt darüber hinaus oft zusammen. Dass aus dieser simplen Alltagsbeobachtung interessante, tiefgreifende Erzählungen werden können, konnte man in Grey's Anatomy vor allem vermittels der unvergleichlich intensiven, tollen Freundschaft zwischen Meredith und Cristina (Sandra Oh) erfahren. Dass eine derartige Verbindung nicht zwangsläufig über unmittelbar gemeinsam erlebte Erfahrungen entstehen muss, zeigt sich in Falling Slowly in einer intimen Szene zwischen Owen und Amelia.

Was mit eher amüsanten Nachfragen (“So, why did you join the army?“ - Nebenbei bemerkt eine Frage, deren Antwort durchaus von Interesse wäre!) seitens Amelia und einem ebenso amüsant überforderten Owen beginnt, ergibt sich aus einer heiklen Frage, die da lautet: Wie gut kennen wir uns eigentlich? Auch für die Zuschauer-/innen kam die Hochzeit zwischen den beiden wohl etwas überraschend. Kein Wunder also, dass sich zumindest Eine/r der beiden Beteiligten diese Frage früher oder später stellen muss. Doch die Aussprache endet in einer durchweg gelungenen Szene, die davon absieht, Amelias Unsicherheit zu großen Zweifeln aufzublasen, im Gegenteil: Beiden gelingt es, ihre Ängste zu überwinden, indem sie gegenseitig ihre vielleicht größte Wunde offenbaren. Im Zuge dessen erinnert der Ablauf dieses Gesprächs vielleicht nicht ganz ohne Zufall an ein „charakteristisches“ Muster der oben erwähnten Freundschaft zwischen Cristina und Meredith. Das Ausgesprochene wurde meist kommentarlos erst einmal hingenommen, oder besser: angenommen, um es dann mit der eigenen „Geschichte“ zu beantworten. Wie es scheint, haben sich hier also wieder Zwei gefunden; zu diesem Schluss kommt man spätestens bei dem nachdrücklich formulierten Kinderwunsch. Damit dürfte nun auch Owen - zumindest theoretisch - endlich seine Erfüllung vergönnt sein.

Mit etwas weniger bedeutungsvoller Ankündung finden nun auch April und Jackson über die neue, verbindende Erfahrung der Elternschaft mit all ihren Anstrengungen zueinander. Dass diese Entwicklung mit eher leichtem, fast beiläufigen Ton daherkommt, stört überhaupt nicht, im Gegenteil: Abgesehen von der Tatsache, dass diese Figuren über die letzten drei Staffeln mehr als genug an ihre Grenzen getrieben wurden, fügt sich die Leichtigkeit passend in die jüngsten Entwicklungen dieses Handlungsstrangs ein. Jackson und April kamen sich durch die Schwangerschaft wieder näher und können jetzt - über alle Schwierigkeiten hinweg - das sehen, was sie verbindet: Nicht etwa (oder nicht nur) das gemeinsame Kind, sondern vor allem eine tiefe Vertrautheit und Liebe, die sie nun einen Umgang mit der neuen Situation finden lässt. Dass April weiterhin mit Harriett bei Jackson wohnen wird, bedeutet nicht notwendig, dass wir sie auch wieder als Paar erleben werden. Überhaupt scheint diese „Frage“ angesichts der erwähnten Vertrautheit zurecht in den Hintergrund zu treten, und es wäre durchaus spannend zu sehen, wie sich Figuren dieser Serie auch außerhalb vertrauter Pfade schlagen.

It's good to have it out on the table

Den mithin schwächsten, weil nach wie vor völlig unnachvollziehbaren Handlungsstrang, stellt dagegen abermals jener um Meredith, Riggs und Maggie dar. Wenn von dem etwas unglaubwürdigen Zufall abgesehen wird, der dazu führt, dass sich Meredith nun auch noch in der unverdienten Rolle als selbstlose Schwester wiederfindet, deuten die neusten Entwicklungen immerhin auf ein absehbares Ende dieses Handlungsstrangs hin. In der benannten Szene auf der Treppe meint man Meredith zumindest anzusehen, dass sie sich in ihrer Haut zunehmend unwohl fühlt und hinzu kommt, dass es genauso absehbar wie wahrscheinlich ist, dass sich das Knistern zwischen Riggs und Meredith auch nicht durch ein Lippenbekenntnis (“I don't see, why we can't be friends...“) auslöschen lässt.

Die Entwicklungen rund um Alex lassen dagegen Hoffnung und Befürchtung gleichermaßen aufkommen. Einerseits stellte der Einblick in den zunächst leidigen Alltag in der Denny Duquette Klinik so etwas wie (s)eine Metamorphose dar: Alex findet durch ein Zurücktreten wieder zu sich selbst und scheint seine Situation schließlich abkzeptiert zu haben. Für Beunruhigung sorgt dagegen natürlich weiterhin das Gerichtsverfahren, dessen Ausgang mehr als Ungewiss ist. Jenseits von Gewissheiten bewegt sich außerdem der Status seiner Beziehung zu Jo. Allem Anschein nach derzeit auf Eis gelegt, kann dies jedoch sicher nicht alles gewesen sein - es bleibt zu hoffen, dass Jos „heimliche Allianz“ mit Andrew nun nicht für weitere Missverständnisse sorgen wird.

Fazit

Die Episode Falling Slowly sticht gegenüber ihren Vorgängerinnen deutlich hervor und überzeugt über weiter Strecken durch die tieferen Einblicke, die uns in Bezug auf die drängendsten Konflikte der Figuren gewährt werden.

Neben den darstellerischen Leistungen und der stimmigen Chemie zwischen Caterina Scorsone und Kevin McKidd ist der Handlungsstrang um Owen und Amelia deshalb als durchweg gelungen zu bewerten, weil in ihm ein schöner Bogen zu einem großen Thema dieser Serie geschlagen wird. Innere Verbunden- und Vertrautheit, ob in einer Liebesbeziehung oder Freundschaft wurde selten so intensiv thematisiert wie bei Grey's Anatomy - umso erfreulicher, dass dies nun endlich auch so gebeutelte Figuren wie Owen und Amelia vergönnt ist.

Trailer zur Episode 'Both Sides Now' (13x05):

Verfasser: Hannah Klein am Samstag, 15. Oktober 2016

Grey's Anatomy 13x04 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 4
(Grey's Anatomy 13x04)
Deutscher Titel der Episode
Langsamer Fall
Titel der Episode im Original
Falling Slowly
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 13. Oktober 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 5. April 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 20. März 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 27. März 2017
Autor
Jen Klein
Regisseur
Victoria Mahoney

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x04

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