Grey's Anatomy 13x03

Grey's Anatomy 13x03

Ein Unfall auf einer Beerdigung bringt die gesamte Trauergesellschaft ins Krankenhaus. Neben biblischen Analogien und Wundern im Rahmen der Patientengeschichte entwickeln sich die Konflikte der Protagonisten dagegen schleppend. Besonders in Bezug auf Meredith und Maggie fÀllt dies auf.

Caterina Scorsone und Kelly McCreary in „Grey's Anatomy“ / (c) Richard Cartwright/ABC
Caterina Scorsone und Kelly McCreary in „Grey's Anatomy“ / (c) Richard Cartwright/ABC

Schon nach nur drei Episoden treten so einige HandlungsstrĂ€nge von Grey's Anatomy auf der Stelle - oder wollen nicht so recht in Gang gesetzt werden. Das ermĂŒdende Hin und Her zwischen Maggie (Kelly McCreary), Riggs (Martin Henderson) und Meredith (Ellen Pompeo) nimmt kein Ende, die Szenen sind vorhersehbar: Auf den Flirt folgt Maggies Klage, auf die Klage folgt distanziertes (Ver-)Schweigen seitens Meredith. Zwar gelingt es der erfrischend gut gestimmten Amelia (Caterina Scorsone) in I Ain't No Miracle Worker, die beiden Halbschwestern wieder auf den richtigen, sprich schwesterlichen Kurs zu bringen. Viel wird es nicht nĂŒtzen, wenn man bedenkt, dass Maggie vermutlich nicht begeistert sein wird, sobald die Wahrheit einmal ausgesprochen ist.

Derweil stellen die Szenen zwischen April (Sarah Drew), Jackson (Jesse Williams) und der kleinen Harriett zwar nach wie vor eine gelungene Abwechslung dar. Gegen eine Atempause von den turbulenten Entwicklungen im Leben der beiden Chirurgen ist nichts einzuwenden, im Gegenteil, dennoch drĂ€ngt sich allmĂ€hlich die Frage auf, wann die schwelenden Konflikte der vergangenen Staffel zum Tragen kommen. Catherine ist und bleibt das unberechenbare Oberhaupt der Familie Avery, an dem sich Aprils Wille wird messen mĂŒssen, und auch die zaghaften AnnĂ€herungen zwischen Letztgenannter und Jackson werden momentan eher beilĂ€ufig thematisiert.

Ellen Pompeo und Martin Henderson in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © Richard Cartwright/ABC
Ellen Pompeo und Martin Henderson in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © Richard Cartwright/ABC

Humorvolle EinschĂŒbe verdankt die Episode den Szenen um Ben (Jason George), Bailey (Chandra Wilson und dem mittlerweile groß gewordenem Sohnemann Tuck (BJ Tanner). Wenngleich die Szenen um Ben als „Bad Cop“ in Erziehungsfragen durchaus gelingen, kann sich auch in diesem Fall rĂŒckblickend die Frage gestellt werden, wo die Autor-/innen mit der Figurenkonstellation hinwollen. So bestĂ€tigt sich ein weiteres Mal der Eindruck, dass sich diese vor allem durch konstruiert daherkommende Unterbrechungen im „Normalbetrieb“ auszeichnet. Von einer erzĂ€hlerischen Tiefe dieser Beziehung wird seit mehreren Staffeln leider abgesehen.

Miracle Lady

Arizona (Jessica Capshaw) ist aus New York City zurĂŒck in Seattle. Wie bei einem relativ unvorhergesehenen Ausstieg einer der Hauptcharaktere ĂŒblich, bewegt sich die Rahmengeschichte um Callies Fortgang eher unelegant am Rande der PlausibilitĂ€t - in diesem Fall herrscht Harmonie und Einigkeit. Es mag der EnttĂ€uschung ĂŒber das Ausscheiden einer tollen, wichtigen Figur und einer ebenso geschĂ€tzten Darstellerin sein; doch bislang scheint es kaum vorstellbar, wie die LĂŒcke, die Sara Ramirez hinterlĂ€sst, zu fĂŒllen ist.

Zeit zum Trauen bleibt allerdings wenig. Davon kann auch die Beerdigungsgesellschaft ein Lied singen, die den gerade verstorbenen Ehemann und Vater der Familie Fisher zu Grabe tragen wollte. Zwar erfreut der Umstand, dass dieser Patientengeschichte im Vergleich zu vorigen Episoden enorm viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde, gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass es die Autor-/innen in I Ain't No Miracle Worker eine Spur zu gut mit uns meinten: Der Beerdigungszug wird ausgerechnet von der verstoßenen und hochschwangeren Tochter des Verstorbenen â€žĂŒberfahren“.

Die trauernde Mutter und Ehefrau kann sich nicht nur den innigen Wunsch erfĂŒllen, mit ihrem Mann gemeinsam zu sterben - auf ihren Herztod folgt 20 Minuten spĂ€ter die wundersame Wiederauferstehung, und damit die Chance auf Versöhnung mit der verlorenen Tochter. Ob intendiert oder nicht, diese bedeutungsschwangere ErzĂ€hlung schreit förmlich nach biblischen BezĂŒgen. Damit soll nicht gesagt sein, dass der Griff in die biblische Inspirationskiste notwendigerweise misslingen muss, im Gegenteil - oft entwickeln sich interessante, kluge ErzĂ€hlungen daraus. Die Serie Grey's Anatomy neigt insbesondere in Bezug auf ihre Patientengeschichten aber leider dazu, ein solches Storytelling allzu seicht auslaufen zu lassen, sodass der „Pathos!“-Vorwurf schon hinter der nĂ€chsten Ecke warten muss.

Jason George und Chandra Wilson in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © Richard Cartwright/ABC
Jason George und Chandra Wilson in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © Richard Cartwright/ABC

Wahrheit und Vergebung

Zwei Ă€hnlich ermĂŒdende, bisher noch „kalte“ Konflikte brodeln zwischen Meredith, Riggs und Maggie sowie zwischen Alex (Justin Chambers) und dem Rest des Krankenhauses - neben Jo (Camilla Luddington) wird nun auch die wiedergekehrte Arizona miteinbezogen.

Beiden HandlungsstrÀngen fehlt vor allem eines: Nachvollziehbarkeit. Um interessante, zwischenmenschliche Geschichten zu erzÀhlen bedarf es keiner externen Katastrophe, es bedarf aber auch keiner augenscheinlich konstruierten Ausgangslage, die viele Figuren völlig out of character handeln lÀsst.

Meredith mag zwar nach wie vor die eine HĂ€lfte der dark and twisted sisters sein. Einen derart ausgeprĂ€gten Hang zum offenkundigen Fehlverhalten in Bezug auf ihr nahestende Menschen war allerdings - sofern die Erinnerung nicht tĂ€uscht - selten zu beobachten. Je lĂ€nger ein klĂ€rendes GesprĂ€ch hinausgezögert wird, desto eher kann man den Versuch, Maggie zu „schonen“ als unfairen und unehrlichen Umgang deuten. Und auch wenn Riggs in „I Ain't No Miracle Worker“ einen halbherzigen Vorstoß wagt, indem er Meredith vorschlĂ€gt, Maggie doch einfach mit Ehrlichkeit zu begegnen, kann auch ihm die momentane Rolle nur schwerlich abgenommen werden.

WĂ€hrend diese Entwicklungen zumindest absehbar sind - irgendwann wird es zur Auflösung kommen, und sei es am Ende dieser Staffel - ist der Ausgang des Dramas um Alex, Jo und Andrew noch ungewiss. Das könnte vorteilhaft sein, wĂ€ren die Bedingungen des Plots nicht ebenso herbeikonstruiert. Dennoch, und das ist dieser Entwicklung zugute zu halten, kommt Hoffnung auf einen Neubeginn auf. Wenn sich ein Phönix aus der Asche dieser einschneidenden Ereignisse erheben sollte, dann Jo Wilson - ĂŒberspitzt formuliert ist es vielleicht die letzte Chance ihrer Figur, bevor diese Serie zuende erzĂ€hlt ist.

Fazit

Gerahmt von biblischer Metaphorik steht die Episode I Ain't No Miracle Worker im Zeichen der Wunder und Unwahrscheinlichkeiten. Mit Unwahrscheinlichkeiten beschĂ€ftigen sich die vergangenen, wie auch die aktuelle Episode(n) leider ein wenig zu eingehend. Ob der Bogen zu einer sinnvollen, bereichernden Charakterentwicklung der betreffenden Figuren -insbesondere Jo, Alex und Meredith - noch geschlagen wird, ist bislang kaum absehbar. Oder liegt, anders gesagt, in weiter Ferne. Die RĂŒckkehr von Arizona könnte in Bezug auf Alex (und Jo) zumindest etwas Bewegung in den Handlungsstrang bringen.

BeilĂ€ufigen Humor verdankt die Episode hingegen den Szenen um Ben, Bailey und Tuck. Wie auch in Bezug auf April und Jackson dĂŒrften sie gerne mehr im Zentrum des Geschehens stehen - nicht unbedingt vermittels katastrophaler Ereignisse, sondern durch eine tiefer gehende CharaktererzĂ€hlung, wie wir sie in der vorangehenden Staffel bei Meredith oder April und Jackson beobachten konnten.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 7. Oktober 2016

Grey's Anatomy 13x03 Trailer

Episode
Staffel 13, Episode 3
(Grey's Anatomy 13x03)
Deutscher Titel der Episode
Das Lazarus-PhÀnomen
Titel der Episode im Original
I Ain't No Miracle Worker
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. Oktober 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 5. April 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 20. MĂ€rz 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 20. MĂ€rz 2017
Autor
Andy Reaser
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x03

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