Grey's Anatomy 13x02

Auch Miranda Bailey (Chandra Wilson) fragt sich in der Grey's Anatomy-Episode Catastrophe and the Cure, wie es zu einem derartigen Rückfall in alte Muster kommen konnte - und ist damit nicht allein. Bislang wird Alex' (Justin Chambers) charakterlicher Entwicklung über mehrere Staffeln zwar insofern Rechnung getragen, als dass er mit der gegenwärtigen Situation durchaus angemessen umgeht. Gleichzeitig klafft zwischen dieser jahrelangen Entwicklung und seinem Totalausfall - zu Recht wird er nun wegen einer schweren Gewalttat angeklagt - eine doch unübersehbare Lücke. Damit entscheiden sich die Autor/-innen ein Stück weit zugunsten der Dramatisierung des Plots und gegen die Treue zu einer ihrer Hauptfiguren.
Im selben Atemzug fällt deshalb auch in dieser Episode die marginalisierte Rolle von Jo (Camilla Luddington) umso mehr auf. Zwar scheint die szenische Spiegelung von Loyalität und Freundschaft zwischen Meredith (Ellen Pompeo) und Alex sowie Steph (Jerrika Hinton) und Jo sehr wohl gelungen. Die fehlende Tiefe der Figur und ihre starke plotinterne Abhängigkeit zu der Beziehung mit Alex können dennoch nicht übersehen werden. Das ist schade, da es eigentlich keinen nachvollziehbaren Grund gibt, Jo noch immer in zweiter Reihe stehen zu lassen.
Wie gut das Herausholen aus der Sidekick-Kiste funktionieren kann, konnte man in der vorigen Staffel bei Steph beobachten. Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Im Gespräch mit einer Patientin deutet sich möglicherweise eine Kehrtwende bei Jo an („Being pissed made me brave.“).

Während sich die Episode Catastrophe and the Cure also vorrangig um die Konsequenzen und Schwierigkeiten dreht, die sich aus Alex' Tat ergeben, wird auch weiterhin der Frage nachgegangen, wie groß die Reichweite von Merediths Loyalität sein kann und sollte. Wie schon der Staffelauftakt verdeutlichte, gelingt ihr dieses Austarieren zumindest in Bezug auf Alex den Umständen entsprechend gut. Die Dreiecksgeschichte zwischen ihr, Maggie (Kelly McCreary) und Riggs (Martin Henderson) nimmt dagegen immer absurdere Züge an und wirft die Frage auf, ob sich Meredith ihr Feingefühl nur für auserwählte Personen aufhebt.
Für humorvolle und bewegende Abwechslung sorgen indes die Szenen um die frisch gebackenen Eltern April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams). Sollte ihnen Catherine Avery nicht dazwischenfunken, könnte eine baldige Wiedervereinigung durchaus in den Bereich des Möglichen rücken.
How do you plead?
Die kurzen Szenen im Gerichtssaal lassen unweigerlich Erinnerungen an jene hervorragenden Episoden aufkommen, in denen Chirurgen und Chirurginnen des Krankenhauses aus unterschiedlichsten Gründen Teil einer Verhandlung wurden. Der Schauprozess um einen „Kunstfehler“ seitens Callie (es wird schmerzlich vermisst: Sara Ramirez) sowie die Verhandlung um das Sorgerecht der gemeinsamen Tochter mit Arizona (Jessica Capshaw) zählen zu den interessantesten Episoden der vergangenen Staffeln.
Ob uns ein ähnlich spannender Prozess in Bezug auf Alex erwartet und ob seine Verhandlung überhaupt gezeigt wird, bleibt abzuwarten. Es sieht jedenfalls nicht gut für ihn aus: Er plädiert, aller Wahrscheinlichkeit nach aus strategischen Gründen, zwar auf „nicht schuldig“ - die Faktenlage spricht aber selbstverständlich gegen ihn. Die Frage ist also nur noch, ob er mit einer Bewährung davonkommen wird oder ob er Merediths Haus gegen eine Gefängniszelle eintauschen muss.
Das ist noch nicht genug, muss er sich doch auch im Krankenhaus mit den Konsequenzen arrangieren. Die tief enttäuschte Bailey sieht zwar am Ende von einer Kündigung ab, verlegt ihn allerdings in die Denny-Duquette-Klinik. Außerdem verliert er den für ihn und die Betroffenen wichtigen Fall um den kleinen Zach (Gunnar Goldberg). In diesem Zusammenhang drängt sich nebenbei bemerkt die Frage auf, ob in der dreizehnten Staffel endlich wieder mehr interessante Patientengeschichten erzählt werden - es wäre wünschenswert.
Doch auch Meredith verspürt zunehmend Druck. Die etwas unglückliche Begegnung mit dem immer noch schwer demolierten Andrew DeLuca (Giacomo Gianniotti) im Fahrstuhl steht dabei exemplarisch für die Komplikationen, die sich durch ihre Loyalität zu Alex ergeben. Die Lösung des Problems besteht letzten Endes in der einfachen Entscheidung, ihm die Teilhabe an einer spannenden OP zu ermöglichen - mit dem angenehmen Nebeneffekt, Bailey damit beruhigt zu haben. Wie genau Andrew allerdings mit nur einem Arm operieren soll, ist etwas unklar. Wo dieser Balanceakt also relativ problemlos über die Bühne geht, geraten die Heimlichkeiten zwischen ihr, Maggie und Riggs zunehmend zu einer etwas verflachten Ménage-à-trois.

And i know all the games you play
Die Lyrics des berühmten Songs „Faith“ von George Michael, die April ihrer kleinen Tochter Harriett zum Einschlafen über Facetime in einer rührend-komischen Szene singt, ließen sich stellenweise auch hervorragend auf die Verwicklungen zwischen Maggie, Riggs und Meredith übertragen.
In diesem Handlungsstrang überwiegt bislang vor allem ein Gefühl der Irritation: zum Beispiel über die stereotypische Besetzung dieser Dreiecksgeschichte, die vor allem deshalb so auffällt, weil die Holzschnittartigkeit der Protagonisten so gar nicht zu dieser Serie passen mag. In alldem kommt Meredith bei weitem am schlechtesten weg - zumindest, was ihr Verhalten betrifft. Spätestens in der Szene, als sie Riggs schließlich über Maggies Zuneigung aufklärt und ihn auffordert, ihr eine Absage zu erteilen, wird der Sinn ihrer Heimlichtuerei infrage gestellt. Maggie wird letzten Endes für dumm verkauft, da helfen auch keine noch so guten Absichten. Und das Verhalten ihrer Schwester kann schon zu diesem Zeitpunkt als unfair und verletzend empfunden werden.
Die Quittung dafür erhält sie am Ende der Episode: Weil sie es nach wie vor vermeidet, Maggie mit Ehrlichkeit zu begegnen, entschließt sich letztgenannte, nicht aufzugeben - schließlich habe Riggs nur verlauten lassen, dass er „momentan“ niemanden date. Auffällig ist in der besagten Szene auch der Eindruck, dass sich Riggs mit alldem nicht allzu wohl fühlt. Die Kamera lässt ihn etwas verloren auf dem Parkplatz zurück und es bleibt zu hoffen, dass er in absehbarer Zeit aus der Rolle der lediglich flirtenden, ansonsten wenig aktiv handelnden Affäre heraustritt und Meredith dazu bringt, sich zu der Beziehung zu bekennen.
Fazit
Wenngleich das Ausloten der Loyalitätsverhältnisse in Bezug auf Alex gelingt, wird der Kontrast zu Merediths Verhalten gegenüber Maggie immer schärfer. Wo genau die Autor/-innen mit diesem Einschlag hinwollen, ist etwas unklar. Bisher sieht es danach aus, als ginge es lediglich um die Dramatisierung des Handlungsstrangs. Diese Vermutung ließe sich auch auf den Mittelpunkt der Episode übertragen. Alex hatte sich in den vergangenen Staffeln zu einem mitfühlenden, reflektierten Menschen entwickelt. Wenngleich sein Charakter durchaus auch von einer gewissen Impulshaftigkeit gezeichnet ist, bleibt sein Gewaltausbrauch bis auf Weiteres nicht nachvollziehbar. Gleichzeitig bleibt zu hoffen, dass im Zuge dieses Handlungsstrangs auch Jos Figur endlich (wieder) an Autonomie gewinnt.
Die Aussichten für April und Jackson sind indes endlich einmal positiv. In den kommenden Episoden werden wir hoffentlich mehr sehen von den frisch gebackenen Eltern, die sich gerade über einiges klarwerden müssen.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 30. September 2016Grey's Anatomy 13x02 Trailer
(Grey's Anatomy 13x02)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x02
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