Grey's Anatomy 13x01

Mit der Episode Undo scheinen die dramaturgischen Schwerpunkte dieser nunmehr 13. Staffel von Grey's Anatomy bereits umrissen: Es wird um den RĂŒckfall in alte Muster gehen, um Weiterentwicklung, um LoyalitĂ€t und auch um Mut.
Das doch recht ereignisreiche Finale der zwölften Staffel endete mit der Hochzeit von Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone), der dramatischen Geburt der kleinen Harriet Kepner-Avery, einer schwierigen Dreieckskonstellation sowie mit einem âZwischenfallâ. Dieser Zwischenfall, nĂ€mlich die handfeste SchlĂ€gerei zwischen Alex (Justin Chambers) und Andrew DeLuca (Giacomo Gianniotti), bringt Letztgenannten in „Undo“ mit schwerwiegenden Verletzungen als Patienten zurĂŒck ins Grey Sloan Memorial und Alex Karev ins GefĂ€ngnis. Ob Andrew jemals wieder als Chirurg arbeiten können wird, bleibt bis auf Weiteres offen.

Angesichts der Vorzeichen dieses Handlungsstrangs drĂ€ngt sich wiederholt die Frage nach dessen Notwendigkeit und GlaubwĂŒrdigkeit auf. Der verkorksten Beziehung zwischen Jo (Camilla Luddington) und Alex wird damit zwar endlich mehr erzĂ€hlerischer Raum gegeben - wie dieser gefĂŒllt wird, darĂŒber lĂ€sst sich aber gewiss streiten. Dass Jo bereits verheiratet ist und sich aus Angst vor ihrem Ehemann bislang nicht traute, Alex die Wahrheit zu sagen, wird zunehmend weniger nachvollziehbar.
Das immer wiederkehrende Thema der bedingungslosen LoyalitĂ€t zwischen Meredith und den ihr nahestehenden Personen wird auch in diesem Staffelauftakt aufgegriffen. Dass die Grenzen zwischen richtiger und falscher Entscheidung, zwischen LĂŒge und LoyalitĂ€t oftmals flieĂende, nicht eindeutig bestimmbare sind, wird dabei exemplarisch an der Beziehung zwischen Alex und Meredith verhandelt. Nachdem dieses Ausloten gelingt, bleibt fĂŒr Merediths Verhalten in Bezug auf Maggie (Kelly McCreary), die sich allem Anschein nach in die AffĂ€re ihrer Schwester, Nathan Riggs (Martin Henderson), verliebt hat, wenig VerstĂ€ndnis.
What's done is done
War es damals Jo, die ihren Exfreund krankenhausreif schlug, ist es nun Alex, der dafĂŒr sorgte, dass Andrew DeLuca möglicherweise nie wieder als Chirurg arbeiten wird. Im Prinzip haben wir all das also schonmal gesehen: Die Spuren der traumatischen Kindheit ziehen sich in Form von unkontrollierter Aggression bis in das Erwachsenenleben hinein, aus einem Geheimnis wird ein MissverstĂ€ndnis, und am Ende bleibt ein groĂer Scherbenhaufen. Dieses Mal ist dieser Scherbenhaufen allerdings einer, der tatsĂ€chlich alles verĂ€ndern könnte. Weil Alex sich am Ende der Episode freiwillig der anwesenden Polizei ĂŒbergibt, wird er - sollte es in den kommenden Episoden nicht zu einer unerwarteten Freilassung kommen - allem Anschein nach wegen schwerer Körperverletzung belangt werden. In diesem Zusammenhang bleibt absolut unverstĂ€ndlich, wie es Jo auch bei der nunmehr dritten Gelegenheit nicht gelingt, Alex endlich ĂŒber die wahren UmstĂ€nde dieser Nacht, sowie ĂŒber ihre verheimlichte Heirat in Kenntnis zu setzen. Irgendwoher muss dramaturgisches Potential kommen, so viel ist klar. Doch das Motiv des Verheimlichens, des Schweigens, des Unvermögens angesichts einer im Grunde doch so einfach auflösbaren Situation wird zuletzt etwas zu gewagt ausgereizt. Das können die Autor/-innen besser.

Don't lie to me again
Es ist durchaus erstaunlich, und deshalb ebenso erfreulich, dass die Thematik der LoyalitĂ€t, die ein Wesensmerkmal Merediths darstellt, noch immer zu interessanten HandlungsstrĂ€ngen taugt. In Bezug auf Alex gelingt das beinahe mĂŒhelos, zumal in ihr so etwas wie Bewegung und Entwicklung offenbar wird. „What about you? Is it blind loyality?“, fragt Ben Meredith, der ihre scheinbar grenzen- und bedingungslose Treue gegenĂŒber Alex verstehen will. In ihrer Antwort wird deutlich, dass sich diese Treue vor allem aus einem tiefen Vertrauen und innigen VerstĂ€ndnis fĂŒreinander ergibt. LoyalitĂ€t bedeutet deshalb am Ende fĂŒr Meredith auch, Alex schlieĂlich doch bei Bailey zu melden - in dem Wissen, dass es das Richtige ist, und dass Alex diese Erkenntnis teilen wird. Dass dem so ist, zeigt sich in den zeitlichen Ăberschneidungen der getroffenen Entscheidungen: Alex ĂŒbergibt sich selbst der Polizei. Als die beiden Vertrauten in der letzten Szene von „Undo“ durch GitterstĂ€be getrennt miteinander sprechen, wird kein Groll erkennbar, im Gegenteil - im Grunde sind beide ĂŒber sich selbst hinausgewachsen, so halbwegs makaber dieser Fortschritt angesichts des schwer verletzten Andrews auch sein mag.
Leider lĂ€sst sich diese Weiterentwicklung im Handlungsstrang um Maggie und Meredith nicht beobachten. Es wirkt seltsam unpassend und beinahe paradox, dass sich Meredith an dieser Stelle gĂ€nzlich anders verhĂ€lt. Diesen Umstand mit dem weniger intensiven VerhĂ€ltnis zu ihrer Halbschwester zu erklĂ€ren, wird hinfĂ€llig, weil sich Merediths LoyalitĂ€ten selten gegeneinander aufwiegen lassen. Dramaturgisch passt hier zwar alles zusammen: Aufgrund ihres schlechten Gewissens gegenĂŒber Maggie (begrĂŒndet durch das Schweigen in Bezug auf Alex und Riggs) entschlieĂt sie sich, die gerade erst begonnene Beziehung mit Riggs zu beenden, indem sie vorgibt, keine GefĂŒhle fĂŒr ihn zu haben. Dass da etwas nicht aufgehen kann, ist so absehbar wie enttĂ€uschend.
Trotz guter Absichten ist ihr Verhalten im Grunde nicht besonders selbstlos, sondern vor allem unnötig. Wenn die Wahrheit herauskommt, und das ist wie immer nur eine Frage der Zeit, kann davon ausgegangen werden, dass Maggie dieser Aufopferung Ehrlichkeit seitens Merediths vorgezogen hĂ€tte - impliziert diese Aufopferung doch auch, wenn nicht unbedingt beabsichtigt, eine gewisse Ăbergriffigkeit und vielleicht auch etwas Gönnerhaftes. Diesem Handlungsstrang wurde damit vorerst eine Richtung verliehen, die nicht nur altbekannt, sondern ebenso bedauernswert daherkommt.

Fazit
Im Nachgang der aufreibenden Ereignisse des jĂŒngsten Staffelfinales rĂŒckt Undo, Grey's Anatomy die Konsequenzen von Alex' Kontrollverlust in den Mittelpunkt des Geschehens. Die gelungene ErzĂ€hlung von LoyalitĂ€t und Vertrauen zwischen Meredith und Alex wird dabei vor allem aufgrund der Vorbedingungen dieser Entwicklungen stark kontrastiert. So wenig glaubhaft die EnthĂŒllungen um Jo gewesen sind, so unverstĂ€ndlich bleibt ihre anhaltende ZurĂŒckhaltung in Bezug auf die Wahrheit. Weil Jos Figur nach wie vor wenig autark handelt, sondern vor allem durch ihre Beziehung mit Alex an Bedeutung gewinnt, fĂ€llt es auĂerdem zunehmend schwer, eine Perspektive fĂŒr ihren Charakter zu sehen.
Als einigermaĂen enttĂ€uschend stellen sich auch die Entwicklungen zwischen Maggie und Meredith dar. Abgesehen von der Diskrepanz, die sich zwischen vernĂŒnftiger Entscheidung und irrationaler ImpulsivitĂ€t seitens Merediths auftut, wird der gerade aufblĂŒhenden Beziehung zwischen ihr und Riggs damit ein unnötiger DĂ€mpfer versetzt.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 23. September 2016Grey's Anatomy 13x01 Trailer
(Grey's Anatomy 13x01)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 13x01
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