Grey's Anatomy 12x22

Grey's Anatomy 12x22

Weil die Verhandlungen ĂŒber ihre AnwĂ€ltinnen scheitern, geht der Streit zwischen Callie und Arizona um Sofia nun vor Gericht. Nicht nur aufgrund des unerwarteten Ausgangs gerĂ€t dieser zur hochemotionalen, wie beklemmenden Illustration eines Sorgerechtsstreit, an dessen Ende nur Verlierer bleiben.

Callie und Arizona in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Callie und Arizona in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Gerade weil die Grey's Anatomy-Episode Mama Tried mit einer Collage der ergreifendsten Momente zwischen Arizona (Jessica Capshaw) und Callie (Sara Ramirez) beginnt, kann wohl mit Bestimmtheit behauptet werden, dass kaum ein Paar bei Grey's Anatomy - abgesehen von Derek und Meredith (Ellen Pompeo) eine derart dramatisch-turbulente Beziehung fĂŒhrt (beziehungsweise fĂŒhrte). Vielmehr aber noch hinterlĂ€sst der Sog dieser Bilder das GefĂŒhl, dass hier plötzlich alles viel zu schnell vonstatten geht und ging: Callie und Arizona kommunizieren nur noch ĂŒber ihre jeweiligen AnwĂ€ltinnen, die Verhandlungen scheitern, der Sorgerechtsstreit geht vor Gericht, Zeugen werden gehört, und am Ende steht ein zerrĂŒttetes VerhĂ€ltnis, dessen Rettung nur noch schwer vorstellbar erscheint.

Die Inszenierung dieser Ereignisse ĂŒberzeugt indes ohne Abstriche. Unter der Regie von Kevin McKidd gelingt es den Serienmacher/-innen erneut, die Anspannung und Ernsthaftigkeit einer derartigen gerichtlichen Verhandlung glaubhaft zu gestalten - insbesondere deshalb, weil sie der KomplexitĂ€t der emotionalen Verstrickungen gerecht wird. So reiht sich unertrĂ€gliche Szene an unertrĂ€gliche Szene; geschuldet ist dies vor allem der unvorstellbaren Situation, in der sich die gemeinsamen Freunde von Callie und Arizona befinden: Sie mĂŒssen sich - auch, wenn die zustĂ€ndige Richterin zur Besinnung anmahnt - fĂŒr eine der beiden „Seiten“ entscheiden. Die darstellerische Leistung sĂ€mtlicher Involvierten tut in der emotional aufgeladenen Situation dabei ihr Übriges. Neben Ellen Pompeo und Chandra Wilson ĂŒberzeugt vor allem Sara Ramirez mit ergreifender Verzweiflung, die hoffentlich nicht in Verbitterung ĂŒbergehen wird.

Die sĂŒĂŸe Sofia aus %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Fernab der dĂŒsteren Aussichten zwischen Callie und Arizona scheinen sich April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) indes wirklich gefangen zu haben; vielmehr noch: die Anziehung und das BedĂŒrfnis nach gegenseitiger NĂ€he wird einmal mehr spĂŒrbar, und lĂ€sst zumindest in AnsĂ€tzen auf einen Neuversuch hoffen. Nur am Rande bereut Steph (Jerrika Hinton) dagegen ihre Trennung von Kyle, der am Ende von „Mama Tried“ erneut in das Grey Sloan Memorial eingeliefert wird.

But what happens when there are two true mothers?

Bereits in der Vergangenheit zĂ€hlten jene Episoden, die sich auf Callie, beziehungsweise auf Callie und Arizona zentrierten, zu den stĂ€rksten der jeweiligen Staffeln. Nicht wenige womöglich zu den stĂ€rksten dieser Serie, wie sich dank der eingangs erwĂ€hnten Flashbacks unschwer feststellen lĂ€sst - so zum Beispiel die Musical-Episode um Callie, oder die der Trennung der beiden Protagonistinnen. Auch in „Mama Tried“ ist dieser Umstand vermutlich vor allem einer großartigen Sara Ramirez geschuldet, deren Ausstrahlungskraft und Vehemenz in der Darstellung ihrer Figur oft ihresgleichen sucht. Die Erwartungen an eine so angelegte Episode wurden folglich auch nicht enttĂ€uscht: Der Sorgerechtsstreit vor Gericht gerĂ€t zu einem stellenweise kaum ertrĂ€glichen Kampf, der mit zahlreichen emotionalen Höhe- beziehungsweise Tiefpunkten aufwartet.

Die Gerichtsverhandlung selbst zeichnet dann vor allem durch eine beidseitig erlebte Ohnmacht aus, der sich Callie und Arizona, vor allem aber auch ihre FĂŒrsprecher/-innen ob der suggestiven Fragen ihrer AnwĂ€ltinnen ausgesetzt sehen. Diese nimmt nĂ€mlich beinahe kafkaeske ZĂŒge an: Neben einer versteinerten Meredith, die von Arizonas AnwĂ€ltin (Vanessa Bell Calloway) schonungslos auf ihr Witwendasein angesprochen wird, blieb dabei vor allem die Befragung von Miranda Bailey in Erinnerung, die sich vehement gegen die dreiste Strategie von Callies AnwĂ€ltin wehrt. Weil Arizona deutlich öfter zu NotfĂ€llen gerufen wird, spielt Callies AnwĂ€ltin ihren beruflichen Erfolg gegen ihre QualitĂ€ten als Mutter aus: „92 times she chose work over her child!“ Nicht nur fĂŒr die ĂŒberzeugte Feministin Bailey ist dieser offenkundige Sexismus - obwohl sie fĂŒr die Gegenseite aussagt - eine schamlose Strategie, auf die sie sich keinesfalls einlassen will. Die Zerrissenheit, die sich fĂŒr die gemeinsamen Freunde von Callie und Arizona aufgrund der Situation ergibt, wird besonders in diesen Szenen deutlich. Als Arizona spĂ€ter auch noch zur verantwortungslosen, dating-besessenen Rabenmutter stilisiert wird, die die Verhandlung ĂŒberdies auch noch wegen einer Patientin verlĂ€sst, scheinen ihre Aussichten auf Erfolg in weite Ferne gerĂŒckt.

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How the hell did this happen?

Doch erwartungsgemĂ€ĂŸ kommt am Ende immer alles anders, als gedacht: Arizona „gewinnt“ den Sorgerechtsstreit; von tatsĂ€chlichen Gewinnern kann bei dieser traurigen Angelegenheit jedoch kaum die Rede sein. Eine am Boden zerstörte Callie weint sich bei Meredith und Penny aus, die kleine Sofia weiß noch immer nicht, was um sie herum passiert, und ĂŒber allem schwebt die Frage, wie es nun weitergehen soll, ob Callie also trotzdem Seattle verlassen wird. Über die ausschlaggebenden GrĂŒnde fĂŒr den Entschluss der Richterin lĂ€sst sich indes nur spekulieren: Möglicherweise spielt die Bindung von Sofia an ihr Umfeld in Seattle, zu dem auch Meredith und ihre Kinder zĂ€hlen, eine große Rolle. Möglicherweise war es auch Arizonas unfreiwilliges „SchlussplĂ€doyer“, das verdeutlichte, wie sehr ihr das Wohl der Tochter am Herzen liegt, und dass sie sich sicher ist, dass - egal, wie das Ganze ausgehen sollte - Sofia bei ihren MĂŒttern wohlbehalten aufwachsen wird.

Es steht außer Frage, dass das VerhĂ€ltnis von Callie und Arizona mit diesem Urteil bis auf Weiteres zerstört wurde. Und trotz einer handwerklich soliden und emotional mitreißenden Inszenierung hinterlĂ€sst dieser Handlungsstrang an sich nach wie vor Ratlosigkeit. Sollte Callie Seattle trotz allem verlassen, was nach den jĂŒngsten Ereignissen zumindest angezweifelt werden darf, sind die Aussichten fĂŒr den Cast, fĂŒr die Serie, keine erfreulichen.

Fazit

Die Episode Mama Tried stellt den Sorgerechtsstreit von Callie und Arizona in das Zentrum des Geschehens. Wenngleich an der gesamten Richtung, die der Handlungsstrang einschlĂ€gt, noch immer kaum Gefallen gefunden werden kann, ĂŒberzeugt die Inszenierung der Episode jedoch restlos. Neben ausgezeichneten darstellerischen Leistungen muss besonders das BemĂŒhen um KomplexitĂ€t hervorgehoben werden. So gelingt es im Rahmen einer einzigen Episode, sowohl die (potentielle) Ohnmacht vor Gericht zu veranschaulichen, als auch die einzelnen Belange der involvierten Personen. Das feministische PlĂ€doyer der Chefchirurgin Miranda Bailey ersetzte in diesem Zusammenhang kurzweilig Beklemmung durch Auflehnung - und verschaffte den Zuschauer/-innen damit eine kleine Atempause.

Sara Ramirez in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Angesichts einer völlig aufgelösten Callie scheint der geplante Umzug nach New York nunmehr auf weniger sicheren Beinen zu stehen. Weil der Beziehung zwischen ihr und Penny bislang nur mit bedingtem Enthusiasmus begegnet werden könnte, wĂŒrde ein RĂŒckzieher auf jeden Fall erfreuen - die Hoffnung auf eine Versöhnung zwischen Callie und Arizona wurde zumindest meinerseits noch nicht aufgegeben.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 6. Mai 2016

Grey's Anatomy 12x22 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 22
(Grey's Anatomy 12x22)
Deutscher Titel der Episode
Arizona Robbins und Calliope Torres
Titel der Episode im Original
Mama Tried
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. Mai 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 7. Dezember 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 24. Oktober 2016
Autor
Tia Napolitano
Regisseur
Kevin McKidd

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x22

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