Grey's Anatomy 12x21

Grey's Anatomy 12x21

Wegen des anstehenden Sorgerechtsstreits bringen Callie und Arizona die gemeinsamen Freunde in eine unangenehme Lage. Während Stephs Beziehung zu Kyle an ihrem Kindheitstrauma zu scheitern droht, raufen sich Owen und Amelia ein weiteres Mal zusammen. Auch Ben und Bailey kommen sich wieder näher.

„Grey's Anatomy“ / (c) ABC
„Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Angesichts der überwiegend destruktiven Beziehungsdynamik zwischen Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone) in der Vergangenheit bedarf es schon eines gewissen Abstraktionsvermögen und einer ordentlichen Portion an Optimismus, um dem nunmehr dritten (oder vierten?) Anlauf der beiden eine echte Chance einzuräumen. Was sich die Autor/-innen bei dem zuletzt kaum erträglichen, besser gesagt nervtötenden Hin und Her zwischen Amelia und Owen dachten, bleibt wohl für immer ein gut gehütetes Geheimnis. Der Wiedervereinigung kann also bestenfalls mit Skepsis begegnet werden - auch, wenn sich ein ernstgemeinter Wandel in Ansätzen abzeichnet. Dass das nichts heißen muss, sollte klar sein und deshalb bleibt nach wie vor alles offen. Auf ein Happy End ist bei Grey's Anatomy selten Verlass.

Glücklicherweise bezieht sich dieser Umstand diesmal nicht auf April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams), deren Ärztin und Freundin Arizona (Jessica Capshaw) während des Ultraschalls eine beunruhigende Entdeckung macht - die sich am Ende der Episode aber zum Positiven wendet. Ohnehin steht Arizonas Befindlichkeit in Zusammenhang mit dem aufreibenden Sorgerechtsstreit um Sofia deutlich im Vordergrund der Handlung. Weil sowohl sie, als auch Callie (Sara Ramirez) Fürsprecher/-innen benötigen, werden ihre gemeinsamen Freunde und Freundinnen in eine unangenehme Lage gebracht: Sie müssen sich für eine „Seite“ entscheiden. Die Ent­schluss­freu­dig­keit so mancher Beteiligten überrascht dabei ebenso, wie Pennys (Samantha Sloyan) Verhalten in dem ganzen Schlamassel: Sie nimmt Arizona in Schutz, um das Verhältnis zwischen Callie und ihr nicht noch mehr zu zerrütten. Trotz dieser großzügigen Geste ist ihrer Figur weiterhin ein nur blasses Dasein vergönnt; zwischen den starken Charakteren von Callie und Arizona spielt sie bestenfalls eine funktionale Nebenrolle, ist Mittel zum Zweck. Das war leider absehbar, denn bereits vor Ende des Handlungsstrangs um Meredith schien fraglich, wo das Potential ihrer Figur liegen soll.

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Abseits dieser insgesamt ambivalent zu bewertenden Entwicklungen sticht die schauspielerische Leistung gleich mehrerer Darstellerinnen hervor, denn sowohl Sarah Drew und Jerrika Hinton, als auch Caterina Scorsone dürfen wieder einmal glänzen. Darüber hinaus erfreuen viele amüsante Momente und eine schlagfertige Situationskomik, die Grey's Anatomy seit jeher auszeichnet.

Let's screw some things up

Indirekter Ausgangspunkt für die bereits oben benannte Reunion von Amelia und Owen stellt abermals eine Patientengeschichte dar, die in diesem Fall - überraschenderweise - trotzdem unabhängig für sich stehen darf. Meredith (Ellen Pompeo) behandelt den an Krebs erkrankten Leo (Charlie Robinson), der seit über 50 Jahren verheiratet ist. Bemerkenswert an der Darstellung seiner heimlichen und nicht wirklich ausgelebten Beziehung zu seinem Pagen Vincent (Robert Pine) ist indes die Intensität dieser Szenen, deren Wirkung sich in nur kurzer Zeit entfaltet. So sind es vor allem die nonverbalen Gesten und Blicke, dank derer es gelingt, die Zuschauer/-innen schnell emotional zu involvieren. Denn auch über ihren Effekt beziehungsweise ihre „Funktion“ hinaus - nämlich der Betonung einer abgedroschenen, aber wahren Lebensweisheit (das Leben ist kurz, Carpe Diem und so weiter...) - gelingt es diesem Handlungsstrang, sein Potential für sich zu entfalten.

Streng genommen ist die Reaktion Amelias auf Merediths Rat dann auch wenig plausibel. Weil sich Owen und Amelia in der vorangehenden Episode durch die gelungene Patientengeschichte um die beiden Kinder aber näher kamen und wir zu Beginn der Episode auch schon über die peinlich-amüsanten Sticheleien nach ihrem „One Night Stand“ lachen durften, bleibt der Entschluss zu einem klärenden Gespräch nachvollziehbar. Unabhängig davon, wie skeptisch oder gar ablehnend man einem erneuten Versuch gegenüberstehen mag - Caterina Scorsone spielt die verdrehte, schwierige und innerlich zerrissene Persönlichkeit von Amelia äußerst glaubhaft. Zudem scheinen Owen und Amelia durch das gegenseitige Eingeständnis, dass sie nun einmal ihr jeweiliges Päckchen zu tragen haben, einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht zu haben.

Penny
Penny

I chose me

Unerwartetes Highlight stellt indes der Handlungsstrang um Steph (Jerrika Hinton) und Musiker Kyle (Wilmer Valderrama) dar, der sich einer erneuten Operation am Gehirn unterziehen muss. So scheint es zunächst, als würden in diesem Zusammenhang ausschließlich die Schwierigkeiten verhandelt werden, die sich für Chirurg/-innen ergeben, wenn sie plötzlich selbst zu Angehörigen werden, die um das Wohl ihrer geliebten Menschen bangen. Gewissermaßen beschreibt dieser Kontrollverlust auch den Kern der Problematik, die sich für Steph ergibt. Weil sie aber, wie wir in der vorangehenden Staffel erfahren haben, ein tief sitzendes Kindheitstrauma mit sich herumträgt, erhält diese Problematik für Steph eine ganz andere, weitaus bedeutsamere Ebene. An dieser Stelle wird es ungewöhnlich ambivalent. Denn während Stephs Motivation, Ärztin zu werden um sich vom Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins zu befreien, nachvollziehbar bleibt, so ist ihr Entschluss, die Beziehung zu Kyle deshalb zu beenden, in seiner Aussagekraft sehr vielsagend. Zu Jo gewandt, die sie fragt, ob sie sich nun also statt für Kyle für die Chirurgie entschieden habe, antwortet Steph: „No. I chose me.“ Gleichzeitig, und es wird spannend werden, ob sie diese Erkenntnis in den kommenden Episoden erreichen wird, entscheidet sie sich damit für die Kontrolle und in einem gewissen Sinne auch für das Ausgeliefertsein: Sie ergibt sich ihrem Trauma.

An anderer Stelle haben sich Ben (Jason George) und Bailey (Chandra Wilson) glücklicherweise für einen Waffenstillstand entschieden, der vor allem durch Riggs (Martin Henderson) und Maggie (Kelly McCreary) angestoßen wurde. Bei dem vorherrschenden Beziehungschaos, das derzeit fast alle Protagonist/-innen betrifft, wäre es mehr als wünschenswert, würde auch dem Zerwürfnis zwischen Arizona und Callie ein Ende bereitet werden. Es bleibt zu hoffen, dass mit diesem Handlungsstrang nicht der Ausstieg einer der beiden Darstellerinnen vorbereitet werden soll.

Fazit

In der Episode You're Gonna Need Someone on Your Side erhalten gleich mehrere Handlungsstränge recht unerwartete Wendungen. Während sich Owen und Amelia erneut in einer Beziehung versuchen, beendet Steph ihre gerade erst begonnene zu Kyle. Vor allem letztgenannter Plot setzt interessante Akzente, die Jerrika Hintons Figur über ihr humoriges Sidekick-Dasein hinaus mehr Tiefe verleiht.

Arizona und Dr. Webber in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Abseits der notwendigerweise entgegenzubringenden Skepsis in Bezug auf Owen und Amelia überzeugt auch Caterina Scorsone vor allem in darstellerischer Hinsicht. Nichtsdestoweniger wohnt ihrer Figur dennoch mehr inne, als die ewig zerrissene und fragile Seite, die zuletzt deutlich im Vordergrund stand. Meinen es die Autor/-innen mit dem Neustart ernst, könnten beide Figuren durchaus etwas von ihren weniger destruktiven Momenten zurückgewinnen.

So waren es darüber hinaus aber insbesondere die heiteren, unbeschwerten Szenen, die diese Episode zu guter Unterhaltung machen, ebenso wie eine Patientengeschichte, die trotz der Einbindung der Protagonist/-innen für sich stehen durfte.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 29. April 2016

Grey's Anatomy 12x21 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 21
(Grey's Anatomy 12x21)
Deutscher Titel der Episode
Wo stehst du?
Titel der Episode im Original
You're Gonna Need Someone on Your Side
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. April 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 30. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 17. Oktober 2016
Autor
Lauren Barnett
Regisseur
Debbie Allen

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x21

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