Grey's Anatomy 12x20

Angesichts der Intensität, die der Handlungsstrang um die achtjährigen Freunde Brendan und Peter (Zackary Arthur) entfaltet, ist einmal mehr die Frage zu stellen, weshalb die Zuschauer-/innen nicht viel öfter derartiges zu sehen bekommen. Mit der Thematisierung der Waffengesetze in den USA und deren Verbindung mit einem worst case scenario - unbeaufsichtigte Kinder finden die Waffe der Eltern und schießen aufeinander - gelingt es den Autor-/innen überdies, einen klugen Bogen zu den Belangen der Protagonist-/innen zu spannen.
Dabei steht nicht die Stellvertreterdiskussion um ebenjene Waffengesetze im Vordergrund. Vor allem anhand der Handlungsstränge um Maggie (Kelly McCreary), Amelia (Caterina Scorsone) und Meredith (Ellen Pompeo) setzt sich die Episode Trigger Happy mit dem Thema Liebe in seiner grundlegenden Bedeutung auseinander. Während zwischen Maggie und Meredith in diesem Zusammenhang eine wahrhaftige Nähe spürbar wird, ist mit der Szene zwischen Amelia und dem kleinen Peter der schauspielerisch stärkste Moment dieser Episode benannt.
Bedingungslose Liebe spielt auch in Bezug auf Callie (Sara Ramirez), Penny (Samantha Sloyan) und Arizona (Jessica Capshaw) eine große Rolle. Was zunächst mit den nachvollziehbaren Verlustängsten seitens Arizonas begründet ist, könnte bald zu einem Machtkampf zwischen ihr und Callie ausarten: Schon jetzt will Arizona nur noch über ihre Anwältin mit Callie kommunizieren. Gleichzeitig ist aufgrund mehrerer Faktoren davon auszugehen, dass Penny Seattle alleine verlassen wird. So bleibt nach wie vor die Frage der Notwendigkeit dieses Handlungsstrangs - beziehungsweise danach, weshalb das Verhältnis von Arizona und Callie erneut auf die Probe gestellt werden muss.
Kids with guns
Dass die Autor-/innen vor kontroversen, gesellschaftlich relevanten und heiklen Themen nicht zurückscheuen, ist soweit bekannt. In diesem Zusammenhang ist die Thematisierung der Waffengesetze in den USA nichts, was sonderlich überraschen sollte - bis auf den Umstand, dass die Patienten in dieser Episode tatsächlich im Vordergrund stehen dürfen.
Zugegebenermaßen zählt der Handlungsstrang um Brenden, Peter, ihre Mütter und die Babysitterin in seiner Konstellation, wie auch in seiner Vorhersehbarkeit nicht zu den innovativsten von Grey's Anatomy. Dennoch gelingt es, vor allem dank der großartig intensiv gespielten Szene zwischen Caterina Scorsone und Zackary Arthur, die Gefühlswelt der Betroffenen hervorzuheben. Wenn auch hart an der Grenze zum Kitsch, gerät dabei die wortlose Szene von Peter am Ende („I didn't mean to“) zum herzzerreißenden Höhepunkt der an sich schon unerträglichen Ausgangssituation. Versucht man sich auch nur einen Moment in die Protagonist-/innen des Vorfalls einzufühlen - der alles andere als weit hergeholt und unwahrscheinlich ist, im Gegenteil -, so mischt sich die empfundene Betroffenheit mit einer Wut über die Absurdität dieser Waffengesetze und diejenigen, die sie vehement verteidigen.
Etwas unnötig und deplatziert erscheint dann der Einschub zwischen Jo (Camilla Luddington) und Alex (Justin Chambers). Dass Jo eine Waffe unter dem gemeinsamen Bett lagert, ist angesichts ihrer traumatischen Vergangenheit wenig überraschend, führt aber weder in Bezug auf sie, noch auf ihre Beziehung zu Alex zu neuen Erkenntnissen. Ihre Figur verharrt weiterhin im Stillstand.
Das gelungene Gegenstück bietet in dieser Hinsicht Maggie: Schon eingangs erfreuen die unterhaltsamen Szenen zwischen den drei „Schwestern“ und Merediths Kindern. Allen voran Zola glänzt mit äußerst amüsanter, kindlicher Neugierde: „Mommy, why did aunt Maggie stop having s-e-x with DeLuca?“ Was im weiteren Verlauf folgt, ist nicht nur Maggies Erkenntnis, dass Kinder, egal wie alt sie sind, sehr viel von ihrer Umgebung aufnehmen und mitbekommen. Als sie diese Erkenntnis als Anschuldigung auf die völlig aufgelöste Babysitterin und ihr vermeintliches Zutun zu dem Unfall projiziert, wird ihr überdies klar, wie sehr sie Merediths Kinder mittlerweile in ihr Herz geschlossen hat. So sehr, dass sie die Sorge und Liebe, die sie für sie empfindet, kaum ertragen kann - ein Moment, den sie mit Meredith später teilt, und der die enge Verbindung, die die beiden Halbschwestern mittlerweile haben, gelungen unterstreicht.
You started this
Um das gemeinsame Kind dreht es sich vordergründig auch bei Arizona und Callie. Während Arizonas Entschluss, eine Anwältin einzuschalten, in der vorangehenden Episode noch als sehr voreilig und impulsiv bewertet wurde, scheint er nun immer einleuchtender zu werden. In ihrer anhaltenden Euphorie übersieht Callie ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber Arizona; vielmehr noch: Sie ist sich keiner Schuld bewusst und ist überdies der Meinung, lediglich eine Diskussion anzuregen. Die Voranmeldung Sofias in New Yorker Schulen sendet dahingehend andere Signale. Da Arizona wie Callie - aufgrund der Adoption von Sofia - ebenfalls sorgeberechtigt ist, wird ihre Reaktion nun nachvollziehbar. Durch den Weg über die Anwältin droht diese Auseinandersetzung allerdings zu einem Machtkampf zu geraten, der wohl kaum gut ausgehen kann. Obwohl sich bereits jetzt andeutet, dass Callie wohl nicht den Weg nach New York finden wird - Bailey weist sie darauf hin, dass sie damit ihre Karriere quasi beenden würde -, das Verhältnis von Arizona und Callie scheint schon jetzt nachhaltig gefährdet zu sein.
Während sich Ben an anderer Stelle über seine Suspendierung hinwegsetzt, entwickelt der Handlungsstrang um Steph (Jerrika Hinton) und Kyle (Wilmer Valderrama) überraschenderweise ein Eigenleben, das sich vor allem durch Leichtigkeit und Charme auszeichnet und eine gebotene Unbeschwertheit in Trigger Happy hinterlässt. Davon gerne mehr!
Fazit
Nur noch wenige Episoden trennen die Zuschauer-/innen vom Finale der zwölften Staffel, und noch ist keine größere Katastrophe in Sicht. In Trigger Happy zeigt sich, wie sehr die Serie von diesem Ausbleiben profitieren kann: Die Patientengeschichte um Brendan und Peter schafft es mit Leichtigkeit, den mitreißendsten Höhepunkt der Episode zu abzuliefern. Dabei überzeugen nicht nur die schauspielerischen Leistungen des jungen Darstellers, sondern auch der Verzicht der Autor-/innen, die Thematik moralisierend anzugehen. Stattdessen wird sich ihr aus einem anderen Blickwinkel zugewandt, der vor allem durch Maggie eine Personifizierung findet.
Während der Handlungsstrang um Steph zum charmant-heiteren Ausgleich angesichts der tiefgreifenden Ereignisse dient, wird der Ton zwischen Callie und Arizona immer schärfer. Die Vorgehensweise Letztgenannter wird mit der zunehmenden Rücksichtslosigkeit Callies zwar nachvollziehbarer. Die Notwendigkeit dieses Zerwürfnisses bleibt allerdings nach wie vor offen.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 22. April 2016Grey's Anatomy 12x20 Trailer
(Grey's Anatomy 12x20)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x20
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