Grey's Anatomy 12x19

Grey's Anatomy 12x19

Die Episode It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding) führt den vorangehenden Handlungsstrang um Ben und Bailey vorerst zu einem Ende - mit düsteren Aussichten. Derweil nähern sich April und Jackson einander an, während es zwischen Callie, Arizona und Penny zu einer überraschenden Wendung kommt.

Jason George als Ben in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Jason George als Ben in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Dank der Öffnung der Episode It's Alright; Ma (I'm Only Bleeding für weitere Handlungsstränge, abseits des Zerwürfnisses zwischen Ben (Jason George) und Bailey (Chandra Wilson), kehrt gewissermaßen wieder gefühlte Normalität in das Krankenhausgeschehen ein. Weil sich Bailey in ihrer Position als Chefin und als Ehefrau nicht in der Lage sieht, über die Konsequenzen von Bens Vorgehen zu entscheiden, wird ein Komitee einberufen, bestehend aus Meredith (Ellen Pompeo), Owen (Kevin McKidd) und Maggie (Kelly McCreary). Die Aussichten am Ende dieser Episode sind indes düstere: Obwohl das Komitee zugunsten Bens entscheidet, sieht sich das Paar gegensätzlichen Empfindungen und Erwartungen ausgesetzt. Tatsächlich scheint es diesem Handlungsstrang nicht an interessanten Ansätzen zu mangeln: Momentan holen die Autor/-innen Baileys Figur endlich wieder aus der unsympathischen, lediglich von Ehrgeiz getriebenen Schublade hervor, und besinnen sich auf die Vielseitigkeit ihrer Persönlichkeit.

Derweil wird sich auch wieder dem Scheidungsdrama von April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) gewidmet. Wenngleich die rechtlichen Verfügungen und Möglichkeiten, die derzeit im Raum schweben, nicht mehr in Gänze nachvollzogen werden können, erfreut die deutliche Annäherung der beiden am Ende dieser Episode sehr.

Jackson sucht Rat bei Dr. Webber in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo;. © ABC
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Weshalb es allerdings unbedingt einer konstruiert daherkommenden Verlagerung dieser Thematik auf das Verhältnis zwischen Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw) bedurfte, bleibt fraglich - und ist doch recht ärgerlich. Denn obschon die Vorbereitung dieses Handlungsstrangs in sich schlüssig ist - Penny hat das Stipendium gewonnen und wird nach New York ziehen - scheinen alle weiteren Wendungen restlos unplausibel. Weder Callies plötzliche Euphorie, noch Arizonas impulsive Aggressivität in Form rechtlicher Schritte leuchten ein. Hauptsache Drama, Baby.

Von Drama können sich die Zuschauer/-innen ohnehin doch kaum retten: So wird sich nicht gescheut, der Auseinandersetzung zwischen Owen und Riggs (Martin Henderson) einen neuen Tiefpunkt zu bescheren. Böse formuliert ist dieser Handlungsstrang mittlerweile nur noch peinlich; auch Maggies Einmischung in die uninteressanten Verstrickungen von Owen, Riggs und Megan kann da wenig retten. Langsam aber sicher wird es Zeit, dass dieser Storyline ihr Ende bereitet wird; gleichzeitig benötigt Riggs' Figur entweder einen entschiedenen Kurswechsel - oder wir Zuschauer/-innen einen Abschied von ihm.

State or Church

Nach verletzenden Sticheleien im Aufzug seitens Ben („Thank You, Chief“) beschließen er und Bailey später eine Art „metaphorische Säkularisierung“, eine Trennung von „Staat“ (Arbeit, Öffentlichkeit) und „Kirche“ (Privatsphäre, Ehe). Nicht nur innerhalb so mancher real existierenden Staaten hapert es bei der vollständigen Durchsetzung dieses Vorhabens. Auch Ben und Bailey scheinen den großen Schwierigkeiten, Privat- und Arbeitssphäre zu trennen, nicht gewachsen zu sein.

Nach wie vor kann im Anschluss an die vorangehende Episode jedoch festgehalten werden, dass die Gründe dafür insbesondere bei Ben zu liegen scheinen. Ob sein Verhalten tatsächlich durch ein veraltetes Rollenverständnis beeinflusst wird, ist indes nicht mehr ganz so naheliegend, wie noch zuvor. Als Chefin scheint er seine Frau allerdings nur bedingt zu respektieren; die Enttäuschung und Wut darüber, die Chandra Wilson überzeugend spielt, ist mehr als nachvollziehbar. Denn auch, wenn das Komitee Bens Argumentation überzeugend fand - er konzentrierte sich voll und ganz auf die Rettung der Patientin und registrierte die offene Tür deshalb nicht - Bailey tut es allem Anschein nach nur bedingt, und das zu Recht. Ben ist sich keiner Schuld bewusst, empört sich über die sechsmonatige Suspendierung und ist überzeugt davon, das Richtige getan zu haben. Dabei übersieht er nicht nur die Lage, in die er Bailey gebracht hat, die als Chief die Konsequenzen für seine Aktionen tragen muss (zum Beispiel dem Vater die Nachricht vom Tod seiner Frau und seines Babys zu überbringen). Die Videoaufnahmen legen außerdem sehr wohl Nahe, dass er die Tür registrierte - sich aber gegen Hilfe entschied. Während Baileys Verhalten restlos verständlich bleibt, inszeniert sich Ben zu Unrecht als Opfer einer unfairen Maßnahme.

Sarah Drew als April in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Seattle or New York

An anderer Stelle wird sich beherzt an einem Imagewandel von Arizona abgearbeitet. Zuletzt sorgte ihr Verhalten gegenüber April für Unverständnis, nun tut sie es ihrer Freundin gleich und leitet rechtliche Schritte gegen Callies Entschluss ein, gemeinsam mit Penny (Samantha Sloyan) und Tochter Sofia nach New York zu ziehen. Abgesehen von der Tatsache, dass Callies überschwängliche Hinwendung zu Penny, die weiter oben bereits mit „euphorisch“ wohl einigermaßen treffend beschrieben wurde, wenig überzeugend wirkt, ist auch Arizonas Reaktion auf den von ihr unabsichtlich eingeleiteten Sinneswandel nicht sehr plausibel.

Die Beziehung zwischen Arizona und Callie schien sich gerade spürbar positiv zu entwickeln; vor allem deshalb mutet es doch sehr unglaubwürdig an, dass sich Arizona dazu entschließt - ohne auch nur ein Wort an Callie zu richten - das alleinige Sorgerecht für Sofia zu beantragen. Gerade aufgrund der spiegelbildlichen Inszenierung des Gesprächs mit der Anwältin, die zuvor April betreute, liegt hier die Vermutung nahe, lediglich eine Ersatzkonstellation heranzuziehen, da sich April und Jackson im Verlauf dieser Episode wieder näher kommen.

Zumindest diese Entwicklung ist eine erfreuliche. Die wirklich berührenden Szene, in der April aus Angst um ihr Baby eine Untersuchung durchführen lässt, um später festzustellen, dass sie lediglich die Bewegungen ihres Kindes spürt (anders als bei Samuel); die auch körperliche Annäherung zu Jackson - zumindest diese Szenen weisen in „It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)“ in Richtung einer ersehnten Unbeschwertheit.

Fazit

Während It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding) einerseits die Nachwehen des Zerwürfnisses zwischen Ben und Bailey verhandelt, rücken andererseits auch die Beziehungen von Arizona, Callie und Penny, sowie das Verhältnis zwischen April und Jackson wieder in den Vordergrund.

Wo der Handlungsstrang um Bailey und Ben durchaus interessante Wendungen nimmt, und zumindest Bailey auch die Chance einer Weiterentwicklung beziehungsweise Rückbesinnung auf ihre Figur ermöglicht wird, sorgen die Andeutungen in Bezug auf eine nahende Krise zwischen Arizona und Callie für Unverständnis. So mangelte es hauptsächlich an nachvollziehbarer Plotentwicklung.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 15. April 2016
Episode
Staffel 12, Episode 19
(Grey's Anatomy 12x19)
Deutscher Titel der Episode
Wahrheitsfindung
Titel der Episode im Original
It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. April 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 16. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 3. Oktober 2016
Autor
Austin Guzman
Regisseur
Chris Hayden

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x19

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