Grey's Anatomy 12x17

Grey's Anatomy 12x17

Catherine Averys Intrige gegen April zieht unerwartet heftige Konsequenzen nach sich. Während sich sowohl April und Arizona, als auch Meredith und Amelia wieder einander annähern, droht die Situation zwischen Owen und Riggs abermals zu eskalieren. Derweil kündigt sich der Abschied von Penny an.

Penny, Amelia und Steph in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC/Richard Cartwright
Penny, Amelia und Steph in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC/Richard Cartwright

In der Grey's Anatomy-Episode I Wear the Face gelingt es nur teilweise, den Patientengeschichten um die extrem behütete Jenny und den Musiker Kyle eigenen Raum zu gewähren. Vielmehr besitzen sie den altbekannten Fabelcharakter; dienen also überwiegend als Projektionsfläche für die privaten Verwicklungen der Protagonist-/innen. So wird einerseits Steph (Jerrika Hinton) ihrer Konkurrentin Penny (Samantha Sloyan) gewahr, während sich diese - in der Konsequenz dieses Handlungsstranges - möglicherweise bald aufgrund eines Forschungsstipendiums aus Seattle verabschieden wird.

An anderer Stelle spitzt sich die von Catherine Avery (Debbie Allen erst in vorangehender Episode initiierte Intrige gegen April (Sarah Drew) zu, entwickelt gar ein Eigenleben, das - sollten sich Jackson (Jesse Williams) und April nicht bald zu einem klärenden Gespräch hinreißen lassen - ihre Beziehung zueinander dauerhaft zerstören könnte. In diesem Zusammenhang ist selbst die versöhnliche, einsichtige Tonlage zwischen Catherine und Richard (James Pickens, Jr.) nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Durch ihr unreflektiertes und bevormundendes Handeln setzt Catherine Menschen in ihrem Umfeld immer wieder vermeidbaren Qualen aus. Ihrer Figur wurde mit diesem Handlungsstrang leider kein Gefallen getan.

Wenngleich die Aussichten in Bezug auf Jackson und April bedauernswert sind, erfreut die Annäherung zwischen Arizona (Jessica Capshaw und April umso mehr. Die sich abermals zuspitzende Feindseligkeit zwischen Owen (Kevin McKidd) und Riggs (Martin Henderson) kann dagegen nur noch mit entnervtem Augenrollen ertragen werden. Anstelle der gefühlt zwölften Szene, in der sich Owen und Riggs in der Krankenhausflur-Manege gegenüberstehen, und einer der beiden nach kurzer Zeit wutentbrannt - mal mit, mal ohne kassiertem Faustschlag - davon stürmt, sehnt man sich einen wie auch immer gearteten Showdown herbei. Ob seiner offensichtlichen Konstruiertheit (Owen erwähnte dieses wohl tief sitzende Trauma bis zur 12. Staffel mit keinem Wort) mangelte es dem Handlungsstrang ohnehin an reizvollen, interessanten Aussichten. Es bleibt zu hoffen, dass die Autor-/innen Owen im Zuge dessen nicht weiterhin ins Abseits befördern.

Wilmer Valderrama ist in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; zu Gast. © ABC/Richard Cartwright
Wilmer Valderrama ist in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; zu Gast. © ABC/Richard Cartwright

Your story, not theirs

Auch mit der nachgeschobenen Selbsterklärung Catherines gegenüber Richard - die nämlich ihrerseits wohl unbestritten heftige Scheidungskonflikte erleben musste - wird ihr Verhalten kaum nachvollziehbarer. Und auch Jacksons Reaktion, obschon er sich am Ende dieser Episode für ein Friedensangebot entscheiden wird, gehört zur zweiten Seite der selben Medaille: Ihm gelingt es noch immer nicht, sich klar und deutlich von den Bevormundungen seiner Mutter abzugrenzen, beziehungsweise diese Abgrenzung, soweit vorhanden, auch nach Außen zu tragen. So kann es kaum verwundern, dass sich April auf der bröckligen Basis des erschütternden Vertrauens zwischen ihr und Jackson dazu entschließt, ihrerseits rechtliche Schritte einzuleiten.

Tragisch ist diese Wendung nämlich in keinster Weise: Sie wäre vermeidbar gewesen. Und sicherlich musste dieser Situation zwangsläufig ein Nährboden beidseitiger Unsicherheiten vorausgehen, um ein erfolgreiches Intrigieren Catherines überhaupt zu ermöglichen. Indes ist es trotzdem unstrittig, dass sie an dieser Stelle weit über das Ziel hinaus schießen wollte. Zudem bleibt fraglich, ob sich Catherine den weitreichenden Folgen ihres Handelns bewusst ist: Auch ihr Verhältnis zu der Mutter ihres Enkels wird wohl nur noch mit großer Mühe zu retten sein.

Schön, dass die Rettung der Freundschaft von Arizona und April vergleichsweise einfach gelingen konnte. Auch wenn eingeräumt werden muss, dass auch dieser Konflikt einmal mehr auf dem Rücken einer Patientengeschichte ausgetragen wurde, die daher nur bedingt für sich stehen darf. Das ist schade, wäre das relevante (mitunter auch aufgebauschte) Thema um die sogenannten „helicopter moms“ doch durchaus einen Alleingang wert gewesen. Wie dem auch sei: April und Arizona kommen sich im Zuge der Geschichte um Jenny wieder näher. Mit der einstweiligen Verfügung, die April nun als Vorsichtsmaßnahme gegen Jackson erwirkte (im Glauben, er wolle sie verklagen), wird es wohl vorerst weiter ungemütlich werden. Arizona an ihrer Seite kann deshalb nur von Vorteil sein.

Preminger Grant

Unerwartet ereignisreich entwickeln sich auch die Dinge zwischen Penny, Steph und Jo. Möglicherweise mag es mit der grundsätzlichen Sympathie für Stephs Figur zusammenhängen, dass man ihr die ungerechte Missgunst für Pennys Erfolg in Bezug auf das ausgeschriebene Forschungsstipendium nur bedingt übel nehmen kann. Möglicherweise ist dies aber auch allein der Tatsache geschuldet, dass Pennys Verhalten ebenfalls etwas unbeholfen daher kam - oder aus Stephs Perspektive: berechnend.

Riggs vs Owen in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Richard Cartwright
Riggs vs Owen in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Richard Cartwright

Die Folgen dieser Entwicklungen scheinen dabei weitreichender zu sein, als bislang absehbar. Sollte Penny das Stipendium annehmen, wird sie Seattle verlassen müssen, und damit auch Callie. Aufgrund der relativen Gleichgültigkeit, die ihrer Figur (vielleicht zu Unrecht) entgegengebracht wird, könnte dieser Verlust ohne Weiteres verschmerzt werden - zumal einer Wiedervereinigung zwischen Arizona und Callie damit weniger im Weg stünde.

Den wohl überflüssigsten und mithin ärgerlichsten Handlungsstrang bestreiten dagegen wieder einmal Owen und Riggs. Wie bereits weiter oben angedeutet wurde, beschränken sich diese Szenen meist auf die Wiederholung eines immer gleichen Eskalationsmusters und drohen daher zunehmend, zu einem nervigen Running-Gag zu werden. Es bleibt nach wie vor himmelweit offen, wo die Autor-/innen mit dieser Storyline hinwollen. Sollten sie sich tatsächlich dazu hinreißen lassen, die verschollene Schwester Megan am Ende dieser Staffel wieder auftauchen zu lassen, dürfte es durchaus schwer werden, nicht noch tiefer in die Soap-Trickkiste greifen zu müssen.

Fazit

In I Wear the Face spitzt sich der Konflikt zwischen April und Jackson weiter zu. Trotz der nachträglichen Einbettung von Catherines eigener Erfahrung mit einer schmerzvollen Scheidung kann kaum Verständnis aufgebracht werden für ihr massives Eingreifen in das Leben von Jackson und April. Gleichzeitig scheuen sich die Autor-/innen nicht, die Komplexität dieser Verstrickungen offen zu legen: Mit Aprils Entschluss, eine einstweilige Verfügung gegen Jackson zu erwirken, wird nur noch ein weiteres Mal betont, wo der Hund in dieser Beziehung begraben liegt. So flach, so wahr: Kommunikation ist alles, und die beiden haben in dieser Hinsicht wohl noch einiges nachzuholen.

Während sich in Bezug auf Penny ein Abschied andeutet, und damit die Weichen für eine Wiedervereinigung zwischen Arizona und Callie gestellt sein könnten, hinterlässt die erneute Eskalation zwischen Riggs und Owen nur noch Unverständnis. Sollte sich dieser Handlungsstrang nicht alsbald mehr oder weniger sinnvoll auflösen, droht allen voran Owens Figur, restlos unterzugehen.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 8. April 2016

Grey's Anatomy 12x17 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 17
(Grey's Anatomy 12x17)
Deutscher Titel der Episode
Schwelbrand
Titel der Episode im Original
I Wear the Face
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 7. April 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 2. November 2016
Autor
Karin Gist
Regisseur
Chandra Wilson

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x17

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?