Grey's Anatomy 12x16

Auf den ersten Blick scheint es in der Episode When It Hurts So Bad vor grauenvollem Beziehungschaos nur so zu wimmeln: Während Meredith (Ellen Pompeo) nach dem Rauswurf von Will Thorpe (Scott Elrod) aus ihrem Schlafzimmer zu einem besorgniserregenden Putzverhalten übergeht und Maggie (Kelly McCreary) den zögerlichen Andrew (Giacomo Gianniotti) zur Rede stellt, beendet Amelia (Caterina Scorsone) schließlich die Beziehung zu Owen (Kevin McKidd). Auf den zweiten Blick sind diese Entwicklungen größtenteils aber vor allem Fort- statt Rückschritt. Meredith mag zwar noch nicht vollends bereit zu sein für eine neue Beziehung. Weil sie ihre eigenen Verdrängungsmechanismen aber endlich reflektieren kann und dementsprechend handelt, ist insbesondere dieser Handlungsstrang als in sich schlüssig und positiv zu bewerten.
Ambivalenter sieht es hingegen in Bezug auf Amelia und Owen aus. Durch den stetigen Wechsel von Zerwürfnis und Versöhnung, Annäherung und Entfernung innerhalb dieser Beziehung wird die an sich willensstarke und aussichtsreiche Entscheidung Amelias von einer gewissen Gleichgültigkeit überschattet: Die Autor-/innen reizten den Handlungsstrang beinahe bis aufs Äußerste aus. Was bleibt, ist eine entnervte Erwartungshaltung im negativen Sinne, die durch die neusten Entwicklungen nur ansatzweise gebrochen werden kann. Weil sich Meredith und Amelia nun im Zuge ihrer jeweiligen Trennungen wieder deutlich näher kommen, wäre es nicht zuletzt deshalb wünschenswert, würde die Entscheidung letztgenannter eine dauerhafte bleiben.
An anderer Stelle sorgt „Hurricane Granny“ Catherine Avery (Debbie Allen) dank ihrer unverfrorenen Kontrollsucht einmal mehr für Chaos. Gelang es in der vorangehenden Season, ihre Figur stellenweise etwas sympathischer und vielseitiger zu zeichnen, glänzt sie in When It Hurts So Bad) durch eine fast boshafte Manipulationsbereitschaft, die sich beim besten Willen nicht mehr mit einem starken „Beschützerinstinkt“ in Bezug auf Jackson entschuldigen lässt.

Derweil droht der Handlungsstrang um Callie (Sara Ramirez) und Penny (Samantha Sloyan) vor dem Hintergrund der genannten Ereignisse leider etwas unterzugehen. Mitunter ist dies allerdings auch der nachlässig integrierten und blass gezeichneten Figur von Penny seitens der Autor-/innen zuzuschreiben.
No one needs to climb the Everest twice
Schon zu Beginn dieser Episode deutet sich in Merediths zögerlicher Impulsivität an, dass sie für einen Neuanfang doch noch mehr Zeit benötigt, als sie sich selbst geben will. Die beängstigenden Schreie, die dann in den ersten Szenen aus ihrem Schlafzimmer dringen, verheißen nichts Gutes, sodass Maggie und Amelia den etwas fassungslos aus der (kaum vorhandenen) Wäsche blickenden Will kurzum aus dem Haus werfen. Was folgt, ist eine teils amüsante, teils besorgniserregende Putzorgie Merediths, der sich ihre beiden „Schwestern“ anschließen und die mit dem Fund eines Erinnerungsstückes an Derek endet.
Auch wenn diese Metapher nicht allzu originell daherkommt, illustriert sie in aller Gänze und Schlichtheit Merediths inneren Prozess, und bedarf dabei eigentlich keiner Erweiterung. In ihrem erstarkten Willen, das Leiden der vergangenen Jahre endlich hinter sich zu lassen, und sich von dem Schmerz zu befreien, stößt Meredith unerwartet auf einen inneren Widerstand, den sie in der Folge buchstäblich versucht zu bereinigen. Die fast neurotisch anmutenden Auswirkungen dieses Versuchs münden dabei aber nicht wie zuvor in restloser Verdrängung. Das klärende Gespräch zwischen Will und Meredith am Ende dieser Episode deutet vielmehr darauf hin, dass Meredith zu einer wahrhaftigen Stärke zurückgefunden hat.
Gleiches gilt hoffentlich auch zukünftig für Amelia. Trotz ihrer klaren Worte an Owen scheint es nicht ausgeschlossen, dass auch diese Trennung keine endgültige darstellt. Dabei wurde in der Vergangenheit mehrfach aufgezeigt, dass sich die beiden ganz und gar nicht guttun, im Gegenteil: Amelia befindet sich nach einem erneuten Rückfall gerade erst wieder auf dem Weg der Besserung, während Owen seine Traumata in Alkohol ertränkt. Die Besonnenheit und Stärke, die Amelia nun an den Tag legt, ist so begrüßens- wie bewundernswert, und doch bleibt zweifelhaft, ob sie von Dauer sein wird.

And now, we can go after her
Im Krankenhaus sorgt derweil der Besuch Catherine Averys für den üblichen Wirbel. Jeglicher Ermahnung Jacksons zum Trotz sucht Catherine das Gespräch mit April - und überrascht zunächst durch verständnisvolles Einfühlungsvermögen. Die positiven Auswirkungen, die sich infolgedessen für eine Annäherung zwischen April und Jackson andeuten, werden dann aber schlagartig zunichte gemacht. Einer Catherine Avery ist in Sachen Manipulation und Herrschsucht nichts vorzumachen.
Im Nachgang der vorangehenden Episode, in der sich April klar und deutlich von Jacksons verletztem Stolz abgrenzen konnte, und ihn notwendigerweise darauf hinwies, dass Entscheidungen über ihren Körper keinesfalls demokratisch getroffen werden (gut so!), verteilte sich die Wut angesichts Catherines Vorhaben auch gleichermaßen auf Jackson, dem es nach wie vor nicht gelingt, sich von seiner bevormundenden Mutter abzugrenzen. So lässt es sich wohl kaum anders als boshaft beschreiben, dass Catherine ihre ehemalige Schwiegertochter und Mutter ihres Enkels nun wegen vorsätzlichem Betrug rechtlich belangen will.
„I would've done the exact same thing“, meint sie noch vorgeblich verständnisvoll zu April angesichts der überfordernden Situation, in der sie sich zwischen Scheidungspapieren und Schwangerschaftstest befand. Falls Catherine an dieser Stelle keine Meta-Manipulation betreibt - dergestalt, dass sie durch diese unfassbare Dreistigkeit versucht, die beiden in der gemeinsamen Ablehnung jener Aktion wieder zusammenzuführen - dann steht April nun eine stressige Schwangerschaft bevor. Andererseits könnte es mit dem Zusammenfinden auch ohne die Intention Catherines funktionieren: Jacksons fassungsloser Blick und seine Gesprächsbereitschaft in Bezug auf April lassen Hoffnung aufkommen. Insgesamt droht dieser Handlungsstrang bislang nur dank der hervorragenden darstellerischen Leistungen nicht ins Soapesque abzurutschen - Catherine Avery wird hoffentlich genauso plötzlich wieder verschwinden, wie sie auftauchte.

Fazit
In When It Hurts So Bad setzen sich sowohl Meredith, als auch Amelia, Maggie und Callie mit ihren Beziehungen und eigenen Bedürfnissen auseinander. Ihre getroffenen Entscheidungen - so unterschiedlich sie die jeweiligen Umstände betreffend auch sein mögen - eint allen voran der Ausdruck von Willensstärke und Selbst-Bewusstsein, beziehungsweise Bewusstwerdung.
Trotz des augenscheinlichen Rückschlags in Bezug auf ihr erstes Date nach Derek ist der Handlungsstrang um Meredith, und damit der Umgang der Autor-/innen mit ihrer Figur, nach wie vor einfühlsam dargestellt und in sich schlüssig erzählt. Meredith befindet sich auf dem Weg der Besserung - dass dieser Weg mitunter ein beschwerlicher ist, kann kaum überraschen.
Hinsichtlich der Beziehung zwischen Owen und Amelia bleibt zu hoffen, dass die Zuschauer-/innen bis auf Weiteres verschont bleiben. Ähnlich wie Meredith benötigt Amelia dringend einen Neuanfang, ein sicheres Umfeld und Rückhalt. Obwohl oder gerade weil dies auch auf Owen zutrifft, scheint die Trennung der beiden unumgänglich.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 1. April 2016Grey's Anatomy 12x16 Trailer
(Grey's Anatomy 12x16)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?