Grey's Anatomy 12x15

Im Gegensatz zu vorangehenden Episoden von Grey's Anatomy stehen die Konflikte und Beziehungen der Protagonist-/innen in I Am Not Waiting Anymore wieder klar im Vordergrund des Geschehens. Gerade im Nachgang der jüngsten Ereignisse scheint diese Entscheidung eine vorerst notwendige zu sein: Sowohl in Bezug auf April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams), als auch hinsichtlich Merediths (Ellen Pompeo) behutsamer Schritte in Richtung Neuanfang drängt eine fokussierte Auseinandersetzung. Aufgrund der wirklich bedauernswerten Entscheidung, auch Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone) wieder den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen zu entziehen, überwiegen die bedrückenden Momente in dieser Episode allerdings deutlich.
Gerade hinsichtlich letztgenannter Geschehnisse könnte man sich mittlerweile zu Recht fragen, ob den Autor-/innen an einer Neuauflage der leidvollen Beziehung zwischen Owen und Cristina gelegen ist. Momentan deutet schließlich alles darauf hin, da weder Owen, noch Amelia von etwaigen Schicksalsschlägen und Rückfällen verschont bleiben. Mit der erneuten Auseinandersetzung zwischen Owen und Riggs (Martin Henderson) - die zweifelsohne irgendwann kommen musste - rutscht aber der gesamte Handlungsstrang, allen voran in ihrer Konsequenz für die Beziehung zu Amelia, ins Absurde. Kurzum wird allein das Zuschauen zur Qual. Auch wenn anhand Amelias starker Reaktion erfreulicherweise von einem innerlichen Wandel ausgegangen werden kann, befinden sich beide Figuren nach wie vor in einer labilen Schwebe, die nur schwer zu ertragen ist.
Ärgerlich ist darüber hinaus aber auch die Platzierung dieser Entwicklung innerhalb dieser Episode. Während die Krisen zwischen Owen und Amelia überwiegend konstruiert daherkommen, wurde die nicht minder dramatische Beziehung von April und Jackson immerhin seit mehreren Staffeln auf- und ausgebaut. „I Am Not Waiting Anymore“ hätte sich also gut und gerne ausschließlich diesem und dem Handlungsstrang um Meredith widmen dürfen.
My body, my baby
Nachdem Arizona am Ende der vorangehenden Episode in bester Absicht - und wie die Zuschauer-/innen nun erfahren zumindest teilweise einem Missverständnis geschuldet - dazu entschieden hatte, Jackson über Aprils Kopf hinweg über die Schwangerschaft zu informieren, müssen sich die Betroffenen nun mit den Folgen auseinandersetzen. Im Zuge dessen wird sich sowohl Arizonas schlechtem Gewissen, als auch dem lautstarken Konflikt zwischen April und Jackson mit einer schmerzvollen Genauigkeit zugewendet.
Arizona findet also weder bei ihrer Exfrau Callie (Sara Ramirez), noch bei Bailey (Chandra Wilson) die Gewissensberuhigung, die sie sucht, und das zu Recht. Wie Amelia am Ende dieser Episode feststellt, bleibt ihr nunmehr nichts anderes übrig, als abzuwarten - vor allem aber muss sie einsehen, dass sie einen Fehler begangen hat. Was sich hingegen in Bezug auf April und Jackson ankündigt, scheint weitreichendere Folgen nach sich zu ziehen, als bislang erwartet. Die Intensität und die kaum auszuhaltende - weil wieder hervorragend gespielte - Verzweiflung angesichts der komplizierten Situation, in der sich die beiden nun befinden, sucht in I Am Not Waiting Anymore ihresgleichen. Das zeigt sich nicht nur anhand der harten Worte, die Jackson wählt, wenn er seiner Wut versucht Ausdruck zu verleihen.
Überhaupt gelingt es durch diese Szenen, Verständnis für beide Positionen aufzubringen (wenn auch mit Abstrichen in Bezug auf Jackson). Die verfahrene und scheinbar ausweglose Lage der beiden wird dabei allerdings umso deutlicher. Während sich Jackson nach wie vor übergangen fühlt, kämpft April mit gegensätzlichen Gefühlen und Ängsten, die sie in ihrer Überforderung kaum zu artikulieren weiß. Aufgrund der gegebenen Umstände bleibt ihre Entscheidung, Jackson erst jetzt von dem gemeinsamen Kind zu erzählen, allerdings restlos verständlich.

Sportsbra and Granny Panties
Es scheint beinahe ein ironischer Wink in Richtung der Fans zu sein, dass die Autor-/innen ausgerechnet Meredith inmitten dieser beklemmenden Entwicklungen den unbeschwertesten Handlungsstrang zukommen lassen. Umso erfreulicher, denn die Szenen, in denen sie sich zwischen aufgeregter Unbeholfenheit und einer schwankenden Unsicherheit in Bezug auf ihr erstes Date mit Will Thorpe (Scott Elrod) bewegt, zählen wohl zu den gelungensten dieser Episode. Wenngleich Alex (Justin Chambers) am Ende mit seiner Herangehensweise in Bezug auf diese Unsicherheit Recht behält, so ist Maggies (Kelly McCreary) Fürsorge ebenso rührend wie amüsant. Bewegend fällt auch die Annäherung zwischen Amelia und Meredith aus, die sich ganz ohne große Worte, sondern dank einer kleine Geste seitens Erstgenannter ergibt. Trotz des durchaus emotional ergreifenden Hintergrundes dieser Entwicklung gelingt es, einen heiteren Ton beizubehalten, der sich bis in die letzten Szenen zwischen Meredith und Thorpe zieht.
Gewiss ist zu diesem Zeitpunkt - und vielleicht auch generell - nicht davon auszugehen, dass Meredith zwangsläufig ihre erste, feste Beziehung nach Derek mit Thorpe eingehen wird. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass sie sich - so instrumentalisierend das auch sein mag - durch ihn wieder an neue Menschen an ihrer Seite gewöhnt und sich endlich wieder auf Nähe einlassen kann. Nicht zuletzt aufgrund der unklaren Rolle, die Riggs abseits von Owens familiärem Drama einnimmt, scheint eine Verbindung zwischen ihm und Meredith darüber hinaus nach wie vor vorstellbar. Zumal nun zunehmend kleinere, aber nicht unbedeutende Szenen eingestreut werden, die Riggs in ein positiveres Licht rücken; sei es zuletzt in Bezug auf Amelia oder April, sei es in seinem Umgang mit Patient-/innen. Doch auch ganz unabhängig von potentiellen Partnern für Meredith erfreut der nun spürbar einsetzende Stimmungswechsel. Überhaupt bleibt zu hoffen, dass ihre Figur auch einfach aus sich heraus glücklich werden darf.

Fazit
Während sich die Entwicklungen um April und Jackson durch eine schwer erträgliche Ausweglosigkeit, aber in sich stimmige, konsequente Erzählweise auszeichnen, hinterlässt das erneute Drama um Owen und Amelia leider kaum mehr als Enttäuschung.
Das Bedürfnis der Autor-/innen, beide Figuren in unveränderter Weise durch ein ständiges Auf und Ab zu demontieren, bleibt unverständlich. Zumindest in Bezug auf Amelia zeichnet sich hingegen ein Wandel ab. In Verbindung zu der positiven Entwicklung Merediths scheint eine zunehmende Annäherung der beiden nicht unwahrscheinlich - erfreulich wäre sie allemal.
Neben der nach wie vor starken darstellerischen Leistung von Sarah Drew überzeugten vor allem die heiteren Momente dieser Episode, die den vorwiegend beklemmenden Ton teilweise aufbrechen konnten.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 25. März 2016Grey's Anatomy 12x15 Trailer
(Grey's Anatomy 12x15)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x15
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