Grey's Anatomy 12x13

Grey's Anatomy 12x13

Mit All Eyez on Me steht endlich noch einmal der Arbeitsalltag der Chirurg-/innen des Grey Sloan im Vordergrund. Während die Episode durch den Verzicht auf persönliche Tragödien zwar durch ihren heiteren Ton gewinnt, offenbart sich eine Lücke in Bezug auf Figuren wie Steph, Maggie und Penny.

Owen und seine Ärzte in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC/Ron Batzdorff
Owen und seine Ärzte in „Grey's Anatomy“ / (c) ABC/Ron Batzdorff

Seit geraumer Zeit spielen Patientengeschichten nur noch eine bedingt einnehmende Rolle bei Grey's Anatomy. Das fällt umso mehr ins Auge, vergleicht man deren Gewichtigkeit mit jener der ersten Staffeln - dort wurde Spannung und Dramatik nicht allein aus den Problemen der Hauptfiguren generiert, sondern entstand sehr oft durch heikle Operationen und den Fokus auf die betroffenen Menschen dahinter. Mit All Eyez on Me wird zwar nicht direkt an alte Zeiten angeknüpft, da vor allem die Eingriffe und nicht die Patient-/innen im Vordergrund stehen. Trotzdem ist es erfreulich, dass die ersehnte Leichtigkeit auch in dieser Episode anhält, und der Blick von den privaten Problemen auf den Beruf, beziehungsweise das Spannungsfeld zwischen beiden Ebenen gelenkt wird.

So wird die Schwierigkeit, eine Balance zwischen diesen Rollen zu finden, anhand der Beziehung von Ben (Jason George) und Chief of Surgery Dr. Miranda Bailey (Chandra Wilson) veranschaulicht. Obwohl die beiden bisher schon mehr als einen gemeinsamen, und nicht gerade unwichtigen Handlungsstrang hatten, fällt es nach wie vor schwer, einen Zugang zu seiner Figur zu finden. Dieser Eindruck verstärkt sich angesichts der weitaus aufwendiger inszenierten großen Operation, die Meredith (Ellen Pompeo), Callie (Sara Ramirez), Jackson (Jesse Williams) und Bailey durchführen. Doch abseits des im ersten Moment wirklich gewöhnungsbedürftigen Anblicks des operierten Kriegsveteranen kann auch dieser Handlungsstrang nicht so recht packen. Zumindest in Bezug auf den Eingriff an sich - es fehlt schlicht die Einbindung des Patienten selbst, wie es etwa bei der großen Operation von Dr. Herman (Geena Davis) durch Amelia (Caterina Scorsone) der Fall war.

Der Patient der Woche in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Ron Batzdorff
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Trotzdem überzeugt die Episode durchgehend durch eine erholsame Leichtigkeit und (trockenen) Humor, der sich vor allem in den Szenen um das Cheerleader-Drama, aber auch in Bezug auf Maggie (Kelly McCreary) und Andrew (Giacomo Gianniotti) durchschlägt. Spannungsreich ist aber auch die Aussicht am Ende dieser Episode: Meredith tauscht ihre Handynummer mit dem gut aussehenden Militärarzt aus...

Miracle-Workers

In zwölf Jahren Grey's Anatomy haben die Zuschauer_innen schon so einiges an medizinischen Unwahrscheinlichkeiten und Ausnahmen gesehen. Von einprozentigen Chancen (der Tod von Lexies Mutter) über mehrfache Trennungen von siamesischen Zwillingen bis hin zu seltsamen Gegenständen in Patientenkörpern; seien es Nägel im Schädel oder Puppenköpfe im Magen. Faszinieren können solche Geschichten - so unwahrscheinlich und übertrieben sie manchmal auch daherkommen mögen - aber noch immer. So auch in All Eyez in Me. Bailey, Jackson, Meredith und Callie führen eine experimentelle Operation in einem Militärkrankenhaus durch. Patient ist der Kriegsveteran Brian Carson, dessen Hüfte und Knochen von Krebszellen und Tumoren zerfressen sind. Die klassische Herangehensweise wäre nun eine radikale Chemotherapie - aber da die Chirurg-/innen des Grey Sloan alles andere als gewöhnliche Ärzt-/innen sind, sondern „miracle-workers“, entwickeln sie ein Verfahren, dass es Brian ermöglicht, mehr als nur noch ein paar gute Jahre zu erleben. Sie amputieren das befallene Bein und platzieren das verbliebene in der Mitte des Körpers.

Wenngleich es der Anblick dieser schließlich geglückten Operation in sich hatte, sind trotzdem die Zwischen- und Untertöne im Rahmen dieses Handlungsstrangs von größerem Interesse. Die obligatorische Krise während des Eingriffs erhält deshalb eine bemerkenswerte Komponente, weil es Meredith ist, die Callie aus ihrem Blackout rettet. Dieser Moment verstärkt die zarten Ansätze, die wir bereits in vorangehender Episode mitverfolgen konnten. Meredith ist nun bereit für etwas Neues, sie kann endlich loslassen. Der Flirt mit dem attraktiven Militärarzt Dr. Thorpe (Scott Elrod) am Ende unterstreicht diese Entwicklung erneut. Ohne große Worte und vom neckischen Grinsen ihrer Kolleg-/innen begleitet, zählt diese Szene wohl zu den schönsten von All Eyez on Me.

HashtagDead

Während Ben eine extrem riskante Lebensrettung an einem Psychiatrie-Patienten vornimmt - ihm nämlich mit einem Clipboard den Brustkorb aufschneidet - müssen sich Steph (Jerrika Hinton) und Penny (Samantha Sloyan) mit einem herrlich überzogen dargestellten Cheerleader-Team herumschlagen. Diese Szenen glänzen nicht nur durch den charmanten Humor, der einhergeht mit der Thematisierung der Highschool-Zeit. Vor allem Steph darf beweisen, dass ihrer Figur nach wie vor viel zu wenig Raum gegeben wird, um zu glänzen. Samantha Sloyan droht neben der einnehmenden Präsenz von Jerrika Hinton regelrecht unterzugehen - was sicherlich zu Teilen dem Storywriting geschuldet ist. Andererseits spielt Hinton die toughe, selbstbewusste und mit einer ordentlichen Portion trockenen Humors ausgestattete Chirurgin einfach sehr, sehr gut. Sie erinnert charakterlich gar ein wenig an Callie oder Cristina, und hat auch deshalb große Sympathiepunkte auf ihrer Seite.

Die Operation der Woche in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Ron Batzdorff
Die Operation der Woche in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Ron Batzdorff

Gleiches gilt an und für sich auch für Maggie. So „süß“ und charmant ihre unbeholfene, bisweilen tollpatschige Art sein mag; mittlerweile hat auch ihre Figur größere Handlungsstränge verdient, als weiterhin das Sidekick-Dasein für auflockernde Szenen zu fristen. Ansätze finden sich in dieser Hinsicht nun in ihrer jetzt öffentlichen Beziehung zu Andrew. Zwar ist die Fokussierung auf die „Hackordnung“ im Krankenhaus bei Weitem nichts Neues. Aber sie ist bedeutsamer Alltag, der vor allem durch das Aufbrechen der „Machtverhältnisse“ neue Impulse erhält.

Denn nicht nur bei Andrew und Maggie, auch bei Bailey und Ben befinden sich die Frauen in der beruflich höheren Position; Bailey ist gar Chefärztin der Chirurgie. Dass dieser Thematik innerhalb der Serie mit einer derartigen Selbstverständlichkeit begegnet wird, ist bemerkenswert. Denn hier geht es nicht etwa um eine einfache Umkehrung der Rollen, sondern um das Aufbrechen der gewohnten Perspektive, die überwiegend Männer in höheren Positionen vorsieht. Dieser Bruch führt nicht zwangsläufig zu erzieherischen Einschüben über die Notwendigkeit von Feminismus; stattdessen wird eine gleichberechtigte(re) Verteilung einfach umgesetzt. Neue Impulse entstehen also durch diesen Perspektivwechsel, der auch in den Szenen um Bailey und Ben - die als Chefärztin auf sein Fehlverhalten reagieren muss - angerissen wird.

Fazit

Ganz ohne unheilvolle Krisen der Hauptfiguren stellt All Eyez on Me zwei risikoreiche Operationen in den Mittelpunkt der Handlung. In beiden Fällen gelingt es aufgrund der fehlenden Patientengeschichten zwar nicht auf außergewöhnliche Weise mitzureißen. Dennoch wird durch den Verzicht auf persönliche Tragödien Raum für unterhaltsame Szenen geschaffen und darüber hinaus für ausnahmsweise positive Aussichten. So zum Beispiel in Bezug auf Meredith, deren Eintritt in ein neues Leben mit einem kleinen Flirt beginnt.

Zudem zeigt sich, dass sowohl Steph, als auch Maggie - und nach wie vor Jo (Camilla Luddington) - mehr Screentime und/oder tiefer gehende Handlungsstränge zugestanden werden müssen. Vor allem in Bezug auf Steph wurde deutlich, dass ihre Figur großes Potential hat, ihr Charakter einer der interessantesten der „Neuzugänge“ ist.

Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 11. März 2016

Grey's Anatomy 12x13 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 13
(Grey's Anatomy 12x13)
Deutscher Titel der Episode
Das Dream-Team
Titel der Episode im Original
All Eyez on Me
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 10. März 2016 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 18. Mai 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 6. Juni 2016
Autor
Austin Guzman
Regisseur
Charlotte Brändström

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x13

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