Grey's Anatomy 12x12

Passend zur BestĂ€tigung einer weiteren Staffel von Grey's Anatomy liefert die Episode My Next Life einmal mehr eine Berechtigung zu dieser Entscheidung. Bis auf wenige Ausnahmen weiĂ die aktuellen Staffel zu ĂŒberzeugen, vor allem hinsichtlich der Frage, wie und ob es auch ohne Derek, Merediths (Ellen Pompeo) groĂer Liebe, ĂŒberhaupt weiter gehen könne. Ja, es kann, und wie: Besonders in Bezug auf Meredith gelingt es den Autor_innen bisher, ihrer Hauptfigur neues Leben einzuhauchen, ihr eine Entwicklung zu ermöglichen, die lange nicht denkbar war. In „My Next Life“ wird sie dann, in Gestalt ihrer allerersten Patientin Katie Bryce (Skyler Shaye), abermals mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Durch diese Begegnung kommt Meredith ihrem Weg in ein neues Leben einen weiteren Schritt nĂ€her.
Dankenswerter Weise fĂ€llt diese Begegnung zwar durchaus bewegend, aber nicht allzu bedeutungsschwer aus. Ăberhaupt gönnen die Autor_innen ihren Zuschauer_innen eine Atempause von all jenen dramatischen Ereignissen und den schmerzvollen Auseinandersetzungen ihrer Figuren. SĂ€mtliche Entwicklungen durchdringt eine zaghafte Aufbruchsstimmung, so auch in Bezug auf die Beziehungen von Alex (Justin Chambers und Jo (Camilla Luddington), von Maggie (Kelly McCreary) und Andrew (Giacomo Gianniotti), von Owen (Kevin McKidd) und Amelia (Caterina Scorsone). Dass sich zweite Chancen manchmal unerwartet anbahnen, verdeutlicht indes nicht nur Aprils (Sarah Drew) Schwangerschaft. Vieles an der Figurenkonstellation zwischen Meredith, Owen und Riggs (Martin Henderson) könnte auf einen neuen love interest fĂŒr Erstgenannte hinweisen.
Neben den humorvollen Einlagen - Hut ab fĂŒr das Duo James Pickens, Jr. und Jessica Capshaw - ĂŒberzeugen insbesondere die Patientengeschichten, die wieder eine gröĂere Rolle spielen dĂŒrfen.

We can start over
In Gestalt von Dereks und Merediths „surgical lovechild“ Katie Bryce taucht eine Figur aus der Vergangenheit auf, die nicht nur einen Bogen zur allerersten Episode und damit zu den AnfĂ€ngen von Grey's Anatomy spannt. Sie weist gleichzeitig ĂŒber diese Vergangenheit hinaus, indem den Ausgangspunkt fĂŒr das Loslassen des alten und die Inangriffnahme eines neuen Lebensabschnitts darstellt. Schön sind auch die Parallelen, die zwischen Katies und Merediths Entwicklung aufgemacht werden. Dazu bedurfte es, wenngleich doch sehr gelungen, keiner erklĂ€renden Flashbacks - die unverfrorene Highschool-Schönheit blieb zumindest mir bestens in Erinnerung. Die Parallele bezieht sich dabei weniger auf die grundverschiedenen Charaktere der beiden, als auf die jeweilige Bedeutung dieser Begegnung.
In Verbindung dazu steht natĂŒrlich auch Amelia. WĂ€hrend sie sich einerseits durch die erfolgreiche Operation des riesigen Aneurysma als von Derek unabhĂ€ngige, groĂartige Chirurgin erweist, erfĂ€hrt sie durch Meredith die WertschĂ€tzung, die das VerhĂ€ltnis der beiden so dringend benötigt - zumindest auf persönlicher Ebene. Als Chirurgin, so macht ihr Owen deutlich, braucht sie weder ihre Meinung, noch ihren Segen, und das scheint sie durch und in diesem Handlungsstrang endlich verstanden zu haben. Der Heilung Katies wird dann auch Merediths Selbstheilung gegenĂŒbergestellt: „I don't get lost around here, anymore.“ Das scheint sich nicht nur als humorvoller Verweis auf Merediths chaotischen ersten Tag zu beziehen. Vielmehr hat sie begriffen, dass sie loslassen muss, nicht nur um âFrieden zu findenâ, sondern um die Chance eines Neubeginns zu nutzen. WĂŒrde dieses âCarpe Diemâ-Maxime nicht bereits zu Beginn des Voice-Overs ironisch gebrochen werden, wĂ€re die Phrasenhaftigkeit wohl kaum mehr als ein mĂŒdes Augenrollen wert. Tiefe gewinnt sie allein durch den gelungen Einfall, Merediths Entwicklung mit einer fĂŒr sie enorm wichtigen Patientengeschichte vor Augen zu fĂŒhren, und nicht etwa durch ein weiteres dramatisches Ereignis. Die WertschĂ€tzung des Lebens (wieder so eine Phrase) wird durch Merediths Patientin Daphne (Meredith Salenger) dann im Negativ offenbar. Trotz der stellenweise aufkommenden EmotionalitĂ€t verkörpert sie allen voran leider dieses ĂŒbergreifende Thema, statt unabhĂ€ngig davon fĂŒr sich stehen zu dĂŒrfen.

You helped me be slutty again
Auch an anderer Stelle finden sich wieder positive, sogar gelöste Momente. Vor allem das Duo James Pickens, Jr. und Jessica Capshaw ĂŒberzeugt mit humorvollen Szenen zu Arizonas wiedergefundener Dating-Freude. In Hinblick auf eine weitere Staffel ist trotzdem insgeheim zu hoffen, dass sich Callie (Sara Ramirez) und Arizona irgendwann wiederfinden werden. Ăhnlich amĂŒsant geht es zwischen Maggie, Andrew und Dr. Webber zu, der den neuen Freund seiner Tochter auf seine Weise einer TauglichkeitsprĂŒfung unterzieht. In diesem Zusammenhang entsteht eine schön anzusehende NĂ€he zwischen Maggie und ihrem Vater, die sicherlich Potential fĂŒr weitere HandlungsstrĂ€nge birgt.
Neben einem zarten NĂ€herkommen zwischen Jo und Alex beschlieĂen auch Owen und Amelia, ihrer Beziehung eine zweite Chance zu geben - besser gesagt einen Neustart. Die Szene, in der Owen sich grinsend einem Kussversuch seitens Amelia entzieht, erinnert dabei stark an Derek und Meredith, deren Beziehung nach der jeweiligen Trennung von Finn und Addison Ă€hnlich âneuâ begann. Es bleibt - vor allem in Hinblick auf die nicht weniger krisenhaften Lebensgeschichten der beiden - zu hoffen, dass diese Wendung wirklich einmal Gutes hervorbringt, und dass sich Owen und Amelia eine StĂŒtze sein werden.
Eine interessante, aber bis zu diesem Zeitpunkt noch etwas weit hergeholte These, erschlieĂt sich durch die Konfrontation zwischen Meredith und Riggs in dieser Episode. Riggs offenbart Meredith die Wahrheit ĂŒber die ZusammenhĂ€nge des Todes von Owens Schwester Megan, mit der er eine Beziehung fĂŒhrte. Auch dieser Unfall - der Helikopter, in dem sich Megan befand, und in dem eigentlich Riggs sitzen sollte, verschwand spurlos - zeichnet sich durch eine tragische Verkettung von ZufĂ€llen beziehungsweise Entscheidungen aus, die fĂŒr die Verbliebenen unertrĂ€glich sind. Diese Erfahrung teilend haben Meredith und Riggs etwas gemeinsam, das nur wenige Menschen verstehen können. Zusammen mit der auffĂ€llig inszenierten Abneigung seitens Merediths, frei nach dem Motto âWas sich liebt, das neckt sichâ, könnte zumindest eine Freundschaft zwischen ihnen entstehen, wenn nicht gar mehr.
Fazit
Bedeutungsschwere Lebensweisheiten rahmen die Episode My Next Life, doch das tut ihrer IntensitĂ€t und der abgezielten Wirkung kaum einen Abbruch. Gebrochen wird die auffĂ€llige Thematisierung des Credos âMan lebt nur einmalâ einerseits durch den Verweis in Merediths Voice-Over, andererseits durch die betonte Leichtigkeit in anderen HandlungsstrĂ€ngen. Hervorstechend ist in diesem Zusammenhang die Chemie zwischen Webber und Arizona, als auch Maggies charmante Tollpatschigkeit.
Besonders positiv fÀllt indessen die glaubhaft inszenierte Entwicklung Merediths auf, die durch das Auftauchen ihrer ersten Patientin Katie Bryce versinnbildlicht wird. Dankbar aufgenommen wird in diesem Kontext auch die kleine, aber sichtbare AnnÀherung zwischen ihr und Amelia.
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 4. MĂ€rz 2016Grey's Anatomy 12x12 Trailer
(Grey's Anatomy 12x12)
Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x12
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