Grey's Anatomy 12x03

Grey's Anatomy 12x03

Mit I Choose You wird Maggie, Alex und Jo mehr Aufmerksamkeit beigemessen, als bisher. Rundherum profitieren sämtliche Handlungsstränge von dieser Verschiebung, so auch in Bezug auf Miranda Bailey. Zudem lernen wir das lovechild von Derek und Mark, Dr. DeLuca, besser kennen.

Dr. Bailey vertritt ihre Meinung in „Grey's Anantomy“. / (c) ABC
Dr. Bailey vertritt ihre Meinung in „Grey's Anantomy“. / (c) ABC

Gerade im Abgleich zu vorangehender Episode Walking Tall fällt auf, wie sehr Grey's Anatomy doch frischen Wind und eine Schwerpunktverschiebung nötig hat. Denn während man sich noch über ausgereizte Erzählschemata in Bezug auf Figuren der ersten Stunde aufregt, gelingt es in I Choose You, den Ärger mit einem Fingerzeig verfliegen zu lassen. Endlich wird neuen wie alten, nichts desto weniger interessanten Figuren wie Alex (Justin Chambers), Jo (Camilla Luddington) und Maggie (Kelly McCreary) erheblich mehr Screentime gewährt. Natürlich ist damit nicht gesagt, dass diese Handlungsstränge zwangsläufig positiv hervorstechen - im Falle dieser Episode tun sie das aber durchaus.

Besonders in Bezug auf die Szenen um Maggie ist nur ein weiteres Mal zu betonen, wie viel Potential in ihrer Figur steckt - vor allem humoristischer Natur. Kelly McCreary haucht Meredith Greys (Ellen Pompeos) Halbschwester auf überzeugende Weise diesen einzigartigen Charme einer verpeilten, irgendwie nerdigen jungen Frau ein, der über weite Strecken große Sympathie für ihre Figur erzeugt. Auch, wenn wir in Bezug auf Alex (und Jo) nicht wirklich etwas Neues erfahren, ist die zaghafte Hinwendung zu einem wichtigen Charakter der Serie lohnenswert. Leider lässt sich selbiges nicht über den anhaltenden Kampf zwischen April (Sarah Drew) und Jackson (Jesse Williams) sagen.

This is what a feminist looks like!

Bereits mit der Entscheidung, drei starke Persönlichkeiten (oder wie Amelia (Caterina Scorsone) sagen würde: Ladybosses) unter ein Dach zu stecken, wurde eine verstärkte Betonung auf (feministisches) Empowerment, wenn man so will, erkennbar. Zwar fielen immer mal wieder hier und da gelungene Anspielungen und oft drehten sich die Patientengeschichten um starke - junge wie alte - Frauen sowie Transgender. Ein so explizites Bekenntnis zum Feminismus, das in dieser Episode Miranda Bailey (Chandra Wilson) voller Überzeugung laut aussprechen durfte, gab es bis dato aber nicht. Allein dafür verdient sich „I Choose You“ mindestens ein extra Sternchen.

Wenngleich Grey's Anatomy längst nicht die einzige Serie ist, die in dieser Hinsicht klar Stellung bezieht - sie ist aber eine überaus erfolgreiche, mit einer immensen Reichweite. Sicherlich befinden wir uns hier im Shonda-Wonderland, und damit gewissermaßen in einer „How it should be“-Utopie. Dennoch: Die Autor-/innen haben erkannt, dass es nicht genügt, selbstbewusste, starke und erfolgreiche Frauenfiguren abzubilden, sie gewissermaßen als Selbstverständlichkeit zu inszenieren. Vielmehr bedarf es der Benennung der Probleme - sei es rassistische Diskriminierung oder Ausgrenzung aufgrund von Geschlecht oder Geschlechteridentitäten - um dann aufzuzeigen, dass Feminismus noch immer oder gerade jetzt seine Berechtigung hat.

Das unmissverständliche Statement von Miranda Bailey in I Choose You) funktioniert dabei vielschichtiger, als auf den ersten Blick vielleicht zu erkennen ist, und bleibt keinesfalls ein bloßes Lippenbekenntnis. Ebenso wenig wird Feminismus auf die Fokussierung auf den sogenannten „Gender Pay Gap“, also auf die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern, reduziert. Miranda Bailey geht es in dieser Szene mit dem irritiertem Dr. Webber (James Pickens Jr.) vor allem darum, ihre ehemalige Schülerin Meredith für sich selbst sprechen zu lassen, sie nicht zu bevormunden, sondern zu ermutigen: „Since Derek, you have cuddled her, and I won't do that. She needs to rise, and she needs to rise on her own, so she knows she can rise on her own.“ Dr. Webbers väterliches Verhalten ist selbstverständlich alles andere als böswillig bevormundend zu verstehen, er möchte seine „Ziehtochter“ auf seine Art und Weise beschützen. Bailey aber setzt mit ihrer Erklärung auf das, was „Empowerment“ genannt wird, und gibt Meredith damit die Gelegenheit, für sich selbst zu sprechen und zu entscheiden - und das mit Erfolg, wie wir am Ende sehen.

Die Mädels unter sich in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Mitchell Haaseth
Die Mädels unter sich in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC/Mitchell Haaseth

I have nothing and no one wants me

So dramatisch wie erschütternd dieser Ausspruch der Selbstzweifel von Maggie auf den ersten Blick klingen mag, so amüsant und gelungen wurde er in eine Tirade über Aliens und apokalyptisch untermaltes Selbstmitleid eingebettet. Während Meredith, Amelia und Callie (Sara Ramirez) (die es mit ihrem neuen love interest offensichtlich ernst meint) ebenso amüsiert wie irritiert den beschwipsten Worten ihrer Freundin und Halbschwester folgen, fragt man sich als Zuschauer-/in, warum Maggie nicht viel öfter die Gelegenheit zu ausufernden Monologen erhält. Im Grunde ist ihre Einsamkeit und das angeknackste Selbstbewusstsein aufgrund der Verlobung von Ethan natürlich irgendwie ergreifend. Letztlich überwiegt dann aber doch die betont amüsierende Ebene des Spektakels, an deren Ende sich Maggie und Dr. DeLuca (Giacomo Gianniotti) - auch dank eines gewissen Mr. Tequila - küssen. Ob damit die nächste Oberärztin/ Intern-Affäre eingeläutet wird?

Andernorts kämpft Alex einerseits um das Leben von schwer kranken Zwillingen, andererseits gegen ein Missverständnis zwischen ihm und Jo. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jo Alex' alte Unterlagen zur Samenspende für ihn und Izzie (Katherine Heigl) findet, dachten wohl die meisten Zuschauer-/innen, Jo sei schwanger, und am Ende dieser Episode scheint die Familiengründung dann aber gar nicht mal so abwegig. Immerhin durfte sich Alex erneut als verantwortungsbewusster, mutiger und hervorragend ausgebildeter Arzt beweisen. Dieser Umstand wird besonders gelungen an dem (halben) Voiceover von Bailey illustriert, die von ihrem Bett aus jeden Schritt, den Alex zur Rettung der Neugeborenen unternimmt, auflistet. Während Alex am Ende zwar nur ein Leben retten kann, endet der Handlungsstrang dennoch positiv - so kann er Jo davon überzeugen, dass sie nicht „nur“ ein „let's-get-a-dog-girl“ für ihn ist.

Deutlich endgültiger geht es bei April und Jackson zu, glücklicherweise aber auch erheblich weniger nervtötend als in vorangehenden Episoden. Das mag vielleicht an Jacksons neuerlicher Härte liegen, die aber zumindest in I Choose You übertrieben wirkt. Zwar bleibt es nachvollziehbar, dass er von Aprils Verhalten tief enttäuscht und verletzt wurde. Dass er nun aber alle Brücken hinter sich abbricht - so der Anschein - kommt eher unversehens. April jedenfalls muss sich demnächst wohl tatsächlich auf eine Scheidung, mindestens aber eine ernstgemeinte Trennung einstellen.

Alex und Owen in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Fazit

Die dritte Episode der zwölften Staffel Grey's Anatomy ist über weite Strecken positiv zu bewerten. Insgesamt ergibt sich dieser Eindruck vor allem durch die Fokussierung auf Figuren, deren Entwicklung mitunter lange beiseite geschoben wurde. In Bezug auf Maggie wird den Zuschauer-/innen deshalb ein großartig geschriebener wie gespielter Monolog über Selbstmitleid zuteil, in dem weder explodierende Planeten, brennende Brücken, noch Aliens fehlten.

Die kurze, aber umso beeindruckendere Szene zwischen Bailey und Dr. Webber, später dann auch Meredith, steht in dieser Episode aber außer Konkurrenz. Mit dem feministischen Statement, das durch Baileys Figur an die Zuschauer-/innen herangetragen wird, schreibt sich die Serie zumindest in mein Fanherz ein.

Trailer zur Episode 12x04 der Serie „Grey's Anatomy“:
Verfasser: Hannah Klein am Freitag, 9. Oktober 2015

Grey's Anatomy 12x03 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 3
(Grey's Anatomy 12x03)
Deutscher Titel der Episode
Ich habe dich gewählt
Titel der Episode im Original
I Choose You
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 8. Oktober 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 13. April 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 14. März 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 21. März 2016
Autor
William Harper
Regisseur
Rob Corn

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 12x03

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