Grey's Anatomy 11x24

Grey's Anatomy 11x24

Das Finale der ereignisreichen 11. Staffel kommt ohne Cliffhanger aus. So wird bewiesen, dass der emotionale Spannungsaufbau auch mittels leiser Töne gelingen kann, ohne an mitreißender Wirkung einzubüßen. Bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft keine weiteren Schicksalsschläge bevorstehen.

Bild aus der Episode „You're my Home“ der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC
Bild aus der Episode „You're my Home“ der Serie „Grey's Anatomy“ / (c) ABC

Mit dem Finale der elften Staffel gönnten die Autoren ihren Figuren endlich ansatzweise die lang ersehnte Atempause. Abgesehen von der Patientengeschichte um Keith und Joan werden die Zuschauer von dramatischen Un- und Todesfällen verschont - und selbst Erstgenannte findet ein gutes Ende. Somit darf der Fokus also doch noch einmal auf den Innerlichkeiten liegen, auf den Problemen und Wirrungen der Figuren untereinander. Dass das Zusammenfügen sämtlicher loser Fäden nur stellenweise gelingt, ist dabei letztlich der vorangehenden Erzählstruktur geschuldet. Nach Dereks Serientod wurde den Zuschauern eine nahezu unübersichtliche Fülle an neuen Entwicklungen und Ereignissen präsentiert, an denen sich You're My Home noch immer abarbeitet - um mit Aprils (Sarah Drew) neuerlicher Affinität zu Kriegseinsätzen und der dadurch verkomplizierten Ehe mit Jackson (Jesse Williams) nur ein Beispiel zu nennen. Insgesamt findet die elfte Staffel jedoch ein versöhnliches Ende. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt trotzdem: Noch immer ist nicht wirklich absehbar, ob sich die Trennung von einer weiteren zentralen Figur nun positiv oder negativ auf die gesamte Serie auswirken wird - oder ob erst jetzt tatsächlich auffällt, dass die Geschichten der Urgesteine längst auserzählt sind.

Dance it out!

Rückblickend ist es beinahe verwunderlich, dass sich Merediths (Ellen Pompeo) Verhalten nach Dereks (Patrick Dempsey) Tod größtenteils durch Stärke und Gefasstheit auszeichnet. Dieser Umstand erklärt sich allerdings vor allem dadurch, dass ihr auf der Plotebene ein ganzes (zeitgerafftes) Jahr gegeben wurde, um ihre Trauer zu verarbeiten. Trotzdem oder gerade deshalb wirkt es für den Zuschauer stellenweise so, als wäre der Alltag im und um das Grey Sloan Memorial ein wenig zu schnell wieder eingekehrt. Die Szenen um Amelia (Caterina Scorsone), Meredih und Maggie (Kelly McCreary) konnten diese Problematik in You're My Home einfangen und auch mit Merdiths Standpauke in Bezug auf Dr. Webber (James Pickens Jr.) und Catherine Avery (Debbie Allen) wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass der Tod der Liebe ihres Lebens tiefe Spuren hinterlassen hat.

Somit findet auch die Auseinandersetzung zwischen Amelia und Meredith ein Ende. In diesem Zusammenhang blieb es allerdings ein wenig unverständlich, inwiefern Dereks Voicemail sämtliche Probleme (und Vorwürfe) zwischen Meredith und Amelia aus der Welt räumen konnte. Sicher, Dereks „letzte“ Worte waren ergreifend - sie waren aber vor allem an Meredith gerichtet. Dass Letztgenannte ihre Schwägerin somit an diesen Worten teilhaben lässt, ist selbstverständlich eine Geste von Bedeutung. Und offenbar wiegt sie mehr als alle Wut, die Amelia in Bezug auf Meredith hegte. Vermutlich muss auch dieser Moment an den Maßstäben und Möglichkeiten von Merediths Charakter gemessen und bewertet werden - die Geste begreift Amelia somit also als Zeichen dafür, dass Meredith sie (zukünftig) nicht mehr ausschließen wird, sie teilhaben lässt (was sie in dem Moment, als Derek starb, nicht getan hatte).

Wie dem auch sei, tanzend und lachend gefallen die beiden jedenfalls um Längen besser, als im Dauerstreit. Merediths fürsorgliche und einfühlsame Seite kommt auch in Bezug auf Maggie zum Vorschein, die um die Scheidung ihrer Adoptiveltern trauert. In diesen Szenen war die Wärme zwischen den Halbschwestern regelrecht spürbar; umso erfreulicher, dass Maggies Charakter mehr und mehr Eingang in relevante Handlungsstränge findet. So könnte im Hinblick auf die kommende Staffel nun gemutmaßt werden, dass Amelia, Maggie, Meredith und die Kinder gemeinsam in ihr altes Haus ziehen - eine Art Chirurgenkommune der vom Leben Gebeutelten. Klingt gar nicht mal so übel.

Love will tear us apart, again

Das mehr oder minder große Ärgernis dieser Episode stellt die vermutlich bevorstehende Trennung von April und Jackson dar. Abseits von Meredith und Derek wurde kaum ein Paar durch so viele Höhen und Tiefen geschickt, gleiches gilt für die Zuschauer: Von wirklich bis zur Unerträglichkeit nervtötendem Hin und Her, bis zu einem ebenso schönen (vorläufigen) Happy End war alles dabei. Die beiden schienen sich gefunden zu haben, und der Tod ihres Kindes (und der damit in Zusammenhang stehenden, auch an dieser Stelle noch einmal erwähnenswerten, großartigen Leistung von Sarah Drew) hätte der Beziehung zwischen den beiden noch mehr Tiefe verleihen können.

Was den Aufbau der Intensität dieser Beziehung angeht, galt all das gewissermaßen auch für Callie (Sara Ramirez) und Arizona (Jessica Capshaw). Die Trennung der beiden wurde im Gegensatz zu dieser allerdings deutlich länger heraufbeschworen, es gab Gründe, vor allem aber: Zeit. Dagegen erscheint Aprils plötzliches Interesse am Einsatz im Kriegsgebiet nicht nur unvorhergesehen und auf gewisse Weise weit hergeholt; vor allem aber wurde sich für die Einleitung dieser Wendung kaum Zeit genommen. So werden die Zuschauer schon in You're My Home mit einer Fast-Trennungsszene konfrontiert, die, käme sie nicht so plötzlich, durchaus hätte mitreißen können. Aprils Aufbruchstimmung wird natürlich durch die Trauer um den Tod ihres Kindes begründet, und Jackson zeigt durchaus Verständnis dafür, dass sie sich durch diese Arbeit wieder lebendig und nützlich fühlt (oder von Gott, dem Staat oder sonst wem berufen: „I feel like I've been called“). Soweit, so klar, aber ebenso unnötig.

Dr. Webber und Dr. Avery in %26bdquo;Grey%26#039;s Anatomy%26ldquo; © ABC
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Cut: Richard Webber und Catherine Avery heiraten. Endlich. Punkt. Vielmehr bleibt an dieser Stelle nicht zu sagen, das erneute Hin und Her in dieser Episode führte fast zur völligen Gleichgültigkeit den beiden gegenüber. Merediths beherzte Standpauke, bei der sie die „my husband's dead“ - Karte ausspielt, kam da gerade richtig.

Bei Alex (Justin Chambers) und Jo (Camilla Luddington) sieht es dagegen erfreulicherweise ganz anders aus. Auch diesbezüglich mehrten sich die Befürchtungen um eine Trennung, da mehr als absehbar war, dass Jo alles andere als begeistert vom Familienzuwachs sein würde, verständlicherweise. Die gegenseitige Liebesbekundung der beiden sah dann umso rührender aus, vor allem aber amüsierte der kurze Schlagabtausch in ihrem neuen (heruntergekommenen) Loft, das Jo als eine Art Kompromiss für die neue Situation kaufen will: „It's a loft space.“ „Jo, it's a crime scene.“ Wenigstens scheint es in dieser Hinsicht Anlass zur Hoffnung zu geben. Die neue Ebene, die die Beziehung von Alex und Jo damit erreicht, könnte so auch endlich noch einmal mehr Stoff für relevante Storylines geben - die Abwesenheit von Alex in der elften Staffel war deutlich spürbar.

Fazit

Abgesehen von der doch noch recht aufreibenden Patientengeschichte um Keith und Joan geht die elfte Staffel von Grey's Anatomy ohne dramatische Cliffhanger oder dergleichen zu Ende. Viele lose Fäden werden zusammengeführt: Richard Webber und Catherine Avery heiraten, bei Jo und Alex zeichnet sich der nächste Schritt ihrer Beziehung ab und Meredith nähert sich einem Leben ohne Derek, so wie den ihr nahestehnden Menschen wieder zunehmend an. Der Ehe von April und Jackson droht dagegen das Aus, auch wenn zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht von Gewissheit gesprochen werden kann.

Letztgenannte Entwicklung scheint im Gesamtkontext dieser Serie exemplarisch für ein Storytelling zu stehen, das sich zu oft für radikale Schnitte entscheidet. Diese fallen leider zugunsten der nachvollziehbaren Charakterentwicklung aus, sodass sich häufig das Gefühl einstellt, mit sämtlichen (Neu-)Entwicklungen regelrecht überrannt zu werden. Vielleicht, hoffentlich, oder ganz bestimmt finden die Autoren in der kommenden, vermutlich letzten Staffel von „Grey's Anatomy“, zu der Balance zurück.

Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 20. Mai 2015

Grey's Anatomy 11x24 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 24
(Grey's Anatomy 11x24)
Deutscher Titel der Episode
Die Zeit steht still (2)
Titel der Episode im Original
Time Stops
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 7. Mai 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 17. Oktober 2015
Autor
Meg Marinis
Regisseur
Kevin McKidd

Schauspieler in der Episode Grey's Anatomy 11x24

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