Game of Thrones 5x07

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Nachdem wir in den letzten beiden Episoden in vielen Handlungssträngen große Fortschritte gemacht haben und wir nun langsam schon auf die Zielgerade der fünften Staffel von Game of Thrones einbiegen, fühlt sich The Gift oftmals wie ein kleiner Zwischenstopp kurz vor dem Staffelfinale an. Natürlich machen wir auch hier in mehreren Einzelgeschichten einen Schritt nach vorne, wodurch wiederum neuerliche Spannung generiert und starke Momentaufnahmen fabriziert werden können. Jedoch ist es gleichzeitig auch die Fülle an Handlungen, die in dieser Episode des Fantasydramas gelegentlich etwas das Tempo nimmt. Hinzu kommen einige Probleme in ein paar Handlungsbögen, die den Eindruck vermitteln, dass wir an manchen Stellen ein wenig festsitzen.
Bis auf Aryas (Maisie Williams) Handlungsstrang (den ich als Buchleser mit Blick auf den Episodentitel eigentlich erwartet hatte) klappern wir in „The Gift“ sämtliche Handlungsorte ab, die in den letzten Wochen zu sehen gewesen sind. Dem Duo David Benioff und D. B. Weiss gelingen im Zusammenspiel mit Regisseur Miguel Sapochnik zwar die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen gewohnt gut, aber dennoch steht die Frage im Raum, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, die Episode an manchen Stellen ein wenig zu kürzen und die eine oder andere Nebengeschichte in die nächste Episode auszulagern.
Mit einer Laufzeit von gut einer Stunde ist es bei weitem nicht so, dass „The Gift“ langweilt - und bei der Anzahl an Charakteren und verschiedenen Handlungsbögen ist es nach wie vor erstaunlich, wie rund die Macher hier ihre Geschichte erzählen. Doch ich möchte behaupten, dass es ihnen schon besser als in „The Gift“ gelungen ist, die unterschiedlichsten Aspekte ihrer Serie miteinander zu verknüpfen.
Ever faithful
Benioff und Weiss arbeiten diese Woche als verantwortliche Drehbuchautoren schon fast chronologisch die unterschiedlichen Handlungsorte ab und beginnen dabei mit der Wall, die in Unbowed, Unbent, Unbroken noch aussetzen musste. Hier begibt sich Jon Snow (Kit Harington) nun gemeinsam mit Tormund (Kristofer Hivju) in Richtung Hardhome, wo tausende Wildlings auf ihre Rettung „warten“ - ob sie es wollen oder nicht. Ser Alliser Thorne (Owen Teale) beobachtet die Freilassung Tormunds argwöhnisch und bekommt von Jon das Kommando über Castle Black übertragen, auch wenn er seinem Lord Commander unverblümt ins Gesicht sagt, was er von dessen Plan nördlich der eisigen Mauer hält.
Von Sam (John Bradley) bekommt Jon noch etwas „Dragonglass“, sollte der Fall der Fälle eintreten, sowie eine herzliche Verabschiedung. Vor einer sehenswerten Kulisse aus macht sich der kleine Trupp auf. Und somit ist der kurze Auftritt von Kit Harington in dieser Woche auch schon wieder beendet, wobei wir uns sicher sein können, dass er in der kommenden Episode (passenderweise Hardhome) mehr als genug zu tun bekommen wird.

Your hero
Doch wir verbleiben an der Wall und folgen Sam, was eine gute Entscheidung der Autoren ist, da der Perspektivwechsel eine willkommene Abwechslung darstellt. Zum einen etabliert man eine unangenehme Anspannung, da sich mit Jon jetzt einer von Sams größten Fürsprechern verabschiedet hat und an der Wall - wo die Stimmung aufgrund Jons Entscheidungen nicht besonders rosig ist - auf sich allein gestellt ist. Zum anderen darf Sam selbst mal wieder mehr in Aktion treten, was eine sehenswerte Darbietung von John Bradley zur Folge hat.
Mit dem tragischen Tod von Maester Aemon, der in seinen letzten Momenten vor den Gefahren warnt, die Gilly (Hannah Murray) und ihrem Baby bevorstehen, steht Sam nun in der Tat allein auf weiter Flur. Seine Ansprache bei der Verbrennung von Aemon ist wunderbar geschrieben (und der Buchvorlage entnommen) sowie ein starker Tribut an den verstorbenen Maester. Dessen Darsteller, der 92-jährige Peter Vaughan, verdient sich zuvor ein längst fälliges Lob. Vaughan traf den klapprigen, aber sehr weisen Maester stets vortrefflich und spielte seinen Part bisweilen sehr stark.
Doch, wie Thorne Sam deutlich mitteilt, sind die letzten schützenden Hände für ihn und Gilly nun endgültig verschwunden. Dies zeigt sich in der folgenden Szene, als zwei Mitglieder der Night's Watch Gilly attackieren. Nach der viel diskutierten Kontroverse aus der letzten Episode befürchtet man das Schlimmste, doch glücklicherweise kann den beiden Unholden dank Sams beherzten Einsatzes sowie Jons Direwolf Ghost Einhalt geboten werden, auch wenn ersterer dafür ordentlich einstecken muss.
Abermals zeigt Sam, dass er mehr als nur ein ängstlicher Dickwanst ist, wie er von seinen black brothers genannt wird. Dass er und Gilly letztlich zusammenfinden, schließt den Kreis dieser kleinen Liebesgeschichte, wobei man sicherlich darüber diskutieren kann, ob es nicht etwas seltsam ist, dass sich Gilly bei ihrem Retter mit Sex bedankt. Da die beiden jedoch schon über einen längeren Zeitraum eine sehr vertraute Beziehung zueinder gepflegt haben und Sam sich für sie und ihr Kind verantwortlich fühlt, erachte ich diese Szenen als gelungen.
Help me
Gleichzeitig kann ich aber auch nicht abstreiten, dass gerade mit Blick auf Sansas (Sophie Turner) Vergewaltigung durch Ramsay (Iwan Rheon) in Unbowed, Unbent, Unbroken mir in diesen Szenen sofort wieder der Ekel hochkommt und ich innerlich darum gebettelt habe, dass man nicht erneut so einen Weg geht - was glücklicherweise auch nicht der Fall ist. Wie bereits von vielen Lesern richtig festgestellt, reizen die Macher die Hemmschwelle bei der Darstellung von Gewalt in letzter Zeit ordentlich aus, wodurch man wiederum sehr vorsichtig sein muss, es eben nicht zu einem einfachen Stilmittel verkommen zu lassen, um seine Zuschauerschaft zu schockieren und emotional mitzureißen.
Auch in Winterfell geht die seelische Tortur für einige Charaktere sowie für uns Zuschauer weiter, wobei kurz kleine Hoffnungsschimmer am Horizont zu erblicken sind, der aber von den Serienmachern sogleich wieder verdunkelt wird. Der Anblick der gezeichneten Sansa, die von Ramsay täglich missbraucht wird, ist nur schwer zu ertragen. Über Theon (Alfie Allen) könnte es einen Ausweg aus dieser Pein geben, indem er das Notsignal positioniert, woraufhin Brienne (Gwendoline Christie) zu Sansas Rettung eilen könnte. Doch erneut zeigt sich, wie sehr Theon von Ramsay gebrochen und zerstört wurde, berichtet er seinem Gebieter doch umgehend von Sansas Plan. Diese zeigt sich derweil nach Theons Einwilligung, ihr zu helfen, im Gespräch mit ihrem furchtbaren Gemahl etwas gestärkt und lässt es sich nicht nehmen, Ramsay ein wenig zu provozieren.
Beasts
Die bevorstehende Geburt von Ramsays Bruder bringt den einstigen Bastard offensichtlich ins Grübeln, doch das Leid anderer stellt die perfekte Ablenkung für den kranken Psychopathen dar. So führt er der entsetzten Sansa die gefolterte und gehäutete Magd vor, die Sansa einige Episoden zuvor noch Hilfe versprach. Es handelt sich um eine weitere ekelerregende Szene, die Sansa sofort wieder die Hoffnung nimmt, die sie kurzzeitig hatte. In diesen Szenen spielen vor allem die drei Darsteller Sophie Turner, Alfie Allen und Iwan Rheon groß auf. Problematisch ist jedoch, dass man als Zuschauer die Geschichte von Sansa nicht ohne ein extrem unangenehmes Gefühl mitverfolgen kann, worunter wiederum die gesamte Handlung in Winterfell leidet.
Was zunächst ungemein spannend gewesen war, ist nun sowohl eine Qual für die Figuren als auch für uns Zuschauer. Man fühlt sich durchaus an Theon und dessen Folter durch Ramsay in der dritten Staffel erinnert, einem Handlungsstrang, den die Macher extrem ausgeweidet und unnötig in die Länge gezogen hatten. Ich hoffe inständig, dass man dieses Mal schnellstmöglich die Kurve kriegt und uns die Art der Vergeltung präsentiert, die mit Blick auf die lezten Ereignisse angemessen ist.
Der Tod Ramsays wäre zum Beispiel die richtige Antwort der Autoren. Am besten durch die Hand Sansas und nicht durch irgendeine Retterfigur, da die Stark-Tochter nun abermals in eine gezwungenermaßen sehr passive Rolle gedrängt wird und dies vieles zerstört, was man anfangs der Staffel mit der Figur der neuen Sansa aufgebaut hatte. Brienne ist sicherlich ein hochinteressanter Faktor und so könnte ich mir sie als starke Vertreterin ihres Geschlechts als perfekte Rächerin vorstellen. Dafür muss sie jedoch erst einmal Zugang zu Winterfell erlangen, was mit dem nahenden Winter alles andere als einfach werden wird.

Only forward
Auch die Ankunft von Stannis (Stephen Dillane) und seiner Armee könnte Sansas Situation stark beeinflussen, doch diese Partei steckt ebenfalls fest, wie wir jetzt zu sehen bekommen. Es wird mehr als deutlich, dass Gevatter Winter auf dem Vormarsch ist, was wiederum Stannis' Armee entscheidend aufhält. Die Nahrung wird knapp, die Soldaten aus dem Süden sind nicht für diese Wetterlage gemacht und so drängt Davos (Liam Cunningham) seinen König dazu, kehrtzumachen und in Castle Black auszuharren, bis der Winter vorbei ist. Doch Stannis kann nach der Niederlage in der Blackwater Bay nicht erneut einen Rückzieher machen, fest entschlossen bleibt er bei seiner Entscheidung, gen Winterfell zu marschieren, koste es, was es wolle.
Im Gespräch mit Melisandre (Carice van Houten) wird dann aber doch deutlich, dass Stannis durchaus Zweifel hat und der red priestress Vorwürfe macht, ihn fehlgeleitet zu haben. Es kommt so, wie es kommen musste und von vielen Zuschauern bereits erwartet wurde: Mithilfe Königsbluts könnte Melisandre die Wende herbeiführen, doch wer kommt als Opfer infrage? Es ist natürlich Shireen (Kerry Ingram), Stannis' einzige Tochter, die Melisandre ihrem „Lord of Light“ opfern will, um Stannis neuen Aufwind zu verschaffen.
Stannis, den die Autoren in der fünften Staffel charismatischer als noch zuvor gemacht haben, steht nun vor einer unmenschlich schwierigen Entscheidung, die er zunächst vehement ablehnt. Doch wer weiß, was passiert, wenn sich die Lage weiter zuspitzt? Man präsentiert uns hier eine äußerst spannende Situation und auch wenn die Handlung um Stannis nun droht, aufgrund der Wetterlage etwas festgesetzt zu werden, kann ich als Zuschauer dessen Entscheidung nur schwer abwarten. Insbesondere, weil Shireen einem ans Herz gewachsen ist und weil sich mit Davos einer der engsten Berater von Stannis gegen ihn stellen wird, sollte er seine eigene Tochter den Flammen übergeben.
Butchers or meat
In Essos machen wir unterdessen etwas unerwartet Fortschritte, was die spannende Zusammenführung zweier Handlungsstränge betrifft. Zu meiner Überraschung finden sich Tyrion (Peter Dinklage) und Jorah (Iain Glen) nämlich bereits vor den Toren von Meereen wieder und werden dort auf einer Sklavenauktion angeboten. Ich hatte damit gerechnet, dass wir uns noch ein wenig gedulden müssen, bis die beiden auch nur in die Nähe von Daenerys (Emilia Clarke) kommen würden. Umso erfreuter bin ich, dass es jetzt doch Schlag auf Schlag geht. Jorah wird zunächst für einen hohen Preis von einem Sklavenhalter akquiriert, der Gladiatoren für seine Kampfarena sucht. Tyrion muss derweil aufpassen, dass er am Ende des Tages nicht auf sich allein gestellt ist und schwatzt sich irgendwie in den Besitz des reichen Sklavenhalters - eine herrlich amüsante Szene, in der Tyrion erneut auf den letzten Drücker seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann.
Zur gleichen Zeit liegen sich Daenerys und Daario (Michiel Huisman) eng umschlungen in den Armen, während letzterer ob der bevorstehenden Hochzeit zwischen seiner Angebetenen und Hizdahr (Joel Fry) ein wenig von der Eifersucht gepackt ist. Dass mit diesem politischen Arrangement auch die die Sons of the Harpy besänftigt wurden, ist ein deutliches Zeichen für Daario, dass Hizdahr eventuell sogar der geheime Kopf der Gruppierung sein könnte. Für Daenerys hat die Vermählung mit ihm einzig politischen und keinen emotionalen Wert.
Daarios Vorschlag, den ehemaligen Sklavenhaltern von Meereen ein für alle Mal den Garaus zu machen, klingt zwar drastisch, ist jedoch nicht allzu weit hergeholt, werden diese wohl nie Ruhe geben und in Zukunft Stück für Stück immer mehr von ihrer alten Macht einfordern. So könnte Daenerys auf lange Sicht unter die Räder geraten und die Kontrolle über die Stadt verlieren, die gegenüber der Bedrohung von außen nur Bestand haben kann, wenn sie eine geeinigte Front bildet.
The right time
Für Daenerys ist es dann auch alles andere als reizvoll, die bestialischen Traditionen von Meereen zu ehren, für die sich Hizdahr und seinesgleichen eingesetzt haben. Das blutige Gemetzel vor ihren Augen ist geschmacklos und so will sie schleunigst die Kampfarena wieder verlassen, die im Zuge einer Reihe von großen Gladiatorenkämpfen zu diesem „Spektakel“ eingeladen hat. Doch, als Jorah davon Wind bekommt, dass seine Khaleesi vor Ort ist, stürmt er in die Arena und wischt dort mit den wilden, aber technikarmen Kämpfern den Boden auf. Die Kampfchoreografie gefällt sehr gut, ausgesprochen gut, vor allem, weil Jorah mit seiner jahrelangen Kampferfahrung seine Gegenüber spielend leicht entwaffnen und ausknocken kann. Darüber freut sich selbst Daenerys, deren Lächeln jedoch Geschichte ist, als sich Jorah ihr zu erkennen gibt.
Bevor er jedoch abgeführt werden kann, kommt es zur Übergabe eines von vielen Geschenken in dieser Episode. Tyrion (der aus nicht weiter erfindlichen Gründen von einem stummen Hünen befreit wird) tritt auf den Plan und zeigt sich Daenerys. Im Vergleich zur Buchvorlage ist dies ein gewaltiger Schritt vorwärts, denn in den Büchern zieht sich Tyrions Reise in Richtung Meereen für meinen Geschmack doch etwas unnötig hin. Dass man bereits jetzt diese beiden Parteien miteinander vereint hat, treibt die Erwartungshaltung automatisch nach oben. Die Zusammenführung dieser beiden Handlungsstränge gelingt den Machern sehr gut und dementsprechend gespannt bin ich nun, welche Rolle sowohl Tyrion als auch Rückkehrer Jorah am Hofe von Daenerys einnehmen werden.

The Dornishman's blade
Ein wenig besser gefällt mir diese Woche auch die Handlung in Dorne, wobei man erneut ein paar Einschränkungen machen muss. Die kleine Szene zwischen Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und seiner Nichte beziehungsweise Tochter Myrcella (Nell Tiger Free) verdeutlicht gut, wie machtlos Jaime eigentlich ist und wie sehr er seinen eigenen Nachwuchs bisher vernachlässigt hat. Seine plötzlichen Vatergefühle straft Myrcella mit trotzigem Teenagerverhalten ab, was jedoch durchaus nachvollziehbar ist, ist Dorne doch zu ihrer Heimat geworden und hat sie doch offensichtlich innige Gefühle für ihren Versprochenen Trystane (Toby Sebastian) entwickelt.
Im Verlies probiert sich Bronn (Jerome Flynn) unterdessen abermals als Gesangskünstler und hat dabei Erfolg. Zumindest Tyene (Rosabell Laurenti Sellers) scheint von dem nonchalanten Söldner angetan zu sein, da sie ihre verführerischen Reize sofort an ihm austestet. Dieses erregende Bild der jungen Schönheit scheint in Bronn wiederum das Gift in Gang zu setzen, mit welchem Tyenes Dolche präpariert waren. So sackt der sonst so entspannte Zeitgenosse schweißüberlaufen in sich zusammen und muss um sein Leben bangen, würde er nicht in letzter Sekunde das Gegengift von Tyene verabreicht bekommen - aus welchen Gründen auch immer.
The long farewell
Was mir hier zunächst positiv gefällt, ist, dass die sandsnakes mal etwas mehr zu tun und zu sagen bekommen, was auf ihre Charaktere schließen lässt. Vor allem Tyene darf sich als jüngste der drei Schwestern in den Vordergrund spielen - und als Zuschauer ist es nicht allzu einfach, ihren Charakter und ihre Motive richtig zu deuten. Empfindet sie tatsächlich etwas für Bronn? Oder treibt sie nur ein perfides Spielchen mit ihm? Was wiederum nicht ganz verständlich ist, ist die eher erzwungene Nacktszene zwischen den beiden. Ich mag einsehen, dass durch die Erregung Bronns das Gift in seinem Blut in Wallung gebracht wird. Ein fader Beigeschmack ob der Notwendigkeit dieser Szene bleibt dennoch. Und hinzu kommt dann noch das Ende von diesem Handlungsstrang, als Bronn anscheinend von Tyene gerettet wird.
Was haben diese Szenen nun letztlich bewirkt? Vielleicht einen kleinen Blick auf den Charakter Tyenes und, wenn man ganz großzügig ist, die Aussicht auf ein mögliches Techtelmechtel zwischen ihr und Bronn in naher Zukunft. Ansonsten zeichnet diesen Handlungsstrang aber vor allem Stillstand aus, womit er in The Gift nicht alleine dasteht. Nach wie vor hält man Alexander Siddig in seiner Rolle des Doran Martell zurück, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. In Dorne muss einfach wesentlich mehr passieren und wenn man sich vor Augen führt, dass die fünfte Staffel nur noch drei Episoden umfasst, fragt man sich, was sich die Macher bei der Einführung dieser Region und der dort beheimateten Charaktere gedacht haben.
The few and the many
Zumindest auf einen Handlungsort ist wie immer Verlass, denn King's Landing schwingt sich abermals zum stärksten Teil dieser Episode auf. Das mag unter anderem daran liegen, dass sich hier wohl auch mitunter die erfahrensten Darsteller die Klinke in die Hand geben und diese das Maximum aus ihren gemeinsamen Szenen herauskitzeln. Den Anfang machen hier Diana Rigg und Jonathan Pryce, die gemeinsam für eine von vielen tollen Dialogszenen sorgen. Allein der Einstieg in deren beider Gespräch miteinander ist hervorragend (sie sind beide einfach nicht mehr die Jüngsten...), doch auch inhaltlich lässt deren Unterhaltung tief blicken.
Der „High Sparrow“ gibt der eigentlich so selbstsicheren „Queen of Thorns“ stark Kontra - und so wird zumindest ein wenig seine Motivation deutlich. Im Grunde genommen prangert er das vorherrschende Gesellschaftssystem an und will jeden zur Rechenschaft ziehen, ob arm oder reich. Doch vor allem die Priviligierten, die der Meinung sind, ihr Reichtum könnte sie vor allem schützen, selbst der Gerechtigkeit durch die sieben Götter, müssen Buße leisten. Schnell wird klar, dass Olenna in Wahrheit über keine richtige Macht verfügt und der „High Sparrow“ für sie nicht nur unangreifbar, sondern aufgrund der hohen Anzahl seiner Gefolgschaft auch am längeren Hebel sitzt. Zwei starke Darsteller liefern sich hier eine superbe Szene, die zu der potentiellen Bedrohung durch die religiösen Fanatiker nur noch beiträgt.

Joined fates
Für die Tyrells scheint es tatsächlich bergab zu gehen und so erhofft sich Olenna zumindest im Gespräch mit Littlefinger (Aidan Gillen) ein paar gute Neuigkeiten, wobei dieser zunächst seine Rolle in den ganzen vorangegangen Ereignissen herunterspielt. Doch Olenna tut gut daran, ihn zu erinnern, dass sie gemeinsam Joffrey (Jack Gleeson) auf dem Gewissen haben und mit dem Fall der Tyrells auch Littlefinger ins Visier von Cersei geraten wird. Es ist extrem interessant mit anzusehen, wie die größten Spieler des game of thrones nun ihre Karten auf den Tisch packen müssen, wobei ihnen teilweise auch gar keine andere Wahl bleibt, um nicht als Verlierer vom Platz zu gehen. So tischt man uns mit diesem komplexen, politischen Drama schlussendlich allerfeinste Kost auf.
Es wird ersichtlich, dass Littlefinger mitverantwortlich dafür ist, dass Cersei Olyvar für ihre Zwecke gewinnen konnte und Littlefinger damit seinen indirekten Anteil an dem Schicksal von Loras (Finn Jones) und Margaery (Natalie Dormer) hat. Doch er hat auch für die „Queen of Thorns“ ein kleines Geschenk im Gepäck, das die derzeitige Situation in der königlichen Hauptstadt maßgeblich beeinflussen könnte. Und für Littlefinger selbst, der sich letztlich galant aus der Affäre ziehen kann, könnte es mit Blick auf das Ende der Episode gar keine bessere Entwicklung geben.
Beyond your control
Was folgt, ist nämlich die Quittung für Cersei (Lena Headey) und ihr hinterlistiges, egoistisches Treiben in den letzten Wochen. Zunächst muss sie ihren Sprössling Tommen (Dean-Charles Chapman) noch beruhigen, der nach der Inhaftierung seiner geliebten Margaery plötzlich doch zur Tat schreiten und diese um jeden Preis befreien will. Doch Cersei erklärt ihm, dass den Menschen manchmal Dinge widerfahren, gegen die man nicht vorgehen kann und die über einem stehen. Sie spricht aus Erfahrung, denken wir nur an den Tod ihres geliebten Erstgeborenen Joffrey, den Mord an ihrem Vater und die Trennung von Jaime sowie Myrcella. Lena Headey zeigt hier ihr ganzes Talent, denn sie kann nicht nur auf Abruf ein diabolisches Grinsen aufsetzen, sondern auch Szenen wie diese tragen, in denen ihr Schmerz als Mutter, Tochter und Geliebte absolut greifbar und nachvollziehbar ist.
Jedoch führt sie ihre Art der Bewältigung dieses Schmerzes auf einen selbstzerstörerischen Weg, der ihr die Scheuklappen aufsetzt und sie naiv handeln lässt. Ihre Entwicklung als Charakter bis zu diesem Punkt war den Serienmachern sehr gut gelungen und nun kommt es zum eigentlich Unvermeidbaren. Zu Besuch in Margaerys Zelle genießt Cersei noch ihren Triumph über ihre Konkurrentin, die wiederum genau weiß, wer Cersei wirklich ist und wie groß deren Anteil an ihrer Misere ist. Cerseis leichtes Lächeln ist grausam-köstlich und sie scheint gar nicht mehr in der Lage zu sein, es sich aus dem Gesicht zu wischen - bis zur letzten Szene dieser Episode.
What remains
Zufrieden und in bester Laune gesellt sich Cersei zum „High Sparrow“, der den Inhaftierten eine Chance auf Erlösung und Buße in Aussicht stellt, so wie ein jeder es in den Augen der Götter verdient hat. Erneut greifen die starken Dialoge von Benioff und Weiss, als das geistliche Oberhaupt eine Brandrede gegen die Eitelkeit und diejenigen hält, die ihre Sünden hinter ihren prunkvollen Gewändern und Unmengen an Reichtümern zu verstecken versuchen. Niemand ist frei von Sünde und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese freizulegen, um King's Landing von all den Verfehlungen seiner Bewohner zu säubern. Und nun fragt er sich, was er wohl bei Cersei finden wird, wenn man ihre äußere Erscheinung wegnimmt.
Der Gesichtsausdruck von Cersei ist wie festgefroren und der finstere Blick des „High Sparrow“ nagelt sie förmlich an die Wand. Wir werden Zeugen eines großartigen Mienenspiels von Headey und Pryce, als plötzlich Lancel (Eugene Simon) hinzugerufen wird und Cersei die Flucht ergreifen will. Hier kommt der nächste Trumpf von Littlefinger, der von Olenna ausgespielt wurde und Cersei in Teufels Küche bringen wird. Mit ihrem Cousin führte sie einst eine inzestuöse Liebesbeziehung, die Cersei nun zum Verhängnis wird. Die meisten hatten eine solche Entwicklung sicherlich bereits erwartet. Nun darf man äußerst gespannt sein, wie sich das Machtverhältnis in King's Landing in den nächsten Episoden darstellen und was Cersei erwarten wird. So viel Kritik man auch an dieser Episode üben kann, der Paukenschlag zum Ende sitzt einfach und stimmt äußerst vielversprechend.

Fazit
Auch wenn ich aufgrund einiger spannender Enwicklungen in The Gift (so zum Beispiel in Meereen oder in King's Landing) mit großer Vorfreude den kommenden Episoden entgegenblicke, lassen sich in dieser Folge auch einige Schwächen finden, die vermeidbar gewesen wären. Dorne macht zunächst einen besseren Eindruck als noch in den Episoden zuvor, jedoch schlägt die Handlung dort dann eine eigenartige Richtung ein und verharrt auf der Stelle. Auch in Winterfell müssen die Macher aufpassen, dass sie sich irgendwann nicht unnötig wiederholen und uns in nächster Zeit weitere schreckliche Momentaufnahmen zeigen werden, die letztlich nicht viel zur eigentlichen Handlung beitragen.
Positiv sind in „The Gift“ jedoch die starken Dialoge und Darbietungen der Schauspieler und Schauspielerinnen. Hier fallen automatisch die Darsteller auf, die in King's Landing in Erscheinung treten, doch eigentlich überzeugt die Besetzung durch die Bank, ob nun in Westeros oder Essos. Erneut sehr gut ist die fabelhafte Beleuchtung sowie der wunderschöne Einsatz von Licht in vielen einzelnen Szenen, wobei die Inszenierung durch Neuling Miguel Sapochnik im Großen und Ganzen nicht sehr spektakulär ist. Dafür besticht der Regisseur jedoch mit einer ruhigen Hand, die sowohl in den Dialogszenen als auch einigen Kampfsituationen gut zum Einsatz kommt. Nun heißt es jedoch wieder etwas Tempo aufzunehmen, bleiben uns doch nur noch wenige Episoden bis zum Staffelfinale.
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 25. Mai 2015Game of Thrones 5x07 Trailer
(Game of Thrones 5x07)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 5x07
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