Game of Thrones 5x06

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Nach der Sichtung von Unbowed, Unbent, Unbroken weiß man zunächst nicht wirklich, wo man anfangen soll. Die sechste Episode der fünften Staffel von Game of Thrones ist erneut ein Fest für die Augen. Sie hat darüber hinaus zahlreiche ausgezeichnete Einzelaufnahmen zu bieten, in denen die verschiedenen Figuren interagieren oder die jeweiligen Handlungsstränge einen gewaltigen Schritt vorwärts machen. Und selbst wenn wenige Szene ein paar Fragen aufwerfen und durchaus kritisch beäugt werden können, stimmt hier letztendlich das Gesamtpaket. Der immensen emotionalen Wucht der Episode kann sich wohl niemand entziehen.
Das Lob gilt an dieser Stelle erneut Regisseur Jeremy Podeswa und Drehbuchautor Bryan Cogman, die bereits in Kill the Boy ein formidables Kreativduo bildeten. „Unbowed, Unbent, Unbroken“ fühlt sich nun zeitweise wie der zweite Teil dieses beeindruckenden Double Features zur Halbzeit der aktuellen Staffel an. Die tadellose Zusammenarbeit von Cogman und Podeswa bringt somit tolle Charaktermomente, ein unglaublich ruhiges, gleichzeitig aber extrem packendes Erzähltempo sowie eine sehr stimmungsvolle Inszenierung mit sich.
Playing the game
Nicht nur, dass wir in „Unbowed, Unbent, Unbroken“ zu einigen Handlungsorten zurückkehren, die letzte Woche (oder sogar schon länger) ausgesetzt haben. Es werden auch Ereignisse aus der vorangegangenen Episode aufgegriffen und sehenswert weitergesponnen. So umgeht man gekonnt einen Spannungsabfall und setzt mancherorts mit hochinteressanten Entwicklungen sogar noch einen drauf. Dabei ist es jedoch erstaunlich, mit welcher Seelenruhe man hier vorgeht und sich viel Zeit für Charaktere und Handlung nimmt. Das Ergebnis: eine unvergleichliche atmosphärische Dichte, die einen gebannt die Geschehnisse verfolgen lässt.
Exemplarisch für diese Stärke von „Unbowed, Unbent, Unbroken“ steht gleich von Beginn an der Handlungsstrang um Arya (Maisie Williams) im „House of Black and White“ in Braavos. Hier wird zunächst ganz auf Dialoge verzichtet, während wir Arya dabei beobachten, wie sie ein paar Verstorbene reinigt, die dann in die Tiefen des Gemäuers gebracht werden. Die bisherigen Szenen im „House of Black and White“ lebten vor allem von der dort etablierten Atmosphäre - und auch hier kommt diese voll zum Tragen.

A girl lies
Seit Wochen kümmert sich Arya dort nun schon um diejenigen, welche in dem Gebäude dahingeschieden sind. Und langsam merkt man der eigenwilligen jungen Dame an, dass sie es satt hat. Niemand gibt ihr Antworten, vielmehr wird mit ihr gespielt. Ob es nun The Waif (Faye Marsay) ist, die Arya gewieft an der Nase herumführt, oder auch Jaqen H'ghar (Tom Wlaschiha), der sie einfach noch nicht so weit sieht, dass er sie wirklich unter seine Fittiche und die des Many-Faced God nehmen kann. Arya muss sich dafür von ihrer Identität lossagen, sich von ihren alten Rachegedanken verabschieden und mit sich selbst ins Reine kommen - eine Aufgabe, die sie nur mit Mühe bewältigen kann, wurde sie doch in der Vergangenheit stets von ihrer Emotionalität geleitet.
Lügen gehört definitiv nicht zu ihren Stärken, wie ihr von The Waif (exzellent auf diesem Gebiet) sowie Jaqen schmerzvoll vor Augen geführt wird. Interessant hierbei ist die Erwähnung des Hound (Rory McCann), den Arya nach eigener Aussage bis aufs Blut gehasst hat, was Jaqen jedoch als Lüge entlarvt. So sehr Arya sich nach außen hin immer voller Hass gegenüber dem Hound gezeigt hatte, sie nahm sich schnell ein Beispiel an dessen Pragmatismus und realistischen Blick auf seine Umwelt. Aus diesem Grund entwickelte sie auch einen weitaus kühleren und nihilistischen Charakter, frei von sentimentalen Empfindungen. Und genau diese Züge benötigt sie jetzt, um Jaqen davon zu überzeugen, dass sie am richtigen Ort ist. Eine sehr gelungene Referenz zu Aryas gemeinsamen Handlungsbogen mit dem Hound, wodurch man staffelübergreifend einen Bogen spannt und man als Zuschauer noch einmal geschickt die Charakterentwicklung Aryas vor Augen geführt bekommt.
Faces
Arya folgt dann auch ihrem einst eingeschlagenen Weg, als sie in einer weiteren Szene, ohne eine Miene zu verziehen, ein todkrankes Mädchen belügt, das von ihrem Vater ins „House of Black and White“ gebracht wurde, um dort Erlösung von ihrem Leid zu erfahren. Für Jaqen ist dies das Zeichen, dass Arya zumindest einen ersten Schritt in die von ihm geforderte Richtung getan hat - so kaltherzig man ihr Handeln auch finden mag. Es geht nun tiefer in das Gebäude, und so finden wir uns vor einer gespenstischen Kulisse wieder, wo mehrere gewaltigen Säulen emporragen, in denen Gesichter von Menschen untergebracht sind.
Hier bekommen die Faceless Men ihre Antlitze her, von den Toten, die im oberen Teil des Hause gereinigt und präpariert werden. Die stimmungsvolle Szenerie macht einen gewaltigen Eindruck, doch Arya ist alles andere als erschrocken. Sie mag zwar noch lange nicht so weit sein, zu den Faceless Men aufzusteigen, doch Jaqen verspricht ihr zumindest eine neue Identität. Es handelt sich hier um eine hochspannende Entwicklung, die im Großen und Ganzen der Buchvorlage entnommen wurde und selbst Kenner der literarischen Vorlage erwartungsvoll stimmen wird. Der geheimnisvolle Handlungsstrang von Arya - die, nebenbei bemerkt, gewohnt stark von Maisie Williams porträtiert wird - nimmt neue Fahrt auf und macht sogleich Lust auf mehr.
Keep moving
Diese beiden Aspekte treffen ebenfalls auf einen weiteren Handlungsbogen in Essos zu: der Geschichte um Tyrion (Peter Dinklage) und Jorah (Iain Glen). Langsam, aber sicher tauen die beiden Figuren in ihrem Zusammenspiel auf, weshalb wir auch gleich ein paar schöne Dialoge zwischen den beiden serviert bekommen. Nach dem nervenaufreibenden Kampf mit den Stone Men von Valyria beäugt Jorah nun besorgt die ersten Anzeichen von Greyscale auf seiner Haut, während Tyrion vor einer malerischen Kulisse mit seinen Gedanken vor allem bei dem Thema Verpflegung ist. Die Dynamik dieser beiden Charaktere fabriziert einige Schmunzler. Dinklage und Glen funktionieren einfach als ungleiches Paar, denn beide verbindet eine komplizierte Beziehung zu ihren Vätern.
Tyrion hat seinen bekanntermaßen auf dem Gewissen, und Jorah wurde aufgrund seines Treibens als Sklavenhändler einst von Jeor Mormont (James Cosmo) aus der Familie verstoßen. Dass er aber jetzt erst erfährt, dass sein Vater tot ist, berührt ihn dennoch, wie man seinem verzogenen Gesicht entnehmen kann. Generell ist es ein gutes Element in dieser Episode, dass viele Charaktere nun auf den Stand der Dinge gebracht werden, verschiedene Welten kollidieren und dadurch auch ein Austausch von Informationen stattfindet, der schön aufzeigt, wie die einzelnen Handlungsorte miteinander verbunden sind und dass doch beachtliche Distanzen zwischen diesen liegen. Und weshalb es viele Neuigkeiten noch nicht in die verschiedensten Winkel dieser Welt geschafft haben.

My worth
Gleichzeitig wird anhand des Gesprächs zwischen Tyrion und Jorah über Jeor Mormont auch ein wenig auf den in dieser Episode aussetzenden Handlungsstrang um Jon Snow (Kit Harington) an der Wall angespielt. Dieser ist kürzlich zum Lord Commander der Night's Watch aufgestiegen, was sein Leben nicht gerade einfacher und vor allem gefährlicher macht. Jeor Mormont fungiert dabei schon fast als eine Art Mahnmal und Erinnerung für uns Zuschauer, wie gefährlich die verantwortungsvolle Position des Lord Commander sein kann - selbst in den eigenen Reihen. Geschickt verwebt man hier weit voneinander entfernte Handlungsbögen, ohne dass diese direkt gezeigt werden. Was wiederum auch auf die Ereignisse in Meereen um Daenerys (Emilia Clarke) zutrifft. Erneut wird klar, wie viel Jorah die Mother of Dragons bedeutet und dass er in ihr die Heilsbringerin schlechthin sieht. Tyrion bleibt jedoch skeptisch, gerade wegen der Unerfahrenheit Daenerys', die er aufgrund ihrer Abstammung (Münzwurf-Targaryen) nicht einzuschätzen vermag.
Nachdem Tyrion und Jorah dann von einer Bande Sklavenhändler gefangen genommen werden, sieht es zunächst düster für Tyrion (und sein bestes Stück) aus, doch der smarte Kleinwüchsige weiß sich mit seinem Scharfsinn und seiner Eloquenz aus der Bredouille zu befreien. Wie ein Herold preist er den Kampfgeist Jorahs an, der wie gemacht für die wiedereröffneten Kampfarenen in Meereen ist, von denen die beiden gerade erst von dem bulligen Anführer ( Adewale Akinnuoye-Agbaje) der Sklaventreiber erfahren haben. So kommt das Duo nun doch auf den Weg nach Meereen, wobei es ein wenig verwundert, dass sich die Sklavenhändler recht schnell von Tyrions Silberzunge umstimmen lassen. Aber gut, mit gut ausgebildeten Sklavenkämpfern wie Jorah lasst sich bare Münze verdienen, und das nicht zu knapp. Er und Tyrion kommen Daenerys erneut ein kleines Stückchen näher, auch wenn die Distanz zu ihr weiterhin groß genug bleibt. Zusätzlich bekommen wir wundervolle Landschaftsaufnahmen zu sehen und ein paar flotte Dialoge zu hören, die die Folge aufwerten.
Lovely couple
Wo wir gerade bei den zahlreichen visuellen Leckerbissen von Unbowed, Unbent, Unbroken sind, darf natürlich der Blick auf Dorne und die Water Gardens nicht fehlen. Inmitten des oasenartigen Herrschaftssitzes der Martells (die eigentliche Hauptstadt Sunspear wird wohl keine Rolle mehr spielen) erhaschen wir zunächst einen Blick auf das junge Liebespaar Myrcella (Nell Tiger Free) und Trystane (Toby Sebastian). Letzterer ist ganz vernarrt in seine Versprochene, während Vater Doran (Alexander Siddig) aus sicherer Entfernung die beiden beobachtet. Deren Vermählungen wäre ein mächtiges Zeichen, gleichzeitig lauern unzählige Gefahren auf die beiden, weshalb sie Schutz benötigen.
Bei dem Wort „Gefahr“ erfolgt der passende Schnitt zu Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn), die Myrcella um jeden Preis befreien wollen. Zwar hat die junge Prinzessin nichts von ihrem Onkel (beziehungsweise Vater) zu befürchten, doch dessen Eingreifen könnte Dorans undurchsichtige Pläne mit ihr torpedieren, weshalb der Herrscher über Dorne auf der Hut ist. Die Region im Süden von Westeros hatte ich mir - wie so oft zuvor geschriebenen - weitaus sandiger und trockener vorgestellt. Jedoch habe ich mich mit dem eher grünen Küstengebiet Dornes arrangiert, weil es eben auch exzellent aussieht und eine sehenswerte Kulisse darstellt. Außerdem ist es auch nachvollziehbar, dass es an der Küste nicht so brütend heiß ist wie im Landesinneren, wo wüstenähnliche Verhältnisse vorherrschen.
Blend in
Etwas überraschend kommt dann jedoch die flotte Einkehr Jaimes und Bronns - getarnt als Dornische Kavallerie - in die Water Gardens. Unbeschwert dringen sie zu Myrcella vor, die sichtlich überrascht von dem Besuch ihres Onkels ist. Der übermütige Trystane ist dann noch schnell von einem herrlich aufgelegten Bronn ausgeknockt, welcher bereits zuvor beschwingt das Volkslied The Dornishman's Wife trällert und somit für ein wenig Auflockerung sorgt. Der Übergang von diesen eher nonchalanten Szenen zu einer sehr actionreichen Sequenz gelingt dann ebenfalls gut, denn wir bekommen die Sand Snakes zum ersten Mal in Aktion zu sehen.
Die Bastardtöchter von Oberyn (Pedro Pascal), die von Ellaria (Indira Varma) nun für ihre Zwecke gewonnen werden konnten, sorgten mit ihrem ersten Eindruck in The Sons of the Harpy bei vielen Zuschauer ja für eher wenig Begeisterung. Auch hier bleiben sie charakterlich eher blass, mit leichten Abstrichen bei Oberyn-Double Obara (Keisha Castle-Hughes). Dafür präsentieren sie sich aber formidabel im Kampf mit Jaime und Bronn. Man bekommt eine gewisse Vorstellung von den verschiedenen Kampfstilen, die hier zum Einsatz kommen. Bronn und Jaime müssen gehörig aufpassen, dass sie nicht unter die Räder kommen. Von den Schauwerten gefällt mir diese Szene sehr gut, jedoch tue ich mich noch mit den Charakteren der Sand Snakes schwer, die von ihren drei Darstellerinnen einfach nicht richtig Leben eingehaucht bekommen, trotz kleinerer Lichtblicke.

Something stupid
Das bunte Treiben hat dann ein jähes Ende, als Hüne Areo Hotah (Deobia Oparei) mit ein paar Soldaten auf den Tisch haut und die Beteiligten abführen lässt. Zunächst treu ihrem Hausmotto „Unbowed. Unbent. Unbroken“ haben Ellaria und die Sand Snakes sich zur Wehr gesetzt, geben nun jedoch klein bei. Und auch Jaime und Bronn werden in Gewahrsam genommen, wobei Bronn sich einen frechen Kommentar gegenüber Tyene (Rosabell Laurenti Sellers) nicht verkneifen kann. Doch die Sorge um den lässigen Söldner schnellt in die Höhe, wurde er doch von Tyenes Dolchen leicht erwischt. Es ist davon auszugehen, dass diese Waffen wie Vater Oberys Speer mit Gift präpariert sind. Von daher glaube ich, dass Bronn eine unschöne Zeit bevorsteht, insbesondere, weil die Aufnahme seiner kleinen Schnittverletzung einfach zu verräterisch ist.
Jaime muss nun wohl diplomatischer vorgehen als geplant. Und mit Doran Martell könnte er auf keinen größeren Taktiker treffen. Zugegeben, Dorne gefällt mir aufgrund der bislang noch recht substanzlosen Charaktere eher weniger. Dafür genieße ich jedoch die „Ausflüge“ in diese neue Welt von Westeros, da sie keine unwichtige Funktion für Jaimes Geschichte erfüllt und die Erwartungen an die neuen Figuren bei mir weiter hoch bleiben. Clever ist darüber hinaus die wunderbare thematische Verbindung einzelner Handlungsstränge, was auch der mehrdeutige Episodentitel zeigt. Doch dazu gleich mehr.
Step carefully
Denn bevor es zu dem verstörendsten Teil der Episode geht, darf der Zwischenhalt in King's Landing nicht fehlen, der sich als wahre Goldgrube herausstellt - sowohl auf charakterlicher Ebene als auch mit Blick auf die weitere Entwicklung der Staffel. Zu Beginn kehrt Littlefinger (Aidan Gillen) in die Stadt zurück und wird sogleich von Lancel (Eugene Simon) und ein paar Sparrows aufgehalten. Die Situation wirkt durchaus bedrohlich. Doch Littlefinger lässt sich nichts anmerken und spielt die Angelegenheit gekonnt herunter. Und das ist gerade mal der Anfang von Baelishs fantastischem Auftritt sowie Aidan Gillens wunderbarer Darbietung in dieser Episode.
Im folgenden Gespräch mit Cersei (Lena Headey) wird nämlich ersichtlich, dass Littlefinger das „game of thrones“ wie kein Zweiter beherrscht und derartig perfide Pläne schmiedet, dass jedem Hobby-Intriganten das Herz aufgeht. Zwischen ihm und Cersei kommt es erst zu einem exquisiten Wortgefecht, in dem jeder ein paar Spitzen über den anderen fallen lässt. Doch dann geht es ans Eingemachte, denn Baelish berichtet davon, dass er Sansa Stark (Sophie Turner) gefunden hat, die bei den Boltons in Winterfell in Sicherheit ist und dort mit Rooses (Michael McElhatton) Sohn Ramsay (Iwan Rheon) vermählt werden soll, wodurch sich der derzeitige Warden of the North in eine prächtige Machtposition bugsieren würde. Littlefinger dreht die gesamte Geschichte zu seinen Gunsten, schwört die Treue gegenüber der Krone und holt sich darüber hinaus die Legitimation Cerseis, im Norden nach dem Kampf zwischen Stannis (Stephen Dillane) und den Boltons einzugreifen, die Scherben aufzulesen und selbst zum Warden of the North aufzusteigen.
Turncloak
Es sind teuflische Gedankenspiele wie diese, die die Figur des Petyr Baelish so reizvoll und gefährlich machen. Er ist sich stets selbst der Nächste und weiß Cerseis Schwächen, die wenig später abermals deutlich werden, perfekt auszunutzen. Vor lauter Paranoia ist Cersei blind für eine der größten Bedrohungen für die Macht ihres Sohnes: Littlefinger selbst. Cerseis Naivität überrascht kaum, da sie in letzter Zeit eh sehr kurzsichtige Entscheidungen getroffen hat, die jedweder Rationalität entbehrten. Ohne ihren Vater fehlt eine leitende Hand, sie lässt sich von persönlichen Feldzügen ablenken und büßt so mehr und mehr ihrer Macht ein - auch wenn sie sich in Unbowed, Unbent, Unbroken bisweilen auf der Siegerstraße wähnt.
Dies liegt vor allem an der erfolgreichen Verurteilung von Loras (Finn Jones) und sogar Margaery (Natalie Dormer) zu einer Gerichtsverhandlung, die über das Wohl und Wehe dieser beiden Sünder entscheiden soll. Da kann selbst die Queen of Thorns (Diana Rigg, gewohnt großartig) nicht mehr viel ausrichten, die vergebens den Diskurs mit Cersei sucht. Es ist eine Freude, Lena Headey und Diana Rigg in ihrer gemeinsamen Szene zu beobachten, Erstere mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, dass nur ganz leicht durchscheint, und Letztere mit einer Besorgnis in ihrem Gesichtsausdruck, den man von der sonst so selbstsicheren Olenna Tyrell nicht erwartet hätte. Doch Löwenmutter Cersei hat den wunden Punkt ihrer ungeliebten Alliierten ausgemacht und genießt jetzt jede Sekunde der Befragung von Loras durch den rechtschaffenden High Sparrow (Jonathan Pryce), mitsamt Oscar-reifer Darbietung, ist Cersei doch selbst ganz erschüttert von den Vorwürfen gegenüber ihren Ehegatten in spe.

Lies
Cerseis Plan kommt zu seiner vollen Entfaltung, Loras Liebhaber Olyvar (Will Tudor) belastet den Erben von Highgarden schwer, und auch Margaery wird festgenommen, hat sie doch vor den Augen der Götter die Unwahrheit von sich gegeben. Machtlos und fast schon bemitleidenswert schaut der kleine Tommen (Dean-Charles Chapman) seiner Frau hinterher, während Cersei innerlich Jubelsprünge vollführt und die Blicke Olennas spielend leicht wegsteckt. Der Kleinkrieg in King's Landing hat abermals ein neues Level erreicht. Cersei fühlt sich wohl so gut wie selten in letzter Zeit. Doch ihr Handeln in der fünften Staffel schreit geradezu danach, dass sie früher oder später für ihr irrationales Verhalten abgestraft werden muss. Die Sparrows werden in vielen Szenen in King's Landing bewusst in der Überzahl gezeigt, in den Fanatikern schlummert eine mächtige Gefahr mit einem kühlen Kopf an ihrer Spitze, der man nicht so einfach wieder Herr werden kann. Und ob die Queen of Thorns die Füße still halten wird, darf sehr stark bezweifelt wird. In der Hauptstadt brodelt es.
This is my home
Wie bereits auf Seite 3 erwähnt, lassen sich in Unbowed, Unbent, Unbroken ein paar sehr gelungene Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen finden, was Drehbuchautor Bryan Cogman auch in Kill the Boy ganz vorzüglich hinbekommen hatte. Erneut gibt es ein paar ambivalente Spielereien mit dem Episodentitel, der hier unmissverständlich auf Dorne und die Aufmüpfigkeit der Sand Snakes und Ellarias verweist. Doch auf den zweiten Blick sehen wir auch die Parallele zu Aryas Handlungsbogen, die auch nie nachgegeben hat und stets beharrlich ihren Weg verfolgt hatte. Um letztlich doch ihr großes Ziel der Rache zu erreichen, knickt aber auch sie jetzt ein und fügt sich ihrem neuen Schicksal im „House of Black and White“.
Die aber wohl deutlichste Parallele wird jedoch zu Sansa und den Ereignisse um ihre Figur gezogen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Wie ihre kleine Schwester gibt auch sie nach langem Kampf jetzt in gewisser Weise nach, um auf lange Sicht Vergeltung üben zu können. Den Preis, den sie dafür bezahlt, ist jedoch viel zu hoch und lässt einen sich entsetzt vom Bildschirm abwenden. Gleich die ersten Szenen in Winterfell sorgen für eine furchtbare Anspannung, wobei sich Sansa gegenüber Myranda (Charlotte Hope) noch stark behaupten kann. Diese will Ramsays baldiger Ehefrau gehörig Angst einjagen, doch die Stark-Tochter präsentiert sich überragend und ohne Furcht - trotz ihrer symbolischen Verwundbarkeit, sitzt sie doch nackt vor Myranda in der Badewanne.
A bad way to start
Für die weniger prunk-, aber ungemein stimmungsvolle Hochzeit von Ramsay und Sansa zaubern die Ausstatter im Produktionsteam von Game of Thrones dann ein paar herrliche Kostüme hervor, die vor allem farblich eine deutliche Sprache sprechen: Die in blütenweiß gekleidete Sansa wird von dem hergerichteten Theon (Alfie Allen) Ramsay im pechschwarzen Zwirn übergeben - ein Symbolbild, das keiner Erklärung bedarf. Doch der große Schockmoment kommt erst zum Ende, als der nach außen hin zuvorkommende Ramsay seine häßliche Fratze zeigt und seine neue Ehefrau Sansa brutal vergewaltigt. Die Bilder dazu erspart man uns glücklicherweise, doch Theons (der von Ramsay dazu verordnet wird, seiner Hochzeitsnacht beizuwohnen) schmerzerfülltes, betroffenes Gesicht genügt vollends, um diese scheußliche Szene vor unserem geistigen Auge bildlich zu machen - ob wir es nun wollen oder nicht.
Es handelt sich hierbei um eine deutliche Änderung im Vergleich zu der Buchvorlage und eine weitere verstörende Szene in der Geschichte von „Game of Thrones“, die uns mit Ekel erfüllt. Dramaturgisch und mit Blick auf Ramsays hassenswerten Charakter war eine solche Szene jedoch zu erwarten. Sie stellt womöglich den Wendepunkt für Theon dar, vor dessen Augen Sansa gedemütigt wird, gegen seinen Unterdrücker vorzugehen und Sansa eventuell zu helfen. Sansas Schicksal in den Händen Ramsays war leider Gottes so oder so ähnlich zu erwarten. Nun erhoffe ich mir eine Reaktion ihrerseits, ist sie doch trotz dieser Gräueltat stärker als jemals zuvor. Die Handlung in Winterfell erreicht ebenfalls einen neuen Punkt, wobei die Verwerflichkeit dieses Schlussaktes nicht zu bestreiten ist. Man entlässt uns mit einer äußerst unangenehmen Schocker, jedoch gleichzeitig mit neuer Hoffnung in Sansa, die ihren Missbrauch hoffentlich verarbeiten, dem schrecklich Ramsay Einhalt gebieten und ihre Rache bekommen wird.

Fazit
Bryan Cogman und Jeremy Podeswa enden die Episode Unbowed, Unbent, Unbroken auf einer sehr bedrückenden Note, die exemplarisch dafür steht, wie schwer die Zeiten in Westeros sind, die mit Kill the Boy und dieser Folge nun angebrochen sind. Beide Episoden zusammen funktionieren nahezu perfekt, und so gibt es nur wenige Schwachpunkte in der starken Erzählung, die uns zahlreiche neue Entwicklungen beschert. Stillstand ist ein Fremdwort für Cogman, und so treibt er mit einem erneut sehr überzeugenden Drehbuch gleich mehrere Handlungsstränge spannend voran. Dabei verliert er jedoch nie die Ruhe, was auch für Regisseur Jeremy Podeswa gilt, der uns wundervolle Aufnahmen von Landschaften und Räumlichkeiten sowie gefühlvolle, atmosphärische Augenblicke präsentiert.
Einzig Dorne beziehungsweise einige der dort auftretenden Charaktere sagen mir (noch) nicht ganz zu, ansonsten bin ich abermals voll des Lobes für diese hervorragende sechste Episode der fünften Staffel von Game of Thrones, die zusammen mit „Kill the Boy“ das bisherige Prunkstück der aktuellen Staffel darstellt. Die Darbietung der Darsteller sowie Darstellerinnen sind durch die Bank sehenswert und die umfassenden Machtspiele unter den Charakteren fesseln. Die zweite Hälfte der fünften Staffel legt plötzlich ein Tempo hin, das uns kaum eine Atempause lässt.
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 18. Mai 2015Game of Thrones 5x06 Trailer
(Game of Thrones 5x06)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 5x06
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