Game of Thrones 5x05

Game of Thrones 5x05

Kill the Boy verzichtet auf gleich mehrere hochinteressante Handlungsstränge aus den letzten Wochen und schafft es dennoch, ein extrem atmosphärisches und spannendes Gesamtpaket abzuliefern, in dem wir an vielen Fronten große Fortschritte machen.

Kit Harington als Jon Snow in der „Game of Thrones“-Episode „Kill the Boy“. / (c) HBO
Kit Harington als Jon Snow in der „Game of Thrones“-Episode „Kill the Boy“. / (c) HBO
© (c) HBO

So viel sei zu Beginn verraten: Hätten wir in Kill the Boy auch nur eine Szene aus King's Landing um Cersei (Lena Headey) und Margaery (Natalie Dormer), aus Braavos um Arya (Maisie Williams) oder aus Dorne um Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn) zu sehen bekommen, hätte ich nicht lange gezögert, die fünfte Episode der fünften Staffel von Game of Thrones mit der höchstmöglichen Wertung zu versehen. Da jedoch die oben genannten Figuren diese Woche aussetzen, geht „Kill the Boy“ vielleicht das Quäntchen Exzellenz verloren, das zum Beispiel eine Lena Headey mit ihrem starken Schauspiel herauskitzeln kann.

Doch wie immer handelt es sich hier um Jammern auf ganz hohem Niveau. Denn auch wenn in „Kill the Boy“ vermeintliche Nebencharaktere etwas mehr ins Rampenlicht gerückt werden, präsentieren sie sich im Vergleich mit anderen Fernsehproduktionen überdurchschnittlich gut und treiben die Handlung weiter voran. Dies ist in der Tat die eine große Stärke der Episode: Gleich in mehreren Handlungssträngen machen wir interessante Fortschritte, die in den Augen einiger Zuschauer eventuell schon längst fällig waren. Dazu verwöhnt uns Drehbuchautor Bryan Cogman mit einigen starken Dialogen, und in Zusammenarbeit mit „Game of Thrones“-Neuling Jeremy Podeswa (Boardwalk Empire, Six Feet Under) auf dem Regiestuhl werden wunderbare Szenenübergänge geschaffen, die wir (wie die runden Dialoge) in der vorangegangenen Episode ein wenig vermissten.

Not alone

Cogmans Erfahrung als Drehbuchautor und Koproduzent macht sich gleich mehrfach bezahlbar. Es ist erstaunlich, wie viel er aus Charakteren herausbekommt, die normalerweise in der zweiten Reihe stehen und nicht so prominent wie die arrivierten Hauptdarsteller in Erscheinung treten. So kann das Fehlen der großen Namen spielend leicht kompensiert werden. Der Fokus wird nun mal auf ganz andere Figuren als üblich gelenkt, die wiederum den Nachweis bringen, dass sie nicht minder interessant sind als die Großen von Westeros. Das ist durchaus erfrischend.

Nehmen wir zum Beispiel die Handlung um Sansa (Sophie Turner) in Winterfell, das nun unter der Kontrolle von Roose Bolton (Michael McElhatton) und seinem legimitierten Bastardsohn Ramsay (Iwan Rheon) steht. Nach vielen Andeutungen in den letzten Episoden verbringen wir nun keinen unwesentlichen Teil an diesem Handlungsort, wo sich einige sehr spezielle Charaktere die Klinke in die Hand geben und dem Zuschauer teilweise ein sehr ungutes Gefühl mit auf dem Weg geben. Während Brienne (Gwendoline Christie) und Podrick (Daniel Portman) in der Nähe von Winterfell Unterkunft bezogen haben und Brienne einen Plan schmiedet, wie sie Sansa eine Nachricht zukommen und letztendlich retten kann, ist die Stark-Tochter in ihrem Geburtsort nun völlig auf sich allein gestellt. Doch während die frühere Sansa nach nur wenigen Minuten zusammengebrochen wäre, präsentiert sich die neue Sansa Stark von ihrer stärksten Seite und beeindruckt vor allem durch Contenance und geschickte Beobachtungsgabe.

Ramsay Bolton (Iwan Rheon) und Sansa Stark (Sophie Turner) in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO
Ramsay Bolton (Iwan Rheon) und Sansa Stark (Sophie Turner) in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO

A strange place

Dies sind auch die einzigen Waffen, auf die Sansa zurückgreifen kann, um sich auf lange Sicht gegen Ekel Ramsay durchzusetzen. Die Szene mit ihm und seiner Geliebten Myranda (Charlotte Hope) (klassische „Game of Thrones“-Sexposition) verdeutlicht uns mal wieder, was für eine Psychopath er wirklich ist. Obwohl es diesen Moment gar nicht gebraucht hätte, da uns dies schon lange bekannt ist. Weitaus interessanter ist in dieser Szene seine ähnlich psychopathische Gespielin, die eindeutig von der Eifersucht gepackt und mit den Gedanken offensichtlich bei ihrer neuen „Konkurrentin“ Sansa ist, die ihr die Hochzeit mit Ramsay streitig gemacht hat.

Bereits sehr früh in diesem Handlungsstrang baut sich eine extrem unangenehme Spannung auf, die wenig später dann noch getoppt wird, als Sansa das erste Mal auf Myranda trifft. Vor dem Turm - wo Sansa im Notfall ein Hilfesignal positionieren kann, so zumindest eine alte Magd -, aus dem einst Bran (Isaac Hempstead-Wright) von Jaime gestoßen wurde - ganz nebenbei eine wunderbare Erinnerung daran, wie der ganze Schlamassel für die Starks begann. Myranda, die wie Ramsay ganz hervorragend eine trügerische Fassade aufsetzen kann, gibt sich äußerst freundlich und verständnisvoll Sansa gegenüber, doch diese lässt clevererweise Vorsicht walten. Myrandas Ziel ist klar: Sansa zermürben, auch wenn sie sie nicht direkt angreifen kann. Doch es gibt ja Mittel und Wege...

Tense

Einer davon führt Sansa in den Hundezwinger von Winterfell, wo ihr Myranda eine große Überraschung verspricht. Die Spannung steigt weiter an, die bedrohliche Kulisse beunruhigt nicht nur Sansa, sondern auch uns Zuschauer. Am Endes des Ganges wartet jedoch keine bellende Bestie auf Sansa, sondern der heruntergekommene Theon beziehungsweise Reek (Alfie Allen), der bei den Jagdhunden von Ramsay untergebracht ist. Zuvor hatte Reek noch versucht, Sansa aus dem Weg zu gehen, angesichts der Tatsache, dass er für den Fall von Winterfell verantwortlich war und Sansa glaubt, er habe ihre Brüder Bran und Rickon getötet. Dies entspricht zwar nicht der Wahrheit, jedoch kann es Reek nicht abstreiten, da er sonst von Ramsay bestraft werden würde. Sansas zornerfüllter Blick ist ein Bild für sich, Darstellerin Sophie Turner vermag es, so viel Wut und Verachtung auszudrücken, dass man beinahe schon mit Reek mitfühlen könnte.

Es ist ein erster harter Schlag für Sansa in ihrer alten neuen Heimat - und der nächste lässt nicht lange auf sich warten. Beim Essen mit Ramsay, Roose und dessen Frau Walda (Elizabeth Webster) lässt der einstige Bastard zahlreiche Spitzen gegen seine Versprochene fallen, während er gleichzeitig Reek - den er zuvor sehr gütig behandelt, um nach außen hin einen ordentlichen Eindruck zu machen - gar keine andere Wahl lässt, als sich noch mehr von Sansas Hass auf sich zu ziehen. So soll dieser nämlich Sansa zum Altar führen, wenn sie Ramsay heiraten wird, da er in gewisser Weise ja ihr letzter Verwandter ist. Diese Szene steht unter anderem exemplarisch für die wieder verbesserte Dialogarbeit. Aber auch Iwan Rheon - trotz seines Hangs, es beinahe immer wieder auf die Spitze zu treiben - trägt seinen Teil dazu bei, dass man sich als Beobachter ähnlich unwohl wie Sansa fühlt, die so gut wie möglich die Fassung zu bewahren versucht.

My son

Doch das Grinsen in Ramsays Gesicht ist sofort weggewischt, als Vater Roose eine weitere freudige Botschaft zu vermelden hat. Denn Walda ist schwanger und erwartet allem Anschein nach einen Jungen - eine Nachricht, die Ramsay gar nicht schmeckt, was Sansa sofort registriert und sicherlich im Hinterkopf behalten wird. Durch die Geburt eines rechtmäßigen Erben könnte er seine Position eventuell wieder einbüßen, auch wenn er per königlichen Dekret zu einem vollwertigen Bolton gemacht wurde. Roose zeigt im Gespräch mit Ramsay sogleich, woher sein Sohn seinen finsteren Charakter hat. Dabei schwingt in Rooses Stimme immer etwas Subtiles mit, zum Beispiel, dass er sich durchaus bewusst ist, dass sein Sohn Domeric, welcher nach Ramsays Aussage einst tödlich erkrankte, nicht unter natürlichen Umständen ums Leben kam. Diese kleine Nebeninformation ist Buchlesern bekannt und wurde von den Darstellern in dem Promovideo Bastards of Westeros deutlich angesprochen.

Auch Roose genießt es, seine Gegenüber zappeln zu lassen, und auch er verbirgt einen ruchlosen Charakter hinter einer Fassade, wie die Geschichte von Ramsays leiblicher Mutter, die er vergewaltigt hatte, zeigt. Ihren Mann, ein einfacher Müller, ließ er hängen, weil er Roose als seinen Lehnsherr nicht davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass er heiraten würde. Der Dialog ist fast identisch in der Buchvorlage zu finden und stellt einen Verweis auf den alten Brauch der First Night dar - das Recht des Herrschenden, mit der Braut des Untertan vor deren beider Hochzeit Geschlechtsverkehr haben zu dürfen. Doch so sehr Roose Ramsay auch provoziert, dessen Position als sein Sohn und Erbe ist nicht in Gefahr, das versichert er ihm. Zwietracht kann er nicht gebrauchen, insbesondere weil Stannis (Stephen Dillane) auf dem Vormarsch ist und sie ihn gemeinsam abwehren müssen.

Maester Aemon (Peter Vaughan) und Sam (David Bradley) in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO
Maester Aemon (Peter Vaughan) und Sam (David Bradley) in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO

Let the man be born

Die feinen Dialoge werden hier in bester Manier dargeboten, zeitgleich bleibt die Erwartungshaltung ob Sansas Schicksal in Winterfell sehr hoch - vor allem, da sie nun auch auf Theon getroffen ist. Hinzu kommt nun noch die Variable Stannis, zu dem es auch gleich einen wunderbaren Übergang gibt und dessen Beliebtheit bei der allgemeinen Zuschauerschaft langsam im Aufschwung ist. Doch zunächst steht Jon (Kit Harington) an der Wall vor einer schwerwiegenden Entscheidung, die ihm noch mehr Feinde in den eigenen Reihen bescheren könnte.

Das Zusammentreffen mit dem weisen, aber kränklichen Maester Aemon (Peter Vaughan) ist erneut eine direkte Buchreferenz und verdeutlicht, dass Jon nun kein kleiner Junge, sondern der Lord Commander der Night's Watch ist und somit oft auch unpopuläre Entscheidungen treffen muss. Aemons Aufforderung „Kill the boy!“ funktioniert dabei schon als übergreifende Parallele zu vielen anderen Handlungssträngen, sei es der von Sansa, die den verbliebenden Rest ihrer Kindlichkeit nun endgültig ablegen muss, oder auch der von Daenerys (Emilia Clarke) in Meereen (der Aemon als ihr direkter Verwandter am liebsten sofort zur Hilfe eilen möchte), die als Herrscher vor drastische Entscheidungen gestellt wird und ihrer erwachsenen Rolle gerecht werden muss. So wie diese beiden muss auch Jon der Tatsache in die Augen blicken, dass seine Lehrzeit aufgrund seiner neuen Verantwortung ein Ende hat.

Your people

In der Szene zwischen Tormund (Kristofer Hivju) und Jon wird der Plan des ehemaligen First Steward dann ersichtlich: Die zurückgeschlagenen Wildlings von Mance Rayders Armee müssen in Sicherheit hinter die Wall gebracht werden, bevor sie den White Walkern in die Hände fallen und selbst zum Teil der Untotenarmee werden. Geschickt appelliert Jon an Tormunds Stolz, dessen Blick zu entnehmen ist, dass auch er einer neuen Verantwortung als zweiter Mann hinter dem toten Mance Rayder gerecht werden muss. Gemeinsam mit Jon, der den Vertrauensbeweis bringen soll, will er sich nach Hardhome aufmachen, wo sich tausende Anhänger des Free Folk befinden und auf den kalten Tod warten. Ein paar Schiffe aus Stannis' Flotte sollen dabei behilflich sein.

An dieser Front hat Jon erfolgreich Überzeugungsarbeit geleistet, doch der schwierigste Teil seines Planes kommt erst noch. Seine Mitstreiter der Night's Watch sind nämlich alles andere als begeistert von seinem Vorhaben. Selbst der treue Ed (Ben Crompton) äußert Bedenken, führt er doch überzeugend vor Augen, dass Jons Freunde Grenn und Pyp im Kampf mit den Wildlings ums Leben kamen. Dass sie auch ein Teil des Reiches sind und welche Gefahr sie darstellen, sollten sie sich in wandelnde Untote verwandeln, ignorieren die Black Brothers, deren Hass gegenüber den Wilden aus dem hohen Norden jenseits der Wall nicht zu bremsen ist - verständlicherweise, möchte man fast meinen, zeigt doch das Beispiel Olly (Brenock O'Connor), dessen Eltern kaltblütig von den Wildlings umgebracht wurden, wie gefährlich sie sind.

Army of the dead

Jon wird sich jedoch nicht von seiner logischen, wenn auch sehr riskanten Entscheidung abbringen lassen und somit das moralisch Richtige tun - er ist und bleibt nun einmal ein Stark. Dass ihm dies nicht viele Freunde einbringen wird, steht außer Frage. Und somit lebt er noch gefährlicher als zuvor, auch weil mit Stannis nun einer seiner Befürwörter gen Winterfell aufbricht. Wie erhofft, verplempert er nicht noch mehr Zeit bei der Night's Watch. Denn: Winter is coming, also sollte keine Zeit verloren werden, bevor ein Angriff auf Winterfell aufgrund der Wetterlage unmöglich wird.

Ich hatte es bereits erwähnt, Stannis sammelt als Figur plötzlich reichlich Sympathiepunkte, sei es im Gespräch mit Sam (John Bradley), dessen ständiges Bücherwälzern er als wichtige Vorbereitung im Kampf gegen die White Walker sieht, oder auch im Zusammenspiel mit Jon Snow. Innerhalb kürzester Zeit hat sich eine interessante Dynamik zwischen zwei Männern entwickelt, die einander respektieren. Ein wenig besorgt stimmt mich derweil, dass Selyse (Tara Fitzgerald), Shireen (Kerry Ingram) und Melisandre (Carice van Houten) sich mit auf dem Weg nach Winterfell machen, was eine klare Abweichung von der Buchvorlage darstellt.

Kerry Ingram als Shireen Baratheon in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO
Kerry Ingram als Shireen Baratheon in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO

Safe journey

Die Veränderung zu den Büchern finde ich nicht weiter wild und eigentlich gewohnt spannend, Angst habe ich jedoch um die kleine Shireen, womit ich sicherlich nicht allein stehe. Hier hat sie noch einmal eine nette kleine Szene mit Davos (Liam Cunningham), wodurch bereits der Eindruck entsteht, der ehemalige Schmuggler mit seinem Herz für Stannis' Tochter müsse bald gezwungenermaßen in Aktion treten, um sich für Shireen einzusetzen. Jedoch spekuliere ich hier nur, während ich gespannter nicht sein könnte, was die nächsten Folgen für Stannis und Jon bringen werden.

Wo wir schon bei Veränderung im Vergleich zur literarischen Vorlage sind - davon gibt es in Kill the Boy eine ganze Menge, weshalb ich als Buchkenner vielleicht auch gerade deshalb sehr von der Episode angetan bin. An der Wall wird nebenbei nämlich auch auf Sams Geschichte in den Büchern angespielt, der immer davon geträumt hatte, ein Maester zu werden und in der Citadel von Oldtown zu studieren. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass man hinsichtlich dieses Handlungsstrangs die Ereignisse aus den Büchern für die Serie adaptieren wird - schlichtweg aus Zeitgründen. Ohne Frage ist Sams Handlungsbogen in den Büchern interessant, doch an dieser Stelle vertraue ich den Machern, deren bisherige Veränderungen mir allesamt gut gefallen haben.

A better choice

Auch in Essos werden ein paar Änderung zu den Büchern deutlich, wodurch indirekt die Erwartungen einiger Zuschauer bestätigt werden. Zunächst befinden wir uns in Meereen, wo wir einen schwerverwundeten Grey Worm (Jacob Anderson) auf dem Krankenbett liegen sehen, der von Missandei (Nathalie Emmanuel) umsorgt wird. Für Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney) ist der Kampf mit den Sons of the Harpy weniger glimpflich ausgegangen. Daenerys betrauert am Totenbett das Ableben ihres weisen Beraters. Ich hatte es bereits geahnt und muss an dieser Stelle zugeben, dass mich der Tod von Selmy doch überraschend trifft. Ich persönlich hätte nicht damit gerechnet, sein Tod ist im Nachhinein eventuell etwas zu unspektakulär gewesen, auch wenn er episch inszeniert war. Auch mit Blick auf die Figur des Barristan Selmy in den Büchern bin ich etwas verwundert, da er gerade in Buch 5 (A Dance with Dragons) keine unwichtige Rolle spielt.

Auf der anderen Seite funktioniert dieser tragische Verlust jedoch hervorragend, um auch Daenerys auf eine Entwicklungsstufe zu hieven, bedeutete ihr der sanftmütige und kluge Ritter doch sehr viel. Während er immer die Prinzipien der Gnade und des Verständnisses gepredigt hatte, packen Daenerys jetzt drastischere Gedanken, die eher mit Daarios (Michiel Huisman) Credo einhergehen. Die Sons of the Harpy sind eindeutig zu weit gegangen, und so wird nun ein Exempel an den obersten Vertretern der ehemaligen Sklavenhalterfamilien statuiert. Unter den Aufständischen befindet sich im übrigen auch Hizdahr zo Loraq (Joel Fry), der nie müde wurde zu erwähnen, wie wichtig die Ehrung der Traditionen der Bevölkerung in Meereen ist.

A lasting bond

Bei Daenerys von einer Tradition zu sprechen, „Probleme“ mit Drachenfeuer zu lösen, ist vielleicht etwas weit hergeholt, auch wenn sie schon auf diese Methode zurückgegriffen hat (Ruhe in Frieden, Kraznys mo Nakloz). Jetzt werden keine Gefangenen mehr gemacht, von ihre Wut geleitet wirft sie einen der einflussreichen Bewohner der Stadt Rhaegal und Viserion zum Fraß vor. Ein äußerst bildhafte Szene gleich zu Beginn der Episode, die eine eindeutige Sprache spricht. Die Mother of Dragons demonstriert Stärke und will Angst bei ihren vermeintlichen Feinden schüren, sodass diese zugeben, für die Angriffe der Sons of the Harpy verantwortlich zu sein. Ein Geständnis bekommt sie zwar nicht, aber die blutige Einlage zeigt ihre Wirkung - außer bei Hizdahr, der keine Angst zeigt. So zumindest auf den ersten Blick.

Als Daenerys ihm dann in seinem Kerker gegenübertritt, wird jedoch klar, dass er nur sein Gesicht wahren wollte. Die folgende Entscheidung von Daenerys mag einige überraschen. Sie geht einen Kompromiss ein, um den Frieden in Meereen wiederherzustellen. Dafür wird sie Hizdahr heiraten, einen Sohn der Stadt, was die ehemaligen Sklavenhalter besänftigen sollte, genau so wie die Wiedereröffnung der Kampfarenen unter angepassten Bedingungen. Dies entspricht in etwa den Ereignissen in der Buchvorlage, wobei die Ehe zwischen Daenerys und Hizdahr dort wesentlich aufgezwungener wirkt als in der Serie. Dies mag daran liegen, dass die Figur des Hizdahr zo Loraq in den Bücher weitaus aalglatter und unangenehmer als Joel Frys Charakter ist. Hier fühlt es sich tatsächlich wie eine Entscheidung aus freien Stücken an, die bereit ist, ein großes Opfer für die Zukunft ihres Volkes zu geben.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO
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Quite a woman

Entscheidend hierbei ist ihre Erkenntnis, dass es nun an ihr liegt, die richtigen Entscheidungen als Herrscherin über Meereen zu treffen und unabhängiger von ihren Beratern zu werden. Dass es Missandei ist, die sie darauf hinweist, dass es letztlich immer in Daenerys Ermessen liegt, schließt den Bogen wunderbar - auch mit Blick auf die Beziehung der beiden Figuren zueinander und Missandeis Stellenwert für Daenerys. Missandei bestärkt sie in ihrer Entscheidungsgewalt und gibt ihr den Glauben an sich selbst, den Daenerys in dieser schwierigen Situation so dringend benötig.

Die Übersetzerin hat darüber hinaus noch eine schöne kleine Szene mit dem verletzten Grey Worm, der aus seinem Koma erwacht und sich sofort Vorwürfe macht, dass Selmy und seine Männern gestorben sind. Die kleine Liebesgeschichte zwischen ihm und Missandei haben die Macher behutsam aufgebaut, und die Herzlichkeit der Szene, in der Grey Worm seine Angst vor dem Tod kundtut, weil er dann nie wieder Missandei sehen würde, zeigt, dass man nun die emotionale Ernte einholen kann. Ein sehenswerte Momentaufnahme, die angesichts der vielen tragischen Ereignisse ein wenig Hoffnung ausstrahlt.

The Mormont way

Alles andere als warm geht es unterdessen zwischen Tyrion (Peter Dinklage) und Jorah (Iain Glen) zu, die sich nun auf See in Küstennähe befinden. Jorah ist nach wie vor nicht der beste Gesprächspartner, was Tyrion gewohnt forsch kommentiert. Zum Abschluss der Episode kommt es noch einmal zu einem visuellen Glanzmoment, reisen Jorah und Tyrion doch über die alten Ruinen der einstigen Targaryen-Metropole Valyria, eine beeindruckende Stätte, die im Rahmen des Doom of Valyria den Erdboden gleichgemacht wurde „66580“. Durch die nebligen Gewässer der Smoking Sea schippern die beiden mir ihrem einfachen Kahn nun durch die zerstörten und gemeinhin als verflucht geltende Bauten Valyrias, welches optisch herrlich umgesetzt ist und so für kleine Gänsehautmomente sorgen kann.

Ich hatte nicht mit dieser Route gerechnet, dementsprechend begeistert bin ich von dieser Abweichung zu den Büchern, welche man indirekt und sehr clever über Stannis in The Sons of the Harpy bereits leicht angedeutet hatte. Als dann auch noch Drogon über den einstigen Geburtsort der Drachen hinwegfliegt, schlägt mein Herz gleich etwas schneller, während Tyrions Augen immer größer werden. Doch die extrem stimmungsvolle Kulisse gibt uns keine Zeit, Luft zu holen, denn plötzlich bewegt sich eine Gestalt im Hintergrund, die sich dann ins Wasser nahe des Bootes stürzt.

What remains

Wie schon mehrfach zuvor geschrieben, war die Erwähnung von Greyscale und den Stone Men in den bisherigen Folgen der fünften Staffel von Game of Thrones recht auffällig. Nun treten die steinigen Unholde endlich auf den Plan. Das Design gefällt gut und auch der wuchtige Kampf mit den Stone Men kann mitreißen, selbst wenn die Wackelkamera gelegentlich etwas wild umherschweift. Der Puls kommt jedoch auf Hochtouren, insbesondere als Tyrion über Bord geht und von einer Hand in die Tiefe gezogen wird. Letztlich fischt ihn Jorah aus dem Gewässer. Die Reise über den Seeweg ist jedoch abgeblasen, nun geht es über Landweg weiter. Dann gibt es aber noch eine verheißungsvolle Aufnahme. Wir sehen, dass Jorah offensichtlich an Greyscale erkrankt ist. Eine spannende Entwicklung, die Buchkenner eventuell erwartet hatten.

Tyrion (Peter Dinklage) in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO
Tyrion (Peter Dinklage) in %26bdquo;Kill the Boy%26ldquo;. © HBO

Für das Duo Tyrion und Jorah könnte dies nun einiges verändern, sollte Tyrion Jorahs Erkrankung entlarven. Gleichzeitig bestätigen die Macher indirekt, dass eine Partei aus den Bücher wohl komplett ausgespart werden wird, da man sich an deren Handlungsstrang bedient und die Geschichte für die Serie umgeschrieben hat. Ehrlich zugegeben stört mich das erneut weniger, denn so interessant einige neue Figuren auch sein können, man läuft stets Gefahr, ein Format mit zu vielen Charakter zu überladen. Da lobe ich mir eher die geschickte Verknüpfung verschiedener Ereignisse aus der Buchvorlage sowie die großen Fortschritte, die wir in Kill the Boy in vielen Handlungssträngen gemacht haben.

Fazit

Ich war bei der Bewertung von Kill the Boy zunächst etwas unentschlossen, immerhin mussten wir in dieser Episode auf die mitunter spannendsten Handlungsstränge der fünften Staffel verzichten. Umso angetaner bin ich jedoch, dass man dies hervorragend kompensieren kann und uns eine sehr starke Folge präsentiert, die nicht viel zu wünschen lässt. Man kann sich von kleinen Details stören lassen (zum Beispiel, wo Stannis die ganze Zeit seine große Arme an der Wall untergebracht hatte), doch das Gesamtbild ist einfach viel zu stimmig, um sich an solchen Kleinigkeiten festzuhalten. Man merkt, dass die großen Namen aus der Darstellerriege wohl noch für das gewisse Etwas hätten sorgen können, dass es aber auch ohne diese gehen kann, zeigen Cogman, Podeswa und Co. eindrucksvoll. Dies sollte honoriert werden, ebenso wie die spannenden Entwicklungen, die guten Dialoge, die smarten thematischen Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen und einige visuelle Leckerbissen (im wahrsten Sinne), die „Kill the Boy“ zu bieten hat.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 11. Mai 2015

Game of Thrones 5x05 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 5
(Game of Thrones 5x05)
Deutscher Titel der Episode
Töte den Jungen
Titel der Episode im Original
Kill the Boy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. Mai 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. Mai 2015
Regisseur
Jeremy Podeswa

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 5x05

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