Game of Thrones 5x04

Game of Thrones 5x04

The Sons of the Harpy widmet sich abermals an vielen Stellen der Etablierung verschiedener Handlungsstränge und neuer Figuren. Kombiniert wird dies mit einigen rasanten Actionsequenzen und bisweilen extrem spannenden Entwicklungen in den Einzelgeschichten.

Carice van Houten als Red Priestress Melisandre in „The Sons of the Harpy“. / (c) HBO
Carice van Houten als Red Priestress Melisandre in „The Sons of the Harpy“. / (c) HBO
© (c) HBO

Die fünfte Staffel von Game of Thrones nimmt allmählich Fahrt auf - was die Serienmacher mit der Episode The Sons of Harpy mehr als deutlich machen. Auch wenn wir erneut auf einige Charaktere und Handlungsstränge verzichten müssen, hebt sich die vierte Episode der aktuellen Staffel von „Game of Thrones“ vor allem durch eines ab: packende und turbulent inszenierte Actionszenen, die mit Ausnahme von Briennes (Gwendoline Christie) Auftritt in The House of Black and White noch eher rar gesät waren.

Jetzt bekommen wir gleich mehrere nervenaufreibende Sequenzen zu sehen, die sogleich zu dem sehr flotten Erzähltempo der Episode beitragen. Vielleicht gelingt es Drehbuchautor Dave Hill (der erst seit dieser Staffel diese Position inne hat und davor als direkter Assistent der Showrunner David Benioff und D.B. Weiss fungierte) nicht ganz so exzellent wie Benioff und Weiss in High Sparrow, diese wunderbaren Übergänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen zu machen. Dafür zeigt er jedoch andere Stärken, die von Regisseur Mark Mylod sehenswert auf Film gebannt und visuell umgesetzt werden.

Bringing her back

In „The Sons of the Harpy“ gelingt es zum Beispiel sehr gut, einige Nebengeschichten voranzutreiben und gleichzeitig anderenorts neue Ausgangslagen zu schaffen, die neue Spannung generieren können. Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der der Ankunft von Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Bronn (Jerome Flynn) in Dorne sowie der bisher non-präsenten Region von Westeros selbst (der kurze Blick in die Water Gardens in „The House of Black and White“ mal ausgeschlossen) gespannt entgegengeblickt hat. Über den Seeweg schmuggeln sich die beiden für ihre Rettungsmission von Myrcella (Nell Tiger Free) in die Ländereien von Prince Doran Martell (Alexander Siddig), jedoch bleibt ihr Unterfangen alles andere als geheim und bringt sie sofort in Scherereien.

Die Szenen um die beiden leben zunächst vor allem von der eigenwilligen Dynamik zwischen den zwei sehr verschiedenen Figuren - und natürlich auch der Chemie zwischen Nikolaj Coster-Waldau und Jerome Flynn. In dem ganz wunderbar beleuchteten Innenraum des Handelsschiffes, das sie in die Nähe der Küste von Dorne bringt, kommt es zunächst zu einem guten Dialog der beiden, in dem abermals Bronns Charakter als profitorientierter Realist zum Vorschein kommt. Wer mag es ihm verübeln, wird sich ihre Mission doch als sehr riskant und gefährlich herausstellen. Die Lannisters sind nicht wirklich in Dorne beliebt, was ihn und Jaime in Teufels Küche bringen könnte. Warum es gerade Jaime selbst sein muss, der Myrcella retten soll und nicht jemand anderes, der weit weniger bekannt als der Kingslayer ist, ist eine durchaus legitime Frage des (einstigen) Söldners.

Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO
Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO

Not here to start a war

Doch man sieht es Jaime an, dies ist nicht nur ein Auftrag seiner Schwester, den er erfüllen möchte, um sich ihre Zuneigung zu sichern. Er sieht es auch als seine persönliche Pflicht, seine Tochter beziehungsweise Nichte Myrcella vor den möglichen Gefahren in Dorne zu beschützen, ohne einen Krieg anzuzetteln. Coster-Waldau gelingt es hier vortrefflich, die derzeitige Gefühlslage seiner Figur zu vermitteln, zum einen seine Sorge bezüglich Myrcella sowie seine Hoffnung, die Beziehung mit Cersei wieder kitten zu können. Und zum anderen seine Gewissensbisse, hatte er doch Tyrion (Peter Dinklage) befreit, welcher dann Vater Tywin (Charles Dance) um die Ecke brachte. Für seinen kleinen Bruder hat Jaime nun nicht mehr viel übrig, denn dessen fatale Aktion hat doch eine ganze Reihe von Problemen ins Laufen gebracht, die es nun für Jaime zu beheben gilt.

Die ersten Schritte der beiden an der malerischen Küste von Dorne vermitteln uns zunächst ein sehr angenehmes, beruhigendes Gefühl. Doch unter beziehungsweise hinter den hohen Sanddünen lauern unzählige Gefahren, die tödlich sein können. Für die Gedankenspiele der beiden, wie wohl deren beider favorisiertes Ableben aussehen könnte - erneut mit einer kleiner Referenz auf Jaimes nicht erwiderte Liebe gegenüber Cersei versehen –, bleibt jedoch keine Zeit, sie müssen weiter ins Landesinnere vorrücken, um ihrem Ziel näherzukommen.

A wonderful teacher

Es dauert nicht lange, da werden sie auch schon von einer Dornischen Patrouille aufgehalten. Bronn probiert zunächst, sich mit seiner lässigen, selbstbewussten Attitüde aus der Misere zu reden, kann sich aber schon denken, dass es nur einen Ausweg aus dieser brenzligen Lage geben wird. Und ehe wir uns versehen fliegt auch schon ein Dolch durch die Luft und trifft einen der vier Reiter in der Kehle. Binnen weniger Sekunden finden wir uns in einer mitreißenden Kampfsequenz wieder, in der Bronn seine ganze Erfahrung als Schwertkämpfer einbringt und Jaimes Fähigkeiten mit seiner schwachen Hand zum allerersten Mal auf die Probe gestellt werden. Die Angst, zu versagen, erkennt man in seinem Blick deutlich, und so muss er auch heftig einstecken, bis er seine „Behinderung“ unbeabsichtigt zu seinem Vorteil nutzt, den Schwerthieb des Angreifers mit seiner goldenen Hand abwehrt und seinen Gegenüber niederstreckt.

Ob jetzt Bronns herrlich-amüsante Zwischenbemerkungen, der aufregend inszenierte Kampf, bei dem man durchaus mit Jaime mitfiebert, die neue Kulisse oder auch einfach nur die Ausstattung und das Kostümdesign der Beteiligten - die erste richtige Premiere von Dorne und der Handlungsstrang des ungleichen Duos machen sofort Lust auf mehr. Insbesondere der Blick auf Ellaria Sand (Indira Varma) und den nun eingeführten Sand Snakes Obara (Keisha Castle-Hughes), Nymeria (Jessica Henwick) und Tyene (Rosabell Laurenti Sellers), drei Bastardtöchter des ermordeten Oberyns, verspricht einiges an Spannung, da die Damen bereits im Bilde sind, dass sich Jaime Lannister in Dorne befindet, um Myrcella zu befreien. Der erste Auftritt der tödlichen Geschwister ist kurz und trotz gezieltem Speerwurf eher unspektakulär. Jedoch bekommt man gleich eine Vorstellung davon, was man von ihnen erwarten kann. Obara macht stellvertretend für ihre Schwestern klar, dass sie nicht tatenlos herumsitzen und den Tod ihres Vaters betrauern wird, sondern die Vergeltung einfordern will, die ihnen zusteht.

In service to the Gods

Apropos Rache: Dieses Thema wird auch in King's Landing groß geschrieben, und zwar vor allem bei Cersei (Lena Headey). Diese musste in High Sparrow noch so einiges von Margaery (Natalie Dormer) einstecken, holt jetzt aber zum Gegenschlag aus, der voll ins Schwarze trifft. Zunächst entledigt sie sich des naiven Mace Tyrells (Roger Ashton-Griffiths), der als neuer Master of Coin zusammen mit Kingsguard Meryn Trant (Ian Beattie) (auf wessen Todesliste steht dieser gleich nochmal?) nach Braavos aufbrechen soll, um dort die Iron Bank zu besänftigen, die jetzt die Schulden der Krone einfordert. Die Überfahrt nach Essos birgt sicherlich einige Gefahren, aber selbst wenn Mace unbeschadet zurückkehren sollte, hat sich Cersei mit dessen Abreise nun nicht nur etwas Luft verschafft, sondern auch Töchterchen Margaery eins ausgewischt.

Doch dabei belässt es Cersei noch lange nicht, erschließen sich uns doch jetzt ihre Pläne hinsichtlich einer Allianz mit dem High Sparrow (Jonathan Pryce), welche bereits in der vorangegangenen Episode angedeutet wurden. Diesem verspricht sie die Mobilmachung des Faith Militant, einer Art militärischen Gruppierung des Faith of the Seven, die direkt dem Oberhaupt der Glaubensrichtung untersteht und vor längerer Zeit eigentlich abgeschafft wurde. Mit dieser Privatarmee kann der High Sparrow den Sündern der Stadt den Kampf ansagen und Cersei sich ein wenig in Sicherheit wähnen. Ein durchaus cleverer Schachzug der geschassten Königin, der jedoch nach wie vor große Risiken für sie birgt, ist sie doch selbst nie ein Kind von Traurigkeit gewesen.

Dean-Charles Chapman als King Tommen in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO
Dean-Charles Chapman als King Tommen in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO

A great sinner

Doch dieses Problem sieht Cersei anscheinend (noch) nicht. Und so werden die religiösen Fanatiker des High Sparrow losgeschickt, um das heruntergekommene King's Landing von all seinen Sünden zu reinigen. Das markante, wummernde Musikstück von Komponist Ramin Djawadi, welches die Auftritte des fanatischen Mobs begleitet, sorgt im Zusammenspiel mit den sehr expliziten Bildern für eine äußerst bedrohliche Atmosphäre und angsteinflößende Situation, die durchaus in einem historischen Kontext gesehen werden kann. Die sehr radikale religiöse Verfolgung anderer weckt ein ungutes Gefühl beim Zuschauer, da die Fanatiker hier zu sehr drastischen Mitteln greifen, um eine Veränderung zu bewirken. Hinzu kommt die Frage, inwiefern der sehr gesittete und freundlich wirkende High Sparrow diese Gräueltaten absegnen kann, oder ob er sich noch hinter einer Fassade versteckt und gnadenlos den Sündern dieser Stadt Einhalt gebieten will.

Cersei spielt dann noch einen Trumpf aus, der erneut direkt gegen Margaery gerichtet ist und deren Zweikampf weiter befeuert. So berichtet sie nämlich dem High Sparrow von dem unsittlichen Sexualleben von Loras Tyrell (Finn Jones), welcher sogleich von den Sparrows festgenommen wird. Margaery ist fuchsteufelswild und wendet sich an Tommen (Dean-Charles Chapman), jedoch wird sogleich deutlich, dass er eben doch nur ein Junge, und noch lange kein König ist, der seine Macht richtig einzusetzen weiß. Dass er die angespannte Situation vor der Sept of Baelor nicht eskalieren lässt, zeigt zumindest, dass er nicht so irrsinnig wie Bruder Joffrey (Jack Gleeson) ist, der hier wohl ein Massaker hätte anrichten lassen. Tommen ist sichtlich eingeschüchtert und macht einen Rückzieher, und so muss Margaery selbst zur Tat schreiten, die sofort Großmutter Olenna Tyrell (Diana Rigg) in Kenntnis setzen will, die sich sicherlich nicht lange bitten lassen wird. Die angespannte Lage in King's Landing nimmt so weiter zu - nicht nur auf den Straßen der Hauptstadt, sondern auch am königlichen Hofe, wo Cersei die nächste Runde zwischen ihr und Margaery eingeläutet hat.

Life against death

Nachdem nun in den bisherigen Episoden der fünften Staffel von Game of Thrones die verschiedenen Figuren in Position gebracht sowie bereits einige Züge getätigt wurden, folgt nun gleich an verschiedenen Orten die Reaktion auf vorangegangene Ereignisse. Die Handlung an der Wall scheint hier wohl im Vergleich noch am ereignisärmsten, jedoch kann man auch diesen Teil der Episode einige interessante Aspekte abgewinnen, die neue Fragen aufwerfen. So tritt zum Beispiel nach einer kleinen Auszeit wieder Melisandre (Carice van Houten) prominenter auf, die ihre Reize sofort an Jon (Kit Harington) austesten will. Dieser muss zuvor noch etwas Papierkram erledigen, um neue Männer für die Night's Watch zu finden. Dafür gehen an die verschiedensten Häuser von Westeros Botschaften raus - selbst an die Boltons in Winterfell, was Jon überhaupt nicht schmeckt. Doch Sam (John Bradley) erinnert ihn an seinen Schwur und seine neue Verantwortung als Lord Commander, der er gerecht werden muss.

Im Vieraugengespräch mit Melisandre wird sein Gelübde dann hart auf die Probe gestellt, bietet sich die Red Priestress ihm doch mehr als deutlich an. Ihre Motivation bleibt jedoch unklar, wobei man sich als Zuschauer sofort an die unheilige Schattengeburt zurückerinnert, die sie einst mit Stannis (Stephen Dillane) gezeugt hatte und die dann Renly umbrachte. Hier treten wir vielleicht ein wenig zu sehr auf der Stelle. Wobei es nicht unspannend ist, zu erfahren, was die undurchsichtige Melisandre mit Jon genau geplant hat. Dieser bleibt zumindest stark, auch in Gedenken an die verstorbene Ygritte (Rose Leslie). Dass sich Melisandre dann aber mit deren Phrase „You know nothing, Jon Snow“ verabschiedet, scheint den neuen Anführer der Black Brothers doch zu irritieren.

Power

Eine schöne kleine Szenen wird uns dann noch im Zusammenspiel von Stannis und seiner Tochter Shireen (Kerry Ingram) geboten, in der der biedere Thronanwärter zeigt, dass er tatsächlich über ein Herz verfügt. Der Aufbruch nach Winterfell steht kurz bevor, Selyse (Tara Fitzgerald) äußert ihre Bedenken hinsichtlich Jon Snow und Melisandre mahnt Stannis, nicht erneut auf Davos (Liam Cunningham), sondern auf sie zu vertrauen - der letzte Misserfolg (Blackwater) sollte ihm besser eine Lehre sein.

Da kommt im die herzerwärmende Interaktion mit Shireen ganz entgegen, die von ihm wissen möchte, ob er sich für sie schämt. Zunächst erfahren wir, dass sich Stannis in gewisser Weise selbst die Schuld für Shireens Erkrankung gibt, doch gegen das Drängen seiner Berater ließ er Shireen nicht fortschaffen, sondern setzte alles daran, dass sie wieder gesund werden würde. Wir sehen Stannis von einer ganz neuen Seite, und es ist eine Freude zu sehen, dass sich der überzeugende Stephen Dillane mal ein wenig konträr zu seiner Figur präsentieren darf.

Sansa (Sophie Turner) und Littlefinger (Aidan Gillen) in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO
Sansa (Sophie Turner) und Littlefinger (Aidan Gillen) in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO

The dead

Vielleicht fehlt hier ein wenig der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Szenen, jedoch nimmt man dies für eine derartige herzliche Momentaufnahme gerne mal in Kauf - insbesondere weil es an vielen anderen Handlungsorten eher düster zugeht. Dies trifft wortwörtlich für die Handlung in Winterfell zu, wo wir Sansa (Sophie Turner) durch die spärlich beleuchteten Katakomben ihres einstigen Familiensitzes laufen sehen. Die Kulisse der Grabes- und Gedenkstätte ist äußerst stimmungsvoll, auch wenn der Handlungsbogen selbst nur bedingt Fortschritte macht. Littlefinger (Aidan Gillen) wird es nun erst einmal wieder in Richtung King's Landing ziehen, damit Cersei keinen Verdacht schöpft. Und Sansa wird sich alleine bei den Boltons beweisen müssen.

Interessant wie immer ist es, Littlefinger bei seinen perfiden Gedankengängen zuzuhören, der sich stets sämtliche Türen offen lässt, um letztlich nicht auf der Verliererseite zu stehen. Womöglich wird es Stannis gelingen, Winterfell einzunehmen und den Norden unter seine Kontrolle zu bringen, wodurch die Pläne mit Roose Bolton (Michael McElhatton) gestorben wären. Doch dann würde mit großer Wahrscheinlichkeit Sansa zur Wardeness of the North aufsteigen, eine Vorstellung, mit der sich nicht nur Littlefinger anfreunden könnte. Wenn dies nicht eintreten sollte, muss sich Sansa halt Ramsay (Iwan Rheon) gefügig machen, immerhin hat sie von dem Besten gelernt, wenn es um die Manipulation anderer geht. Man werkelt zunächst noch etwas an dieser Teilgeschichte, die sich deutlich von der Buchvorlage unterscheidet, und darüber hinaus gibt man uns ein wenig Hintergrundwissen zur Geschichte von Westeros sowie einen kleinen Hinweis für Buchleser hinsichtlich einer beliebten Fantheorie zu George R.R. Martins A Song of Ice and Fire (siehe letzte Seite), was sich auch im Handlungsstrang im fernen Essos zeigt.

On the same side

Doch bevor wir uns den blutigen Ereignissen in Daenerys' Herrschaftssitz Meereen widmen, blicken wir noch einmal kurz auf Tyrion, welcher am Ende von High Sparrow von Jorah (Iain Glen) entführt wurde. Über den Flussweg will dieser nun den vorlauten Lannister nicht zu Cersei, sondern zu seiner angebeteten Daenerys (Emilia Clarke) bringen, um so ihre Gunst zurückzugewinnen. Dank seiner scharfsinnigen Kombinationsgabe entlarvt Tyrion Jorah im Handumdrehen, der sich wie erwartet gar nicht erst auf die frechen Kommentare seines Gefangenen ein- und lieber die Fäuste sprechen lässt. Letztendlich bekommen wir aber nur einen kleinen Vorgeschmack auf dieses weitere ungleiche Pärchen in der manigfaltigen Serienwelt von Game of Thrones. Die Vorfreude auf die kommende Interaktion dieser grundverschiedener Charaktere hinsichtlich kommender Episoden bleibt bei mir jedoch unvermindert hoch.

Nothing in common

Sollten sie es nämlich tatsächlich nach Meereen schaffen, könnten sie dort auf eine äußerst angespannte Mother of Dragons treffen, deren Machtposition hier gehörig ins Wackeln kommt. Ihr treuer Berater Ser Barristan Selmy (Ian McElhinney) schafft es zunächst noch, Daenerys mit Geschichten von ihrem Bruder Rhaegar ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Doch die erneute Audienz von Hizdahr (Joel Fry) ob der Wiedereröffnung der brutalen Kampfarenen Meereens, um die Traditionen der Metropole zu ehren und für etwas Ruhe innerhalb der Bevölkerung zu sorgen, treiben ihr sogleich wieder Sorgenfalten ins Gesicht.

Diese werden nur noch tiefer als die episodentitelgebende Rebellengruppe Sons of the Harpy zum Großangriff auf die loyalen Untergebenen von Daenerys ansetzt. Erst werden einige von Daarios (Michiel Huisman) Söldner zum Opfer der maskierten Aufständischen, die sich dann in einem Hinterhalt auf eine Unsullied-Patrouille stürzen. Vor einer wunderbaren Kulissen, in der abermals Mark Mylods Gespür für das perfekte Zusammenspiel von Licht und Schatten zum Einsatz kommt, muss sich der kleine Unsullied-Trupp gegen die Sons of the Harpy beweisen. Mittendrin ist Grey Worm (Jacob Anderson), der sich furios zu Wehr setzt, dessen Überlebenschancen jedoch von Sekunde zu Sekunde schwinden. In der aufregenden Actionszene stockt einem der Atem mehr als einmal, vor allem als plötzlich Barristan Selmy in einem episch anmutenden Augenblick dazu stößt und seine langjährige Erfahrung im Schwertkampf zeigt.

Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO
Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in %26bdquo;The Sons of the Harpy%26ldquo;. © HBO

Die Choreographie des Scharmützels ist wie gewohnt preisverdächtig und vor allem nicht zu makellos, da so klar wird, dass es sich bei den Sons of the Harpy eben nicht um ausgebildete Krieger handelt, sondern um teils sehr einfache Gemüter, die vor allem in der Masse stark sind. Natürlich lässt sich darüber streiten, inwiefern Grey Worm und der etwas ältere Selmy sich so hervorragend gegen diese Überzahl behaupten können, die Szene funktioniert aber auch vor allem auf emotionaler Ebene, da man tatsächlich für den Moment einen der beiden das Zeitliche segnen sieht. Am Ende der Folge liegen beide schwerverletzt inmitten der abgeschlachteten Angreifer, und es ist unklar, ob sowohl Grey Worm als auch Selmy weiter unter den Lebenden weilen werden. Die Episode The Sons of the Harpy endet so mit einem wahrhaftigen Paukenschlag, der das Herz des Zuschauers zum Rasen bringt und verdeutlicht, wie brisant die Lage in dem gespaltenen Meereen ist.

Fazit

Direkt nach der Episode The Sons of the Harpy war ich persönlich sehr aufgewühlt und bereit, zu sagen, dass sich die Folge meine bisherige Bestwertung der ausgestrahlten Episoden der fünften Staffel Game of Thrones verdient hat. Fulminante Action-Setpieces, eine bisweilen extrem atmosphärische wie auch unheimliche Inszenierung, vielversprechende neue Entwicklung in einigen Handlungssträngen, sehenswerte Charaktermomente wie zum Beispiel zwischen Jaime und dem leichtfüßigen Bronn - „The Sons of the Harpy“ hat wie immer recht viel zu bieten.

Auf den zweiten, etwas genaueren Blick fällt dann jedoch wiederum auf, dass vielleicht einige der Szenenübergänge hätten geschickter gelöst werden können. Wobei ich es auch nicht schlecht finde, wenn man für einen längeren Zeitraum an einem Handlungsort verharrt und dort die agierenden Figuren abarbeitet. Mit Blick auf die fantastische Dialogarbeit aus der letzten Woche kann die aktuelle Folge „High Sparrow“ nicht das Wasser reichen, was jedoch ein Lamentieren auf sehr hohen Niveau ist. An manchen Stellen gibt man sich wieder sehr deutlich der Exposition und Etablierung kommender Konflikte hin, was dieser oft sehr rasanten Episode gelegentlich ein wenig das Tempo nehmen kann. Im Großen und Ganzen sind dies aber nur wenige, kleinere Schwachpunkte in einer weiteren starken Folge der neuen Staffel von „Game of Thrones“, die immer wieder neue Wege und Wendungen einschlägt, wodurch die Erwartungshaltung bei den Zuschauern - ob nun Buchleser oder nicht - auf einem konstant hohen Level bleibt.

Auf der nächsten Seite gibt es noch ein paar Informationen zu der erwähnten Fantheorie, jedoch mit einigen Spoilern aus den Büchern...

Vorsicht! Buchspoiler voraus!

R + L = J

Wie bereits erwähnt nutzen die Serienmacher The Sons of the Harpy, um eine beliebte Fantheorie ins Spiel zu bringen, die sich über die Jahre unter den Lesern von George R.R. Martins Fantasy-Saga A Song of Ice and Fire verbreitet hat. Es ist schon ein wenig auffällig, wie sehr man hier zum einen Rhaegar Targaryen als auch Lyanna Stark zum Thema macht, wenn auch oft beiläufig und am Rande. Gleichzeitig wird durch Selyse Baratheon Jon hinterfragt, ist er doch nur ein Bastardsohn von Eddard Stark. Wobei Stannis sofort seine Zweifel äußert, da er nicht glauben kann, dass der ehrenhafte Eddard seine Frau betrogen und einen Bastard gezeugt hatte.

Über Sansas Handlungsstrang erfahren wir von den Umständen, wie es zur Rebellion Roberts (Mark Addy) kam, dem Lyanna Stark versprochen war. Der bei einem Turnier in Harrenhal erfolgreiche Prinz Rhaegar Targaryen ernannte nämlich sie und nicht seine Frau Elia Martell zur Queen of Love and Beauty, entführte sie und zeugte letztlich ein Kind mit ihr - so zumindest die Gerüchte. Dies war der Anstoß für Robert, gegen Rhaegar in den Krieg zu ziehen.

Während Sansa davon spricht, dass ihre Tante von Rhaegar vergewaltigt wurde, erzählt Selmy gegenüber Daenerys eine sehr sympathische Geschichte von dem galanten und musikalischen Prinzen. Das entscheidende Verbindungsstück zwischen Lyanna und Rhaegar ist nun Jon, der eben nicht Eddars Bastard, sondern der Sohn (daher R+L = J) von den beiden erstgenannten ist, zur Hälfte Stark, zur anderen Hälfte Targaryen. Diese Theorie wurde von Martin selbst jedoch nie bestätigt. Angeblich stellte er aber den Serienmachern Benioff und Weiss die Frage, wer denn die Mutter von Jon Snow sei, und deren Antwort brachte dem Duo schlussendlich Martins Segen ein, die TV-Serie zu produzieren.

Zu einer konkreten Aussage lassen sich die Macher auch nicht in der Serie hinreißen, die Anspielungen sind jedoch ein interessanter Bonus für den Zuschauer. Dabei kann man selbst als Nicht-Buchkenner dieses Puzzle zusammensetzen. Ob es in der Serie noch eine klare Bestätigung geben wird und ob Melisandre gerade wegen seiner besonderen Abstammung etwas Besonderes in Jon sieht, bleibt offen. Es ist jedoch eine verheißungsvolle Randnotiz, die mit Blick auf den weiteren Verlauf der HBO-Serie eventuell noch wichtig werden könnte. Oder eben auch nicht.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 4. Mai 2015

Game of Thrones 5x04 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 4
(Game of Thrones 5x04)
Deutscher Titel der Episode
Die Söhne der Harpyie
Titel der Episode im Original
Sons of the Harpy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 3. Mai 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 18. Mai 2015
Regisseur
Mark Mylod

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 5x04

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