Game of Thrones 5x08

Game of Thrones 5x08

Hardhome stellt ohne jeden Zweifel die bisher actionreichste und somit vielleicht auch mitreißendste Episode der fünften Staffel von Game of Thrones dar. Zusätzlich präsentiert man uns zahlreiche wunderbare Dialoge, die letztlich von einem atemberaubenden Finale getoppt werden.

Jon Snow (Kit Harington) und Tormund Giantsbane (Kristofer Hivju) in der „Game of Thrones“-Episode „Hardhome“. / (c) HBO
Jon Snow (Kit Harington) und Tormund Giantsbane (Kristofer Hivju) in der „Game of Thrones“-Episode „Hardhome“. / (c) HBO
© (c) HBO

Ehrlich gesagt, die letzten Episoden der fünften Staffel von Game of Thrones nahm ich aus den verschiedensten Gründen mit eher gemischten Gefühlen auf. Es machten sich einige Sorgen bei mir breit, wohin manche Entwicklungen der Geschichte gehen könnten. Mit der Episode Hardhome aber nimmt man mir jetzt viele meiner Befürchtungen auf einen Schlag und liefert eine extrem packende und ereignisreiche Episode ab, die womöglich nur den Beginn eines gewaltigen Finales zum Ende der fünften Staffel von „Game of Thrones“ darstellt.

Eklatante Schwachpunkte sucht man hier vergebens. Das Autorenduo David Benioff und D.B. Weiss findet zu alter Stärke zurück und kombiniert gemeinsam mit Regisseur Miguel Sapochnik starke Charaktermomente mit einer anfänglich sehr ruhigen, dann jedoch ungemein turbulenten Inszenierung. Dabei ist es jedoch nicht nur der fulminante Schlussakt, der einem letzten Endes das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die erste Hälfte dieser Episode besticht durch großartige Dialoge und gut getimte Abstecher zu den verschiedenen Handlungsorten, wo der Plot konsequent vorangetrieben wird. „Hardhome“ funktioniert als Gesamtpaket gerade aufgrund seiner vielen Facetten.

Killing and politics

Ich möchte mich mitnichten zu dem Teil der Zuschauerschaft zählen, der in der fünften Staffel von „Game of Thrones“ bisweilen sehr kritische Töne angeschlagen hat. Ich sehe die vielen Kritikpunkte (vor allem bei vielen Buchlesern) und kann sie auch nachvollziehen, wenn nicht sogar teilen - es ist nun mal auch nur schwer von der Hand zu weisen, dass die fünfte Staffel bisher einige Probleme hatte. Gleichzeitig ist aber der Abgesang des Formats, der von manchen proklamiert wird, extrem verfrüht und teilweise arg übertrieben. „Hardhome“ zeigt wunderbar die Stärken dieser Serie auf und markiert schon fast eine Art Rückkehr zur „alten Schule“ von Game of Thrones.

Arya (Maisie Williams) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO
Arya (Maisie Williams) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO

Recourse

Dabei profitiert man zunächst vor allem davon, dass man sich auf eine Qualität des Formats besinnt, die vielleicht in letzter Zeit hier und da ein wenig abhanden gegangen ist: Man gibt den Charakteren Zeit und Raum, wodurch sie wiederum dank starker Dialoge erst richtig zur Entfaltung kommen. Aus dramaturgischen Gründen kann ich verstehen, dass man gerne das Tempo hochhalten und schnell von Figur zu Figur springen möchte. In „Hardhome“ lässt man die Charaktere jedoch im wahrsten Sinne einfach mal machen und interagieren. Das zeigt sich unter anderem in den tollen Szenen zwischen Daenerys (Emilia Clarke) und Tyrion (Peter Dinklage), in denen auf den großen Wow-Effekt verzichtet wird und wir der schon fast statischen Unterhaltung der beiden lauschen.

Und das Schöne ist: Es funktioniert. Nicht nur, weil hier mit Clarke und Dinklage zwei (beziehungsweise drei, zählen wir Iain Glen dazu, der zwar nicht viel sagt, aber durch gewohnt starkes Minenspiel auffällt) begabte Darsteller einen fein geschriebenen Dialog führen dürfen. Zwischen Clarke und Dinklage stimmt einfach die Chemie. Gleichzeitig wird dabei ein interessanter Informationsaustausch sowie eine wunderbare Zusammenführung zweier Hauptfiguren vollzogen. Die Vorfreude auf diese neue Charakterpaarung wird so nochmals befeuert.

The right kind of terrible

Es ist kein Geheimnis, dass ich dem Zusammentreffen von Daenerys und Tyrion gespannt entgegengefiebert habe. Nach dem eher dramatischen Aufeinandertreffen der beiden in der letzten Episode, als Jorah seiner Angebeteten Tyrion als „Geschenk“ überreichte, folgt nun der weitaus interessantere Teil. Tyrion präsentiert sich dabei im kalten, aber eindrucksvollen Thronraum von Daenerys - der ihn noch kleiner macht, als er schon ist - mit gewohnt kühlem Kopf, wenn nicht sogar ein wenig anmaßend. Er ist nun mal kein einfacher Bückling, was gleich mehrfach deutlich wird und dazu beiträgt, dass die Szenen zwischen ihm und der Mother of Dragons alles andere als einseitig sind. Hier begegnen sich zwei Figuren auf Augenhöhe, was durch eine geschickte Inszenierung von Sapochnik mit passenden Kamerawinkeln dezent visualisiert wird.

Tyrion bringt seinem Gegenüber durchaus Respekt entgegen, ist ihm doch Daenerys Lebensgeschichte weitestgehend bekannt. Vom kleinen Mädchen, das nachts nicht ruhig schlafen konnte und ständig von irgendwelchen Auftragsmördern verfolgt wurde, hat sie sich zu einer mächtigen Herrscherin gemausert - einer Herrscherin wohlgemerkt, die Tyrions Rat gut gebrauchen könnte, zeigt sich doch schnell, über wie viel Erfahrung er verfügt.

Devotion

Tyrion revanchiert sich zunächst bei Jorah, indem er dessen Exekution verhindert. Dass dieser erneut in die Verbannung geschickt wird, schmeckt ihm sicherlich überhaupt nicht - auch wenn er die Entscheidung wortlos akzeptiert. Mit dem Ratschlag, Jorah gehen zu lassen, beweist sich Tyrion in den Augen Daenerys, die ihre treuesten Untergebenen nicht so einfach hinrichten lassen kann, da es die falsche Botschaft an ihr Volk senden würde. Gleichzeitig muss sie aber Verrätern gegenüber konsequent sein, weshalb für Jorah nur das Exil in Frage kommt.

Jorah gibt aber nicht auf und will den Weg zu seiner Königin über die große Kampfarena finden, wo schon bald ein großes Gladiatorenereignis stattfinden wird. Mehr und mehr von Greyscale gebeutelt, wirkt Jorah allerdings eher mitleiderregend. Dies ist vielleicht einer der wenigen kleineren Kritikpunkte dieser Episode, wobei seine ungebrochene Treue ausführlich begründet wurde. Seine Rückkehr in die Kampfarena ist aber vor allem für die weitere Handlung wichtig, hätte sich jeder halbwegs vernünftige Mensch doch langsam von Daenerys verabschiedet.

Tyrion (Peter Dinklage) und Daenerys (Emilia Clarke) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO
Tyrion (Peter Dinklage) und Daenerys (Emilia Clarke) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO

Spokes on a wheel

Tyrion gibt sich unterdessen Daenerys gegenüber nicht gerade zurückhaltend hinsichtlich ihrer Evaluierung als Herrscherin über Meereen. Eine Hochzeit mit Hizdahr war ein cleverer Schachzug, ebenso wie die Wiederöffnung der Kampfarenen, um Teile der Bevölkerung zu besänftigen. Gleichzeitig erkennt man jedoch auch den Zyniker in Tyrion, der schon mit genügend Personen in Berührung gekommen ist, die über große Macht verfügten, von dieser korrumpiert wurden und dafür die Quittung bekamen - siehe Cersei (Lena Headey), zu der wir an späterer Stelle kommen werden. Es scheint fast so, als würde er der jungen Daenerys eine kleine Lehrstunde erteilen wollen. Wunderbar ist dann jedoch, dass in diesem Dialog eben keinen gibt, der gegenüber dem anderen von oben herab redet. Denn auch Daenerys kann sich stark und unmissverständlich artikulieren. Ihre natürliche Ausstrahlung tut dann das Nötigste, um den Zyniker Tyrion dann doch davon zu überzeugen, dass sie vielleicht die Richtige für den Iron Throne ist.

Daenerys strebt beherzt eine Generalüberholung des faulen Systems an, das sich über viele Jahre in Westeros etabliert hat und darauf ausgelegt ist, die Armen auszunutzen und zu unterdrücken. Da hört selbst Tyrion etwas genauer hin, erschließt sich ihm doch vielleicht langsam, was Jorah damit meinte, dass Daenerys in der Lage dazu sei, einem Leben einen Sinn zu geben. Ihre Ansprache sorgt für einen kleinen Gänsehautmoment. Nebenbei zeigen die Macher abermals auf, wie diese Welt von Game of Thrones verknüpft ist und dass gewisse Informationen lange Wege zurücklegen müssen, bevor sie an ihrem Ziel ankommen. Tyrions Ausführungen über die aktuelle politische Lage auf dem Nachbarkontinent sind für Daenerys Neuigkeiten, die sie zunächst etwas verwundern, jedoch auf lange Sicht Gold wert sein können - wenn er denn in Zukunft nicht mehr so tief ins Weinglas schaut. Hier zeigt sich gleich auf mehreren Ebenen, was man mit einer gut geschriebenen Dialogszene - für die Charaktere wie für die weitere Handlung - bewirken kann.

The gambler

Diese Art des worldbuilding, das Erschaffen einer organischen Serienwelt, kommt auch in Aryas (Maisie Williams) Handlungsstrang in Braavos zum Tragen - vor allem visuell. Da diese nun im Rahmen ihrer Ausbildung im House of Black and White als einfache Verkäuferin von Muscheln, Austern etc. durch Bravoos zieht (wer genau aufpasst, entdeckt übrigens eine nette kleine Anspielung auf ihr Alter Ego Cat of the canals, das sie in der Buchvorlage trägt), tauchen wir tief in das bunte Treiben der Handelsmetropole ein. Die Sets bestechen mit vielen kleinen Details und einem realistischen Setting, dass einem lauten Fischmarkt gleichkommt. Jedoch ist es nicht nur die glaubhafte Gestaltung der Kulisse und die sehenswerte Montage, die uns eine gewisse Idee davon gibt, wo sich Arya bewegt.

Für Arya geht es voran - und dabei meine ich nicht nur ihr neues Outfit mitsamt ausgefallener Frisur, die sie nun trägt. Die Serienmacher fassen hier ihre Geschichte aus der Buchvorlage etwas zusammen und kombinieren verschiedene Aspekte ihrer Ausbildung. Gegenüber Jaqen H'ghar (Tom Wlaschiha) hat sie sich nun einen neuen Status erarbeitet und soll schon bald einen schmierigen Geschäftsmann im Namen des Many-Faced God um die Ecke bringen. Während Arya sich das Grinsen über diesen Auftrag, der sie ihrem Traum einer ausgebildeten Assassinin ein Stück näher bringt, nicht aus dem Gesicht wischen kann, wird im Gespräch zwischen The Waif (Faye Marsay) und Jaqen schon deutlich, dass letzterer nicht besonders viel auf Arya gibt. Ob sie nun erfolgreich sein wird oder nicht - sie alle dienen letztlich nur dem Many-Faced God, etwaige Sentimentalitäten kann man sich einfach nicht erlauben.

The gift

Ich bin durchaus davon angetan, dass Aryas Handlungsstrang nun doch sehr flott einen Sprung nach vorne gemacht hat. Da sie das Ganze noch als eine Art Spiel sieht, könnte ich mir vorstellen, dass auch sie demnächst noch die eine oder andere unschöne Lektion lernen wird. Von der andersartigen Kulisse in den winkligen Gassen von Braavos möchte ich persönlich gerne mehr sehen, ebenso wie von Aryas sukzessiver Weiterentwicklung als Charakter, die einige spannende Fragen aufwirft.

Ganz ähnlich geht es mir bezüglich Sansa (Sophie Turner) in Winterfell. Letzte Woche hatte ich noch einige Befürchtungen geäußert, dass sich die Macher in diesem Handlungsstrang eventuell selbst ein wenig festsetzen könnten. Gleichzeitig hatte ich aber auch eingeräumt, dass man nicht zu früh urteilen sollte. In Hardhome zeigt sich jetzt, dass Sansa weiterhin gewillt ist, ihrem Peiniger zu entkommen, und dabei in eine sehr aktive Rolle schlüpft, auch wenn sie sich extrem vorsehen muss. Der Schlüssel zum Erfolg könnte bei Theon beziehungsweise Reek (Alfie Allen) liegen, dem Sansa zunächst kaltherzig ins Gesicht wirft, dass dieser die Folter durch Ramsay absolut verdient hatte.

Theon aka Reek (Alfie Allen) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO
Theon aka Reek (Alfie Allen) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO

The way out

Erneut wird deutlich, wie krass Theon gebrochen wurde, jedoch kann Sansa mit aller Macht noch eine sehr wichtige Information aus ihm herausholen, die ihr aus mehreren Gründen ein wenig Hoffnung geben könnte. Sophie Turner und Alfie Allen präsentieren sich abermals stark. Dass Sansas Brüder Bran und Rickon von Theon nicht getötet wurden, ist etwas Balsam auf ihrer geschundenen Seele. Gleichzeitig scheint es, als würde sie erkennen, dass Theon vielleicht noch nicht ganz verloren ist und eine große Hilfe sein könnte. Dessen Schuldgefühle gegenüber den Starks sind es eventuell, die der Angst vor Ramsay (Iwan Rheon) am ehesten Paroli bieten können. Es freut mich, dass man Sansa nach den gewalttätigen Übergriff(en) durch Ramsay nicht zum hilflosen Burgfräulein macht, sondern sie selbst in Aktion treten lässt, um sich aus ihrer Lage zu befreien. So befindet sich die Geschichte in Winterfell in meinen Augen wieder auf einem aufsteigenden Ast.

Ein weiterer Grund dafür ist eine etwas überraschende Entwicklung an diesem Ort. Mit Stannis (Stephen Dillane) in Schlagdistanz berät sich Roose (Michael McElhatton) mit seinen Gefolgsleuten, wie sie sich auf diese Auseinandersetzung vorbereiten sollen. Die Mauern von Winterfell sind neu errichtet, für Proviant ist gesorgt. Rooses Taktik, dem Winter die Arbeit machen zu lassen und das Problem Stannis in Winterfell auszusitzen, ist plausibel und clever. Doch Sohnemann Ramsay hat eine andere Idee: Sie sollten Stannis direkt angreifen und der Bevölkerung des Nordens zeigen, wer der Warden of the North wirklich ist. Wieder einmal soll Stärke gezeigt werden, wobei ich mir nur schwer vorstellen kann, dass der Ruf der Boltons wieder reingewaschen werden kann - egal wie. Was Ramsay jedoch mit 20 Mann gegen Stannis bewirken möchte, ist hochspannend. Eventuell eine Geiselnahme oder ein gezielter Überraschungsangriff auf Stannis selbst? Auch Buchleser verbleiben im Ungewissen, denn die Serienmacher gehen hier im Vergleich zu George R.R. Martins literarischer Vorlage ihren eigenen Weg.

Death of reason

Während sich hier eine neue Entwicklung anbahnt, sitzt Cersei weiterhin in ihrer Zelle fest, in die sie am Ende der letzten Episode (The Gift) geworfen wurde. Die einstige Königin leistet anfangs noch heftige Widerworte, doch sie wirkt langsam immer mehr gebrochen, körperlich und geistig. Der Flüssigkeitsentzug ist mindestens genau so qualvoll wie der Gedanke daran, dass Tommen (Dean-Charles Chapman) nun komplett auf sich allein gestellt ist und sie hilf- und machtlos unter den ärgsten Bedingungen vor sich hin rottet. Lena Headey versteht es hier ausgezeichnet, sowohl Wut als auch Verzweiflung rüberzubringen, sodass man schon beinahe Mitleid mit der sonst so garstigen Cersei bekommt.

Für einen kleinen Hoffnungsschimmer kann dann Qyburn (Anton Lesser) sorgen, der ihr die Anklagepunkte des High Sparrow vorträgt - selbstverständlich alles Lügen und falsche Vorwürfe, wie Cersei beteuert. Einen Ausweg aus ihrer prekären Lage würde sich durch ein Geständnis ergeben, doch Cersei ist einerseits zu stolz dafür, andererseits würde sie Tommens Position als König gefährden, wenn sie zugibt, dass er das Ergebnis einer inzestuösen Beziehung mit ihrem Bruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) ist. So verharrt sie in der modrigen Zelle und schlürft das Wasser vom dreckigen Boden, welches zuvor von der emotionsbefreiten Wärterin Septa Unella (Hannah Waddingham) direkt vor ihren Augen verschüttet wurde. Derweil ist ihr Onkel Kevan nach King's Landing zurückgekehrt und fungiert nun als Hand of the King. Tommen selbst hat sich abgeschottet und ist Qyburns Berichten nach schwer mitgenommen. Der Fall Cerseis ist ein tiefer, und auch wenn er aufgrund ihrer Naivität dem radikalen High Sparrow gegenüber an manchen Stellen doch sehr vorhersehbar war, die spannende Frage, wie und ob sie sich aus ihrer misslichen Situation befreien kann, war diese Entwicklung definitiv wert.

Feast for the crows

All die bereits erwähnten Handlungsstränge spielen sich in der ersten Hälfte dieser Episode ab. Durch die ruhige Inszenierung bekommen die Charakter den notwendigen Raum, um sich zu entwickeln und zu entfalten. Die zweite Hälfte von Hardhome steht dann im Zeichen der Action und Aufregung, das Tempo nimmt plötzlich wahnsinnig zu. Auch hier liegt eine der großen Qualitäten dieser Episode - ob wir nun dem visuell einfach gestalteten Gespräch zwischen Tyrion und Daenerys in Meeren lauschen oder in eine der gewaltigsten Schlachten hineingezogen werden, die Game of Thrones bis dato in gezeigt hat.

Jon (Kit Harington) gemeinsam mit seinen Männern und Tormund (Kristofer Hivju) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO
Jon (Kit Harington) gemeinsam mit seinen Männern und Tormund (Kristofer Hivju) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO

King Crow

Jons (Kit Harington) Entscheidung, nach Hardhome zu reisen und tausende von Wildlings in Sicherheit zu bringen, wird erneut von dem jungen Olly (Brenock O'Connor) in Frage gestellt, dessen Eltern grausam vom Free Folk umgebracht wurden. Sam (John Bradley), frisch von Gilly (Hannah Murray) verarztet, kann dies verstehen, jedoch macht er dem Jungen auch klar, dass es eine Bedrohung da draußen gibt, die gefährlicher ist als alles jemals zuvor und der man sich nur gemeinsam stellen kann. Jon hat nun einmal eine sehr schwierige, unpopuläre Entscheidung getroffen, doch gerade auf lange Sicht wird diese sich auszahlen.

Die Ankunft Jons und seiner Männer in Hardhome ist zunächst sehr stimmungsvoll und sehenswert inszeniert. Ein alter Steinbruch in Nordirland stand hier Pate für die Szenerie, die über Computereffekte erweitert wird. Was einige in früheren Episoden eventuell bemängelt haben, ist nun vergessen: Wir sehen eine hohe Anzahl an Wildlings beziehungsweise Statisten, sodass man sogleich ein Gefühl für die gewaltige Masse an Personen bekommt, die sich hier befindet. Im Folgenden macht der unvergleichliche Tormund (Kristofer Hivju) von sich hören, wird er doch zunächst vom Lord of Bones ordentlich angeranzt, dass er nun gemeinsame Sache mit der Night's Watch macht. Tormunds Antwort darauf ist rabiat und augenscheinlich tödlich. Eine doch sehr harte Szene, die fast ein wenig untergeht und das gefährliche Gemüt des Wildlings verdeutlicht. Gleichzeitig zeigt er hier aber auch genau das, was ihm bei seinesgleichen Respekt und Gehör verschafft: pure Kraft und Stärke.

The living

Vor einem Ältestenrat (deren Mitglieder nun nicht besonders alt sind...) berichtet Jon dann von seinen Plänen und bekommt dabei Rückendeckung von Tormund. Für viele Wildlings ist es bestimmt verlockend, hinter der Wall etwas Land zum Bewirtschaften zu bekommen, doch die Vertrauensfrage steht über allen. Ein jahrtausendelanger Kampf zwischen Night's Watch und dem Free Folk hat unüberwindbare Spuren hinterlassen, weshalb die Skepsis bei den Wildlings groß ist. Tormunds Einfluss verschafft Jon einen gewissen Stand und so folgt ihm zumindest ein Teil der Wildlings.

Mir gefällt hier sehr, dass man uns einen Blick in die Wildling-Gemeinschaft gewährt, der zeigt, dass es auch hier Familien mit kleinen Kindern gibt, die man nicht einfach so ihrem Schicksal überlassen kann. Insbesondere die Figur der Karsi (Birgitte Hjort Sörensen) sticht hier hervor, sowohl als liebende Mutter als auch als starke Kämpferin. Denn während der Transport vieler Wildlings in Richtung der Schiffe langsam anrollt, ist ein lautes Grollen zu vernehmen. Die Blicke wandern in Richtung einer Art gewaltigen Frostlawine, die über das Lager des Free Folk hinwegfegt. Das Ausmaß dieser Szene macht kostspieligen Blockbuster-Produktionen mal wieder durchaus Konkurrenz. Und was folgt, packt den Zuschauer bis zum letzten Augenblick dieser Episode, der erhaben und schaurig zugleich ist.

The dead

Es entspinnt sich binnen weniger Minuten ein mitreißender Kampf um Leben und Tod, denn die Armee der Toten führt unter Anleitung der grausigen White Walker und ihrem Anführer The Night's King einen verheerenden Angriff auf Hardhome aus. Die Effektarbeit und die rasanten Kamerafahren sind schlichtweg herausragend. Die Übermacht der Untoten ist schier unglaublich, und plötzlich wird klar, wie gefährlich diese Bedrohung tatsächlich ist. Lange haben wir sie nicht mehr gesehen und jetzt treffen uns die White Walker mit voller Wucht, mitten ins Mark. Die Untoten lassen sich vielleicht eine Zeit lang abwehren, doch ihre Überzahl lässt den Verteidigern keine Chance.

Jon geht mit guten Beispiel voran, trifft jedoch auf einen White Walker, der beinahe sein Ende einläutet. Dank seiner Klinge aus valyrischen Stahl (ähnlich wie „Dragonglass“ wirksam gegen die frostige Waffe seines Gegners) kann er gerade so sein Ableben verhindern, doch der Kampf ist dennoch hoffnungslos. Sie müssen die Flucht ergreifen, was ihnen dank Riese Wun Wun - der hier schnell zu einem Liebling der Massen avanciert und ein bekannter Name aus den Büchern ist - auch gelingt, jedoch nicht ohne immense Verluste. Der Blick zurück zeigt das ganze Grauen noch einmal auf und wird durch die finale Geste des Night's King atmosphärisch-vielsagend zum Ende gebracht. Durch eine einfache Handbewegung erweckt er die Toten wieder zum Leben, jetzt auf der Seite der White Walker. Sein kalter Blick in Richtung Jon kommt einer Drohung gleich: „Sieh her, zu was wir in der Lage sind. Eure Tage sind gezählt.“ - Ein fantastisches Ende einer hervorragender Episode, die emotional komplett fesseln kann.

Karsi (Birgitte Hjort Sörensen) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO
Karsi (Birgitte Hjort Sörensen) in %26bdquo;Hardhome%26ldquo;. © HBO

Fazit

Der Kampf um Hardhome wird ohne Frage nicht so schnell vergessen werden, so viel steht fest. Ob es nun die Darstellung der Wildlings, kleine Momentaufnahmen (zum Beispiel Karsis Tod durch ein paar untote Kinder) während der Schlacht, die großartige Arbeit der Make-up-Abteilung sowie des Effektteams oder auch die allgemeine Inszenierung des Scharmützels mitsamt wohl überlegten Musikeinsatz (die letzten Aufnahmen kommen passenderweise komplett ohne Musik aus) - Regisseur Miguel Sapochnik hat hier auf großem Niveau abgeliefert. Am Ende ist man ähnlich entsetzt wie Jon, gleichzeitig wird man zwischendurch emotional voll abgeholt und mitgerissen.

Doch wie bereits erwähnt ist es nicht nur diese Schlacht der Lebenden und Toten am Ende von „Hardhome“, die diese Episode so sehenswert macht. Die erste Hälfte der Folge strotzt gerade so vor starken Dialogen und tollen Momentaufnahmen zwischen den verschiedensten Charakteren. An allen Handlungsorten begibt man sich nun auf einen hochspannenden Pfad, was die Erwartungshaltung für die letzten beiden Episoden dieser Staffel noch einmal in die Höhe schraubt. „Hardhome“ funktioniert so nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch mit Blick auf die verschiedenen Handlungsstränge, wohin sich diese bewegen könnten und was unsere Figuren noch erwarten wird. Game of Thrones wie es sein sollte.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 1. Juni 2015

Game of Thrones 5x08 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 8
(Game of Thrones 5x08)
Deutscher Titel der Episode
Hartheim
Titel der Episode im Original
Hardhome
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 31. Mai 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juni 2015
Regisseur
Miguel Sapochnik

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 5x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?