Game of Thrones 3x04

The Hand of the Kingslayer
Wer dachte, nach Theon könnte kein anderer Charakter ein so jämmerliches Bild abgeben, wird in And Now His Watch Is Ended eines Besseren belehrt. Der sonst so beeindruckende Jaime Lannister (Nikolaj Coster-Waldau) hängt wie ein nasser Sack in seinem Sattel, seine abgehackte Hand grotesk um den Hals gehängt, ohne Kraft oder Willen, sich den Demütigungen seiner Geiselnehmer entgegenzusetzen.
Dass der vorlaute Kingslayer nichts zu sagen hat, ist vielleicht das Schockierendste an seiner ganzen Situation. Bei einem Versuch zu kämpfen, landet er mit dem Gesicht im Schlamm. Er scheint genauso machtlos und unnütz wie seine Schwerthand, die ihm um die Ohren baumelt. Mit seiner Hand hat er nämlich auch seine Identität verloren. Wie er in der ersten Staffel bereits zu seinen Geschwistern sagte: Er wäre lieber tot als ein Krüppel. Also wünscht er sich nun auch den Tod herbei.
Da hat er die Rechnung allerdings ohne Brienne (Gwendoline Christie) gemacht. Diese zeigt sich von Anfang an sehr besorgt um ihren Begleiter und eilt ihm gleich zur Hilfe, auch wenn das wenig bringt. Als er später nicht einmal essen will, platzt ihr angesichts so viel Niedergeschlagenheit jedoch der Kragen. Dass er ein Feigling ist, der sich nach einem Schicksalsschlag aufgibt, statt zu kämpfen, war ihm zuvor wohl nicht in den Sinn gekommen. Und, dass er wie eine jammernde Frau klingt, schon gar nicht. Diese Worte von Brienne sind nicht nur ironisch, sondern geben ihm vor allem auch eine neue Perspektive und vielleicht auch wieder seinen Willen zurück.
So sehr die beiden sich auch verbal und körperlich bekriegen, ihre gemeinsame Gefangenschaft macht sie mehr und mehr zu einem Team. Trotzdem scheint ihr nicht klar zu sein, warum Jaime in der letzten Folge für sie gelogen hat - nämlich, um sie vor einer Vergewaltigung zu retten. Vielleicht weiß er es selbst auch nicht, denn auf ihre Nachfrage gibt er keine Antwort.
Kraken or Wolf?
Theons (Alfie Allen) Geschichte scheint unterdessen immer tragischer zu werden. Nach offenbar geglückter Flucht mithilfe des Unbekannten (Iwan Rheon), stellt sich heraus, dass dieser ihn nur im Kreis und schließlich zurück in die alte Folterkammer geführt hat. Die unbändige Freude auf dem Gesicht des Unbekannten, als Theon wieder ans Kreuz gebunden wird, spricht Bände über dessen Persönlichkeit und Absichten. Dass er den Männern Befehle erteilt, kann außerdem nur eins bedeuten: Er ist nicht so unbedeutend, wie er vorgegeben hat.
Warum das Ganze? Theon hat sich seinem „Retter“ anvertraut, seine Trauer und Reue darüber zum Ausdruck gebracht, die Starks verraten und sich für seinen Vater entschieden. Bei der Aussage, sein „echter Vater“ sei in King's Landing geköpft worden, dürfte auch dem größten Theon-Hasser ein Kloß im Hals stecken. Theon sieht sich also doch als Stark - die Einsicht kommt allerdings viel zu spät. Ungünstig für den weiteren Verlauf der Geschichte ist sicherlich auch, dass er dem Unbekannten beichtet, Bran und Rickon nie gefunden zu haben. Theon ist also wieder in seiner misslichen Ausgangslage. Dieser Handlungsstrang ist vor allem eins: bitter.
Bei der Night's Watch wird der Titel der Episode aufgegriffen, als einer der Brüder an einer Verletzung stirbt. „And Now His Watch Is Ended“ verabschiedet aber tatsächlich durch foreshadowing Commander Mormont (James Cosmo). Dieser wird von einer seiner Krähen von hinten erstochen. Schmerzlich anzusehen, denn Jorahs Vater war einem als Zuschauer doch etwas ans Herz gewachsen. Noch schmerzlicher ist aber, dass seinem Tod so wenig Zeit gewidmet wird. Die Tragik geht im Chaos des Gemetzels und Sams Flucht ein wenig unter, so dass dessen Bedeutung gar nicht richtig ins Bewusstsein dringen kann.
Die Handlung um Arya (Maisie Williams) führt eine neue Figur ein, von der bereits viel gesprochen wurde: Beric Dondarrion (Richard Dormer). Die Szene zeigt ihn zwar als den Rächer der Unschuldigen, bietet aber - abgesehen von einem Austausch zwischen ihm und dem Hound (Rory McCann) - nicht viel. Der angekündigte Kampf, in dem Sandor Clegane vom Gott des Lichtes gerichtet werden soll, bleibt in dieser Folge aus. Vielleicht wäre dann auch diese Sequenz in der nächsten Episode besser aufgehoben gewesen.
A Spider in the Rose Garden
Varys (Conleth Hill), der in dieser Staffel bisher ziemlich kurz kam, tut sich mit der Queen of Thornes (Diana Rigg) zusammen, um Littlefingers Pläne für Sansa (Sophie Turner) zu sabotieren. In Lady Olenna findet er überraschend eine Ebenbürtige, denn diese lässt sich nicht vom Eunuchen einwickeln. Somit wird für den Zuschauer sehr unterhaltsamer Klartext geredet. Wie kann das Sansa-Problem gelöst werden?
Auftritt Margaery (Natalie Dormer). Mit ihrer einnehmenden Art macht sie sich Sansa zu ihrer Vertrauten. Die Naivität der Stark-Tochter wird hier nochmal unterstrichen, als sie ihrer neuen „Freundin“ direkt glaubt, es gäbe die porridge plague. Langsam wünscht man sich von ihr allerdings ein bisschen mehr Geistesgegenwart. Denn auch das Angebot, sie könnte ja Margaerys Bruder Loras heiraten, klingt zu schön, um wahr zu sein - selbst ohne Hintergrundwissen über dessen sexuelle Orientierung.
Ihre Manipulationskünste stellt die Dame aus dem Hause Tyrell auch bei Joffrey (Jack Gleeson) wieder unter Beweis. Während er ihr in der großen Septe von Baelor morbide Geschichten über die verstorbenen Targaryens erzählt, nutzt sie die Gelegenheit, ihn beim draußen stehenden Volk beliebter zu machen. Unter die begeisterten Rufe nach Margaery mischen sich bald auch die nach Joffrey - eine gänzlich neue Erfahrung für ihn, die ihn sichtlich befriedigt. Da weiß jemand ganz genau, welche Knöpfe sie drücken muss.
Cersei (Lena Headey) ist derweil nur wenig davon begeistert, wie viel Einfluss die junge Frau auf ihren Sohn hat. Als sie ihren Vater Tywin (Charles Dance) vorsichtig darauf hinweisen will, die Tyrells stellten ein Problem dar, stellt sich bald heraus, wer ihr eigentliches Problem ist: Margaery. In beiden Szenen wird Cersei in einem ungewöhnlichen Licht gezeigt - wobei sich das bereits seit Anfang der Staffel abgezeichnet hatte. Die Königin ist eigentlich absolut nicht auf den Mund gefallen und doch sieht man sie kaum noch als die starke Löwin der letzten Staffeln. Zurückhaltend und ruhig wirkt sie und vor allem wird sie kaum erhört. Nicht von Joffrey, der sich ihrer Kontrolle längst entzogen hat, und schon gar nicht von ihrem Vater. Charles Dance ist mit seiner einschüchternden Kälte wieder einmal der Mittelpunkt der Szene und der tatsächliche Löwe, der einer kleinen Maus die Leviten liest.
Ziemlich überraschend kommt das Thema um Knappe Podrick (Daniel Portman) und dessen Liebeskunst wieder auf. Offenbar können sich auch Varys und Ros ( Esme Bianco) keinen Reim auf die Geschichte machen. Dass Littlefinger dahintersteckt, lässt sich nach ihrem Gespräch wohl ausschließen. Allerdings ist immer noch nicht zu erkennen, was das Ganze soll.
Not so Lost in Translation
Als Daenerys nach etwa 45 Minuten Laufzeit auftaucht, denkt man bloß: Endlich! Lange musste man also auf diese spannenden Szenen warten, aber das hat sich auch gelohnt. Interessant ist bei ihrem Einmarsch, dass Jorah (Iain Glen) und Barristan (Ian McElhinney) in die zweite Reihe verbannt wurden, an ihrer Seite schreitet die Sklavin Missandei (Nathalie Emmanuel).
Beim Austausch der Sklaven gegen den Drachen beweist Dany nach längerer Ruhepause endlich wieder, dass sie eine echte Targaryen ist. Nachdem sie dem Sklavenhändler mit verschlossener Miene Drogon überreicht, testet sie ihre mit der Peitsche neu gewonnene Macht über die Sklaven in Valyrian. Dies ist nicht nur die erste Überraschung, die sie in petto hat, sondern es sorgt auch für den ersten Gänsehautmoment. Der Ansprache an die unsullied ist mit so viel Macht und Feuer gefärbt, dass es kribbelt. Emilia Clarkes Darstellung flößt ordentlich Respekt ein und die Genugtuung auf ihrem Gesicht ist einfach nur köstlich mit anzusehen.
Alle Sorge, die mother of dragons könnte tatsächlich eines ihrer Babys weggeben, war unbegründet. Vielmehr ist der Drache inzwischen eine mächtige Waffe und nicht mehr nur ein Haustier, mit dem man Reiche beeindruckt. Der Befehl Dracarys ist so simpel und doch so wirkungsvoll. Der Zuschauer weiß, was es bedeutet. Nämlich, dass Dany eine Naturgewalt ist, die erbarmungslos ihr Ziel verfolgt. Den Sklavenhändler als menschliche Fackel zu sehen, ist so befriedigend, dass es fast verwerflich ist.
Wer da noch keine Gänsehaut bekommen hat, kriegt sie spätestens, als die befreiten Sklaven Dany als ihre Führerin anerkennen, indem sie in Einklang ihre Lanzen auf den Boden hämmern. Die Peitsche, die ihre Macht über die Sklaven darstellt, wird symbolisch zu Boden geworfen und in den Dreck getrampelt. Untermalt von stimmungsvoller Musik sowie Beleuchtung endet die Episode mit dem wahrlich beeindruckenden Bild der marschierenden Massen.
Davon, wie Astapor von Dany eingenommen und niedergebrannt wird, hätte man zwar gerne mehr gesehen, allerdings tut das dem Gesamtbild dieser Szenen keinen großen Abbruch. Tatsächlich stellen sie das absolute Highlight der gesamten Folge dar.
Fazit
Insgesamt ist And Now His Watch Is Ended eine eher durchwachsene Episode, die nicht so richtig in Fahrt kommen will und durchschnittlich bleibt, bis die großartige Handlung um Daenerys wieder aufgenommen wird. Diese reißt die Folge aber durch einen fantastischen Showdown wieder aus dem Mittelmaß heraus.
Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 22. April 2013Game of Thrones 3x04 Trailer
(Game of Thrones 3x04)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x04
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