Game of Thrones 3x03

Game of Thrones 3x03

Schockierendes geht in Westeros vor sich. In Walk of Punishment, der neuen Episode der Fantasy-Serie Game of Thrones, durchlebt man das gesamte Gefühlsspektrum - von Mitleid über Rührung zu Erheiterung.

Clive Russell als Blackfish Tully in „Game of Thrones“ / (c) HBO
Clive Russell als Blackfish Tully in „Game of Thrones“ / (c) HBO

The Young Wolves

Mit der Trauerfeier für Catelyns (Michelle Fairley) Vater Lord Tully startet Game of Thrones diese Woche mit trüber Stimmung in die neue Episode Walk of Punishment. Vorgestellt werden hier Catelyns Bruder Edmure (Tobias Menzies) sowie ihr Onkel Blackfish Tully (Clive Russell).

Edmure wird in zweierlei Hinsicht als Versager eingeführt. Zunächst einmal schafft er es trotz wiederholter Versuche nicht, das Boot seines Vaters zeremoniell in Brand zu setzen. Dies entlockt dem sonst so ernsten Robb (Richard Madden) ein kleines Lachen - ein Anblick, den man vermisst hatte. Darüber hinaus stellt sich heraus, dass Edmure, gegen die Befehle seines Königs, einen taktischen Fehler im Krieg begangen und viele Männer verloren hat. Kein guter Start für ihn.

Robb hingegen wird endlich wieder als mächtiger King in the North präsentiert, nachdem seine Storyline seit dem Start der dritten Staffel eher wie eine Folge von Newlyweds wirkte. Mit kraftvoller Ausstrahlung liest er seinem Onkel die Leviten und flößt nicht nur ihm, sondern auch den Zuschauern wieder Respekt ein. Unterstützt wird der Eindruck, dass er seinen Spitznamen Young Wolf zu Recht trägt, auch als seine Frau Talisa (Oona Chaplin) beim Verarzten der jungen Gefangenen scherzhaft die Gerüchte bestätigt, Robb verwandle sich des Nachts in einen Wolf, um seine Gegner zu zerfleischen. Wenn das nur in Wirklichkeit auch der Fall wäre...

Michelle Fairley liefert in einer schönen Sequenz eine äußerst bewegende Leistung ab, als Catelyn in ihrer Trauer um ihren Vater und ihre jüngsten Söhne in Tränen ausbricht. Die Schuld, die beiden zurückgelassen zu haben, nagt an ihr. Die Hoffnung scheint sie aufgegeben zu haben. Es zeigt sich nun ganz deutlich, dass diese Frau emotional vollkommen am Ende ist, während ihre Reaktion in der vergangenen Episode noch etwas blass wirkte.

Ziemlich niedlich und rührend geht es derweil bei Arya (Maisee Williams) zu. Die Brotherhood without Banners verlässt den verhängnisvollen Gasthof. Die drei jungen Freunde sollen mit, allerdings nicht als Gefangene. Hier hießt es jedoch Abschied nehmen von Hot Pie (Ben Hawkey), der dort als Bäcker Anstellung findet und zurückbleibt. Dass er Arya ein Brot in Form eines Wolfs gebacken hat, ist so süß, dass man davon fast Diabetes bekommt. Gendrys (Joe Dempsie) unbeholfenes Schulterklopfen und Aryas trauriger Blick entlocken einem dann doch noch das „Aaawww“, das man zuvor noch mit Mühe zurückgehalten hatte. Für einen letzten Brüller aus dem Hause Hot Pie ist noch Zeit: „Arya Stark of Winterhell.“ So passend, dass es weh tut.

Von Eis und Feuer

Hoch im Norden sind die Wildlings noch immer unterwegs zur Wall, als sie im Schnee auf die zerstückelten Pferde der Night's Watch stoßen. An dieser Stelle wurde ein schöner Wink zur ersten Episode eingebaut, denn die blutigen Leichenteile wurden von den White Walkers ähnlich wie in Winter is Coming in einem Muster angeordnet, das von oben einen herrlich schaurigen und grotesken Anblick bietet. Dass nur noch die Pferde im Schnee verblieben sind, kann nur eines bedeuten: Die Brüder sind nicht länger tot. Jon (Kit Harington) ist davon merklich mitgenommen, stimmt Mance (Ciaran Hinds) gegenüber aber zu, dass er nicht länger zu ihnen gehört. Doch konnte er damit alle überzeugen? Mance macht nun allerdings Ernst. Die Wall soll erklommen werden, und das mit Jons Hilfe. Falls er nicht spurt, soll die Krähe das Fliegen lernen.

Lord Snow kommt hier leider wieder ziemlich kurz. Seine bisherige Rolle in dieser Staffel beschränkt sich auf verblüfftes Staunen und eingeschüchtertes Kauern vor dem King beyond the Wall. Zwar ist die Handlung um das sogenannte Free Folk und dessen Ziel, die Wall zu überkommen, durchaus spannend und wichtig für den Verlauf der Geschichte. Doch der emotionale Bezug zu Jon und dessen persönliche Entwicklung fehlen bisher ein wenig. Dabei machen doch gerade diese Seiten der Erzählung Jon zu einem so großen Favoriten der Fans.

In Astapor ringt Daenerys (Emilia Clarke) noch immer mit sich hinsichtlich des Erwerbs einer Sklavenarmee. Umgeben von Leiden und Grausamkeit scheint sie nicht willens, für ihr großes Ziel die eigene Menschlichkeit zu opfern. Ihren Gefolgsmännern Jorah (Iain Glen) und Berristan (Ian McElhinney), die um ihre Aufmerksamkeit und Zustimmung buhlen, schenkt sie dabei nicht sonderlich viel Beachtung. Wenigstens kann man als Zuschauer das Gefecht der eindrucksvollen Stimmen genießen, denn die haben beide vorzuweisen.

Die höflichen Übersetzungen der Sklavin Missandei (Nathalie Emmanuel) aus dem Valyrian des Sklavenhändlers sorgen wie auch in der Vorwoche für Schmunzeln. Allerdings tauchen hier erste Andeutungen auf, dass Dany durchaus versteht, was gesagt wird. Immerhin hat sie zuvor einen Sklaven verstanden, dem sie Wasser angeboten hatte, und auch der inzwischen bekannte Ausspruch „Valar Morghulis“ bereitet ihr keinerlei Schwierigkeiten.

Die Mother of Dragons steckt voller Überraschungen. Als deutlich wird, dass sie sich die gewünschten 8000 Sklaven nicht leisten kann, bietet sie einen schockierenden Preis: einen ihrer kostbaren Drachen. Unter den Protesten ihrer Männer trifft sie die Abmachung, den größten der Drachen für alle Sklaven inklusive Missandei herzugeben - ohne mit der Wimper zu zucken. Jorah, der seine Khaleesi mit Dackelblick geradezu anfleht, es nicht zu tun, kann einem echt leidtun. Daenerys hat aber wenig Mitleid mit ihren Beratern, als sie ihnen zu verstehen gibt, dass sie ihre Meinung vor Fremden für sich zu behalten haben. Dass sie an dieser Stelle kein Feuer speit, ist ein kleines Wunder. Doch wird sie tatsächlich einen ihrer Drachen verkaufen?

Von Brüsten und Bastarden

Weitere Fragezeichen auf der Stirn verursacht die Geschichte um Theon (Alfie Allen), der nun schließlich aus der Gefangenschaft befreit wird. Sichtlich geschwächt lehnt er sich auf seinen unbekannten Helfer (Iwan Rheon). Der setzt ihn auf ein Pferd und schickt ihn gen Osten, wo angeblich Theons Schwester wartet.

Unterwegs wird er allerdings von seinen Folterern eingeholt. Er liegt schon atemlos am Boden, die Hose in den Kniekehlen, vor seinem Vergewaltiger, als alle Männer von Pfeilen niedergeschossen werden. „You little Bastard“, ächzt der Anführer noch bedeutungsschwer, bevor er stirbt. Wieder ist der Unbekannte für Theons Rettung verantwortlich, der ihm aufhilft und mitnimmt. Wer ist der mysteriöse Schütze? Und warum hilft er Theon? Wurde er wirklich von dessen Schwester geschickt? Fragen über Fragen, doch eine Sache ist deutlich: Alfie Allen spielt Schmerzen, Gebettel und Gewinsel ausgesprochen gut. Da fühlt man sich fast schlecht, wenn man mehr davon sehen möchte. Aber nur fast.

Der Handlungsstrang um Tyrion (Peter Dinklage) ist diese Woche nicht nur von den üblichen Machenschaften am Hof und der Schlagfertigkeit des Löwen geprägt, sondern vor allem auch von Humor. Der Rat, den Lord Tywin (Charles Dance) einberufen hat, startet köstlich mit einem wortlosen Wett-Stühlerücken zwischen Cersei (Lena Headey) und ihrem Bruder. Wer kann sich den eindrucksvolleren Sitzplatz am Tisch angeln? Wer gewonnen hat, scheint noch nicht ganz klar. Zumindest bis der neue Hand of the King Tyrion zum Master of Coin übergibt, damit Littlefinger (Aiden Gillen) - von Bronn liebevoll „Lord Twatbeard“ genannt - Lysa Arryn heiraten kann. Tyrion und mit Geld umgehen? Ein Gedanke, der nicht nur Cersei amüsiert.

Im Weiteren stiehlt Tyrions Knappe Podrick (Daniel Portman) seinem Herrn allerdings die Schau. Als Dank dafür, dass er ihm bei der Schlacht am Blackwater das Leben gerettet hat, spendiert der jüngste Lannister dem jungen Mann nicht eine, nicht zwei, nein, gleich drei Huren. Hier wird die in den vorherigen Folgen eher sparsam eingesetzte Nacktheit mehr als nur wieder rausgeholt. Als Sahnehäubchen auf dem Nackedeikuchen gibt es fragwürdige Akrobatik zu sehen. Zumindest über Podricks Gesichtsausdruck kann man jedoch lachen.

Richtig lustig wird es allerdings, als der Glückliche mit vollen Taschen wieder zurückkehrt. Die Damen hatten so einen großen Spaß, dass sie das Geld nicht wollten? Wein her, es ist Zeit für eine Tratschrunde mit Tante Tyrion. Man will Details hören. Ob diese Szenen einen weiteren Sinn hatten, der sich einem erst später eröffnen wird, ist zweifelhaft. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass Game of Thrones mit einer Überraschung um die Ecke kommt.

The Kingslayer and the Maiden Fair

Nicht viel zu lachen haben unterdessen Brienne (Gwendoline Christie) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), auch wenn Boltons Männer noch so fröhlich „The Bear and the Maiden Fair“ (das wohl beliebteste Lied des Landes) singen. Aneinander gebunden werden sie von ihren Geiselnehmern mitgeschleppt, was die beiden aber natürlich nicht davon abhält, sich gegenseitig die Schuld für die Situation die Schuhe zu schieben und sich weiter zu sticheln. Dabei zuzuhören ist so spaßig wie immer. Allerdings zeigt sich auch bald, dass Jaime sich trotz allem um Brienne und deren Wohlbefinden sorgt. Denn seine ehrliche Empfehlung ist es, sich nicht gegen spätere Vergewaltigungen zu wehren. Während der Lannister nämlich ein Gefangener von großem Wert ist, haben Boltons Männer für die Lady of Tarth wohl nur eine Verwendung.

Als die Gruppe schließlich ihr Lager aufschlägt und Brienne von den Männern für ihre unehrenhaften Absichten abgeführt wird, bleibt Jaime sichtlich hin und her gerissen zurück. Briennes Schreie verhallen schon im Hintergrund und man sitzt förmlich auf der Stuhlkante, als Jaime endlich spricht. Wisse der Mann denn nicht, wie viel die Lady der sogenannten Saphire Island wert sei und warum die Insel so genannt werde?

Große Erleichterung als Brienne unbeschadet wieder zurückgebracht und an den Baum gebunden wird. Doch diese hält nicht lange an. Wo Jaime gerade seine goldene Zunge so wirkungsvoll zum Einsatz gebracht hat, pokert er noch höher. Er sei ja immerhin noch viel mehr wert, wenn er zurück zu seinem Vater gebracht würde. Es scheint, er bekomme seinen Willen und noch dazu ein Mahl am Feuer, doch da hat sich der Kingslayer wohl verschätzt. Mit einem Messer im Gesicht - oh Gott, sticht er ihm jetzt etwa das Auge aus? - wird ihm deutlich gemacht, dass der Name seines Papis ihn nicht aus jedem Schlamassel befreien kann und wie hilflos er ohne diesen eigentlich ist. Das Messer verschwindet aus seinem Gesicht, man will gerade aufatmen - da wird Jaime als Erinnerungsstütze die Hand abgehackt. Sein Schrei hält an, während das Bild schwarz wird.

Fazit

Game of Thrones ist nun richtig in Fahrt. Walk of Punishment bringt die Erzählung an zahlreichen Fronten bedeutend voran, ohne wie die vorherige Episode zu vollgestopft zu wirken. Dazu werden Schocker, Lacher sowie traurige Momente geboten. Runder hätte die Folge kaum sein können, wenn auch einige Figuren im Plot untergingen. Schönes Plus: „The Bear and the Maiden Fair“ in der Studioversion von The Hold Steady während des Abspanns.

Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 15. April 2013
Episode
Staffel 3, Episode 3
(Game of Thrones 3x03)
Deutscher Titel der Episode
Der Weg der Züchtigung
Titel der Episode im Original
Walk of Punishment
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 14. April 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 2. Juni 2013
Regisseure
David Benioff, D.B. Weiss

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x03

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