Game of Thrones 3x02

Dark Wings, Dark North
Ähnlich wie die vorherige Folge Valar Dohaeris startet Dark Wings, Dark Words mit einer Figur, die keuchend vor etwas zu fliehen scheint. Dieses Mal handelt es sich um Bran (der ganz schön groß gewordene Isaac Hempstead Wright), der auf der Jagd nach der dreiäugigen Krähe ist. Spätestens jetzt sollte auch dem letzten klar geworden sein, dass es sich hierbei um einen seiner magischen Träume handelt. Zum ersten Mal seit der ersten Folge der Serie sehen wir hier auch die Brüder Bran, Robb (Richard Madden) und Jon (Kit Harington) glücklich vereint. Als wäre das nicht schon herzzerreißend genug, hört Bran dann auch noch in einer Art „König-der-Löwen-Moment“ die Stimme seines Vaters aus den Bäumen kommen. Beim Erwachen kehrt er in die bittere Realität zurück: Der größte Teil seiner Familie ist fort und er ist mit seinen Begleitern auf der Flucht.
Alleine bleiben die Ausreißer aus Winterfell jedoch nicht lange, denn schon bald treffen sie auf zwei jungen Unbekannte, die sich als Jojen Reed (Thomas Sangster) und dessen Schwester Meera (Ellie Kendrick) herausstellen. Diese sind Buchlesern bereits seit dem zweiten Roman bekannt und bringen nun ein bisschen mehr Fantasy in Brans Geschichte. Denn Jojen weiß nicht nur von Brans prophetischen Träumen, sondern teilt seine Begabung und deutet die Möglichkeit an, diese zu kontrollieren. Der Weg der nun gewachsenen Truppe dürfte also einiges an Unnatürlichem bereithalten.
Für Robb und Catelyn (Michelle Fairley) bewahrheitet sich unterdessen das Sprichwort „Dark Wings, Dark Words“, als sie gleich mehrere schlechte Nachrichten erreichen. Catelyns Vater Lord Tully liegt im Sterben, Winterfell wurde niedergebrannt und von Bran und Rickon gibt es keine Spur. Die Reaktion der beiden auf die vermeintlichen Tode ihrer Kinder ist hier vielleicht etwas blass, wird aber später ausgearbeitet.
Während Catelyn auf dem Weg nach Riverrun für sich bleibt, um für das Wohl ihrer Söhne zu beten, erzählt sie ihrer Schwiegertochter Talisa (Oona Chaplin), wie sie Jahre zuvor Unheil über ihr Haus heraufbeschworen habe. Aus Hass habe sie ihrem Stiefsohn Jon Snow den Tod gewünscht. Doch als dieser die Pocken bekam, habe sie aus schlechtem Gewissen um sein Leben gefehlt und geschworen, ihn wie ihren eigenen Sohn zu behandeln. Das Grauen, das den Starks in den letzten Monaten wiederfahren ist, sei der Preis für ihr gebrochenes Versprechen. Die Szene wirft ein neues Licht auf Lady Catelyn und ihren Hass auf Jon Snow, aber auch auf ihren inneren Schmerz ob des Schicksals ihrer Familie. Talisa hingegen bleibt wie immer ein schlichtes Plot Device.
Northern Hospitality
Robb muss sich unterdessen mit den Zweifeln seiner Männer auseinandersetzen. Ob der Umweg zur Beerdigung seines Großvaters taktisch so klug ist? Der King in the North ist allerdings von seinem Plan überzeugt, denn immerhin hat Riverrun auch einige Männer zu bieten, die sein mageres Heer aufstocken können. Doch Lord Karstark hat die Hoffnung offenbar bereits aufgegeben: „You lost the war the day you married her.“ Vielleicht sollte Lady Catelyn auch noch das Abwehren von Foreshadowing in ihre Gebete einflechten.
Ebenfalls unterwegs nach Riverrun ist Arya (Maisie Williams) mit Gendry (Joe Dempsie) und Hot Pie (Ben Hawkey). Der unwissentliche Sohn von Robert Baratheon spricht hier eine Sache an, über die sich sicherlich auch schon einige Zuschauer Gedanken gemacht haben: Arya hätte die Tode von drei Männern heraufbeschwören können. Statt sich die großen Fische wie Joffrey oder Tywin Lannister zu angeln, hat sie sich für Bedrohungen in ihrer Umgebung entschieden. Doch Arya lebt nun einmal im Augenblick und denkt nicht langfristig. Sie mag noch so eine starke Figur sein - dennoch ist sie auf ihre Art ein naives, übermütiges Mädchen. Dies zeigt sich auch, als sie glaubt, ihre Schwertkünste reichten aus, um sich aus der folgenden Situation zu kämpfen.
Denn als die drei schließlich der Brotherhood without Banners über den Weg laufen und gegen ihren Willen zu einem Gasthaus mitgenommen werden, überschätzt sich die jüngere Stark-Tochter gewaltig und muss sich ihre Hilflosigkeit eingestehen. Zunächst scheint es, als könnten sie sich - harmlos wie die drei wirken - problemlos davonmachen, doch natürlich kommt es dann doch anders. Ein weiterer Gefangener, der in den Raum geführt wird, entpuppt sich als niemand Geringeres als The Hound (Rory McCann), der sie in seiner üblich charmanten Art als Arya Stark enttarnt.
Queen's Landing
In der Hauptstadt hat König Joffrey (Jack Gleeson) sein höfliches Getue aus der letzten Folge abgelegt. Bei einer Anprobe mit Gespräch über seine Zukünftige zeigt sich wieder deutlich, dass der angebliche Baratheon schon längst nicht mehr unter der Fuchtel seiner ungewöhnlich kleinlauten Mutter Cersei (Lena Headey) steht und auch den letzten Respekt vor ihr verloren hat. Vorschreiben lässt er sich nämlich schon längst nichts mehr, erst recht keine Blumenmuster!
Auch im Gespräch mit Margaery (Natalie Dormer) ist nicht viel vom Charme übrig, den er zuvor an den Tag gelegt hatte. Diese spielt vor ihm geschickt die Naive, als er sie nach ihren „Pflichten“ als Renly's Ehefrau fragt. So scheint es dem jungen Mann zunächst gar nicht aufzufallen, dass sie sich ihm annähert. Das Gespräch über seine große, starke Armbrust sorgt wegen phallischer Symbolik für etwas Schmunzeln, bringt die Spannung zwischen den beiden aber gut rüber. Bemerkenswert ist es außerdem, wie der so kalt wirkende Joffrey plötzlich aufhorcht und ehrliches Interesse zeigt, als Margaery vom Töten spricht. Da bahnt sich wohl eine merkwürdige Vorliebe an.
Von Spannungen kann auch Sansa (Sophie Turner) ein Liedchen singen. Während sie mit ihrer Magd Shae (Sibel Kekilli) vertrauter denn je wirkt, als diese sie vor den dubiosen Absichten von Littlefinger warnt, ist die ältere Stark-Tochter noch immer vorsichtig. Vielleicht aber nicht vorsichtig genug. Lord Baelish gegenüber scheint sie aufgrund von dessen Verbindung zu ihrer Mutter kein Misstrauen an den Tag zu legen. Im angespannten Gespräch mit Margaery und deren Großmutter Lady Olenna (Diana Rigg), die genau wissen wollen, wie Joffrey tatsächlich so ist, hütet Sansa ihre Zunge. Doch als das Gespräch auf ihren Vater kommt, bricht auch ihre sichtbare Verzweiflung durch. „He's a monster!“, beendet sie ihre Tirade dramatisch. Die Reaktion der Tyrell-Damen ist unerwartet amüsant. Die Queen of Thorns findet das bloß schade, ihre Enkelin knabbert unbekümmert an einer Frucht. Überrascht ist man davon offensichtlich nicht. Doch war das ein kluger Zug von Sansa oder zeigt sich hier nur wieder ihre Naivität?
Lady Olenna ist nur eine von vielen neuen Figuren, die in dieser Folge eingeführt werden. Sie sticht mit ihrer unverblümten Art und scharfen Zunge aber wohl am meisten heraus und macht diese Szene zu einem der Highlights der Episode. Schade ist hier allerdings die Abwesenheit des Lieds „The Bear and the Maiden Fair“, das der Dramatik dieser Szene im Roman einen sehr amüsanten Aspekt verleiht. Dieses wurde für die Serie bekanntermaßen umgesetzt, wird aber wohl für eine spätere Folge aufgespart.
Elsewhere in Desperos
Wie immer eine absolute Freude sind die Szenen zwischen Brienne (Gwendoline Christie) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau). Im Auftrag von Lady Catelyn ist die Lady of Tarth noch immer mit dem Kingslayer unterwegs nach King's Landing. Dieser lässt sich vielleicht widerstandslos mitführen, aber einfach macht er es ihr mit Sicherheit nicht. Vielleicht hätte sie neben Handfesseln auch in einen Knebel investieren sollen, denn um sie aus dem Konzept zu bringen, quasselt Jaime ununterbrochen auf sie ein. Die Sticheleien reichen von ihrer Statur über Renly bis hin zu ihrer Schweigsamkeit und machen für den Zuschauer einfach nur Spaß. Mehr davon, bitte! Ein weiterer toller Augenblick ist Briennes pikiertes Gesicht im Hintergrund von Jaimes Urinstrahl, während ihr Begleiter sich erleichtert. Da weiß die Lady wohl nicht so recht, wohin sie schauen soll...
Aus Spaß wird allerdings schnell Ernst, als Jaime seine Geiselnehmerin überlistet und eins ihrer Schwerter zieht. Was folgt, ist ein großartiger Schwertkampf mit beeindruckender Choreographie, gewürzt mit weiteren Beleidigungen und herablassenden Kommentaren von ihm. Schön zu sehen ist, wie die ungleichen Gefährten aber gleich wieder an einem Strang ziehen, als sie von Lord Boltons Männern entdeckt werden. Dass nun beide Gefangene sind, kann ihre Dynamik eigentlich nur noch interessanter werden lassen.
Theon (Alfie Allen) befindet sich derweil in einer wahrhaft misslichen Lage. An ein Kreuz gebunden wird er rücksichtslos von Unbekannten gefoltert. Was auch immer der Erbe des Hauses Greyjoy erzählt, es endet nur in noch mehr (ausgiebig gezeigten) Schmerzen. So werden die Szenen mit Theon und dessen armseligem Gewimmer auch für die Zuschauer zur Folter. Wer behauptet, nicht zumindest zusammengezuckt zu sein, lügt! Ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont, als ein vermeintlicher Niemand auf ihn zukommt und ihm eröffnet, er werde ihn im Auftrag seiner Schwester retten.
Der in den vergangenen Staffeln stark als Gegenspieler aufgebaute Charakter, der die Macht gewissermaßen in der Hand hatte, befindet sich nun plötzlich in einer hilflosen Lage, in der man als Zuschauer nur noch Mitleid mit ihm haben kann. Wie schon einige Figuren vor ihm wurde Theon vom Spieler zum Spielstein herabgestuft. Bisher scheint sich anzudeuten, dass dieser Handlungsstrang sich von dem in den Büchern unterscheiden wird. Wie stark bleibt aber noch abzuwarten.
Fazit
Nach dem eher gemächlichen Start in die Staffel gibt Game of Thrones nun wieder Vollgas. So werden nicht nur die Handlungsstränge vieler altbekannter Figuren wesentlich vorangetrieben, sondern auch zahlreiche neue eingeführt. Dadurch wirkt Dark Wings, Dark Words ein klein wenig überladen. Mehr gibt es allerdings nicht zu beanstanden, denn die Geschichte und Charaktere sind so faszinierend in Szene gesetzt wie eh und je.
Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 8. April 2013(Game of Thrones 3x02)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x02
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