Game of Thrones 3x05

Game of Thrones 3x05

Feuerlöscher bereithalten! In der neuen Episode der Fantasyserie Game of Thrones greifen Flammen um sich. Kissed by Fire bringt einige Geschehnisse ins Rollen und teilt emotionale Schläge aus, die es in sich haben.

Robb Stark (Richard Madden) brütet über dem Schlachtplan. / (c) HBO
Robb Stark (Richard Madden) brütet über dem Schlachtplan. / (c) HBO

The losing side

Ganz im Zeichen des Titels wird Kissed By Fire, die fünfte Episode der dritten Staffel von Game of Thrones durch Flammenschein eingeleitet, der sich fast in jeder Szene und jedem Übergang wiederfindet. Der Showdown zwischen dem Hound (Rory McCann) und Beric Dondarrion (Richard Dormer) steht an und hier zeigt sich endlich, was am Anführer der brotherhood without banners überhaupt besonders ist. Er ist nämlich nicht nur ein so guter Schwertkämpfer, dass selbst eine Kampfmaschine wie der Hound kein leichtes Spiel hat. Als er schließlich von Clegane getötet wird, wird er vom Red Priest Thoros of Myr wieder auferweckt. „Not today“, sagt er über das Ableben seines Gegners, in einer schönen Anspielung auf das ikonische „What do we say to the God of Death? Not today.“ aus der ersten Staffel. Natürlich bezieht sich diese Aussage aber auch genauso auf ihn selbst, der nun bereits zum sechsten Mal dem Tod entronnen ist.

Der Kampf selbst ist großartig anzusehen. Die allgegenwärtigen Flammen sowie die sprühenden Funken verleihen dem Gefecht eine fast mystische Optik, die angesichts der Thematik um den lord of light angemessen ist. Besonders toll ist jedoch, wie dreckig dieser Kampf tatsächlich ist. Hier fechten keine ehrenhaften Ritter, sondern Verbrecher. Ein bisschen Genugtuung erlebt man wohl außerdem angesichts der offensichtlichen Angst, die der Hound vor dem Feuer hat.

Arya (Maisee Williams) verliert derweil etwas ganz anderes. Dass Gendry (Joe Dempsie) sich entscheidet, als Schmied bei der brotherhood zu bleiben, bedeutet, dass sie ihren letzten Freund verliert. „I can be your family“, sagt Arya in einem rührenden Moment zu ihm, doch Gendry weiß, dass er als Bastard nie mehr sein könnte als ihr Diener. Denn mit der Rückkehr zu ihrer Familie kehrt sie auch zur ihrer Identität als Arya Stark zurück. Hier liegt das Bittere, das einem richtig ins Herz sticht. Denn empfände er sich als ihr ebenbürtig, würde er ihre Seite sicherlich nicht verlassen, Familie hin oder her. Noch nie hat es so geschmerzt, dass Gendry nichts von seiner tatsächlichen Herkunft weiß.

Auch bei Aryas echter Familie läuft es weiter tragisch. Robb (Richard Madden) tritt weiterhin als mächtiger king in the north auf, als Lord Karstark (John Stahl) aus Rache die jungen Lannisters ermordet. An dieser Stelle zeigt sich, wie sehr der älteste Stark nach seinem Vater kommt. Für ihn steht nach dem Tod der Geiseln nämlich nicht der taktische Nachteil im Krieg an erster Stelle, sondern seine Ehre. Genau die gleiche Verteilung der Prioritäten leitet ihn auch zur der Entscheidung, Lord Karstark als Verräter hinzurichten. Dass der „king who lost the north“ dadurch weitere Männer verliert und nun wieder auf Lord Frey angewiesen ist, sind nur zwei weitere Schritte auf dem Weg zur Niederlage, welche sich seit Beginn der Staffel abzeichnet.

In einer fantastischen Sequenz im Regen enthauptet Robb also seinen Gefolgsmann. Dadurch wird eine weitere Parallele zu seinem Vater gezogen, der bereits in der ersten Episode Winter Is Coming erklärte, dass, wer das Urteil fällt, auch selbst das Schwert schwingen sollte. Robb nimmt dieser Wendepunkt in seiner Herrschaft als König aber sichtlich mehr mit als Ned. Verfolgen soll es ihn, bis ans Ende seiner Tage. Und das wird es auch.

Bare your soul

Feurig wird es bei Jon Snow (Kit Harington) in dieser Episode allemal. Nachdem sein Zögern beim Verraten von Informationen über die night's watch nur weiter zum Misstrauen der Wildlings beiträgt, muss er sich endlich beweisen. Was könnte da besser dienen als das Brechen seines Schwurs? Allerdings muss Ygritte (Rose Leslie), die sich für Jon ganz schön weit aus dem Fenster lehnt, sich eines Tricks bedienen. „Klassische“ Verführungskünste sind bereits mehrfach fehlgeschlagen, da muss man zu Methoden aus dem Kindergarten greifen und sein Schwert klauen - bei Jons Reife diesbezüglich vielleicht nicht ganz unpassend.

Die Szene in der Höhle ist wohl eine, auf die die Zuschauer schon besonders lange warten. Sie ist nur die erste von einigen Nackt- und Sexszenen in dieser Folge, symbolisiert aber vor allem den Moment, in dem Jon seine Schwüre, seine Ehre und seine Überzeugungen in den Wind schießt. Was er tut, tut er nicht einfach nur, um sich den Wildlings gegenüber zu beweisen. Er will es und entfernt sich so weiter von Jon, dem Bruder der night's watch, und nähert sich Jon, dem Wildling.

Besonders schön war auch die Rückkehr von Ygrittes Lieblingssatz „You know nothing, Jon Snow“, der sehr aussagekräftig in ein Stöhnen übergeht. Etwas weiß der Gute wohl doch besser als sie. Dass aus dem endlosen Gezanke so plötzlich Geturtel geworden ist, mag dem einen oder anderen etwas abrupt erscheinen. Allerdings war es auch an der Zeit, dass die beiden ihre Gefühle füreinander zeigen, nachdem sich die sexuelle Spannung entladen hat. Zu gönnen ist es Jon, dessen Leben nun wirklich kein Zuckerschlecken ist, allemal.

Von Nacktheit und Intimität können Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gwendoline Christie) ebenfalls ein Liedchen singen. Dass die beiden gemeinsam in einem Becken baden, ist natürlich im wahrsten Sinne des Wortes bloße Provokation des Kingslayers. Tatsächlich ist diese Nacktheit und Verletzlichkeit voreinander aber eine Versinnbildlichung dessen, was nach dem üblichen Gezänk folgt, denn Jaime lässt in jeder Hinsicht alle Hüllen fallen.

Der Zuschauer lernt hier eine gänzlich neue Seite des Lannisters kennen, der im ganzen Reich als ehrenloser Schwurbrecher gilt. Dieses Bild, das von weiteren skrupellosen Taten wie dem Herunterschubsen von Bran nur noch verstärkt wurde, reißt hier ein, als er von seinen Motiven für den Mord am sogenannten mad king erzählt. Diese Szene beweist erneut, wie großartig Game of Thrones es versteht, Figuren in all ihren Grauschattierungen zu zeichnen. Niemand ist und handelt eindeutig gut oder böse, auch der Kingslayer nicht. Die Bitterkeit und der Schmerz, die hier von Nikolaj Coster-Waldau rübergebracht werden, sind in ihrer Subtilität atemberaubend. Die Worte „My name is Jaime“ sind ein weiterer verzweifelter Versuch, die Vergangenheit als Kingslayer hinter sich zu lassen. Eine sehr beeindruckende und sicherlich die emotional mitreißendste Szene der Episode, die Jaime Lannister eine Menge Tiefe verleiht.

Zum Ekelfaktor durfte dieser Handlungsstrang allerdings auch beitragen. Der blutige Stumpf von Jaimes Hand ist an sich schon kein schöner Anblick. In Kombination mit dem unangenehmen Anschnallen des Gurts, dem Schmerz auf seinem Gesicht und der Nahaufnahme vom Abschneiden ist das Ergebnis kaum mit anzusehen. Aber einer weiteren Tatsache kann sich der Zuschauer sicher sein: Ganz gebrochen kann Jaime nicht sein, wenn er eindrucksvoll drohen und diese Prozedur ohne Betäubung ertragen kann.

Wedding Bells

Die Handlung in King's Landing dreht sich in dieser Woche gänzlich um Hochzeiten. Bei der Besprechung der Vermählung zwischen Joffrey und Margaery sorgt die Queen of Thornes (Diana Rigg) wieder für Schmunzeln. Ihre herrische Art macht nämlich auch vor dem Tyrion (Peter Dinklage) keinen Halt. Außerdem sorgt sie für einen amüsanten Fall von too much information: Von ihrem Stuhlgang wollte wohl weder der master of coin noch der Zuschauer hören.

Im Mittelpunkt des Ganzen steht aber eigentlich die unwissende Sansa (Sophie Turner), die als eventuelle Erbin von Winterfell eine entscheidende Spielfigur im „Game of Thrones“ darstellt. Das haben einige Parteien erkannt, nämlich Littlefinger (Aiden Gillen), die Tyrells und auch die Lannisters. So reißen sich alle um die arme Sansa, die zum ersten Mal in dieser Staffel etwas Verstand beweist, als sie Littlefinger nicht gleich verrät, warum sie ihn doch nicht begleiten will. Schade nur, dass dieser längst weiß, dass sie an Loras Tyrell (Finn Jones) verheiratet werden soll. Dass der wieder einmal besonders schmierige Lord Baelish einfach kampflos aufgibt, scheint allerdings untypisch. Was da noch folgt, dürfte interessant werden.

Für Tywin Lannister (Charles Dance) kommt das selbstverständlich nicht in Frage - und er hat längst einen Plan, um Sansa unter der Lannister-Fuchtel zu behalten: Sie soll Tyrion heiraten. Dieser ist von diesem Vorschlag entsetzt - und das vor allem wegen Sansa, die nun wirklich schon einiges mitmachen musste. Cersei (Lena Headey) sieht währenddessen aus, als würde sie vor Freude gleich anfangen zu tanzen, zumindest bis sie hört, was ihr Vater für sie in petto hat. An solch herrliche Emotionswechsel auf ihrem Gesicht könnte man sich glatt gewöhnen.

Die Anspannung zwischen Tyrion und Tywin erreicht in dieser Szene einen weiteren Höhepunkt, die Böses vorausahnen lässt. Nachdem the hand of the king seinen unwilligen Nachwuchs zurechtweist, hinterlässt er die beiden wie gescholtene Kinder, die es nicht wagen, Widerworte zu geben. Somit scheint das Schicksal dieser Figuren besiegelt. Besonders Sansa steht damit wieder ein weiterer Schlag bevor sowie die Einsicht, dass sie immer noch nichts weiter ist als eine Schachfigur zwischen den Spielern.

Human after all

Nun da Melisandre fort ist, scheint Stannis (Stephen Dillane) nicht nur noch weiter in seine Sinnkrise zu rutschen, sondern auch wieder Zeit für seine Familie zu finden. Diese wurde für die Serie offenbar ein wenig dramatischer ausgelegt. Vielleicht dient dies dem Zweck, dem kalten Baratheon etwas Leben und Tragik einzuhauchen und seine Hingabe zur Red Priestess zu erklären. Seine Frau Selyse (Tara Fitzgerald) scheint dem Glauben an R'hllor noch wesentlich mehr zu verfallen als er selbst, tatsächlich wirkt sie ziemlich neben der Spur. Für die Zuschauer scheinen die Anhänger dieses Glaubens ohnehin ähnlich Sektenmitgliedern zu sein und von allen ist Selyse anscheinend die bisher fanatischste. Dass sie ihre Totgeburten in schaurig aussehenden Einmachgläsern aufbewahrt, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass sie wirkt, als sei sie bei Verstand. Dieses Bild stößt Jaimes blutigen Stumpf vom Ekelthron.

Stannis's entstellte Tochter Shireen mausert sich schnell zur Sympathieträgerin, als sie zu ihrem Freund Davos (Liam Cunningham) steht, obwohl dieser von ihrem Vater zum Verräter erklärt wurde. Wie sie diesen in seiner Gefängniszelle besucht, um ihm Bücher zu bringen, und versucht, ihm das Lesen beizubringen, ist einfach nur niedlich. Da ihre Rolle im Gegensatz zur Romanvorlage größer zu sein scheint, könnte man spekulieren, dass sie entscheidend für Davos' weitere Geschichte sein wird. Ob sie ihn aus seiner Gefangenschaft befreien kann?

Die Handlung um Danaerys (Emilia Clarke) wurde in dieser Episode ordentlich zurückgeschraubt, nachdem sie in der vergangenen Woche mit einer der großartigsten Szenen Gänsehaut ausgelöst hatte. Untermauert werden in dieser Sequenz zwei Dinge, die bereits vorher ersichtlich geworden waren. Zum einen Danys Menschlichkeit und Mitgefühl mit den ehemaligen Sklaven, die sie als starke, aber keineswegs kaltherzige Königin ausweisen. Zum anderen die Tatsache, dass die unsullied der letzten Targaryen - in einer Spiegelung ihrer humanen Art - freiwillig und aus Überzeugung folgen. Wie Ser Barristan (Ian McElhinney) bereits in der letzten Episode sagte: Ein Königreich gewinnt man mit treuen Gefolgsleuten, nicht mit Sklaven. Für die mother of dragons scheint es momentan nicht besser laufen zu können.

Fazit

Man merkt an gleich, dass nun die Mitte der Staffel erreicht wurde und es somit in großen Schritten auf das Finale zugeht. So wurden in Kissed by Fire zahlreiche wichtige Geschehnisse in Gang gesetzt, aber auch zwischenmenschlich handelt es sich um eine starke Episode. Emotional sehr packend bringt sie die Zuschauer bestimmten Figuren näher und aus Erfahrung weiß man, dass es diese sind, um die man besonders bangen muss. Auch an Action und schöner Inszenierung hat es wieder einmal nicht gemangelt. Eine der stärksten Folgen der bisherigen Staffel.

Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 29. April 2013

Game of Thrones 3x05 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 5
(Game of Thrones 3x05)
Deutscher Titel der Episode
Vom Feuer geküsst
Titel der Episode im Original
Kissed by Fire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. April 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 16. Juni 2013
Regisseur
Alex Graves

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x05

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