Game of Thrones 3x06

Game of Thrones 3x06

Bei der Fantasy-Serie Game of Thrones dreht sich in der neuen Episode The Climb alles sowohl um das metaphorische als auch um das wörtliche Hinaufklettern. Von spaßiger Folter und jugendlichen Ausflügen in die Homosexualität.

Melisandre (Carice van Houten) verdreht der Brotherhood den Kopf. / (c)
Melisandre (Carice van Houten) verdreht der Brotherhood den Kopf. / (c)

Stark Contrast

Die sechste Episode der dritten Staffel, The Climb, steht gänzlich im Zeichen des Aufstiegs. Der erste Kandidat für einen eher fraglichen Aufstieg ist Gendry (Joe Dempsie). In einer selbst für Buchleser überraschenden Wendung taucht Melisandre (Carice van Houten) bei der Brotherhood auf, um sich dort das königliche Blut zu holen, das sie benötigt. Er sei so viel mehr wert als die Brüder, von denen er für Gold verraten wurde. Ob sich seine Situation allerdings wirklich verbessert, ist mehr als fraglich.

Hierbei handelt es sich um eine recht große Abweichung vom Buch, die aber durchaus sinnvoll ist. Zum einen wird hier die Einführung einer weiteren Figur umgangen - angesichts der vielen neuen Gesichter, die in dieser Staffel bereits eingeführt wurden, kann das Wegfallen von Edric Storm gut verschmerzt werden. Zum anderen verliert der Zuschauer so Gendry nicht aus den Augen, dessen Weg sich von Arya getrennt und womöglich verlaufen hätte.

Interessant am Auftauchen Melisandres ist allerdings auch das Bild, das dadurch vom Lord of Light gezeichnet wird. Während die Religion um R'hllor zuvor immer wie eine belächelbare Sekte wirkte, erscheint sie nun immer stärker und echter. Das begann selbstverständlich mit der Auferstehung von Beric Dondarrion (Richard Dormer), wird nun aber noch einmal durch das Zusammenspiel von Melisandre und Thoros (Paul Kaye) untermauert. Dies ist sicherlich eine Entwicklung, die es im Auge zu behalten lohnt. Als one true god bezeichnet er den Gott. Und so wirkt er inzwischen auch.

Arya (Maisie Williams) scheint derweil die einzige zu sein, die von der roten Frau weder eingeschüchtert noch eingenommen zu werden scheint. Dies ist vermutlich wieder einmal ihrem Übermut zuzuschreiben, der auch beim Bogenschießen angesprochen wird: „You're not as good as you think you are“. Auch in diesem Fall scheint sie damit nicht an das gewünschte Ziel zu kommen. Melisandres mysteriöse Prophezeiung klingt nämlich im besten Fall Unheil verkündend und im schlimmsten wie eine Drohung.

In Riverrun versucht Robb (Richard Madden), das Verhältnis zu den Freys wieder zu flicken. Der sonst so energische und mächtige King Robb sitzt hier allerdings als ziemlich kleinlauter Wolf am Verhandlungstisch. Wie er so überhöflich nickt und Zugeständnisse macht, zeigt eindeutig: Er ist verzweifelt. Ohne die Freys ist er verloren. Zum ersten Mal spricht er vor seiner Familie aus, was sich schon in den vergangenen Episoden angedeutet hat: Trotz all des militärischen Erfolgs verliert er diesen Krieg. Die Erleichterung auf seinem Gesicht, als sein Onkel schließlich nachgibt, ist nicht zu übersehen.

Der arme Edmure ( Tobias Menzies) darf in dieser Szene wieder ein wenig als Witzfigur herhalten. Der stille Moment, in dem er verarbeitet, was von ihm verlangt wird, sorgt für einen der wenigen Lacher in dieser Folge. Das Image vom Versager bleibt wohl weiter an ihm haften, denn erst die Erinnerung an seinen taktischen Fehler im Krieg lässt ihn schließlich einknicken. Edmure ist und bleibt der arme Tropf dieses Handlungsstrangs.

A Game of Weddings

In der Hauptstadt dreht sich noch immer alles um die anstehenden Eheschließungen. Das absolute Highlight dieses Handlungsstrangs ist zweifellos das Gespräch zwischen Tywin (Charles Dance) und Lady Olenna (Diana Rigg). Was eigentlich eine Verhandlung sein soll, wird bald zu einem unterhaltsamen Wetteifern: Was ist wohl der größere Schandfleck? Homosexualität oder Inzest? Während die Queen of Thornes wie immer kein Blatt vor den Mund nimmt und keinen Hehl aus den Vorlieben ihres Enkels macht, bleibt Lord Lannister wie gewohnt hart. Nicht einmal, als sie Loras als „Schwertschlucker“ bezeichnet und Tywin selbst sexuelle Abenteuer in der Jugend unterstellt, zuckt er nicht mit der Wimper. Dafür sorgt dieses Gespräch für sehr große Erheiterung beim Zuschauer.

Inhaltlich interessant ist jedoch, dass es hier einzig und allein um Loras zu gehen scheint, obwohl das tatsächliche Ziel des ganzen Unterfangens Sansa ist. Die Argumente, die die beiden besprechen, sind zwar nicht von der Hand zu weisen, allerdings wollen sich die Parteien nicht in die Karten gucken lassen. Beide Seiten möchten sich den Norden sichern, zu dem die ältere Stark-Tochter der Schlüssel ist. Tywins einziges Ziel in dieser Szene ist es, Loras als Heiratsmaterial aus dem Weg zu räumen. Erst durch Erpressung erreicht er es auch schließlich, wofür er von seinem Gegenüber tatsächlich noch Respekt erntet. Eine großartige Szene, in der zwei Ebenbürtige auf hohem Niveau das metaphorische Spiel spielen.

Dass den Plänen nichts mehr im Weg steht, ist auch Tyrion (Peter Dinklage) und Cersei (Lena Headey) nicht entgangen. Zum ersten Mal in dieser Staffel giften sich die Geschwister jedoch nicht an. Sie sitzen im selben, machtlosen Boot. Statt weiter im Geheimen nach der Wahrheit zu suchen, fragt der Imp seine Schwester nun geradeheraus, ob sie ihn töten lassen wollte. Die Gewissheit, dass es Joffrey war, wird Tyrion sicherlich nicht genug sein.

Tyrions Leben wird nicht gerade einfacher, als er Sansa (Sophie Turner) in Anwesenheit von Shae ( Sibel Kekilli) eröffnen muss, was auf sie zukommt. „Awkward“ ist ein sehr treffender Ausdruck dafür. Schade ist es deshalb, dass dies off screen geschieht. Die Reaktionen der beiden Damen wären sicherlich interessant gewesen. Sansas verheultes Gesicht an späterer Stelle spricht jedoch Bände.

Littlefinger (Aiden Gillen) hüpft derweil fast vor Schadenfreude, denn sein ewiger Gegenspieler Varys (Conleth Hill) ist aus dem Spiel um Sansa als Verlierer hervor gegangen. Doch dabei bleibt es nicht. Zum ersten Mal macht Littlefinger nicht mehr nur einen manipulativen und ehrgeizigen Eindruck - man geht einen Schritt weiter und macht ihn grausam. Denn seine Rache an Ros (Esme Bianco) für ihren Verrat ist nicht einfach nur der Tod. Lord Baelish hat sie Joffrey (Jack Gleeson) überlassen, der sie allem Anschein nach zu einem qualvollen Ende kommen ließ. Die Frage allerdings ist, ob man hier in der Entwicklung von Littlefinger nicht doch zu weit gegangen ist. Eindrucksvoll aber ist sein fast manisch wirkender Monolog über den Aufstieg, der zum bedeutungsschweren Voice Over wird, allemal.

Missing Limbs

Bei Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gwendoline Christie) läuft unterdessen weiterhin die Vereinte-Front-Show. Wie zuvor gegen ihre Entführer bilden sie nun ein Team gegen Roose Bolton (Michael McElhatton), der sich des Werts des Kingslayers bewusst ist und sich deshalb wesentlich geschickter anstellt als seine Gefolgsleute. Was für ihn zählt, ist aber offensichtlich nicht das viele Geld der Lannisters oder die Loyalität zu den Starks. Im Endeffekt möchte der Herr der Dreadfort sich mit den Löwen gut stellen und so eine Absicherung für den Fall haben, dass Robb den Krieg verliert. Denn dass es für diesen momentan eher mies läuft, dürfte Bolton mitbekommen haben.

Das Zusammenspiel zwischen Jaime und Brienne ist diesmal zur Abwechslung nicht verbaler oder kämpferischer Natur, sondern liegt in Kleinigkeiten. Wie Jaime mit seinem Fleisch kämpft, ist ziemlich komisch, aber auch Mitleid erregend. Kein Wunder also, dass Brienne ihm bald mit ihrer Gabel behilflich ist. Als die Lady of Tarth schließlich ihr Messer zückt, hält Jaime sie wie selbstverständlich mit der Hand zurück. Tafelbesteck: Instrumente der Harmonie. Tatsächlich besteht Jaime auch noch auf Brienne als Begleitung, nachdem er längst von seinem Gegenüber bekommen hat, was er wollte. Er braucht Brienne nicht mehr, doch offenbar ist sie ihm inzwischen so ans Herz gewachsen, dass er sie nicht Bolton überlassen will.

Dieser weiß allerdings genau, dass er in dieser Situation die Oberhand hat, und da endet Jaimes Einfluss auf seinen Gastgeber. Sein betroffenes Schweigen gleicht dem Eingeständnis einer Niederlage. Denn wie ihm schmerzlich wieder ins Bewusstsein gerufen wird: Als er sich das letzte Mal für Brienne stark gemacht hat, hat er seine Hand dafür eingebüßt. Eine weitere Hand scheint sie ihm nicht wert zu sein.

Anderswo wird Theon (Alfie Allen) mit einem lauten Tröten aus dem Schlaf gerissen. Da hat es sich mit dem Spaß aber auch schon wieder erledigt. Dass sein unbekannter „Retter“ (Iwan Rheon) eine gemeine Ader hat, zeigte sich bereits am Ende von And Now His Watch Is Ended. Das klingt nach seinem sadistischen Umgang mit Theon in dieser Episode jedoch wie die Untertreibung des Jahrhunderts. Der junge Mann vollführt eine 180-Grad-Wendung vom Helfer zum emotionalen und körperlichen Folterer, die sich gewaschen hat. Er hat so einen Spaß daran, seinen Gefangenen zu quälen, dass es fast obszön ist. Und er hat auch keine Hemmungen, diesen Spaß als einzige Motivation zuzugeben.

So interessant es auch ist, den Unbekannten bei seinem hämischen Spiel zu beobachten, die Szene dient nicht nur der Unterhaltung, sondern vermittelt auch auf sehr geschickte Art Informationen - oder eben nicht. Das Geheimnis um die Identität des Unbekannten ist inzwischen spannender als Theons Geschichte an sich. Zumindest nach dem Ausschlussverfahren kann man diese nun schon enger eingrenzen. Anscheinend handelt es sich bei ihm um einen Mann aus dem Norden, allerdings ist er weder ein Karstark, noch ein Umber, noch ein Glover. Wie dieses Mysterium in die Länge gezogen wird, ist fast wie Folter - aber wahnsinnig gut gemacht.

Auch dieses Mal liefern sowohl Allen als auch Rheon tolle Darbietungen ab. Theons Schreie, er solle ihm den Finger abschneiden, gehen einem auch nach mehrmaligem Schauen noch durch Mark und Bein, und die Mimik des Unbekannten sowie alles, was in seiner Stimme mitschwingt, sind ein wahres Freudenfest.

Where the Wildlings are

Die Geschichte um Jon (Kit Harington), Ygritte (Rose Leslie) und den wörtlichen Aspekt des Kletterns erhält in dieser Episode den Löwenanteil und sorgt auch für die eindeutigen Highlights. Das Erklimmen der Wall ist in jeder Hinsicht ein Erlebnis für den Zuschauer. Die Wall erscheint tatsächlich wie eine wahre Naturgewalt, ein Biest, das bezwungen werden muss. Dies kommt nicht allein durch die visuellen Effekte, die die Enormität der Wall atemberaubend darstellen, und die Geräuschlandschaft aus heulendem Wind und krachendem Eis zusammen. Auch die Leistung der Darsteller verleiht diesen Sequenzen eine Anspannung, die einem lange im Gedächtnis bleiben wird.

Während des Aufstiegs kommt tatsächlich für keine Sekunde Langeweile auf. Selbst mit dem Buchwissen im Hinterkopf ist die Angst um die Charaktere durchgehend präsent. Das panische Herzklopfen erreicht seinen Höhepunkt, als Jon und Ygritte in die Tiefe zu stürzen drohen. Hier zeigt sich ein Kontrast zwischen Jons Beziehung zu Tormund ( Kristofer Hivju) und der zu Orell (Mackenzie Crook). Während der Anführer der Gruppe zuvor gezeigt hatte, dass er Jon nun als Mitstreiter akzeptiert und nicht bereit ist, die beiden dem Tod zu überlassen, hat Orell keine solchen Skrupel. Die Spannungen zwischen dem Warg und Jon haben sich in den letzten Episoden bereits immer weiter hochgeschraubt, und an den Blicken zwischen ihnen zeigt sich bereits: hier bahnt sich eine unschöne Auseinandersetzung an.

Darüber hinaus verwendet The Climb auch gebührend Zeit darauf, die Beziehung zwischen Jon und Ygritte weiter zu führen. Zwischen den beiden herrscht nun eine so absolute Vertrautheit, dass er ihr gegenüber sogar zugibt, Angst zu haben. Vor einigen Episoden wäre ein solches Eingeständnis für ihn und seine Ehre noch undenkbar gewesen. Bei der offensichtlichen Zuneigung, die die beiden füreinander hegen und nun endlich offen zeigen, wird einem ganz warm ums Herz.

Die Wildling-Frau geht Jon offensichtlich unter die Haut. Er muss immer mehr mit sich ringen, was seine Loyalität betrifft. Dass er im Herzen noch immer eine Krähe ist, hat Ygritte selbstverständlich längst durchschaut und sie weiß auch, dass sie ihn niemals zum loyalen Wildling machen wird. Doch Loyalität zu ihr selbst als die Frau an seiner Seite fordert sie, weil sie weiß, dass sie so an ihn herankommt. Sein Versprechen an sie kommt so zögerlich, dass es fast wie unter körperlichen Schmerzen wirkt. Jon ist hin- und hergerissen, und wenn er sich schließlich für eine Seite entscheiden muss, wird dies alles andere als einfach für ihn.

Zum Abschluss serviert diese Episode wieder eine dieser herrlichen Szenen, die vollkommen wortlos ablaufen, aber dennoch sehr viel erzählen. Sie wollte schon ihr ganzes Leben lang die Welt von dort oben sehen, sagt Ygritte, und als das Paar endlich oben auf der Wall ankommt, kann sie das endlich. Sehr aussagekräftig ist die Tatsache, dass sie wie gebannt auf das Land starrt, das sie nun hinter sich gelassen hat, um daraufhin von Jon die andere Seite gezeigt zu bekommen. Der Blick Richtung Seven Kingdoms ist ungewohnt hoffnungsvoll. Und so endet die Episode mit einem Gefühl, dass vielleicht doch alles gut werden könnte. Wenn man es doch nur nicht besser wüsste...

Fazit

In The Climb sind einige Szenen dabei, die wohl nur dem Zweck dienten, dem Zuschauer in Erinnerung zu rufen, dass bestimmte Figuren auch noch existieren (beispielweise Sam und Bran). Zum größten Teil handelt es sich jedoch um eine kraftvolle Episode mit vielen einprägsamen Sequenzen, die die Handlung deutlich voran getrieben haben. So spitzt es sich langsam, wie es für die Serie typisch ist, an verschiedenen Fronten zu. In den nächsten Episoden kommen mit Sicherheit einige große Wendungen auf die Zuschauer zu.

Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 6. Mai 2013
Episode
Staffel 3, Episode 6
(Game of Thrones 3x06)
Deutscher Titel der Episode
Der Aufstieg
Titel der Episode im Original
The Climb
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. Mai 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 23. Juni 2013
Regisseur
Alik Sakharov

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?