Game of Thrones 3x07

Nothern Love
Mit The Bear and the Maiden Fair kehrt Game of Thrones genau dahin zurück, wo die vorherige Episode The Climb aufgehört hatte: bei den Wildlings, die sich inzwischen südlich der wall befinden. Handlungsmäßig passiert hier in dieser Woche nicht viel, es wird nur weitergewandert. Dafür sind die Szenen vollgeladen mit Zwischenmenschlichem.
Die Chemie zwischen Jon (Kit Harington) und Ygritte (Rose Leslie) ist nach wie vor schön anzusehen und macht einfach eine Menge Spaß. Die Dynamik zwischen den beiden entwickelt sich jedoch stetig weiter. Während Jon zuvor noch kaum mit der Rothaarigen mithalten konnte, wirken die beiden immer mehr wie Ebenbürtige. Vor allem die Verteilung des Wissens hat sich geändert. Ygritte wusste, wie es jenseits der wall läuft, doch nun sind sie in Jons Gebiet - sowohl geographisch als auch geistig -, denn er ist nun derjenige, der der ignoranten Ygritte die Welt erklärt. Zu Recht unterbricht Jon ihr unangebrachtes „You know nothing, Jon Snow“ einfach, denn die Zeit des unwissenden Schweigens ist vorbei.
Offenbar bricht hier etwas aus ihm heraus, das ihm schon länger auf der Seele brennt: die Befürchtung, dass die Wildlings bei ihrem Angriff auf die Seven Kingdoms alle ums Leben kommen werden. Noch immer zählt er sich selbst nicht dazu, doch dass ihm die möglichen Tode der anderen nahegehen, ist fast greifbar. Mehr denn je wird deutlich, wie hin und her gerissen die „Krähe“ tatsächlich ist.
Besonders um Tormund Giantsbane (Kristofer Hivju) wäre es sehr schade. Sexualkunde mit Onkel Tomund ist das komödische Highlight der Folge. Das einzige, was vielleicht noch lustiger sein könnte, ist die Tatsache, dass Jon gebannt zuhört. Einem Wildling würde Jon jedoch sicherlich nicht nachtrauern: Orell (Mackenzie Crook). Die bisher recht spannende Feindseligkeit zwischen den beiden, die sich immer weiter zuspitzt, wird nun jedoch auf simple Eifersucht reduziert. All das Misstrauen, all die Abneigung gegen Jon und es geht im Endeffekt doch nur um die Frau? Da hätte man sich eine weniger klischeehafte Motivation gewünscht.
Robb (Richard Madden) scheint unterdessen jegliche Ernsthaftigkeit verloren zu haben. Während Catelyn (Michelle Fairley) sich weiter Sorgen wegen Walder Frey und dessen Ego macht, scheint der king in the north all dies einfach hinter sich gelassen zu haben. Dass der stolze Lord Frey nicht bekommt, was er will, kann ihm nun wohl egal sein, denn er hat ja, was er wollte. Nämlich eine größere Truppe und vor allem Talisa (Oona Chaplin). Die Sexszene zwischen den beiden war nicht nur wegen der hübschen Beleuchtung eine Augenweide, wirkte jedoch überflüssig.
Das wirklich interessante an dieser Sequenz ist jedoch der Brief, den Talisa schreibt. Für etwas anscheinend so Nebensächliches liegt nämlich eine Menge Fokus darauf. Da sie in ihrer Muttersprache „Valyrian“ schreibt, kann auch die Nahaufnahme ihres Briefes nicht bestätigen oder entkräften, ob sie tatsächlich ihrer Mutter schreibt. Das Gefühl, dass Talisa etwas verheimlicht, schleicht sich an. Dieses Gefühl verleiht auch ihrer Offenbarung, sie sei schwanger, einen bitteren Beigeschmack. Sind all ihre Worte mit Vorsicht und Misstrauen zu genießen? Sollte dem so sein, würde sich nun auch die recht große Abweichung von der Romanvorlage erklären, was Robbs Heirat betrifft. Dies ist sicherlich eine Entwicklung, die man im Auge behalten sollte.
Southern Hatred
In King's Landing geht es weiter mit dem Sexualkundeunterricht, dieses Mal mit Margaery (Natalie Dormer). Sansa ist ob ihrer baldigen Vermählung mit Tyrion noch immer am Boden zerstört, doch ihre Freundin sieht das ganze positiv: Man hört, der imp sei gut im Bett! Dass Sansa erst jetzt begreift, dass sie mit Tyrion schlafen werden muss, ist jedoch trotz ihrer Naivität und Unschuld schwer zu glauben. Doch offenbar hatte die junge Lady Stark mehr ihrem Traum vom perfekten Märchenprinzen hinterhergetrauert, als sich Gedanken um die Zukunft zu machen. „I'm a stupid little girl with stupid dreams that never learns“, sagt sie und da widerspricht ihr nicht einmal Margaery - zu Recht.
Einen ähnlichen Vortrag über die Vorzüge der Heirat darf sich Tyrion (Peter Dinklage) von Bronn (Jerome Flynn) anhören. Eine amüsante Parallele, die zeigt, dass Sansa und Tyrion bereits mehr gemeinsam haben, als sie ahnen. Wirkliches Mitleid für Tyrion überkommt einen aber erst in seiner Konfrontation mit Shae (Sibel Kekilli). Diese scheint sich der schmerzvollen Symbolik der goldenen Ketten, die er ihr zur Beschwichtigung schenkt, durchaus bewusst. Tyrions aufrichtige Liebe zu Shae bricht einem fast das Herz, denn worum es Shae tatsächlich Leid tut, ist ihr Status, nicht er selbst.
Joffrey (Jack Gleeson) scheint sich in dieser Episode plötzlich wieder daran zu erinnern, dass er ja der König ist. Um einen eindrucksvollen Effekt bemüht, sitzt er auf dem Thron, als sein Großvater Tywin (Charles Dance) in den Raum stolziert. Dieser dominiert wie immer sowohl den Saal als auch die Szene. Wie er zu seinem Enkel hoch aufs Podest steigt und über ihm steht, hat etwas von einem Showdown aus einem Hollywoodfilm. Dazu tragen auch die Kameraeinstellungen ihr Übriges bei. Es zeigt sich, wer der tatsächliche Herrscher über die seven kingdoms ist - und das ist Tywin. Joffrey ist lediglich ein Maskottchen, eine Puppe, die die Herrschaft nach außen hin repräsentiert. Zu sagen hat er schon lange nichts mehr. Wer von den beiden jedoch das kleinere Übel ist, ist wohl Ansichtssache.
Zwischen den Trümmern von Blackwater Bay verlassen derweil Gendry (Joe Dempsie) und Melisandre (Carice van Houten) die Hauptstadt. Die Kulisse schlägt eine schöne Brücke zu den Geschehnissen der zweiten Staffel und erinnert an die Schlacht und deren Nachwehen. Wesentlich faszinierender als der Hintergrund ist jedoch, dass die rote Priesterin Gendry verrät, wer er wirklich ist. Was dies für die weitere Geschichte tatsächlich bedeutet, kann aber weder beim Zuschauer noch bei dem jungen Mann selbst richtig einsinken. Was hat Melisandre mit ihm vor?
Der Hass, den Arya (Maisie Williams) in sich trägt, scheint nun, wo sie Gendry verloren hat, seinen bisherigen Höhepunkt erreicht zu haben. Fast schon schaurig ist es, wie sie den Tod zu ihrem wahren Gott erklärt. Als sie bei ihrer Flucht vor der brotherhood ausgerechnet dem Hound (Rory McCann) in die Arme läuft, ist das angesichts ihrer finsteren Gefühle auf gewisse Weise sehr passend. Denn dieser ist selbst ein wandelndes Bündel aus Verachtung und Gewalttätigkeit.
Of Beasts and Men
Daenerys (Emilia Clarke) ist mit ihren Gefolgsleuten und ihrer Armee inzwischen vor der nächsten Sklavenstadt angekommen, die sie niedermachen möchte. Da Yunkai lediglich mit Bettsklaven handelt, bringt ihr die Übernahme der Stadt strategisch gar nichts, doch die Befreiung von Sklaven hat sie sich nun zur persönlichen Aufgabe gemacht.
Scheinbar hat die letzte Targaryen ihr großes Ziel aus den Augen verloren. Seit der ersten Staffel war es ihr Ziel, mit einer Armee nach Westeros zu segeln und die Macht an sich zu reißen. Diese Armee hat sie nun. Ihr wird genau das geboten, was ihr noch fehlt, nämlich Gold und Schiffe, doch diese lehnt sie ab. Ist ihr Westeros inzwischen doch egal oder glaubt sie, diese Schiffe durch die Übernahme sowieso in der Tasche zu haben?
Ihre außerordentliche Selbstsicherheit scheint letzteres anzudeuten. Das bettelnde Mädchen aus Qarth ist längst verschwunden, vor dem Sklavenhändler aus Yunkai sitzt eine entschlossene Königin, die mit ihren Drachen angibt und keine Kompromisse eingeht. Vielleicht ist sie jedoch zu sehr von sich selbst überzeugt... Man kann nur hoffen, dass ihr Übermut ihr nicht das Genick bricht.
Die Drachen geben in dieser Szene ein äußerst eindrucksvolles Bild ab. Die Animation von Drogon, Rhaegal und Viserion ist besonders in dem Moment, in dem sie sich um das Stück Fleisch schlagen, eine Freude. Je größe und wilder die „Kinder“ werden, desto spannender werden sie auch. Davon bitte mehr!
Der Titel The Bear and the Maiden Fair ist dieses Mal der Handlung um Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Brienne (Gwendoline Christie) gewidmet. Das beliebte Lied taucht auch in dieser Episode wieder als gegrölte Hymne auf und verleiht ihm so noch mehr den Zauber eines Sauflieds. Außerdem passt es ausgezeichnet zu der Szene, auf die sich Fans der Romane schon seit langem freuen. Das Warten hat sich gelohnt!
Die Verbundenheit zwischen den beiden ist schon beim Abschied so deutlich spürbar, dass sie fast wie eine dritte Person mit ihnen im Raum steht. Jaime fühlt sich sichtlich schlecht damit, seine Mitstreiterin einfach zurückzulassen, doch sie scheint es ihm nicht zu verübeln. Ihr letztes Zeichen des Respekts ist, dass sie ihn „Ser Jaime“ nennt. Wem es hier vor Rührung die Sprache verschlägt, befindet sich in bester Gesellschaft - dass Jaime wortlos geht, spricht Bände.
Das Vorurteil, man könne auf die Ehre des kingslayers nicht viel geben, wird Brienne nun endgültig ausgetrieben. Es ist nicht nur die Sorge um sie, die ihn zu ihrer Rettung eilen lässt, sondern auch das Schuldgefühl. Dass sie dort festgehalten wird, hat sie nämlich seiner Lüge mit den Saphiren zu verdanken. Bei der offensichtlichen Panik auf seinem Gesicht, als er sie dort unten sieht, wird einem ganz warm ums Herz. Zeit also für Prince Charming, sich waghalsig mit ihr in die Arena zu schmeißen, obwohl er mit seiner fehlenden Schwerthand noch weniger gegen den Bären ausrichten kann als Brienne selbst. Wie er mit nur einer Hand und einer schweren Verletzung die Wand hochklettern konnte, schreibt man einfach mal der Hollywood magic zu, denn dieses Detail tut der Wirkung der Szene keinen Abbruch.
Die Kampfeinstellungen mit dem Bären sind allesamt großartig und würzen die Episode mit einer Prise dringend benötigter Action. Angst um Brienne, geschocktes nach-Luft-Schnappen und mitfiebern sind hier kaum zu vermeiden.
Fazit
Die Handlung wird durch The Bear and the Maiden Fair, ganz im Gegensatz zu den vorherigen Episoden, nicht wesentlich vorangetrieben. Stattdessen setzt die Folge auf emotionale Weiterentwicklung unterschiedlicher Figuren und Beziehungen. In den verschiedenen Konstellationen wird Spannung aufgebaut (beispielsweise Jon und Orell, Tyrion und Shae), während andere gefestigt werden (siehe Jaime und Brienne, Jon und Ygritte). Dadurch werden die Grundsteine für die finalen Handlungsbögen der Staffel gelegt, die vermutlich ab der nächsten Episode ins Rollen kommen. Von einer Episode aus der Feder von George R. R. Martin persönlich hätte man aber mehr erwartet.
Verfasser: Riema Al-Khatib am Montag, 13. Mai 2013Game of Thrones 3x07 Trailer
(Game of Thrones 3x07)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x07
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