Game of Thrones 3x08

Game of Thrones 3x08

Hier kommt die Braut. In der Episode Second Sons läuten bei der Fantasy-Serie Game of Thrones die Hochzeitsglocken, doch sonderlich viel zu feiern gibt es nicht. Von zahmen Hunden und torkelnden Löwen.

Tyrion (Peter Dinklage) erwartet seine Braut. / (c) HBO
Tyrion (Peter Dinklage) erwartet seine Braut. / (c) HBO

Coming Home

Das Ende naht. Das macht die neue Episode von Game of Thrones, Second Sons, mehr als deutlich. Während die letzten Episoden eher von emotional tragenden Szenen geprägt waren, schreitet nun die Handlung wieder voran.

Arya (Maisie Williams), deren Schicksal am Ende von The Bear and the Maiden Fair sehr ungewiss und finster wirkte, findet sich nun in einer überraschend entspannten Lage wieder. Der sonst so furchteinflößende Hound (Rory McCann) ist enttäuschend zahm, ja sogar nett zu der jungen Stark, während sie selbst uncharakteristisch schmollt. Eigentlich schade, denn diese beiden hasserfüllten und unverblümten Figuren wären in einer Auseinandersetzung sicherlich sehr unterhaltsam.

Die Hoffnung, die bei der Aussicht auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie über Aryas Gesicht huscht, ist allerdings Herz erwärmend und erinnert sehr an Sansa. Doch wenn man aus Sansas Geschichte aus enttäuschten Hoffnungen etwas mitnehmen konnte, dann wohl, dass man sich nicht zu früh freuen sollte.

Diesen Rat sollte vermutlich auch Gendry (Joe Dempsie) beherzigen. Dieser legt Melisandre (Carice van Houten) gegenüber zunächst zwar ein gesundes Misstrauen an den Tag. Das scheint aber sofort zu verfliegen, als sie sich auszieht. Man spielt hier mit den Erwartungen der Zuschauer. Melisandres Ansprache über das zu schlachtende Lamm ließ keine Zweifel darüber, was mit Gendry geschehen soll. In Anlehnung an eine Sequenz aus der zweiten Staffel, in der Melisandre unbeschadet vergifteten Wein trinkt, während ihr Gegenüber ums Leben kommt, fürchtet man um das Leben des jungen Bastards. Auch die Sexszene ist ein Echo der vorherigen Staffel, in der die rote Priesterin mit Stannis ein Monster schuf. Doch all dies scheint den Zuschauer nur an der Nase herumzuführen.

Es handelt sich um eine zugegebenermaßen sehr heiße Sexszene, die aber für die Handlung wieder einmal unnötig erscheint. Dass Melisandre keinen anderen Weg finden konnte, um Gendry zu fesseln und an sein Blut zu kommen, ist sehr unwahrscheinlich. Was nun aber mit den von Stannis (Stephen Dillane) mit diesem Blut „verfluchten“ Königen Robb Stark, Balon Greyjoy und Joffrey Baratheon passieren wird, dürfte interessant werden.

Die beste Szene dieses Handlungsstrangs ist aber sicherlich die zwischen Stannis und Davos (Liam Cunningham). Die Unterhaltung zeichnet Stannis mehr denn je als eiskalten, emotionslosen Mann. Dies hatte sich bereits bei der Begegnung mit Gendry gezeigt, bei der er seinen Neffen wie ein Rennpferd begutachtete. Davos steht ihm währenddessen als Stimme der Vernunft und des Gewissens gegenüber. Eine starke Szene, die für die verloren gegangene Dynamik zwischen den beiden entscheidend ist.

Dragons of flesh and glass

Daenerys kommt derweil ihrem Ziel, Yunkai zu erobern, einen Schritt näher, als die Söldnerarmee Second Sons sich ihr anschließt. Damit verbunden ist wieder einmal verbales Kräftemessen mit einem Mann, der sie unterschätzt. Dies bringt nicht viel Neues, der Titan's Bastard (Mark Killeen) ist aber ein erfrischend ekeliger Typ, der diesem sonst eher trockenen Handlungsstrang etwas Würze verleiht.

Der Fokus scheint aber tatsächlich gar nicht auf diesem zu liegen, sondern vielmehr auf der Einführung eines neuen Charakters: Daario Naharis ( Ed Skrein). Die Blicke, die zwischen ihm und Danaerys ausgetauscht werden, sind kaum misszuverstehen, und die junge Targaryen ist sichtlich angetan von dem arroganten Söldner. Ihr Gespräch mit Missandei (Nathalie Emmanuel) ruft dem Zuschauer in Erinnerung, was seit Beginn der dritten Staffel etwas untergegangen ist: Dany ist eine junge Frau und, seit ihr Mann gestorben ist, allein.

Da platzt Daario gerade richtig herein, um ihr seine Dienste anzubieten. Wie Daenerys sich schamlos vor ihm aus der Badewanne erhebt, ist zur Abwechslung mal keine vollkommen unnötige Nacktheit, sondern recht bedeutungsträchtig. Die mother of dragons ist absolut furchtlos und selbstbewusst, selbst vor einem so dreisten Mann wie Daario. Selbstverständlich dürfte sie aber auch seine anerkennenden Blicke genießen. Von solchen Momenten zwischen den beiden wird es in den kommenden Episoden bestimmt noch einige zu sehen geben, allerdings wäre in Zukunft etwas mehr Chemie wünschenswert.

Hier haben sich die Macher wieder einige Freiheiten von der Romanvorlage erlaubt, die aber durchaus sinnvoll sind. Die Zusammenfassung der vielen Söldnerarmeen beugt zu großer Verwirrung vor und lässt nicht ganz so essenzielle Subplots außen vor. Schade ist lediglich, dass Daario im Gegensatz zur Vorlage nicht ganz so exzentrisch und unvergesslich ist.

Nördlich der Wall schlägt nun nach fast drei Staffeln voller Peinlichkeiten und Feigheit endlich Sams (John Bradley) große Stunde. Die Unterhaltung mit Gilly (Hannah Murray) ist lediglich eine Wiederholung dessen, was wir bereits kennen: Sam brabbelt unbeholfen vor sich hin. Doch mit der Ankunft des White Walkers folgt der längst überfällige Moment, in dem Sam - und auch Bradley - zeigen kann, was in ihm steckt. Beim Übergang von Angst in verzweifelten Mut kann man tatsächlich mal mit ihm mitfiebern, statt sich immer nur fremdschämen zu müssen. Aber: Warum nur hat Sam dann einfach die rettende Klinge liegen lassen?

Auch die Atmosphäre dieser Szene kann sich durchaus sehen lassen. Das gruselige Geschrei der Krähen taucht sie direkt in eine Aura des Grauens, aber auch des Unnatürlichen. Der White Walker wirkt an sich leider nicht wirklich bedrohlich genug, die restliche Aufmachung der Sequenz kann dies aber ausgleichen. Wie der Körper des Wesens sich in Eis verwandelt, reißt und schließlich in viele Teile zerspringt, sieht einfach nur cool aus. Erneut gute Arbeit der für die Spezialeffekte Verantwortlichen von Pixomondo.

Hate is in the air

Der „frohe“ Tag ist endlich da: Tyrion (Peter Dinklage) und Sansa (Sophie Turner) heiraten! Allerdings wird einem dies erst wirklich klar, als Sansa dann in die Great Sept of Baelor tritt. Die Szenen zuvor hätten auch an irgendeinem willkürlichen Tag stattfinden können. Aber dadurch zeichnet sich eigentlich die ganze Handlung um diese Hochzeit aus: Alles ist vollkommen „unhochzeitig“. Weder Sansas Vorbereitung noch die Zeremonie selbst lösen die üblichen Gefühle aus, die mit „dem schönsten Tag im Leben“ einhergehen. Es ist alles trist und bedrückend, Sansas Angst hängt wie Nebel in der Luft. Das Mitleid will sich wirklich kaum in Grenzen halten, als ausgerechnet der schadenfrohe Joffrey (Jack Gleeson) sie zum Altar führt und sie sich schließlich hinknien muss, damit Tyrion ihr unter Gelächter den zeremoniellen Umhang anlegen kann. Eine auch durch die Kameraführung und zurückhaltende Musik sehr unangenehme Szene, die man aber gerne noch etwas schmerzvoller hätte gestalten können.

Eins wird nie langweilig: Cersei zeigt sich in dieser Episode wieder einmal als herrliche Giftspritze. Ihr gehässiges „nobody cares“, das sie ihrem künftigen Ehemann Loras (Finn Jones) entgegen schleudert, bietet einen der größten Lacher. Beim Gespräch mit Margaery (Natalie Dormer) darf der Zuschauer jedoch nicht nur ihre Scharfzüngigkeit bewundern, sondern auch noch etwas lernen: die Geschichte hinter dem Lied The Rains of Castamere. Nicht nur eine interessante Drohung, sondern für Buchkenner auch eine geschickte Form von foreshadowing.

Das absolute Highlight der Folge kommt wieder einmal aus der Ecke Dinklage. Ohne seine absolut brillante Darstellung des betrunkenen Tyrions würde das Ganze wesentlich weniger hermachen. Ihm zuzusehen ist eine wahre Freude. Natürlich ist das aber nicht nur zur Belustigung gedacht. Vielmehr tragen seine unvorsichtigen Äußerungen im besoffenen Zustand sehr wesentlich zum Spannungsaufbau bei. Denn die immer feindseliger werdenden Begegnungen mit Joffrey und Tywin (Charles Dance) sind wie eine tickende Bombe. Noch konnte eine Auseinandersetzung geschlichtet werden, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Situation eskaliert.

Fazit

Second Sons ist eine Episode, in der man sich auf einige wenige Handlungsstränge konzentriert, statt wie in einigen anderen Folgen dieser Staffel viele Geschichten parallel zu führen. Dies bietet natürlich die Möglichkeit, diese wenigen ausführlicher auszubauen, allerdings fehlen einige Figuren merklich. Das Fehlen einiger Sympathieträger wie Jon, Jaime und Brienne ist schade, lässt sich aber wohl dadurch erklären, dass man sich deren weitere Entwicklung für die großartiger angelegten letzten Episoden der Staffeln aufsparen will. Wie in den vorangehenden Staffeln sind spektakuläre Ereignisse in der neunten Episode The Rains of Castamere zu erwarten. Diese achte Episode lässt sich durchaus als Ruhe vor dem Sturm bezeichnen, denn während sie den Plot für einige Figuren vorantreibt, vermag sie es nicht, befriedigend zu fesseln und emotional mitzureißen.

Aufgrund des Memorial Days wird am kommenden Sonntag, dem 26. Mai, keine Episode ausgestrahlt. Game of Thrones kehrt dann eine Woche später, am 2. Juni auf HBO zurück.

Verfasser: Riema Al-Khatib am Mittwoch, 22. Mai 2013
Episode
Staffel 3, Episode 8
(Game of Thrones 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Die Zweitgeborenen
Titel der Episode im Original
Second Sons
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. Mai 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 7. Juli 2013
Regisseur
Michelle MacLaren

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 3x08

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